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8. APRIL 2020 – Mittwoch

08.04.2020 | Tageskommentar

 

Entspannung in Sicht? Für den Handel vielleicht. Kunst und Kultur haben sich hinten einzureihen

Sind Lockerungen möglich? Einerseits patroulliert die Polizei in den Fußgängerzonen und treibt die Menschen auseinander (kaum ist die Polizei weg, kriechen diese ja sowieso wieder zusammen), anderseits sollen in den Theater Kuss- und sogar intimere Szenen geprobt werden. Geprobt muss aber werden, sonst kann sogar die Staatsoper ihren noch nicht bekannten Spielplan für September (!) über den Haufen werfen und womöglich mit einer Serie von Solistenkonzerten eröffnen!

Aber  auch die bereits viel früher anberaumten Sommerfestivals, teils sogar im Freien –  können nur stattfinden, wenn rechtzeitig Proben möglich sind. Eine andere Frage ist, ob in Museen einzelne Räume geöffnet werden können. Das soll sich rechnen! Seit wann? Das sind ja ganz neue Töne!

Gerade kleinere Festivals, darunter das gar nicht so kleine Klosterneuburg-Festival, aber auch Kittsee, Kirchstetten und viele andere, haben noch nicht aufgegeben!

Derzeit finden Gespräche mit verschiedenen Kulturinstitutionen und dem Gesundheitsministerium statt, um zu klären, was Künstler ab Ende April hinter den Kulissen tun könnten, „damit sie dann ab Juli wieder groß auftreten können“.  Das betrifft eben diese Proben. Wird der Amtsarzt neben dem Regisseur Platz nehmen? Bekommen die Vernaderer die Chance zur späten Rache? Es wird nicht angenehm!

Ein Tipp von Leser Erwin W.:

Bitte einmal anzudenken, konzertante od. halbszenische Aufführungen zu machen. Braucht keine langen Proben und über die Inszenierungen, schweineteuer, möchte ich beredt schweigen.

Österreich
Kultur-Stillstand : Lunacek prüft „langsame Lockerungen“ im Kulturbereich
Was geht hinter den Kulissen? Über Ostern soll geklärt werden, ob vor Ende Juni Proben stattfinden können. Und einzelne Museumsräume könnten geöffnet werden.
Die Presse

Die Landestheater trifft Zwangssaisonende hart
https://oesterreich.orf.at/stories/3042919/

SOMMERFESTIVAL KITTSEE GIBT NICHT AUF UND WILL SPIELEN!

 

Sommerfestival Kittsee

KLASSIK-FESTIVAL SCHLOSS KIRCHSTETTEN

Viele fragen sich wahrscheinlich gerade: „Wie steht es um die heurige Opernproduktion, wie um die Konzerte? Was ist mit dem heurigen Festival? …“
Grundsätzlich sind wir gut im Zeitplan, aktuell laufen unsere Festival-Detailplanungen.

Der Kartenvorverkauf lief bis Mitte März hervorragend. 30.000 Stück Festival-Programme liegen fix fertig gedruckt zur Verteilung in unserem Lager….

Bitte lesen Sie dazu die Informationen auf der Homepage!

Der Heft-Merker kann seine April-Ausgabe fertigstellen und versenden!

 

Den totalen Stillstand, der Menschen krank machen kann, den gibt es zum Glück denn doch nicht.

WIESBADEN: Absage Internationale Maifestspiele 2020

 

 Der Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden hat am 7. April 2020 beschlossen die Internationalen Maifestspiele 2020 wegen der Corona-Pandemie abzusagen.
Das Hessische Staatstheater Wiesbaden plant zum nächstmöglichen Zeitpunkt ein »Maifestspiel-Special 2020« durchzuführen und hofft, nach dem 20. April 2020 mitteilen zu können, wann der Proben- und Vorstellungsbetrieb und wann das »Maifestspiel-Special« stattfinden können.

„Konzertgänger in Berlin“
Wehe, Walhall in Quarantäne-Qualen (1)
Zurück vom Ring!, rief das verfluchte Covid-19, und also gehen die diesjährigen Bayreuther Festspiele den Rheinfall hinunter. Das muss wohl so sein, alles andere wäre unverantwortlich. Da es also im Sommer nichts über einen neuen Ring des Nibelungen zu schreiben geben wird, veröffentliche ich hier noch einmal meinen Zeitungsbericht über die Festspiele 2019 mit dem neuen Tannhäuser. Mein Bericht von 2018 über Lohengrin folgt dann in ein paar Tagen. Bleiben Sie gesund und munter!
https://hundert11.net/wehe1/

Unser „Konzertgänger in Berlin“ kann Bayreuth für heuer vergessen. Er wärmt nun in seiner Verzweiflung die Vorjahrsrezensionen auf. Ideen wie etwa Rezensionen alter Streams wurden bei uns vorerst verworfen, aber das war zu einem Zeitpunkt, als uns Hoffnung auf einen Theaterstart nach Ostern gemacht wurde. Ich bin noch immer gegen diese Idee – aber die Zeit arbeitet eindeutig gegen mich!

YOUTUBE-BESPRECHUNG: CAVALLERIA RUSTICANA aus 1940

In diese Richtung geht auch der jüngste Beitrag von Thomas Prochazka. Ausweiten möchte ich diese Schiene freilich derzeit noch nicht!

 

Im April 1940 fand sich eine illustre Sängerriege zusammen, um gemeinsam mit dem Chor und dem Orchester des Teatro alla Scala, Milano, Pietro Mascagnis größten Opernerfolg einzuspielen. Der Komponist, 77 Jahre alt, dirigierte selbst.
So verfügen wir heute über ein Tondokument, daß uns Aufschluß über des Schöpfers Absichten gibt, bezüglich der Wahl der Tempi, der Dynamik…Eines vorweg: Diese, in ihrer Gesamtheit auf Youtube verfügbare Cavalleria rusticana ist mit ihren knapp 83 Minuten Spieldauer die langsamste, mir bekannte Einspielung. Allerdings eine, die ich nicht mehr missen möchte…

…Diese Einspielung, einst beim Label EMI auch auf CD erschienen, wäre es wert, wieder aufgelegt zu werden. Als Zeitdokument; und als Erinnerung daran, was uns Oper sein kann.
Buona Pasqua!

http://www.dermerker.com/index.cfm?objectid=B9EA4F20-7832-11EA-906A005056A64872

Heute Stream aus der Metropolitan Opera: LA FANCIULLA DEL WEST

Foto aus der Uraufführung 1910 mit Enrico Caruso. Foto: Archiv Metopera

www.metopera.org

Deborah Voigt, Marcello Giordani, and Lucio Gallo, conducted by Nicola Luisotti.(2011)

10 Fragen an die Sopranistin Sara Jakubiak:
„Ich hoffe, das Corona-Virus wird ein großer Weckruf für uns alle sein“…

„Oper zu singen ist wie ein Sport. Man muss mit Gesangsübungen und Rollen trainieren. Es hilft dabei, wenn man auch ins Fitnessstudio geht!“
Sara Jakubiak ist polnischer und deutscher Abstammung und stammt ursprünglich aus Bay City in Michigan, USA. Während ihrer Karriere als Softballspielerin, die sogar zwei Staatsmeisterschaften in den USA gewann, war noch nicht absehbar, dass sie einmal als Opernsängerin die Bühnen dieser Welt erobern würde.
Ingo Luther korrespondierte für klassik-begeistert.de mit Sara Jakubiak, die sich aktuell in New York City aufhält
Klassik-begeistert

Jeder sieht natürlich im Weckruf etwas anderes, etwas, das ihm gerade ins Konzept passt. Die angebliche Einigkeit, dieses Zusammenrücken, findet in Wahrheit nicht statt. Und dazu trägt auch die Politik bei!

Dass wir die Maßnahmen der Regierung, ob nun notwendig, überzogen oder auch nicht, selbst finanzieren müssen, war uns hoffentlich von Anfang an klar. „Die Regierung“ zahlt gar nichts, die lässt sich gut entlohnen. Zwar ist deren Salär im Vergleich zu den Pop- und Tennisstars eher mickrig – aber krisensicher. Herr Thiem und Co. verdienen derzeit nichts bzw. müssen von den Werbeeinnahmen ein bescheidenes Dasein fristen! Und auch die Vorstandsmitglieder großer Konzerne nehmen für die Gage des Bundeskanzlers nicht einmal einen Kugelschreiber in die Hand!

Manchen Politikern ist dagegen sogar das Regierungsprogramm „powidel“ – und so sieht der Vizekanzler jetzt die große Chance, die Erhöhung der Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer sozusagen durch die Hintertüre durchzusetzen. So werden Menschen gegeneinander ausgespielt (erstens gibt es eine satte Erbschaftssteuer, zweitens ist das Erbgut bereits mehrfach versteuert) – aber er spekuliert mit der Ausnahmesituation und hofft auf Rückenwind durch die Bevölkerung. Davon steht nichts im Regierungsprogramm – aber wir haben ja „Ausnahmesituation“. Nun ist der Kanzler gefragt.

Mit meinem „gesunden Menschenverstand“ fällt mir dazu Folgendes ein: „Wenn Ihr kein Geld habt, dann macht keine Versprechungen und lässt Euch nicht deswegen feiern!

Kogler will nach „Corona-Schock“ eine Erbschaftssteuer
Zur „gerechten Krisenfinanzierung“ fordert der grüne Vizekanzler einen „rigorosen Beitrag von Millionen- und Milliardenerben“. Koalitionspartner ÖVP lehnt das aber ab. Die FPÖ ebenso.
Kurier

Coronakrise: Kogler fordert Erbschaftssteuer, ÖVP dagegen
Vizekanzler will Krise mit Beitrag von „Millionen- und Milliarden-Erben“ bewältigen, der Koalitionspartner nicht
Der Standard

Dieser politische Hick-Hack macht aber anderseits Hoffnung auf Licht am Ende des Dunkels – wenn uns die politische Realität wieder hat, dann wohl auch bald die Realität insgesamt!

ORF : „Mr. Song Contest proudly presents – Der ‚kleine‘ Song Contest“ am 14., 16. und 18. April in ORF 1

Auch online und im ORF TELETEXT =

Wien (OTS) – 41 Acts aus 41 Ländern – ORF 1 bietet am 14., 16. und 18. April 2020 jeweils um 20.15 Uhr allen Acts des ESC 2020 die große TV-Bühne. Bei „Mr. Song Contest proudly presents – Der ‚kleine‘ Song Contest“ präsentiert Andi Knoll die offiziellen Videos der Eurovision-Künstlerinnen und -Künstler – Jury- und Publikumsvoting inklusive.

Der „kleine“ Song Contest online und im ORF TELETEXT:

Song-Contest-Fans können selbstverständlich auch bei Andi Knolls „Der kleine Song Contest“ via Teletwitter live mitkommentieren, denn der ORF TELETEXT bietet wieder sein bereits bewährtes Service: Auf Twitter (Hashtag #ESCORF) gepostete Kommentare können optional während der Sendungen am Fernsehgerät eingeblendet werden. Die von der Teletext-Redaktion ausgewählten Tweets – zum Beispiel besonders witzige oder originelle – können über Seite 780 am unteren Bildschirmrand – ähnlich wie Untertitel – aufgerufen werden. Fans können dann gleichzeitig die Sendung weiter mitverfolgen und die Tweets lesen. Auf ORF-TELETEXT-Seite 781 gibt es genaue Erläuterungen zum Teletwitter-Service.

Jedes Land macht seinen eigenen Song-Contest, wir Österreicher brauchen dazu nicht Stefan Raab. Der soll seinen eigenen Schnulzen-Contest durchziehen! Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden!

Niederösterreich: Festspiele Reichenau verschieben Programm auf 2021
Karteninhaber sollen so rasch wie möglich schriftlich verständigt werden.
Wiener Zeitung

Offener Brief „Berlin droht massives Theatersterben“
Die Berliner Privattheater fordern in einem Offenen Brief schnelle Hilfsmaßnahmen. Sonst stehen sie vor dem baldigen Aus, warnen die Bühnen.
Tagesspiegel

Insolvenz: Coronakrise bringt Kinozeitschrift „Skip“ die Pleite
Es ist keine Fortführung angestrebt und somit verlieren die Mitarbeiter ihre Jobs.
Wiener Zeitung

Wenn ich erst 40 wäre, würde ich nachstehende Zeilen nicht schreiben. So aber bin ich 73 und leite daher das Recht ab, diese Zahlen anzusprechen

Wohl auch, weil es niemand auszusprechen wagt. Ist das Risiko, durch Covid-19 zu sterben, ein zusätzliches Risiko ist, oder wäre der Großteil der Corona-Toten in diesem Lebensjahr ohnehin verstorben? Die Wissenschafter: „Wie viele Lebensjahre man (im Mittel) durch eine Covid-19 Infektion verliert, ist unbekannt. Da aber viele Schwerkranke mit bereits verkürzter Lebenserwartung betroffen sind, scheint es naheliegend, dass der zusätzliche Effekt auf die allgemeine Lebenserwartung geringer ausfallen wird, als es aus den Mortalitätsraten alleine ableitbar wäre.“

Österreichs Covid-19-Opfer sterben „altersgerecht“
Mehr als 240 Menschen sind bisher in Österreich an Covid-19 gestorben.
Tiroler Tageszeitung

Diese Statistik wird uns von der APA übermittelt, also nicht von einem „Experten oder auch nicht“, der in die Medien drängt. Ich habe schon einmal an dieser Stelle geschrieben: Durch die Maßnahmen werden im überwiegenden Teil der Fälle keine Menschenleben gerettet, sondern der Todeszeitpunkt oft nur geringfügig rückverlegt! Auch so müssen wir die Zahlen wie auch die Konsequenzen/ Folgeerscheinungen sehen. Als 73jähriger habe ich den Mut, der Wahrheit ins Auge zu blicken.

Warum Masken bei Billa jetzt gekauft werden müssen
Bei Hofer und Lidl sind sie (noch) gratis
Niederösterreichische Nachrichten

Das Schlußwort hat heute die Berlinerin Ursula Wiegand:

Österreich ist ein Schlaraffenland, und die Österreicher wissen das offenbar gar nicht! Gesichtsmasken vor dem Einkauf gratis beim Supermarkt oder für schlappe 1 Euro – aus deutscher oder Berliner Sicht sind das paradiesische Zustände, selbst ohne den laut Renate Wagner in Wien bereits verbreiteten „Corona-Chic“. Schon vor drei Wochen, als ich mal in der Apotheke 1 – 2 Masken für eventuelle Fälle kaufen wollte, waren alle ratzekahl weg. „Wir bekommen auch keine mehr, die Krankenhäuser haben Vorrang“, sagte eine der dortigen Fachkräfte. Bis heute gibt es keine und woanders auch nicht. Immerhin stehe ich auf der Warteliste. Vielleicht kriege ich nächsten Sommer eine, wenn sich das Virus hoffentlich zumindest bei uns verflüchtigt hat, falls es nicht über andere Länder nach Mitteleuropa zurück schwappt.

Die von der Berliner und der deutschen Bundesregierung bestellten Lieferungen wurden sogar zum Teil gekapert, sei es in Kenia oder in Banghok, angeblich im Auftrag der USA.  Im Internet werden nun Schutzmaterialien zu Höchstpreisen offeriert, so als wären sie mit Goldstaub beschichtet. Dieser offensichtliche Maskenmangel ist wohl der Grund, warum wir bisher beim Einkaufen sowie in Zügen und Bussen – so sie denn fahren – noch keine Masken tragen müssen. Sie würden uns selbst eh nicht schützen, nur die anderen vor unserem Frühjahrsschnupfen oder -husten bewahren, verkündeten die Virologen von Anfang an. Vermutlich ist das richtig, doch was hilft es uns, wenn die Regierungen dennoch das Maskentragen hierzulande generell anordnen? Andererseits wird nun verstärkt angeregt, selber welche zu basteln oder zu nähen. Die Anleitungen im Internet konkurrieren allmählich mit der zunehmenden Fülle diverser und oft sehr verlockender Streams.

Was tun? Schnell nach Österreich jetten oder per Bahn bzw. Auto hinreisen? Geht momentan bekanntlich nicht. Da kann ich also nur auf den Osterhasen hoffen. Wird der mich vielleicht freundlich überraschen und mir ein klitzekleines Päckchen mit einigen Masken schicken? Das wäre wirklich zu schön, um wahr zu sein. Viel sinnvoller als mit Bildern bedrucktes Toilettenpapier ist das sowieso. Diesbezüglich sind wir schon froh, wenn die schlichte weiße Variante gerade vorrätig ist. Denn eines ist sonnenklar: Klopapier ist für die meisten Menschen ebenfalls ein Kulturgut.

Ursula Wiegand   

Ich wünsche trotz meiner nicht euphorischen Schilderung der Lage einen schönen Tag

A.C.

 

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