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7 PSYCHOS

05.12.2012 | FILM/TV

Ab 7. Dezember 2012 in den österreichischen Kinos
7 PSYCHOS
Seven Psychopaths / GB /  2012
Regie und Drehbuch: Martin McDonagh
Mit: Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson, Tom Waits u.a

Der irischstämmige Dramatiker Martin McDonagh mit dem Händchen für bitterböse-schwarzen Humor ist besonders begabt. Das erweist er nicht nur als Stückschreiber, sondern bereits zum zweiten Mal als Filmemacher. Hat er in „Brügge sehen … und sterben?“ meisterlich mit Auftragskillern seinen Entsetzens-Scherz getrieben, so jagt er nun einen Hollywood-Autor, der nicht von ungefähr „Marty“ heißt (was an das „Martin“ seines Schöpfers erinnert) durch die Hölle des ganz normalen Alltags in der Filmstadt. Das kann sich nur zu einer einzigen Erkenntnis zuspitzen: Diese Welt ist voll von Psychopathen…

Des irischen Autors irischer Lieblingsdarsteller Colin Farrell ist wieder dabei, und er ist mit Abstand der Harmloseste in diesem Film, wenn er meint, ein Drehbuch schon irgendwie tricksen zu können, auch wenn ihm nichts einfällt. Den Titel hat er schon. Und Freund Billy schlägt die Psychopathen als Helden vor.

Drehbuch? Marty müsste sich ja nur in seiner Umgebung umsehen und käme aus den irrsten Verstrickungen irrster Typen nicht heraus. Darum geht es ja denn auch – und man kann sicher sein, dass auch Leute, die man anfangs in seiner Zuschauer-Unschuld für einigermaßen normal gehalten hätte, Abgründe sehen lassen, die nur einem wirklich über die Maßen gewitzten Autor einfallen können…

Wer sind die Leute, mit denen der vergleichsweise unschuldige und von Farrell mit großen, erstaunten Augen herrlich gespielte Marty konfrontiert wird? Sein Freund Billy (Sam Rockwell, den selbstverständlichen Wahnsinn im Blick) verdient seinen Lebensunterhalt, indem er Hunde stiehlt – und, wenn er sie den beglückten Besitzern zurückbringt, scheinbar widerstrebend hohen Finderlohn kassiert. Aber damit kann man natürlich an einen Falschen geraten: Ein Gangster wie Charlie (Woody Harrelson mit der irren Aura) mag zwar komplett kaltblütig sein, wenn es darum geht, Menschen umzunieten – aber bei seinem niedlichen Hündchen wird er butterweich. Beziehungsweise eisenhart, wenn er es zurück haben will.

Gefährlich ist das Leben auch für Hans (Christopher Walken kann gar nicht anders als schräg sein), der auch Hunde stiehlt, seine kranke Frau im Krankenhaus besucht und gleichfalls ins Fadenkreuz gerät. Und wenn Tom Waits erscheint und sein Serienmörder-Schicksal erzählt… Und wenn Olga Kurylenko zwar eine bildschöne Gangsterbraut ist, aber vor Unheil nicht gefeit… Und wenn dann noch immer wieder ein geheimnisvoller Quäker (Harry Dean Stanton) auftaucht…. dann verdichtet sich der allgemeine Psychopathen-Wahnsinn bis zu einem herrlich irren Showdown.

Damit kein Irrtum entsteht: Für einen Film wie diesen muss man auf derselben Wellenlänge liegen wie der Autor, sonst sieht man nur Blödsinn, bei dem jede Menge Blut vergossen wird. Wer allerdings die schauerliche Satire dahinter begreift und goutiert – der ist hier richtig. Selten wurde abseitiger Geschmack so herrlich bedient.

Renate Wagne

 

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