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7. MAI 2019 – Dienstag

07.05.2019 | Tageskommentar

HEUTE: Solistenkonzert mit KS Natalie Dessay und Philippe Cassard an der Wiener Staatsoper. Foto: Simon Fowler

Mit einem Solistenkonzert kehrt Publikumsliebling KS Natalie Dessay am Dienstag, 7. Mai  2019 (20.00 Uhr im Großen Haus) zurück auf die Staatsopernbühne. Gemeinsam mit ihrem Pianisten Philippe Cassard hat sie dieses Konzert unter ein Thema gestellt und eine Grundatmosphäre als Basis für das Programm genommen: Unter dem Titel „Âmes solitaires et coeurs amoureux“ | „Einsame Seelen und liebende Herzen“ werden u. a. Werke von Franz Schubert, Hugo Wolf, Vincenzo Bellini, Maurice Ravel, Claude Debussy und Léo Delibes präsentiert.

„Ich denke, ich bin eine Erzählerin. Aber anders als in der Oper, handelt es sich in einem Liederabend nicht um große dramatische Gemälde, die man vor den Zuschauern ausbreitet, sondern um kleine Geschichten, die man jedem einzelnen Hörer auf ganz persönliche Weise gewissermaßen ins Ohr raunt und in denen die Bedeutung des Wortes eine zentrale Funktion einnimmt. Mir schwebt ein schönes Bild vor: Ich sitze in einem vertrauten Kreis, rund um mich eine sehr kleine Gruppe von Personen, denen ich kostbare Dichtungen ans Herz lege. Und dieser intime Charakter ist vollkommen unabhängig von der Größe des Saales, da ich mich dem Publikum auf eigentümliche Art nahe fühle“ so KS Natalie Dessay im Vorfeld des Konzerts (im Interview mit Dr. Andreas Láng für das Staatsopernmagazin „Prolog“).

Karten für das Solistenkonzert von € 8,- bis € 65,- sind erhältlich an den Bundestheaterkassen sowie unter www.wiener-staatsoper.at

Berlin: „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ von Moritz Eggert. Gehen wir besser doch ins Kino?

Scott Hendricks inmitten einer Schar von Kindern. Foto: Monika Rittershaus

Erstmals hat Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, zusammen mit seinem Chefdramaturgen Ulrich Lenz ein Libretto verfasst, um aus dem legendären Film von Fritz Lang  „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von 1931 eine gleichnamige Oper zu formen und so seinem Haus durch dieses auch eigenhändig inszenierte Werk eine erste Uraufführung zu bescheren.  

Geglückt ist dieses Vorhaben nicht. Die Messlatte lag trotz aller Bemühungen zu hoch. Aber ist es überhaupt akzeptabel, diese leider wahre Geschichte über Kindesmissbrauch und Kindermord durch entsprechende Umgestaltung operntauglich zu machen und sie auf diese Weise aufzuwerten?

Da im Film der Mörder lange kein Wort spricht, aber ein Handlungspfaden gebraucht wurde,  singt der Unhold hier bekannte Kinder- und Volkslieder sowie einige vertonte Gedichte des 1896 in Berlin geborenen, deutsch-jüdischen Schriftstellers Walter Mehring, der angeblich zu einem bedeutenden Satiriker der Weimarer Republik avancierte.

Kindermissbrauch und Kindertötung sollten jedoch zumindest in einem Opernhaus ein Tabu sein. Eigentlich sollte es auch allen kalt über den Rücken laufen, wenn ein hübsch gekleidetes Mädelchen auf die (von Klaus Grünberg gestaltete) Bühne tritt und frohgemut verkündet: „Der Mörder singt jetzt das Lied „Häschen in der Grube“. Kosky hat das bei der Arbeit gemerkt. „Der unschuldige Text eines Kinderliedes aus seinem Mund – da wird einem ganz mulmig zumute.“ So zu lesen in einem im Programmheft abgedruckten Interview…

Zum Bericht von Ursula Wiegand

„Konzertgänger in Berlin“. Undeutlich: „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von Moritz Eggert an der Komischen Oper
Hoppla, ausgerechnet Berlin versaut dieser Tage die Statistik. Die besagt nämlich, dass die an deutschsprachigen Opernhäusern gespielten Werke durchschnittlich 139 Jahre alt sind. Das hat der Komponist Moritz Eggert einmal im Badblog der neuen musikzeitung vorgerechnet. Kurz nach der Uraufführung der vielleicht etwas gestrigen, aber halt ausnehmend schönen Oceane von Detlev Glanert an der Deutschen Oper (noch bis Ende Mai zu erleben) legt die Komische Oper nun mit Eggerts M – Eine Stadt sucht einen Mörder gleich noch was Neues vor. Nach einem der packendsten Werke der deutschen Filmgeschichte, dazu ein cooler Komponist, Libretto und Regie von Barrie Kosky: Da kann eigentlich nichts schiefgehen. Oder?
https://hundert11.net/undeutlich/
„M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ So inszeniert Barrie Kosky die Oper zum Film
Während es im Sprechtheater gang und gäbe ist, werden auf der Opernbühne Filmstoffe selten adaptiert
Berliner Zeitung
Komische Oper: Psychogramm eines Kinderschänders
Barrie Kosky bringt „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ auf die Bühne der Komischen Oper und vergreift sich.
Berliner Morgenpost
Kopfgeburtert mit Kaiserschnitt

Tagesspiegel
Musikalische Reise in den Kopf eines Mörders
Mit seiner Oper „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ beweist Moritz Eggert, dass moderne Oper nicht anstrengen muss und unterhalten kann. Maria Ossowksi war bei der Uraufführung in der Komischen Oper Berlin dabei.
BR-Klassik
Vielleicht sollten wir doch lieber ins Kino gehen
M als Oper
Die Welt.de

Wiener Staatsoper: MACBETH (5.5.): Solide

Tatiana Serjan (Lady). Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Die Dreier-Konstellation George Petean in der Titelpartie, Tatiana Serjan als Lady Macbeth und Ferruccio Furlanetto als Banquo ist dem Stammpublikum der Wiener Staatsoper bestens vertraut, prägte sie doch schon die Premiere der – dank des Bühnenbilds von Gary MacCann – noch immer hoffnungslos zubetoniert wirkenden Neuinszenierung von Christan Räth aus dem Jahr 2015. Soviel gleich vorweg: Die Rezeptionsgeschichte muss, auch fast fünf Jahre danach, nicht neu geschrieben werden.

Tatiana Serjan, die von vielen – im Sinne der Erwartungen des Komponisten, dem es bei dieser Figur weniger auf Schöngesang und vielmehr auf Ausdrucksstärke ankam – als ideale Lady Macbeth gehandelt wird, macht ihre Sache recht gut, auch wenn sie zunächst einen ziemlich suboptimalen Start hinlegt. Intonationsmäßig unsicher und mit verwaschenen Phrasierungen bleibt sie der Partie der ehrgeizzerfressenen, ihren Mann zu Mordtaten drängenden Gattin im ersten Akt Einiges schuldig. Mit dem Trinklied „Si colmi il calice“ kann sie dann einigermaßen Tritt fassen, doch erst ihre fulminant vorgeführte Schlafwandelszene im vierten Akt, mit der unter die Haut gehenden, irrlichternd vorgetragenen Arie „Una macchia è qui tuttora…“, kann sie ihre darstellerischen Fähigkeiten und das samtig-schöne Timbre ihres Soprans richtig ausspielen. Da sitzen auch die Koloraturen, und die Spitzentöne gelingen mühelos.

Etwas Anlaufzeit braucht an diesem Abend auch George Petean. Er ist ein solider Macbeth, der die Überforderung dieser Figur angesichts der mit Blut erkauften Königswürde glaubhaft verkörpert. In der Konfrontation mit dem Tod gewinnt er klar an Statur. Davon legt seine Arie „Pietà, rispetto, amore“ beredtes Zeugnis ab…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Wien/ Staatsoper: Überzeugender „Rigoletto“ und tenorales Missgeschick
http://www.operinwien.at/werkverz/verdi/arigol17.htm

Zürich: LA SONNAMBULA – konzertant

Pretty Yende. Foto: T+T Fotografie Toni Suter

Als Intendant Andreas Homoki vor Beginn auf das Konzertpodium trat, erklärte er, dass Pretty Yende erkältet sei, aber heute Abend trotzdem singen werde. Das tat sie denn auch, fing vorsichtig an und konnte sich dann im Laufe des Abends immer mehr freisingen. In Finale des ersten Aktes konnte sie schon die erwarteten hohen Töne wagen. Im zweiten Akt war sie „gut eingesungen“ und konnte so richtig loslegen. Und diese sympathische und aparte Sängerin, die sich natürlich und charmant gibt, wurde ihrem Ruf, der ihr vorausgeeilt war, bestens gerecht. Man fragte sich, wie singt die dann, wenn sie ganz gesund ist? Aber haben wir das nicht schon öfters erlebt, dass als indisponiert angesagte Sängerinnen und Sänger gerade dann wunderschön..,

Zum Bericht von John H. Mueller

Jan Krobot schreibt in seinem Bericht: …Die Technik erlaubte ihr in der grossen Schlussszene ein kaum je gehörtes Feuerwerk an Fiorituren und Spitzentönen. Ja, sie war auch zu hören, als sie dem Publikum den Rücken zudrehte… Ist die Nervosität einmal verflogen und etwas Routine gewonnen, die Gestaltung der Rolle mit mehr Emotion perfektioniert, wird sie zu den ersten Interpretinnen der Amina gehören. Ebenbürtiger Partner war ihr Lawrence Brownlee als Elvino. Einmal mehr vermochte er das Publikum mit seiner kraftvollen Stimme und hochmusikalischen Verzierungen in seinen Bann zu ziehen. Bass-Bariton Kyle Ketelsen begeisterte mit warmer, runder Stimme als Conte Rodolfo. Liliana Nikiteanu sang eine hervorragende Teresa und Sen Guo als Lisa begeisterte durch ihr engagiertes Spiel (soweit in einer konzertanten Aufführung davon sprechen kann) und unerwarteten Verzierungen in ihrer grossen Arie im zweiten Akt. Omer Kobiljak war der Notar und Ildo Song sang den Alessio (bei der Diktion des Italienischen ist noch Luft nach oben).

Eine Sternstunde des Belcanto!. Weitere Aufführungen: 09.05.2019, 12.05.2019.

Zum Bericht von Jan Krobot

Wien/ Kammeroper: CANDIDE : Eine verrückte (Medien)Welt
„Candide“, Kammeroper, 5.5.2019
Sonntagnachmittag in der Kammeroper: Während in der Stadt Rudel durchschwitzter Läufer nach dem „Wings for Life World Run“ in der kühlen Regenluft unter Alufolien Schutz suchen, eilt der Schreiber dieser Zeilen ebenfalls durch den Regen, um Leonard Bernsteins „Candide“ in der Fassung von 1974 zu erleben.

Aleksandra Szmyd, Johannes Bamberger, Tatjana Kuryatnikova. Ensemble. Copyright: Barbara Zeininger

http://www.operinwien.at/werkverz/bernstein/acandide.htm
Dominik Troger/ www.operinwien.at

Mannheim: „DON CARLO“ – WA 05.05.2019

Fand die szenische Kontroverse des Teams Jens-Daniel Herzog (Regie), Mathis Neidhardt (Bühne), Verena Polkowski (mit dem Bühnenbildner – Kostüme) zur Premiere anno 2013 beim Publikum wenig Gegenliebe, auch ich mied danach dieses absurde Panoptikum, lediglich die neue interessante Sänger-Riege lockte mich abermals zur WA des „Don Carlo“ (Giuseppe Verdi) als Privat-Besuch ins Nationaltheater.

Bis auf die Vertreter Philipp und Großinquisitor und wenige Nebenrollen hatten alle Künstler  ihre beachtlichen Rollen-Debüts und adelten die Aufführung  mit ihren hervorragenden Glanzleistungen zum gloriosen FOA, die späteren Gäste hierfür müssen sich „warm anziehen“ diesem Niveau standzuhalten…

Zum Bericht von Gerhard Hoffmann

Linz: Medea – Ein Opernmythos landet in der Sackgasse
Linzer Musiktheater. Der Versuch, Cherubinis „Medea“ in ein modernes Großraumbüro zu transferieren, scheiterte.
Die Presse

Wiener Staatsoper-Streams: Wir sammeln Rückmeldungen

Auf unsere Zeilen im Kommentar von gestern hat das Pressebüro reagiert – mit dem Hinweis auf die Zuständigkeit der Stream-Technik. Von dieser gibt es bisher keine Reaktion. Wir bleiben dran!

Grazer Oper bringt 2019/20 Raritäten und bewährte Hits
Eröffnung mit Verdis „Don Carlo“ und Stummfilm „Stadt ohne Juden“ mit Musik von Olga Neuwirth.
Die Grazer Oper spannt in der kommenden Saison einen weiten Bogen von Mozart bis zu Olga Neuwirth, dazwischen gibt es Bewährtes wie Verdis „Don Carlo“ und Mozarts „Don Giovanni“, aber auch Ausgefallenes wie Bizets „Perlenfischer“ und Humperdincks „Königskinder“. Das Ballett bringt Prokofjews „Cinderella“, und Chefdirigentin Oksana Lyniv verabschiedet sich mit einem Richard-Strauss-Konzert.
Wiener Zeitung

München/ Bayerische Staatsoper: Lise Davidsen in Wagners „Tannhäuser“
Münchner Abendzeitung

Deutsche Oper Berlin: ein problematischer Stephen Gould in einem problematischen Tannhäuser
Stephen Gould in der Titelrolle singt erratisch im Venusberg und energisch im Wartburg-Akt. Emma Bell stemmt den Abend als Rollendoppelpack (Venus und Elisabeth) und führt ihren reichen Sopran ins Feld. Ein Ausfall ist Dirigent Stefan Blunier, der Buhs einstecken muss. Simon Keenlyside gewinnt im Laufe des Abends als Wolfram Präsenz, der Landgraf von Ante Jerkunica gefällt mit strenger Würde und kernigem Ton. Die Inszenierung von Kirsten Harms hat Schwächen und Stärken. In dieser unausgeglichenen Vorstellung der Wagner-Tage an der Deutschen Oper hätte ein Generalmusikdirektor Runnicles am Pult sicherlich für mehr Konstanz gesorgt
https://konzertkritikopernkritikberlin.wordpress.com/2019/05/06

GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK 7. – 13. MAI 2019

9.5. GUSTAV VASA (aus Helsinki, Aufnahme v. 10.3.2018) BBC 3-15 Uhr
SIEGFRIED (Live aus New York) MET-Stream-23.55 Uhr
10.5. TURANDOT (Live aus Venedig) RAI 3-19 Uhr
11.5. DIALOGUES DES CARMILETES (Live aus New York) Bayern 4, HR 2, Deutschlandradio, RNE Classica Madrid-19 Uhr
DIE WALKÜRE (Live aus Neapel) RAI 3-19 Uhr
DIALOGUES DES CARMELITES (Live zeitvers. aus New York) ORF Ö1, BBC 3- 19.30 Uhr
12.5. LOHENGRIN (Live aus Nürnberg) Bayern 4-17 Uhr
LADY MACBETH VON MZENSK (aus Paris, Aufnahme v. 16.4.) France Musique-20 Uhr
DER FALL BABEL (aus Schwetzingen, Aufnahme v. 26.4.) SWR 2-20.03 Uhr

HEUTE IN WIEN/ ALTES RATHAUS/ BAROCKSAAL: Konzert des Pianisten Petar Klasan in Memoriam seines früh verstorbenen Lehrers Noel Flores.

Das Konzert findet am 7. Mai um 19 Uhr im Barocksaal des Alten Rathauses, 1010 Wien, Wipplingerstraße 8 statt.Auf dem Programm stehen Werke von Schubert, Chopin, Schumann und Flores

Eintritt € 25,– (für Studenten Eintritt frei)

 

HEUTE IN MÜNCHEN:

 

Filme der Woche:

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Houchang Allahyari ist ein fester Bestandteil der österreichischen Filmlandschaft. In der letzten Zeit hat er vor allem Dokumentarisches gezeigt – seine Eindrücke von einer Reise in seine ehemalige Heimat Iran, ein Porträt seiner verstorbenen Ex-Schwägerin Ute Bock. Nun gibt es wieder einen Spielfilm, und einen weidlich seltsamen dazu. Sehr auf „künstlerisch“ gepolt, in Schwarzweiß, vieles verschwimmend, absichtlich unscharf in Handlung und Machart. Mit dem Effekt, dass man am Ende alles andere als überzeugt ist von dem, was man in „Der Gast“ gesehen hat.

Der ursprüngliche Arbeitstitel lautete „Die Villa“, und der Luxus-Wohnbau der namentlich nicht genannten, sehr großbürgerlichen Familie ist ausführlich zu sehen.

Der Hausherr (Gregor Bloéb, vielschichtiger als sonst) wird als „Herr Staatssekretär“ angesprochen, ist ein hoher Politiker mit entsprechender Verhaltensglätte, der allerdings, wie man bald merkt, zwei wunde Punkte hat – seinen gelähmten Sohn (Empathie) und den Ausländer (der schwule Bedürfnisse in ihm weckt)…

Die Hausfrau (Karina Sarkissova, offenbar doch nicht nur Adabei-Reizname, sondern auch darstellerisch einsetzbar) ist eine ehemalige Primaballerina mit offenbar schweren nervlichen Störungen, die sich auch durch körperliche Lähmungen ausdrücken (Regisseur Allahyari selbst mimt den freundlichen Arzt, der versucht, ihren Beschwerden auf den Grund zu kommen). (In irgendwelchen Traumszenen oder Rückblicken darf sie auch zu dem Adagio aus Mahlers Fünfter tanzen, aber diese Assoziation mit Viscontis „Tod in Venedig“ scheint in diesem Zusammenhang – denkt man an die qualitativen Welten, die diese Filme trennen – geradezu obszön…)

Ich wünsche einen schönen Dienstag

A.C.

 

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