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7. JUNI 2020 – Sonntag

07.06.2020 | Tageskommentar

 

Wien: Abstandsregeln – wie sie für die Promis gelten – vor dem Musikverein. Drinnen unter den Besuchern walten die „Babyelefanten“, die bereits sogar gewaltig ausgewachsen sind. Zwischen diese Herrschaften passt aber nicher nicht einmal ein Baby-Elefant

Und so sieht es drinnen aus. Wir bieten mehrere Videos:

 

ZU INSTAGRAM mit mehreren Videos und Fotos

War das so gemeint? Exclusivkonzert für offensichtlich geladene Gäste? Der Herr links ist übrigens der Sole-Wirt, von dessen Lokal sich der Bundespräsident nicht losreissen konnte. Staatsoperndirektor Meyer genießt seine letzten Wiener Wochen im Amt, dabei steht er im Sold Mailands.

Musikverein: Das erste Nachcorona-Konzert mit Masken, Abstand, Musikglück
Die Wiener Philharmoniker und Daniel Barenboim eröffnten nach 88 Tagen das renommierte Haus wieder.
Kurier

Ellbogen-Grüße und Ohrenschmaus
Die Klassik-Bühnen haben am Freitag ihren Betrieb wieder aufgenommen.
Wiener Zeitung

 

 

Sind diese „Geisterkonzerte“ die Lösung? Ich hoffe nicht, obwohl ich glaube, dass die Promis ganz gerne unter sich bleiben. Früher wurden Hauskonzerte veranstaltet – auf Kosten des Einladenden und im Wohnzimmer, dass damals Salon geheissen hat. Heute steht dafür der Musikverein zur Verfügung, bezahlen tut es die Allgemeinheit, die mehr ober weniger ausgesperrt ist. Nein, ich bin kein Kommunist oder sonstiger linker Denker, aber so schamlos braucht man sich auch nicht auf ein Foto drängen – ohne Mundschutz als Provokation!

Wer außer einigen Forums-Aktivisten bei nimmt die Situation angesichts solcher Szenarien überhaupt noch ernst? Risikogruppler – bin auf wenige Ausnahmen (sonst klagen mich die Damen) – unter sich!

Morgen beginnen dann die Abschiedskonzerte unseres Operndirektors in ähnlich exclusiver Stimmung, nach dem letzten Konzert wird er dann wahrscheilich mit stehenden Ovationen verabschiedet werden – von 100 Anwesenden.

Diese Serie können Sie übrigens alle auf Stream verfolgen – sogar kostenlos. Corona macht’s möglich.

Nochmals zum Wiener Musikverein. Unsere Leserin Brigita Schwarz war dabei – mit regulär erworbener Karte

Foto: Brigita Schwarz

Anbei ein Foto vom Eröffnungskonzert im Musikverein. Ich habe meine Karte ganz regulär (natürlich sofort bei Beginn des Verkaufs für Musikvereins-Mitglieder) käuflich erworben. Im Parkett saßen tatsächlich vor allem (Ex-)PolitikerInnen, IntendantInnen, etc.  Wie das Verhältnis „Normalbürger“ und „Ehrengäste“ war, kann ich Ihnen natürlich nicht sagen.

Ich hatte offensichtlich großes Glück – die Stimmung war schon sehr besonders und das Konzert war wirklich bewegend!

Wenig stimmungsvoll geht es in München zu:

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Simon Rattle im Geisterkonzert
ir Simon Rattle dirigiert im Funkhaus das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: mit Werken von Mozart und Vaughan Williams
Münchner Abendzeitung

Jetzt wird es kurios. In Deutschland gibt es keine einheitliche Lösung
Die wiedererstandene Klassik: Das Wunder von Bochum
952 Zuhörer können, 225 dürfen und 152 kommen. Rudolf Buchbinder spielt nach dem Lockdown den ersten Klavierabend vor Publikum. Mit dabei: Ludwig van Beethovens riesige Diabelli-Variationen.
Sueddeutsche Zeitung

152 Besucher – und das bei Rudolf Buchbinder. Dabei hätten es 225 sein dürfen. Hoffentlich begleitet die Angst das Zielpublikum nicht durchs Leben.

Ich selbst war einmal Zeuge, als bei einem Liederabend die Eingangstüre offenbar zugenagelt war. Der gar nicht so unbekannte Sänger trat daraufhin vor sein spärlich erschienenes Publikum und konnte es sich offenbar finanziell leisten, den Liederabend abzusagen und die Besucher zum gegenüberliegenden Wirt einzuladen!

Hamburg/ Elbphilharmonie: Stille im Saal
Jahrelang hat Hamburg auf seine Elbphilharmonie gewartet. Jetzt steht sie leer, und niemand weiß, wie es dort weitergeht. Ein Besuch bei Intendant Christoph Lieben-Seutter, Hüter eines potenziellen Corona-Hotspots.
https://www.sueddeutsche.de/leben/reportage-stille-im-saal-1.4927017

Der Herr Lieben-Seutter ist ein Top-Manager, das steht außer Frage. Er  war schon lange für die Elbphilharmonie verantwortlich, trotzdem ging dort nichts weiter. Da damit der Bau gemeint ist, konnte Herr Lieben Seutter dafür nichts. Er hatte eben Pech.

Nun hat er das Pech mit Corona, der sündteure Konzertpalast steht praktisch leer und kostet riesige Summen zur Erhaltung. Auch dafür kann Herr Lieben-Seutter nichts. Er hat eben wiederum Pech!

 

Ich erinnere mich des Fußballtrainers Bela Guttmann (1899 – 1981). Der verlor bei einem italienischen Club mehrere Spiele hintereinander mit unglaublichem Pech. Auch er konnte nichts für die Niederlagen. Für den Club hatte er zu viel Pech, das man sich auf Dauer nicht leisten wollte. Also suchte man heimlich bereits einen Nachfolger. Der besichtigte das Stadion, fand plötzlich am Spielfeldrand ein vierblättriges Kleeblatt – und das Schicksal von Bela Guttmann war besiegelt!

Diese Geschichte fällt mir in Zusammenhang mit Pech spontan ein. Nein, Herrn Lieben Seutter betrifft das nicht. Der sitzt fest im Sattel. In Norddeutschland ist man nicht so abergläubisch wie in Italien!

Mögliche positive Folgen der Corona-Krise auf die Opernregie im Allgemeinen und die Wagner-Rezeption im Besonderen – Juni 2020

K. Billand, Autor

Einführung

Die Corona-Krise führte mit ihrer Auswirkung auf den Opernbetrieb – und auf den möchte ich mich hier konzentrieren – zu einer äußerst schmerzhaften kulturellen Enthaltung, deren Länge, de facto, noch nicht ganz absehbar ist und die fast alle Aufführungen seit über drei Monaten und nahezu alle Opernfestspiele des Sommers 2020 getroffen hat. Danach werden wir besser oder gar erst nach längerer Zeit wieder so richtig wissen, wie bedeutend die Kultur für unsere westliche Gesellschaft und ihre Ausprägung in der klassischen Musik ist. Das war vielleicht auch einmal überfällig – für mein Dafürhalten sogar tatsächlich. Es könnten durchaus auch positive Lehren bzw. Entwicklungen aus der Corona-Krise für die Opernregie im Allgemeinen und die Rezeption des Wagnerschen Werkes im Besonderen gewonnen werden…

…So könnte vielleicht auch das Licht mit seinen heute viel facettenreicheren Möglichkeiten ein wesentliches dramaturgisches Element in der künftigen Wagner-Rezeption werden. Man kann das beispielsweise beim neuen „Ring“ am der Finnischen Nationaloper Helsinki bewundern. Phänomenal gelingt dort die Goldgewinnung durch Alberich im „Rheingold“: Auf seiner Hand treffen sich durch einen technischen Trick grelle goldene Strahlen punktgenau wie die Hälfte eines Sterns – das Gold hat sich zu seinem Fluch auf die Liebe virtuell in seiner Hand eingefunden! Auch im 3. Bild gelingt eine überaus eindrucksvolle chiffrenartige Goldprojektion. Die meisten Bilder, besonders jene in den Zwischenspielen, werden durch den finnischen Lichtdesigner Mikki Kunttu schemenhaft verfremdet, was Assoziationen zwar ermöglicht, aber niemals zu eng werden lässt. Eine gelungene Video-Regie!

Finnische Nationaloper Helsinki, „Das Rheingold“, 1. Bild – Alberich „erzwingt“ das Gold durch Licht… Foto: Ralph Larman

Vielleicht ein Wink in eine Zukunft, in der auch wieder mit etwas mehr Ehrfurcht vor den Schöpfungen des Komponisten Wagner an seine Werkinterpretation herangegangen wird, bei gleichzeitiger Nutzung heute zur Verfügung stehender technischer Mittel, aber prinzipiell geleitet von der Werkaussage. Vielleicht, ja ich glaube es sogar, erleben wir dann auch wieder mehr ausverkaufte Häuser, und die Corona-Krise hätte auch eine positive Wirkung auf die künstlerisch-ästhetische Werk-Interpretation Richard Wagners gehabt.

Zur Meinung von Dr. Klaus Billand

Burgenland: Krisenfeste Kultur im Sommer Großveranstaltungen mussten heuer abgesagt werden – kleinere Events gibt es aber dennoch viele.
Einen Kultursommer wie seit Jahren gewohnt, wird es im Burgenland heuer nicht geben. Etablierte Großveranstaltungen, wie die Operettenfestspiele in Mörbisch oder die Oper im Steinbruch St. Margarethen, finden aufgrund der Corona-Pandemie nicht statt. Doch die Kulturschaffenden des Landes stellen gerade in dieser Zeit ihre Kreativität unter Beweis und haben eine Vielzahl kleinerer Events auf die Beine gestellt.
Kurier

Kittsee wird übrigens im August szenisch spielen. „Wiener Blut“ im Schlosspark. Wir werden berichten

Anna Netrebko & Jonas Kaufmann Headline Teatro San Carlo di Napoli’s 2020 Summer Edition – Opera Wire

 

Bühne frei trotz Corona! Bald beginnen die ersten Freilichtspiele, bei denen Schreien und Knutschen verboten ist
Obwohl der Bundesrat die Zuschauerkapazität auf 300 Personen erhöht hat, finden im Sommer nur wenige Open-Air-Aufführungen statt. Die Inszenierungen werden durch die Corona-Beschränkungen geprägt.
Neue Zürcher Zeitung

MARTINO HAMMERLE-BORTOLOTTI LÄDT NACH BRÜNN EIN (12.7.)

 

Da die Grenzen jetzt wieder offen sind, möchte ich sehr herzlich alle meine   Freunde und selbstverständlich auch Sie zu meinem Konzert im Stadtpark von Újezd  bei  Brünn  einladen.  Es  gibt  dort  Bänke zum Sitzen und die Abstandsregeln können eingehalten werden.

Auf   dem   Programm stehen die Siegerlieder vom Sanremo-Festival seit der Gründung im Jahre 1951 bis 1965. Es sind wunderschöne Lieder, einige sind natürlich Evergreens wie  Volare und Ciao, ciao bambina, aber es sind aber auch viele heute schon vergessene dabei.

Beginn: 17 Uhr

Dauer: 1 Stunde ohne Pause

Eintritt frei.

Konzert von Kent Nagano und dem Orchestre Philharmonique de Radio France wird auf ARTE Concert übertragen.

Mit Werken von Benjamin Britten, Richard Strauss und Arvo Pärt bietet das Konzert ein abwechslungsreiches Programm:

Britten: Fanfare pour trois trompettes
Pärt: Cantus in memoriam Benjamin Britten
Strauss: Sextuor de Capriccio
Pärt: Spiegel im Spiegel
Strauss: Métamorphoses
Orchestre Philharmonique de Radio France
Kent Nagano

Hier können Sie das Konzert auf ARTE Konzert live sehen. Das Konzert wird bis 15. Dezember 2020 verfügbar sein.

Das Konzert wird zudem auch France Musique übertragen, hier können Sie die Übertragung hören.

Der Schlauberger 3: Heute kocht bei uns Person A. Denn: Die Ehefrau ist weg!

Tritt den Sprachpanschern ordentlich auf die Füße! Gern auch unordentlich. Der Journalist und Sprachpurist Reinhard Berger wird unsere Kultur nicht retten, aber er hat einen Mordsspaß daran, „Wichtigtuer und Langweiler und Modesklaven vorzuführen“. Seine satirische Kolumne hat er „Der Schlauberger“ genannt.

Bald werde ich nach fast fünfzig Jahren keine Ehefrau mehr haben. Ehefrau und Ehemann sollen verschwinden. Aus der Steuererklärung. Wegen der Neutralität.
Und das geht so, wie das Bundesfinanzministerium in der „Rheinischen Post“ erklärt hat: Meine Ehefrau ist nicht mehr meine Ehefrau, sondern Person A. Und ich bin nicht mehr ihr Ehemann, sondern Person B. Oder umgekehrt. Endlich wird die jährliche Quälerei geschlechtsneutral.
von Reinhard Berger
Klassik-begeistert

Jetzt warte ich auf „Person A“, die sich in der Kirche befindet. In diese geht sie auch nach ihrem Abschied aus der Politik! Glaube statt Kalkül! Ich, also Person B, passe derweil auf die Enkel auf. Person C, also die Mutter der Kinder (die wohl Person D sind) arbeitet nämlich auch Sonntag. Dann fährt Person B  in die Redaktion, um für Sie den Montagskommentar vorzubereiten.

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

 

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