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7. DEZEMBER 2018

07.12.2018 | Tageskommentar

HEUTE AUF „ARTE“: ATTILA AUS MAILAND. Arte überträgt ab 21,45 h. Vorsicht/ Warnung: Anette Gerlach moderiert

Alexander Pereira nennt die Scala-Saisoneröffnung den „wichtigsten Opernabend des Jahres weltweit“. Nun, ein guter Verkäufer war er immer schon. Aber er hat Probleme in Mailand gerade mit dem „Verkauf“. Im Vorjahr wies die Scala 89 % Auslastung auf, dieses Jahr waren es nur 80 %.

Grund genug, Pereiras Vertragsverlängerung – ohnedies nur um zwei Jahre – in Frage zu stellen.

Scala-Aufsichtsrat ist uneins. Alexander Pereira will bis 2022 an der Spitze des Mailänder Opernhauses bleiben
Der Aufsichtsrat sei jedoch über eine Mandatsverlängerung uneinig, berichtete das Blatt. Pereira habe zwar neue Sponsoren gewonnen und der Umsatz des Theaters sei gestiegen. Die Platzauslastung sei unter Pereiras Leitung jedoch von 89 auf 80 Prozent gesunken, was laut Pereiras Gegner auch auf umstrittene künstlerische Beschlüsse des Intendanten zurückzuführen sei.
Kleine Zeitung

Saisoneröffnung Mailänder Scala mit „Attila“
Skandale von 1904 bis heute
Am Freitag eröffnet die Mailänder Scala ihre Saison mit einer Neuinszenierung von Verdis „Attila“. Dem Regisseur Davide Livermore wird nun Blasphemie vorgeworfen, weil in einer Szene eine Marienstatue zerstört wird. Das berühmteste Opernhaus Italiens hat damit wieder einmal einen Skandal zu melden.
https://www.br-klassik.de/themen/oper/mailaender-scala-skandale-100.html

Das kleine Einmaleins der Scala
Was Sie über das Mailänder Opernhaus wissen müssen
Das Teatro alla Scala in Mailand ist einer der legendärsten Operntempel der Welt. In Italien ist die Scala eine Art italienisches Nationaheiligtum. Die wichtigsten Fakten, die Sie über die Scala wissen müssen, erfahren Sie hier.
BR-Klassik

Um das Interesse in Mailand anzuheizen, wird in der Inszenierung Blasphemie geortet (eine Marienstatue wird zu Boden geworfen). Kann man damit selbst Italiener noch aufregen?

WIEN/ Staatsoper: Zur „Weiden“-Premiere

Uns in Wien steht morgen ein anderer „Aufreger“ ins Haus. Nein, nicht bei der Premiere, das Publikum wird freundlichen Applaus spenden, einige politische Willensbekundungen sind nicht ausgeschlossen. Gegen den Komponisten werden sich diese aber nicht richten (und ich würde auch dringend davon abraten, diesen Rat mit einem Beitrag zum Schluss dieses Kommentars begründen) – die Menschen sind im Grunde genommen eigentlich feige. Also keine Sorge.

Morgen, Kinder, wird’s was geben

 

Morgen findet an der Wiener Staatsoper die Uraufführung der Oper „Die Weiden“ statt.

Ihr Komponist, Johannes Maria Staud, hat in den letzten Wochen keine Gelegenheit ausgelassen, in Interviews die Regierung und zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung grob zu beschimpfen, weil er ihre politische Meinung nicht teilt. Das kann er hierzulande unbehelligt tun. Mehr noch – er bekommt die Bühne der Staatsoper, eine vom verunglimpften Staat hoch subventionierte Institution, dafür zur Verfügung gestellt, seine Plädoyer für jene „Linke“ abzuliefern, die derzeit in der heimischen Politik gerade nicht so wirklich stark ist…

…das Beste, was die Schöpfer des Werks erhoffen können, ist ein möglichst lautstarker Skandal. Dann haben sie „Recht“ behalten, und die rechten Faschisten und Kellernazis, Wiederbetätiger und Rassisten, aus denen das Volk besteht, versuchen die mutigen Kämpfer niederzuschreien. Das wäre wahrlich ein Triumph.

…Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre ein „Wiener Erfolg“ – lauer Beifall, durchsetzt mit dem Jubel derer, die immer jubeln. Das klänge hohl, und da könnte man sich dann weniger toll fühlen – es sei denn, man redet sich ein, die Qualität des Werks habe überzeugt.

Oder es wird aus künstlerischen Gründen und nicht als politische Demonstration tatsächlich ein großer Erfolg – was weiß man denn, Kaffeesudlesen bringt ja nichts? Nachher ist man immer gescheiter.

Was die Wiener Staatsoper betrifft, so darf sie sich vom „Falter“ streicheln lassen (das hätte das Haus wohl in seinen kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten):„Die Staatsoper stellt die Entwicklung des Staates nach rechts in Frage. Wer hätte ihr das zugetraut?“

ZUM APROPOS

War es das, was Dominique Meyer beabsichtigt hat?  Der Direktor ist heute sicher in Mailand und wird erst kurz vor der Premiere in Wien eintreffen. Da braucht er weder zuzustimmen, noch dementieren.  Das hätte er aber vermutlich auch nicht getan, wenn er in Wien geblieben wäre. Was habe ich einige Absätze vorher generell über die Menschen geschrieben?

Eine weitere Meldung aus der Generalprobe: Gefällig (zum Revolutionär wird man nicht) , eher Schauspiel mit Musikuntermalung. Starke Bilder, kaum Aufreger!

Wiener Staatsoper: NABUCCO

Luca Salsi. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Renate Wagner war „Salsi schauen und hören“:

Ausverkauft. So etwas von ausverkauft, Sitzplätze, Stehplätze. Dabei sang nicht einmal Domingo die Titelrolle. Als gäbe es ein tiefes Bedürfnis nach diesem frühen Verdi. Oder nur nach dem „Chor der Gefangenen“? Hundertprozentig nicht nach dieser Inszenierung, aber davon später.

Es gab das Hausdebut eines Baritons, auf den man schon aufmerksam wurde, als er bei der Scala-Eröffnung 2017 an der Seite der Netrebko in „Andrea Chenier“ sang. Nun erreichten uns eben erst lobende Kritiken für seinen Macbeth aus dem Teatro la Fenice. Und er ist für die nächsten Salzburger Festspiele als Simon Boccanegra angekündigt (und man hätte doch geschworen, dass diese Rolle bis zu seinem Lebensende PD gehört…). Kurz, erste Staatsopern-Begegnung mit Luca Salsi, der allerdings ein Opfer der Inszenierung wurde. Wenn man im blauen Berlusconi-Anzug über die Bühne wankt und eigentlich nichts zu spielen bekommt, kann man keinen packenden Nabucco gestalten, wenn man kein temperamentgeschütteltes Naturtalent ist. Singen, gewiß – ein schöner Bariton, anfangs etwas forciert eingesetzt, dann angenehm fließend, gutes Timbre. Das italienische Bariton-Fach ist weltweit nicht übersetzt, man wird froh sein, dass man ihn hat. Dass man Zukunftserwartungen für außergewöhnliche Leistungen hegen könnte, so beeindruckend war das Debut noch nicht…

Zum Bericht von Renate Wagner

Wolfgang Habermann liefert auch seinen Bericht ab: ...Paolo Carignani ließ bereits nach 9 Takten keinen Zweifel daran, dass er nicht bereit ist,  irgendeine akustische Schmerzgrenze zu akzeptieren. Das dort notierte Fortissimo war ohne Ohrenschutz fast nicht mehr erträglich.

Diese Einstellung war aber für Liudmyla Monastyska sozusagen der Freibrief für einen Parforceritt durch die eigentlich unsingbare Rolle. Der Sängerin der Uraufführung, Giuseppina Strepponi, die als erste diese Strapazen auf sich genommen hatte, fühlte sich Verdi ja offensichtlich so zu Dank verpflichtet, dass er sie später heiratete. Die Rolle erfordert eigentlich mindestens zwei Stimmen: einen pastos klingenden Mezzo und einen agilen Koloratursopran. Die Weißrussin entschied sich dafür, mit möglichst lauten Höhen zu prunken, aber sobald sie mit weniger Druck auf die Stimme arbeitete und sich im Piano versuchte, verfiel sie in ein heftiges Vibrato…

Zum Bericht von Wolfgang Habermann

Wiener Staatsoper: HEUTE „MADAMA BUTTERFLY“ IN DER URSPRÜNGLICH VORGESEHENEN BESETZUNG ALS STREAM

Ana Maria Martinez und Andrea Carè sind offenbar wieder genesen. Beginn ist 19,30 h

https://www.staatsoperlive.com/de/

NANTES Angers Nantes Opéra
„CENDRILLON“
von Jules Massenet im Théâtre Graslin – 4 12 2018

 Die drei Bedingungen, damit diese wunderschöne Oper ihren Charme entfalten kann, werden erfüllt!

Die Oper in Nantes bekam einen neuen Intendanten: Alain Surrans, bis vor kurzem Direktor der Oper in Rennes, der den Auftrag bekam, aus dem Opernhaus-Duo Nantes/Angers ein Trio Angers/Nantes/Rennes zu schmieden. Ob es zu einer wirklichen Fusion der drei Häuser kommen wird, wie die „Opéra du Rhin“ in Straßburg, die die Opern von Strasbourg, Mulhouse und Colmar vereint, steht noch in den Sternen, vorerst werden einmal zwei Produktionen im Jahr in den drei Städten gespielt. Auf jeden Fall kann man den Politikern zur Intendantenwahl gratulieren, denn hier wurde ausnahmsweise ein wirklicher Opernfachmann gewählt, und nicht, wie jetzt so oft, irgendein Marketingchef mit guten Kontakten zur Industrie, von dem man sich dann hauptsächlich irgendwelche Nebeneinnahmen erhofft. Schon das Vorwort im Programmheft, in dem Alain Surrans erklärt, warum er in seiner ersten Spielzeit gerade diese so wunderschöne aber leider so selten gespielte Oper von Jules Massenet gewählt hat, ist eine reine Wonne. Denn hier schreibt ein Intendant, der nicht nur weiß, dass Massenet 35 Opern geschrieben hat, sondern der diese auch kennt (heute eher eine Seltenheit)…

Zum Bericht von Waldemar Kamer

Berlin / Staatsoper: „HIPPOLYTE et ARICIE“ von Jean-Philippe Rameau, 04.12.2018

Gelobt seien die neuen Barocktage, diesmal vom 23. November bis zum 02. Dezember, die der neue Intendant Matthias Schulz als hochwillkommene Ergänzung in den Spielplan integriert hat. Ein voller Erfolg sind sie geworden und zeigen, wie hoch die Zahl der Liebhaber Alter Musik ist und dass sie solche Chancen mit Freude wahrnehmen…

Zum Bericht von Ursula Wiegand

Hamburg: Schwächeanfall von Sängerin: „Tosca“-Aufführung verkürzt
Die 43-jährige Kristin Lewis musste nach dem zweiten Akt ärztlich behandelt werden und kam ins Krankenhaus.
Hamburger Abendblatt

Rom: Bärendienst für die Musikwelt (O-Ton-Kommentar)


Daniele Gatti, Virginia Raggi. Foto: Roma Fanpage

Anfang August dieses Jahres entließ das Königliche Concertgebouw-Orchester mit sofortiger Wirkung seinen Chefdirigenten Daniele Gatti, nachdem Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe gegen ihn laut geworden waren. Die Vorwürfe sind ungeklärt, Gerichtsverfahren gegen den Musiker anhängig. Jetzt hat die Oper in Rom bekanntgegeben, dass Gatti die Stelle ihres musikalischen Leiters zum kommenden Monat antreten wird. Unanständiger kann es kaum werden…
https://o-ton.online/kommentare/o-ton-kommentar-daniele-gatti-wird-chefdirigent-der-roemischen-oper-181206/

Auch Peter Bilsing, Chef bei www.deropernfreund.de, „gibt seinen Senf  dazu. Zu lesen ist das in unseren Infos des Tages.

Mit beiden Herren kooperiert der Online-Merker. Also muss ich wohl auch Stellung beziehen: Aus Loyalität protestiere ich gegen die Handlungsweise der schönen Bürgermeisterin, indem ich ab sofort keine Pizza mehr esse! Diese ist ungesund und macht dick!

WIENER VOLKSOPERFREUNDE

Samstag, 8. Dezember – Beginn 18:00 Uhr: Adventkonzert der Wiener Volksopernfreunde: „In dulci jubilo“  –

Choristen und Choristinnen der Volksoper Wien zeigen ihr Können. Mit Angela Riefenthaler, Tatiana Sokolova, David Busch und Andreas Baumeister, Musikalische Leitung: Felix Lemke

 Johannes-Nepomuk-Kapelle, Währinger Gürtel bei U-Bahn-Bogen 115, 1090 Wien

Kartenreservierung: 0664 1607892; Karten: € 15.- Mitglieder; € 20.- Nicht-Mitglieder

Reservierung: volksopernfreunde@outlook.com  oder gerald.mayer7@chello.at

Stadt Linz beschloss Ausstieg aus Theatervertrag

Hysterisches Aufschaukeln des vermeintlichen Theatersskandals war die Maxime der vergangenen Tage. Nun, man hat bis 2020 Zeit, sich zu einigen – und man wird sich einigen! Ist das so schwer zu verstehen?

Luger: „Das Bruckner Orchester bleibt das Residenzorchester des Brucknerhauses“ Linz – Der Linzer Gemeinderat hat am Donnerstag den Ausstieg aus dem Theatervertrag mit dem Land Oberösterreich beschlossen. Die Kündigung wurde von SPÖ und FPÖ befürwortet, ÖVP, Grüne, Neos und KPÖ waren dagegen. Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) argumentiert den Schritt mit einer Schieflage bei den Transferzahlungen zwischen Stadt und Land. Der Ausstieg ist mit 2020 möglich. –
Der Standard
Linz steigt aus dem Theatervertrag aus
Nun ist es fix: Die Stadt Linz kündigt den Theatervertrag mit dem Land Oberösterreich. Für die Grünen ein „katastrophales kulturpolitisches Signal“
Die Presse
Stadt Linz beschloss Ausstieg aus Theatervertrag
Der Linzer Gemeinderat hat am Donnerstag mit den Stimmen von SPÖ und FPÖ den Ausstieg aus dem Theatervertrag mit dem Land OÖ beschlossen. ÖVP, Grüne, Neos und KPÖ waren dagegen. Landestheater-Intendant Hermann Schneider sieht sich für die Saison 2019/20 „nicht mehr geschäftsfähig“. Kulturreferent LH Thomas Stelzer (ÖVP) versprach aber, das Theater und das Bruckner Orchester nicht hängen zu lassen.
Salzburger Nachrichten

Filme der Woche

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Feministinnen (wenn es sie in ihrer ehrlichen Form und nicht in ihrer #metoo-Verformung überhaupt noch gibt) aufgepasst: In schneller Reihenfolge kommen nun drei „Biopics“ über Autorinnen, die es gemeinsam haben, ihren Weg in einer Männerwelt mit Entschlossenheit gegangen zu sein. Den Anfang macht „Astrid“, wobei es sich nur um Astrid Lindgren handelt kann, es folgt „Mary Shelley“, die Autorin des „Frankenstein“, und schließlich kommt „Colette“ – drei gleicherweise bemerkenswerte Streifen, die in ihrem historischen Ambiente bleiben und dennoch nie in der Ausstattung ersticken. Was bei Astrid Lindgren (1907-2002) ohnedies am wenigsten möglich wäre, denn sie lebte in keiner pittoresken Welt.

Ihre Eltern waren Pfarrhofpächter in der schwedischen Provinz, und allein das bestimmte ein restriktives Leben für alle Familienmitglieder – außer Astrid. „Becoming Astrid“, das Werden der Astrid Lindgren, hat die dänische Regisseurin Pernille Fischer Christensen ihren gut zweistündigen Film genannt, in dem sie die Entwicklung des jungen Mädchens, das sich in der Kirche langweilt, bis zur entschlossenen Schriftstellerin schildert – ein Weg, der über eine schwer geprüfte junge Frau führt. Von Anfang an begehrt sie auf – warum der Bruder etwas dürfe und sie nicht. Er ist ein Junge, sagt man ihr. Aber die harte Arbeit am Land ist auch für Frauen vorgesehen…

„Schweigekanzler“ ist österreichisches Wort des Jahres 2018
Zum rot-weiß-roten Wort des Jahres ist – bereits zum zweiten Mal – der „Schweigekanzler“ gewählt worden. Bei dieser Bezeichnung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) handelt es sich um einen „terminologischen Wiedergänger“, hieß es von der Jury. Denn bereits 2005 war es auf Platz eins. Das Unwort des Jahres wurde „Datenschutzgrundverordnung“.
Salzburger Nachrichten

Warum sollen Sie morgen in der Staatsoper auf gar keinen Fall „buhen“?

Man könnte Sie als „Rechter“ einordnen, Sie fotografieren, identifizieren mittels Kopfgeldjäger („50 Euro für die Bekanntgabe dieses Namens“) und bei Ihrem Arbeitgeber anschwärzen.

„Lächerlich“ – meinen Sie?

Dann lesen sie einmal Nachstehendes

Denunzieren für den guten Zweck?
Das Kunstkollektiv „Zentrum für Politische Schönheit“ hat mit „SOKO Chemnitz“ eine Webseite gelauncht, auf der rechtsextreme DemonstrantInnen denunziert werden sollen, die vor drei Monaten bei den Demos in Chemnitz dabei waren. Dafür hagelt es Kritik.
https://fm4.orf.at/stories/2951557/

Der Satz des Jahres:  „Um Demoktratie zu erhalten, brauchen wir Mut zur Intoleranz“ (Copyright: Künstlerin Cesy Leonard)

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

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