Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

7. AUGUST 2018

07.08.2018 | Tageskommentar

Fotorätsel: Wer dreht an der Orgel? Die Auflösung finden Sie etwas weiter unten im Text des Tageskommentars

SALZBURG: „PIQUE DAME“. Der Provokateur ist müde geworden – sein Publikum auch!

„Pique Dame“ in Salzburg. Große Premierenerfolge sehen anders aus.  Copyright: Monika Rittershaus

Dass die Salzburger Festspiele eine passable „Pique Dame zustande bringen, durfte erwartet werden. Passabel ist diese „Pique Dame“ auch geworden, aber ist „passabel“ der Anspruch, den der Welt elitärstes Festival anstrebt? Die Festspiele verstehen sich als Gralshüter der österreichischen Kultur (so ziemlich das einzige neben dem Alpinen Skisport, für das wir in der Welt noch ernstgenommen werden), animieren Publikum in so ziemlich allen an unserer Kultur interessierten Ländern zum Besuch der Mozartstadt – was so weit geht, dass Österreicher wohlgelitten, aber nicht mehr als das sind. Salzburg-Besucher, die mit der Westbahn zum Billigtarif anreisen, womöglich noch nach einer preisgünstigen Karte Ausschau gehalten haben, nach Vorstellungsende gar mit der Westbahn (womöglich nach einer durchwachten Nacht im Park, da die Westbahn nach 22 h nicht mehr Festspielgäste aufzunehmen bereit ist) wieder zurückfahren, ohne die Brieftasche entleert zu haben – nein, das ist nicht das Publikum, das Salzburg vorschwebt. Das Publikum holt man sich besser aus dem Ausland – der Tourismus muss leben! Und wer so weit gereist ist, möchte Herausragendes erleben – und jubelt sich das Erlebte eben schön!

Zun zur Pique Dame: Thomas Prochazka besuchte die Premiere. Sein Fazit: 

Mariss Jansons und die Wiener Philharmoniker sorgen für eine ausgezeichnete orchestrale Wiedergabe von Tschaikowskis Partitur. Hans Neuenfels’ Spielleitung verliert sich im Dschungel der »Regie-Theater«-Beliebigkeit, taugt nicht einmal mehr für Entrüstungsstürme.

Das Publikum stimmt mit den Füßen ab und verläßt das Haus nach dem ersten Fallen des Vorhanges.
Große Premièren-Erfolge sehen anders aus.

Höhepunkt der „Pique Dame“: Hanna Schwarz (Gräfin) und Brandon Jovanovich (Hermann). Foto: Monika Rittershaus/Salzburger Festspiele

Aber wollen wir doch positiv schließen:

Einmal mehr bezieht ein Abend in Salzburg seine Festspielwürdigkeit durch das Zusammenspiel zwischen Dirigent und Orchester. Wie Mariss Jansons am Pult der Wiener Philharmoniker Tschaikowskis Partitur auffächert, zum beredten Advokaten eines seiner Lieblingswerke wird: die Kostbarkeit dieses Abends. Da läßt einer seiner Liebe zu dieser Musik freien Lauf und vertraut auf das Orchester, ihm willig zu folgen. Gemeinsam lädt man die Sänger ein. Und in den instrumentalen Stellen sowie jenen mit der sehr gut studierten Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor (Einstudierung: Ernst Raffelsberger) entstehen jene Momente, die bleiben.
Das Wunder einer Sommernacht.
Ansonsten: In Salzburg nichts Neues.

Zum Bericht von Thomas Prochazka / www.dermerker.com

Da ist nichts, das ich nicht in Wien haben könnte. Dazu brauche ich keine Westbahn und keine Brieftasche mit Schwindsucht!

Allerdings: Die Leserin Miriam K. macht uns darauf aufmerksam, dass man mit der Westbahn höchstens nach einer Matinee heimfahren kann- siehe Fahrplan. Mit den ÖBB ginge es nur derzeit wegen der Verspätungen durch die Sperre des Deutschen Ecks, sonst ginge der letzte Zug kurz nach 22 h. Auch aus Graz kann man nur nach einer Nachmittagsvorstellung noch einen Zug nach Wien bekommen – nur Linz ist anders, allerdings mit der ÖBB)
Mit freundlichen Grüßen Miriam K.

In unserer Presseschau finden Sie eine umfangreiche Berichterstattung.

Salzburg: Gábor Kali gewinnt den Preis für junge Dirigenten

Gábor Káli © SF / wildbild

Der 35-jährige Gábor Káli aus Ungarn überzeugte beim Award Concert Weekend 2018 in der Stiftung Mozarteum die internationale Jury unter dem Vorsitz von Dennis Russell Davies in einem Konzert der Camerata Salzburg mit Solistin Olga Rudyk.

„Nach drei spannungsvollen Konzerten mit der Camerata Salzburg und einer sehr animierten Diskussion hat die Jury Gábor Káli zum Gewinner erklärt. Wir denken, ihm steht eine große Karriere bevor”, sagt Juryvorsitzender Dennis Russell Davies bei der Bekanntgabe des Preisträgers 2018.

Salzburger Young Conductors Award an Gábor Káli
Der ungarische Dirigent Gábor Káli hat den Young Conductors Award der Salzburger Festspiele gewonnen. Der 35-Jährige setzte sich gegen zwei Mitbewerber durch, teilten die Veranstalter am Sonntag mit.
Musik heute
Gabor Kali gewinnt Young Conductors Award in Salzburg
Der 35-jährige Ungar Gabor Kali hat am Sonntag den Young Conductors Award der Salzburger Festspiele gewonnen. „Wir denken, ihm steht eine große Karriere bevor“, wurde Juryvorsitzender Dennis Russell Davies am Nachmittag zitiert. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Darüber hinaus leitet der Preisträger im August 2019 ein Festspielkonzert in der Felsenreitschule
Salzburger Nachrichten

Ihre Koloraturen retteten die Königin der Nacht
Die 23-jährige Emma Posman debütierte als Einspringerin in der „Zauberflöte“. 230.000 sahen im ORF zu.
Salzburger Nachrichten

Das ist ein modernes Märchen und wir wünschen der Dame auch alles Gute. Sie wird sich beweisen müssen. Der spektakuläre Start war hilfreich – aber nicht mehr als das.

Übrigens, Sie haben richtig gelesen: 230 000 Fernsehzuschauer im ORF zur Hauptprogrammzeit! Das ist erschütternd und Wasser auf die Mühlen jener, die Oper aus dem TV verbannen wollen. Noch ist es nicht soweit, aber noch ein oder zwei solche Ver-Inszenierungen – und Oper im TV ist bei den großen Sendern Geschichte!

Ach ja, ich löse nun das Bilderrätsel von oben: Anna Netrebko dreht in Santiago de Chile an der Drehorgel. Die Diva ist auch eine begeisterte Touristin und für jeden Spaß zu haben. An ihren Späßen lässt sie die Öffentlichkeit via Facebook teilhaben!
Ja, Anna Netrebko ist eine der wenigen, die sogar im TV ihr Publikum findet!

HEUTE IM RADIO: FESTSPIELZEIT – Surround Bayreuther Festspiele
Richard Wagner: „Parsifal“ (Mitschnitt vom 26.7.)
https://www.br-klassik.de/programm/radio/ausstrahlung-1473590.html

Dienstag, 07.08.2018 18:05 bis 23:00 Uhr

Copyright: Bayreuther Festspiele/ Enrico Nawrath

Bayreuth: Viel Licht und wenig Schatten
In Bayreuth werden nicht nur die Religionen entsorgt, sondern auch Kinderopern en vogue gemacht.

Als direkte Nachfahrin des Festspielgründers wird Katharina Wagner nach zehn Jahren im Amt der Festspielchefin längst nicht mehr infrage gestellt. Sie hat ihren maßvollen, aber spürbaren Erneuerungskurs (mit Kinderoper und dem Rahmen eines Diskures Bayreuth, jetzt gar mit einer ersten Uraufführung) unbeirrt fortgesetzt. Und sich auch als nervenstark erwiesen, wenn mal ein Dirigent oder ein prominenter Sänger abhandenkommt. Wenn Nelsons verschwindet, kommt Haenchen, wenn Alagna nicht antritt, Beczala. Es hat sich auch als richtig erwiesen, den Erz-Wagnerianer Christian Thielemann als musikalischen Direktor zu installieren. Vom früheren Raunen über den Niedergang der Wagner-Pflege und vor allem des -Gesangs ist jedenfalls kaum noch etwas zu vernehmen.

Wie auch, wenn Andreas Schager als Parsifal sein Weltklasseformat erstrahlen lässt und Günther Groissböck zum erstklassigen Grunemanz gereift ist. Wenn Petra Lang sich die Isolde immer mehr anverwandelt, eine Christa Meyer Brangäne und Frau Mary singt und Stephen Gould als Tristan und als Siegmund seine Standfestigkeit beweist. Wenn Catherine Foster in der (ausnahmsweise und speziell für das Pult-Debüt von Placido Domingo noch mal einzeln reaktivierten) Walküre des Castorf-Rings ihr »Hojotoho« in den Saal schleudert…

Neues Deutschland/Sozialistische Tageszeitung

Happy Birthday, Bayreuther Kinderoper!
Und um es gleich vorwegzunehmen – auch im zehnten Jahr der Kinderoper hatten die kleinen Zuschauer ihre tosende Freude an dieser eigenständigen Produktion am Festspielhügel. Aber es gibt natürlich auch eine erwachsene Einsicht. – Für die Geburtstagsparty hatte sich das Team um Kinderoper-Erfinderin und Produktionsverantwortliche Katharina Wagner wie schon 2011 an den Ring des Nibelungen gewagt. Eine Herausforderung, wenn man bedenkt, dass vier große romantische Opern auf eine gerade noch kindgerechte Länge von 100 Minuten adaptiert, sowie Längen und wüste Dramatik um Tod und Macht entschärft werden mussten und außerdem die Komik nicht zu kurz kommen sollte…
Klassik begeistert

 

operklosterneuburg 2018

Kaiserhof operklosterneuburg Stift Klosterneuburg, Foto (wohl aus einem der Vorjahre) von Roland Ferrigato

BILANZ: Im 25. Jahr der Opernfestspiele Klosterneuburg gelingt wieder eine außerordentliche Bilanz: 14 Vorstellungen (inkl. Zusatzvorstellung!) von LA TRAVIATA wurden von 11.730 BesucherInnen gestürmt!

Die Auslastung beträgt somit 99,04 Prozent.

Das VERDI-REQUIEM verzeichnete 461 Gäste.
Das Festival weist damit eine Gesamterbesucherzahl von 12.191 BesucherInnen auf.

Eugenia Dushina wurde in der Titelrolle als Shooting-Star der Saison vielbejubelt.
2019 steht Jacques Offenbachs fantastische Oper „Hoffmanns Erzählungen – Les contes d´Hoffmann“ auf dem Programm.
Premiere ist am 6. Juli 2019, der Kartenverkauf startet am 7. Jänner 2019.

Web: www.operklosterneuburg.at

GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK –7. – 13. AUGUST 2018
(Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern bezieht sich ausschließlich auf die untenstehenden Sender). Kurzfristige Programmänderungen der Sender vorbehalten!
Alle Zeiten MEZ.

 

7.8. PARSIFAL (aus Bayreuth, Aufnahme v. 26.7.) Bayern 4-18.05 Uhr
11.8. TRISTAN UND ISOLDE (aus Bayreuth, Aufnahme v. 27.7.) Bayern 4-18.05 Uhr
I LOMBARDI (aus Heidenheim, Aufnahme v. 19.7.) Deutschlandradio-19.05 Uhr
LOHENGRIN (aus Bayreuth, Aufnahme v. 5.7.) ORF Ö1-19.30 Uhr
TRISTAN UND ISOLDE (aus Bayreuth, Aufnahme v. 27.7.) Radio Suisse R.-19.30 Uhr
RICCARDO E ZORAIDE (Live aus Pesaro) RAI 3-20 Uhr
LA FIERA DI VENEZIA (aus Schwetzingen, Aufnahme v. 19.5.) HR 2, WDR 3, SWR 2-20.04 Uhr
WEST SIDE STORY (Live aus London) BBC 3-21 Uhr
12.8. ADINA (Live aus Pesaro) RAI 3-20 Uhr

Zur #Me Too-Debatte: Das Opfer-Täter-Denken ist heutzutage groß in Mode

Auszug aus unserem Forum/ „Kurwenal“ – wer immer hinter diesem Pseudonym steht:

Das Opfer-Täter-Denken ist heutzutage groß in Mode. Weil wir in einer Welt leben, in dem man durch die Einnahme einer Opferrolle in der Regel auch Privilegien zugesprochen bekommt, gibt es derzeit einen großen Run auf Opferrollen. Wer nicht Opfer eines Kapitalisten, eines Vorgesetzten oder irgendeiner Autorität ist, der ist zumindest Opfer einer Lebensmittelunverträglichkeit und darf deshalb Privilegien in Anspruch nehmen. Wen wundert es also, dass sich z. B. in den USA der durchschnittliche Bürger zu vier (!) diskriminierten Minderheiten zählt und sich so Tag für Tag in seiner Opferrolle badet?

Die Menschheit besteht heute aber nicht nur aus Opfern und Tätern. Die wichtigste Gruppe ist jene der selbsternannten Opfer-Fürsprecher. Nichts adelt heute mehr, als sich zum Anwelt echter oder vermeintlicher Opfer zu machen. Denn in dieser Rolle kann man sich nicht nur moralisch überlegen fühlen, man erhält auch mediale Aufmerksamkeit. So entstand eine ganze Gutmenschen-Industrie, die nun auf der Suche nach neuen Personengruppen ist, die sich als vermeintliche Mandanten instrumentalisieren lässt.

Diese Meinung unterstütze ich voll, zumal ich in meinem Bekanntenkreis jede Menge Gutmenschen habe. Die fühlen sich den „bloß guten Menschen“ moralisch weit überlegen. An deren Fassade darf man freilich nicht kratzen. Das Gutmenschentum wird wie eine Monstranz vor sich hergetragen!

Wien/ Fußball: Scheidung auf „Austrianisch“
Causa Wohlfahrt: Fristlose. EinFall für die Anwälte
Die „Causa Wohlfahrt“ ist bei der Wiener Austria noch nicht geklärt. Der Ex-Sportchef und der Klub hüllen sich in Schweigen. Droht eine Schlammschlacht, eine „schmutzige Scheidung“?
https://www.krone.at/1750668

Franz Wohlfahrt war ein Spitzentormann, als Funktionär aber eher eine herbe Enttäuschung. Fehleinkäufe prägten seine Ära. Reicht es jetzt zumindest zu einer anständigen Trennung?

Vidal: Barcelona „weit höhere Stufe als Bayern“
Der bisherige FC-Bayern-Profi Arturo Vidal hat bei seiner offiziellen Präsentation als Neuzugang des FC Barcelona seinen neuen Klub gelobt. „Hier in Barcelona zu sein, ist eine weit höhere Stufe als bei den Bayern“, sagte der 31-jährige Chilene. Vidal, der drei Jahre lang für den deutschen Rekordmeister gespielt hatte, unterschrieb am Montag auch seinen Dreijahres-Vertrag.
https://www.krone.at/1751102

Auch hier – bei einer Trennung zeigt sich der Charakter eines Menschen. Liebe Bayern, seid froh, dass Ihr den „Krieger“ los seid. Mit solchen Figuren hatte ich in meiner Funktionärszeit leider zu oft zu tun – und meine Mitarbeiter wundern sich, dass ich misstrauisch und (innerlich) schwer zugänglich bin.

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

Diese Seite drucken