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6. SEPTEMBER 2019 – Freitag

06.09.2019 | Tageskommentar

Wien/ Staatsoper: Les Contes d’Hoffmann – neu besetzt und ohne dramatische Pannen. Dmitry Korchak als Hoffmann Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Renate Wagner besuchte diese Vorstellung: Lange brauchte der Russe Dmitry Korchak, um einigermaßen in der Rolle Tritt zu fassen (inklusive einem kaum geglückten „Klein Zack”). Ab dem Olympia-Akt war die Stimme dann da, zeigte, dass über einem Metallkern Schmelz und Strahlkraft zu erreichen sind, und dann blieben weder in der Gesangslinie noch in den Spitzentönen viele Wünsche offen. Dass für Hoffmann in Akt 1 und 2 nicht allzu viel zu spielen ist, können routinierte Kollegen mit Einsatz umschiffen, Korchak zeigte erst im dritten Akt, in Venedig, wenn es für den armen Dichter eng wird, auch einiges Temperament. Aber keine Frage, nach längeren Anfangsschwierigkeiten hat er sich die Rolle geholt.

Das gelang Luca Pisaroni für die vier Bösewichter den ganzen Abend lang nicht. Pisaroni hat einen angenehmen Bariton, am besten für Mozart, aber sonst ermangelte es an fast allem…

 

Am meisten interessierte natürlich Olga Peretyatko, denn sehr selten findet sich eine Sängerin, die sich alle vier Frauenrollen des Stücks zutraut. Sie sind ja auch zu divergierend – die höchsten, brillantesten Koloraturen aus der Kehle der Olympia; schmelzend-tragische Lyrik bei Antonia; sinnliche Mittellage für die Kurtisane Giulietta. Und als Stella, die nicht viel singen muss, hat man zumindest die große Schauspielerin im Deutschland des Jahres 1840 glaubhaft zu verkörpern…

Zum Bericht von Renate Wagner

Wien/ Staatsoper: Eröffnungsvorstellung mit Dramatik davor – und ein weiteres Sänger-Ehepaar (das uns bisher als solches nicht aufgefallen ist)

Charles Castronovo, Ekaterina Siurina. Jetzt zahlt sich die Wien-Reise für das Sänger-Ehepaar wohl auch finanziell aus. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Ekaterina Siurina und der Tenor Charles Castronovo sind auch im richtigen Leben ein Paar – nicht nur ein Glücksfall für die Wiener Staatsoper. Im Juli 2018 saß Castronovo im Zuschauerraum als seine Frau am Royal Opera House als Mimi gastierte. Der Rodolfo des Abends erlitt eine Indisposition und Castronovo sprang in der Pause für ihn ein. Er sang die Partie neben der Bühne, während der indisponierte Sänger die Rolle nur schauspielerisch interpretierte.

Wien am 4. September 2019: Charles Castronovo gastiert als Alfredo an der Wiener Staatsoper, seine Frau reist mit ihm nach Wien, ist aber nicht für die Vorstellung engagiert. Irina Lungu, die Violetta der Aufführung, muss während des Einsingens die Vorstellung absagen. Ekaterina Siurina erklärt sich bereit, die Partie zu übernehmen. Die Sängerin hat erst vor wenigen Monaten als Violetta ihr Staatsopern-Rollendebüt gegeben, ihr war deshalb die Inszenierung bereits bekannt – ein doppelter Glücksfall…

Zum Bericht von Dominik Troger/ www.operinwien.at

Den Bericht von Manfred A. Schmid haben wir bereits gestern vorgestellt!
Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Feuerprobe zu Saisonbeginn
Was tun, wenn 20 Minuten vor Beginn die Hauptdarstellerin stimmbedingt absagt? Für die Wiener Staatsoper fing die neue Saison mit einer Feuerprobe an: Die Protagonistin für Verdis „Traviata“ war ausgefallen. Ein Glück: Tenor Charles Castronovo, der angekündigte Alfredo, war in Begleitung seiner Frau Ekaterina Siurina angereist. Die Sopranistin hat hier Anfang des Jahres schon in einer „Traviata“-Serie gesungen.
Wiener Zeitung
Eine mutige Retterin
Die Presse

BERLIN/ Deutsche Oper: ADRIANA LECOUVREUR – konzertant (4.9.)

Anna Netrebko, links ist Alessandro Corbelli zu erkennen. Foto: Bettina Stoess/ Deutsche Oper

Ursula Wiegand: Lange haben wir in Berlin gezweifelt: „Kommt sie oder kommt sie nicht, die Starsopranistin Anna Netrebko?“ In Salzburg konnte sie bekanntlich nicht alle Vorstellungen als Adriana Lecouvreur singen, danach hat sie in Bayreuth die Rolle der Elsa komplett abgesagt.

Doch nach dreiwöchiger Erholungspause ist sie nun in der Deutschen Oper Berlin und zeigt sich als topfitte junge Frau mit sichtlich schlankerer Figur, was ihr bestens steht. Der große Saal mit seinen 2.000 Plätzen ist so gut wie ausverkauft, trotz der deutlich höheren Preise als hier üblich…

Zum Bericht von Ursula Wiegand

Die Absage der zweiten Vorstellung in Salzburg steht in überhaupt keinen Zusammenhang mit der Bayreuth-Absage – und eine Krise hat sie bereits in Salzburg in der dritten „Adriana“ überzeugend widerlegt. Wieso man in Berlin an ihrem Auftreten gezweifelt hat, verstehe ich nicht.

Gestern veröffentlichten wir bereits den Bericht von Ingobert Waltenberger nebst dem dem von „Konzert- und Opernkritik Berlin Anton Schlatz

Zum Bericht von Ingobert Waltenberger

Berlin/ Deutsche Oper
Anna Netrebko in Berlin Tod einer Diva
Es war ein vergifteter Veilchen-Strauß: In Francesco Cileas „Adriana Lecouvreur“ stirbt Anna Netrebko in der Deutschen Oper Berlin effektvoll
https://www.tagesspiegel.de/kultur/anna-netrebko-in-berlin-tod-einer-diva/24982702.html
Nach Absagen: Nun sang Anna Netrebko doch in Berlin
Berliner Morgenpost

„Adriana Lecouvreur“ mit Anna Netrebko an der Deutschen Oper Berlin. Ein grandioses Finale
Klassik-begeistert

Salzburger Domingo-Jubel – das Eigentor des Jahres!

Das war wohl klar, die Reaktion wurde geradezu provoziert. Die Fans meinten es natürlich gut – aber „gut gemeint“ ist meist gar nicht gut.

Anstatt ruhig zuzuwarten – es hätten ja auch Proteste gegen Domingo seitens der MeToo-Bewegung geben können – und nur „bei Bedarf“ einzuschreiten (selbst das wäre eine ungeheure Beruhigung und Hilfe für den Sänger gewesen), haben die Fans provoziert! Und das war ein schwerer Fehler! Denn nun wird nachgelegt – und es ist offenbar noch genug Munition vorrätig. Selbst eine dritte oder vierte Ladung ist nicher noch möglich. Merke: Man provoziert nicht, wenn Beruhigung angebracht wäre.

Nun also geht es wieder los – und ich glaube, dass der Sängerstar diesmal nicht wirklich aus der Bredouille kommen wird. Die USA dürfte er sich tatsächlich abschminken können, in Europa bleibt er wegen seiner Verdienste „wohlgelitten“ – aber hat das ein Domingo nötig?

Liebe Fans, bitte nicht böse sein, aber der übertriebene Jubel war ganz dumm!

Elf weitere Frauen werfen Plácido Domingo Belästigungen vor
In den USA wurden nach Belästigungsvorwürfen Konzerte mit Plácido Domingo abgesagt. In Deutschland darf der Opernstar bisher noch auftreten – doch nun haben elf weitere Frauen von Übergriffen berichtet. Der 78-Jährige streitet das ab.
Der Spiegel
Weitere Frauen beschuldigen Plácido Domingo
Elf weitere Frauen werfen dem Opernstar vor, sie begrapscht, belästigt oder sich übergriffig verhalten zu haben. Mehrere Bühnenangestellte bestätigen das Verhalten. Die Rede ist von einem „offenen Geheimnis“. Domingo bezeichnet die Vorwürfe als „unkorrekt“.
BR-Klassik
„Es tat weh“. Elf weitere Frauen erheben Vorwürfe gegen Domingo
Elf weitere Frauen werfen Plácido Domingo sexuelle Belästigung vor. Er soll ihnen unter anderem an die Brust gefasst haben. Der Star-Tenor streitet das ab.
Tagesspiegel

More women say opera’s Domingo harassed them, forced kisses
https://www.apnews.com/3baf2ccc59144284b227f29eb7d44797?utm_source=Twitter&utm
Neue Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe gegen Plácido Domingo
Bereits im August warfen dem Startenor neun Frauen sexuelle Belästigung vor
Der Standard

Daniel Barenboim – auch da sind wir mitten in der Götterdämmerung

Ob Herr Barenboim nun gegenüber der Orchestermanagerin handgreiflich geworden ist oder – wie er sagt – auch nicht, ist eigentlich unerheblich. Ein Chef, der die Nerven verliert und herumplärrt, hat ausgespielt. Die Verantwortlichen in Berlin hatten nicht den Mut, die Konsequenzen zu ziehen. Nun müssen sie auf einem Pulverfass weiterleben – oder darauf hoffen, dass der Maestro selbst erkennt, dass er eigentlich untragbar geworden ist.

Barenboim weist Vorwurf eines Übergriffs auf Mitarbeiterin zurück
Der Dirigent entschuldigt sich jedoch für Anschreien
Der Standard

WIEN / Theater in der Josefstadt: DIE STRUDLHOFSTIEGE
Nach dem Roman von Heimito von Doderer in der Bearbeitung von Nicolaus Hagg
Uraufführung
Premiere: 5. September 2019, besucht wurde die Generalprobe

Foto: Theater in der Josefstadt

Manche Diskussionen erledigen sich, weil sie sich im Kreis drehen. Da kann man den Theaterdirektoren noch so oft vorbeten, dass es keinen Sinn macht, Romane oder Filme auf die Bühne zu stellen. Die Prosa mit ihrer Fähigkeit, nicht nur zu erzählen, sondern auch zu schildern und zu reflektieren, und gar der Film mit seinen grenzenlosen Möglichkeiten dramaturgischer, technischer und bildlicher Sprünge und Abenteuer, werden dem Live-Bühnengeschehen, das sich eins zu eins vor dem Zuschauer abspielt (und nur hier und jetzt und nicht darüber hinaus), immer haushoch überlegen sein.

Doch was nützt es, dies zu predigen? Bücher und Filme als Vorlagen scheinen zunehmend die Spielpläne zu bestimmen, und so bekommt Wien zu Saisonbeginn eine wahre Doderer-Überdosis: Die Josefstadt beginnt mit der „Strudlhofstiege“, das Volkstheater demnächst mit den „Merowingern“. Der erste Streich in der Josefstadt ist von schöner Unbeweglichkeit – früher, vor Föttinger, nannte man so etwas „josefstädtisch“. Heute kommt es einem zu wenig vor. Stimmung allein mit ein paar aufgepfropften verbalen politischen Banalitäten, damit man auch weiß, dass das Haus korrekt auf der richtigen Seite steht. Dürr…

Farbe im Sinn von Theaterleben ermangelt dem Abend, der als Österreich-Elegie keinerlei Analyse, sondern nur müde Stimmung anzubieten hat.

Zum Bericht von Renate Wagner

Unsere Rezensentin verzichtet übrigens auf Pressekarten dieses Theaters und bezahlt ihren Eintritt. Da schreibt und lebt es sich leichter!

Filme der Woche

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Den Fans braucht man nichts über Stephen King erzählen, die kennen ihn in- und auswendig, und die anderen werden um ihres Seelen- und Nervenheils einen großen Bogen um ihn machen. „It“, zu Deutsch „Es“, erschien 1986 und ist ein voluminöser Thriller, der die Geschichte von sieben Kindern erzählt, die von dem Clown Pennywise terrorisiert werden (an sich eine magische Figur, aber von King als absolut „echter“ Gegner behandelt, kein Phantasieprodukt). Als Erwachsene wiederholt sich für sie 27 Jahre später das Grauen, das in einer fiktiven amerikanischen Kleinstadt namens Derry spielt. Und weil die Filmemacher fast richtig meinten, mit der Handlungsfülle nicht zurecht zu kommen, haben sie „Es“ gesplittet. Die „Kindergeschichte“ kam vor zwei Jahren in die Kinos, jetzt haben wir es mit „ES: Kapitel 2“ zu tun, wo die Erwachsenen (mit vielen, passenden Rückblenden) noch einmal durch die Hölle geschickt werden – satte zweieinhalb Stunden lang. Und die Kinobesucher, die solchen Horror lieben, mit ihnen…

Einst waren sie sieben Teenager, die sich aus der Not zusammen geschlossen haben: Keiner von ihnen zählte im harten Schulhof des Lebens zu den „Starken“, sie waren immer diejenigen, die Prügel bezogen oder gemobbt wurden. Der „Club der Verlierer“ also, und eigentlich hatte nur das einzige Mädchen unter ihnen, Beverly, so etwas wie Mumm und Mut, an dem sich alle anhielten. Als der Clown Pennywise, der Kinder durch Gullys in seine „Unterwelt“ zog, den kleinen Georgie holte, den Bruder von Bill, begann’s…

Premiere in Dornbirn: Verhaltener Applaus für Elfriede Jelineks „Wut“
„Wut“ von Elfriede Jelinek ist erwartungsgemäß ein dichter Text, anspruchsvoll und fordernd. Vier Todesengel formulieren darin ihre rasende Wut. Die Premiere der neuen Produktion der Theatergruppe Unpop am Mittwoch im Kulturhaus Dornbirn wurde zu einer wütenden Abrechnung. Das Publikum spendete verhalten Applaus, was eher dem herausfordernden Werk geschuldet war als der Darstellerinnenleistung.
VOL.at

Hat sich Frau Jelinek eigentlich schon gefragt, was sie tatsächlich bewirkt?

Österreich
„Absolut plausibel“: Was Experten zum Hacker-Angriff auf ÖVP sagen
Der ÖVP wurden 1.300 Gigabyte Daten geklaut. Das gaben Cyber-Spezialist Avi Kravitz und Sebastian Kurz bekannt.
Kurier

Theater sind tatsächlich arm in Österreich, obwohl sie anständig gefördert werden. Die Politik hät uns in Atem, und deren Geschichten sind real. Leider!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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