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6. NOVEMBER 2019 – Mittwoch

06.11.2019 | Tageskommentar

Zürich: BELSHAZZAR (G.F. Händel) – Premiere: 3.11.2019 . Jakub Józef Orlínski als Cyrus. Foto: Herwig Prammer

Nachdem Händel in London mit seinen Opern nicht mehr reüssieren konnte, verlegte er sich auf das Oratorium, das aber im dramaturgischen Aufbau nicht weniger stringent sein sollte als eine Oper. Davon zeugt auch, dass die Oratorien primär nicht in Kirchen, sondern in weltlichen Gebäuden und oft szenisch angedeutet aufgeführt wurden. Wenn nun der Regisseur des Abends, Sebastian Baumgarten, Händels Oratorium „Belshazzar“ zu einer wahren Bühnenshow (Bühnenbild: Barbara Steiner, Lichtgestaltung: Elfried Roller) aufputzt, ist das wohl ganz recht in diesem Sinne. Aber es bleibt nicht eine reine Bühnenshow. Denn mit allen Mitteln des heutigen Theaters, inklusive Video (Hannah Dörr), der Verfremdung und der Stilmischungen entwirft Baumgarten ein eindrückliches Menetekel für heutige Tage…

Im Zentrum des medialen Interesses stand Jakub Józef Orlínski als Cyrus, der seinen hell fokussierten Counter geschickt durch die Koloraturen führt, dabei auf Ausdruck geht und auch von der Körpersprache her als schillernde Figur beeindruckt…

Zum Premierenbericht von John H. Mueller

Vor uns die Sintflut: Händels «Belshazzar» an der Oper Zürich
Neue Zürcher Zeitung

Zürich
A cauldron of confusion: Handel’s Belshazzar staged in Zürich
bachtrack

Frankfurt: LADY MACBETH VON MZENSK – Premiere am 3.11.

Julia Dawson (Axinja), Anja Kampe (Katerina Ismailowa; kniend), Theo Lebow (1. Vorarbeiter; hinter ihr mit Schaufel in der Hand), Dmitry Belosselskiy (Boris Ismailow; mit Stock) und Evgeny Akimov (Sinowi Ismailow) sowie Ensemble. Foto: Barbara Aumüller

...Fangen wir zuerst mit mit der Musik an, denn sie dominiert tatsächlich die gesamte Aufführung. Sie wirkt wild entschlossen und wurde von Schostakowitsch als etwas ganz Neues konzipiert. Bei ihr geht es auch weniger um die Frage tonal-atonal, sondern um eine immer akute Begebenheitsschilderung, die sich völlig rassant entfesseln kann, z.B. die komponierten Kopulationen. Das Orchester spielt das unter seinem GMD wie aus einem Guß, äußerst brillant und farbenreich. Dabei kommt auch das grauenhaft Dämonische vielleicht noch besser weg als die langsamen Kantilenen, die aber auch ihren Reiz haben. Wie vor etwa 15 Jahren bei „Frau ohne Schatten“ kann Sebastian Weigle diese Partitur für Frankfurt exemplarisch aufbereiten.

Die Inszenierung versucht sich auf der Höhe dieser musikalischen Handlungsbrisanz entlangzuhangeln. Dabei möchte sie auch mit einem Einheitsbühnenbild auskommen, das aber in den einzelnen Akten und Szenen stark modifiziert wird…

Zum Premierenbericht von Friedeon Rosèn

Schostakowitsch in Frankfurt : Zisterne des Begehrens
Frankfurter Allgemeine

„Lady Macbeth von Mzensk“ in Frankfurt: So viel will sie gar nicht
Frankfurter Rundschau

Naturalismus versus Abstraktion – „Lady Macbeth von Mzensk“ in Frankfurt
Neue Musikzeitung/nmz.de

Die Gedanken sind freudlos: Lady Macbeth von Mzensk an der Oper Frankfurt
bachtrack

Salzburg: Tod aus Wien und Liebe überall- Liederabend Groissböck/ Huber
Herz-Tod war das Motto von Günther Groissböck und Gerold Huber – ganz im Sinne der alten Paarung von Eros und Thanatos: Der erste Liederabend im Zyklus der Saisonkonzerte der Stiftung Mozarteum im Großen Saal endete mit Ovationen.
Drehpunkt Kultur

Klagenfurt: Stadttheater spielt „Simon Boccanegra“
Giuseppe Verdis Oper „Simon Boccanegra“ wird derzeit am Klagenfurter Stadttheater gespielt, von der Handlung her eine der kompliziertesten Opern überhaupt. Man sollte sich den Inhalt der Geschichte um den mittelalterlichen Dogen von Genua vorher genau durchlesen, um sich im Wirrwar der Intrigen, der veränderten Rollen einzelner Figuren zurechtzufinden.
https://kaernten.orf.at/stories/3019824/

Egils Silins neuer Direktor der Lettischen Nationaloper

Egils Silins. Foto: Silins Webseite

Egils Silins Chef der Lettischen Nationaloper
Wiener Zeitung

WIEN/ THEATER AN DER WIEN/ „HÖLLE“ – HEUTE PREMIERE (bis 3.12): DER BRENNENDE DIWAN

Martin Thoma, Elena Schreiber, Stefan Fleischhacker, Georg Wacks. Christoph Wagner Trenkwitz. Copyright: Barbara Zeininger

Eine Produktion der Armin Berg Gesellschaft im Auftrag des Theater an der Wien in Zusammenarbeit mit dem Letzten Erfreulichen Operntheater LEO.

Premiere: Mittwoch, 6. November 2019, 20:00 Uhr
Aufführungen: 8. / 9. / 10. / 11. / 12. / 29. und 30.  November 2019, 20:00 Uhr, 2. und 3.  Dezember 2019, 20.00 Uhr

WIEN/Konzerthaus: Zyklus Musik im Gespräch 3. Konzert (R. Wagner) am 4. November 2019

 Der Abend des Stephen Gould!

Stephen Gould, Jennifer Holloway. Foto: Klaus Billand

 Zunächst sprach an diesem Abend unter dem Titel „Mythisches Erzählen und Musik“ Laurenz Lütteken mit Erwin Barta über das Musikdrama Richard Wagners – daher der Titel des Zyklus der Wiener Symphoniker, Ehrenmitglied der Wiener Konzerthaugesellschaft. Unter der musikalischen Leitung von Joana Mallwitz begann der Abend im Großen Saal mit Richard Wagners „Siegfried-Idyll“ welches er zum 33. Geburtstag seiner Frau Cosima am 25. Dezember 1870 in kammermusikalischer Besetzung im Treppenhaus ihres Hauses in Tribschen nahe Luzern uraufführte, dessen Miete damals König Ludwig II bezahlen ließ. Man ist bei dieser herrlichen Musik, die Mallwitz mit den Symphonikern fein ziseliert und mit starker lyrischer Komponente musizierte, sofort im „Ring des Nibelungen“, im „Siegfried“ also, denn diese Partitur stand sicher noch unter dem Einfluss der Freude über die Geburt des einzigen Sohnes Richard und Cosima Wagners in Tribschen eineinhalb Jahre zuvor…

Zum Bericht von Klaus Billand

CAVALLERIA-PROZESSION AUF DER AUTOBAHN

Cavalleria auf der Autobahn. Foto: Bernd Uhlig/ Deutsche Oper Berlin

Zugegeben, es ist für Online-Verhältnisse eine Uralt-Kritik – aber Klaus Billand sieht es etwas anders. Nun hat er seine Besprechung von Cavalleria/ Pagliacci aus der Deutschen Oper Berlin (Pountney-Inszenierung) zur Verfügung gestellt – und ich weise darauf hin – obwohl der Bericht bereits tief im Archiv gebettet ist. Originell finde ich die Prozession auf der Autobahn: 

Ganz anders als die klassische Ponnelle-Inszenierung in Wien legt Pountney beide Stücke ein wenig verfremdend an, verknüpft sie direkt miteinander, als wären es zwei Akte eines Stücks (dabei haben – de facto – beide Opern je zwei Akte), was allerdings nicht ganz aufgeht…

Zum Bericht von Klaus Billand

„Konzertgänger in Berlin“
Kurz und kryptisch(4): Schütz und Brahms-Requiem mit Jurowski, RSB, Cantus Domus
„Kurz und kritisch“ hieß einst eine Rubrik im Tagesspiegel, die es leider nicht mehr gibt. Da aber k & k immer fein ist, wird der Konzertgänger, wenn er wenig Zeit hat, in Zukunft immer mal KURZ UND KRYPTISCH rezensieren. Heute: Das Rundfunk-Sinfonieorchester und Cantus Domus führen Heinrich Schütz und Brahms“ „Deutsches Requiem“ auf.
https://hundert11.net/kurzundkryptisch4/

BUCH / Jan Stanislaw Witkiewicz: Dinu Tamazlacaru.

(Verlag Theater der Zeit; 2019, Taschenbuch mit 238 Seiten, Zweisprachig deutsch / englisch. Mit zahlreichen farbigen und einigen s/w Abbildungen; ISBN 978-3-95749-112-1; 18€)

 

Nach den Interview-Büchern „Vladimir Malakhov und das Staatsballett Berlin“, „Shoko Nakamura & Wieslaw Dudek“ sowie „Beatrice Knop“  hat der Autor diesmal Dinu Tamazlacaru, Erster Solotänzer im Staatsballett Berlin, interviewt. Als Einstieg in die Interviews wurde die Verleihung des Daphne-Preises der Theatergemeinde Berlin gewählt, der Dinu Tamazlacaru 2013 für seine außergewöhnliche darstellerische Leistung im Anschluss an eine Vorstellung von „Schwanensee“ auf offener Bühne überreicht wurde.

Dresden: Heute: Weltuntergang!
https://www.freiepresse.de/kultur-wissen/kultur/heute-weltuntergang-artikel10651679

Der Tag des Zorns im Dienste des Durstes – György Ligetis „Le Grand Macabre“ in Dresden
Neue Musikzeitung/nmz.de

Hamburg „IchundIch“ an der Staatsoper Hamburg: Lasker-Schülers letztes Drama als Dokumentaroper
Deutschlandfunk.de

Uraufführung „IchundIch“: Triftige Töne, starke Bilder
Die Welt.de

IchundIch von Johannes Harneit an der Staatsoper Hamburg uraufgeführt
Neue Musikzeitung/nmz.de

Stuttgart: Sanierung der Stuttgarter Oper: Die Kosten kommen auf den Tisch
Stuttgarter Zeitung

Filme der Woche


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Es ist Morgen. In den Kissen ein müdes Gesicht. Eine einsame Frau. Möchte sie wirklich gerade aus dem Fenster springen, als das Läuten an der Tür sie stört? Jedenfalls könnte das der Anfang eines Filmes sein, wie man ihn zu oft gesehen hat – Alter, Einsamkeit, und nein, sie hat niemanden, mit dem sie ihren 60. Geburtstag feiern kann.

Glücklicherweise ist „Lara“ von Jan-Ole Gerster (berühmt geworden vor sieben Jahren mit seinem Debut „Oh Boy“) anders, ganz anders. Keine Frage, dass auch er ein kaputtes Leben schildert. Aber er analysiert im Laufe eines Tages genau, was geschehen ist, warum es geschehen ist, warum Menschen sich so verhalten, wie sie es tun – und die tragische Erkenntnis mag lauten, dass Lara eigentlich nicht selbst schuld an ihrem Elend ist…

Lara war von Beruf Beamtin. Sie hatte die Hoffnung, eine große Pianistin zu werden, aber ihr Lehrer hat sie nach allen Regeln der Kunst herunter gemacht. Vielleicht muss sie darum ihren gleichfalls hoch begabten Sohn Victor, den sie selbst zum brillanten Klavierspieler ausgebildet hat, auch zwanghaft so behandeln. Ihr geschiedener Mann versucht verzweifelt, Victor vor ihr zu schützen – aber gänzlich loslassen kann Lara nicht…

Unter’m Strich: Er weint, weil er nie wieder Fortnite spielen darf
Jarvis Kaye (17) lud regelmäßig Fortnite-Videos auf Youtube. Die Zeiten sind nun aber vorbei. Und zwar weil er geschummelt hat.
Heute.at

Apropos schummeln: Mein Enkel Raffael kann mit Niederlagen nicht umgehen. Auch er biegt sich zurecht, was (nicht immer) möglich ist. Ich lasse ihn gewähren, wohl wissend, dass das ein Fehler ist. Aber soll ihn doch seine Mutter erziehen. Auch diese Einstellung muss ich überdenken, denn so arbeitet bei der Kindererziehung einer gegen den anderen! Bei uns wird Youtube das Problem wohl nicht lösen!

Somit wünsche ich einen schönen Tag!

A.C.

 

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