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6. DEZEMBER 2021 – Montag

06.12.2021 | Tageskommentar

Kyle Ketelsen, Philippe Sly. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

WIENER STAATSOPER: „DON GIOVANNI. Erste Eindrücke aus der Premiere (gesehen via TV)

Don Giovanni ist jene Oper mit den meisten Neuinszenierungen seit der Wiedereröffnung des Hauses am Ring. Sechsmal stellte man das Werk schon zur Diskussion, aber tatsächlich konnten bislang lediglich zwei Inszenierungen überzeugen. Jene aus dem Jahr 1963 von Oscar Fritz Schuh und jene aus 1972 von Franco Zeffirelli. Nun folgte zu Beginn des neuen Da Ponte-Zyklus die siebente Produktion  durch Barrie Kosky. Nun, Kosky hat mit seinen bisherigen Wiener Inszenierungen – dem „Legoland“-Lohengrin von 2005 und dem eher öden „Macbeth“ im Juni dieses Jahres – nicht überzeugen können und dieser Umstand trifft auch diesmal zu. Eigentlich fragte man sich, was für eine Oper man eigentlich sieht. Sicher, die Musik war von Mozart und das Libretto von Da Ponte, aber das was man auf der Bühnen zu sehen bekam, hatte bestenfalls in Spurenelementen etwas mit Don Giovanni zu tun. Das beginnt schon beim Einheitsbühnenbild von Katrin Lea Tag, die auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, das eine Felslandschaft darstellt, die im Laufe des Abends nur geringfügig verändert wird. Für den 2. Teil des 1. Aktes wachsen plötzlich Bäume aus den Felsen, im 1. Teil des 2. Aktes ziert dann eine Felsskulptur die Bühne und ab der Friedhosszene ein Bassin – Karl- Ernst  Hermann lässt grüßen…

Zum Premierenbericht – (erlebt als Live-Stream) von Heinrich Schramm-Schiessl

Kate Lindsey, Philippe Sly, Kyle Ketelsen. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Die Texte sind in Rezitativen und Gesang außerordentlich differenziert, aussagekräftig gearbeitet. Das ist ein Vergnügen.

Singende sind überwiegend falsch besetzt. Unterschiedliche Stimmfarben sind offensichtlich obsolet. Alle Männer im unteren Register klingen ähnlich. Üblich war mal, den Leporello mit einem Spiel-Bass, den Komtur mit einem „schwarzen “, Masetto mit einem „leichten“ Bass zu besetzen, den Don Giovanni mit einem Bariton, der Dramatik und auch Kavalier-Bariton – Qualitäten hatte. In Wien nimmt man nun nahezu „spiegelungsgleiche“ Stimmfarben Bariton und einen Bass, der leider ein Ausfall ist ( z. B. letztes Bild, wo er beschwörend „Don Giovanni“ im oberen Register singen müsste, röchelt er nur noch)…

Zum Premierenbericht  (erlebt auf ORF III) von Tim Theo Tinn

Staatsoper mit „Don Giovanni“ am Felsen und im Fernsehen
Vorweihnachtszeit in Wien: Die Straßen sind jahreszeitlich erleuchtet, es fröstelt – und in der Staatsoper werden Geisterpremieren ohne Publikum für TV und Stream abgehalten. Beinahe schon lieb gewordenes Brauchtum
https://www.puls24.at/news/entertainment/staatsoper-mit-don-giovanni-am-felsen-und-im-fernsehen/250930

Wiener Staatsoper: Don Giovanni oder Die Nacht auf dem kahlen Felsen (Bezahlartikel)
Mit der düstersten der drei Mozart-Opern nach Texten von Lorenzo Da Ponte beginnt der Regisseur Barrie Kosky seinen Zyklus für die Wiener Staatsoper. Er zeigt „Don Giovanni“ als Nachtstück, das dank der ausgefeilten Personenführung niemals trist wirkt.

„Der Mond ist nur a nackerte Kugel“ hieß ein fast vergessener deutscher Film. Barrie Koskys Inszenierung von Wolfgang A. Mozarts „Don Giovanni“ weckt die Erinnerungen an diesen Filmtitel: Es ist ein Nachtstück auf einem kahlen Felsen, mit Figuren, die mit ihren bunten Kleidern und schlichten Anzügen gleichsam „im Weltall stehen“ (wie Rainer Maria Rilke über Büchners „Woyzeck“ sagte): Eine Gruppe verlorener Menschen in einer Welt, deren Jenseits natürlich keine Hölle kennt, aber wohl auch keinen Himmel. So viel trostloser Existenzialismus wie in der Wiener Staatsoper wäre kein Vergnügen, würde Barrie Kosky in seiner düsteren „Don Giovanni“-Interpretation das Personengefüge genauestens ausleuchten…
Kleine Zeitung

Franz Welser-Möst: „Wo führt das alles hin?“. Mit Netrebko will er nicht zusammenarbeiten
…mit übergroßen Egos will er nicht zusammenarbeiten, mit Anna Netrebko auch nicht
https://www.diepresse.com/6070247/franz-welser-most-wo-fuhrt-das-alles-hin

Wien
Wiener Philharmoniker spielten im leeren Musikverein
Es ist nicht direkt ein Aufmunterungswerk in Zeiten der Pandemie, mit dem die Wiener Philharmoniker am Sonntagvormittag inmitten des Lockdowns einen musikalischen Gruß aus dem Musikverein sendeten: Gustav Mahlers letzte, posthum uraufgeführte 9. Symphonie, von der Nachwelt zu „Abschiedssymphonie“ apostrophiert. Nach dem Livestream auf Fidelio am heutigen Sonntag soll die Aufnahme des Konzerts am 16. Jänner in ORF III zu sehen sein – dann hoffentlich bereits nach dem Lockdown…

Salzburger Nachrichten

Deutsche Oper Berlin: Höhepunkte im Januar 2022

Copyright: Deutsche Oper Berlin

Im Januar Premiere von Rued Langgaards Endzeit-Oper u. a.

Die Premiere von Rued Langgaards ANTIKRIST musste im März 2020 pandemiebedingt kurzfristig abgesagt werden, nun hoffen wir, sie am 30. Januar 2022 nachholen zu können. Am Pult steht der Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover, Stephan Zilias, Regie führt Ersan Mond-tag, dessen Schauspielinszenierungen schon mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurden und der mit Schrekers DER SCHMIED VON GENT sowie Weills DER SILBERSEE an der Oper Flandern zwei ebenfalls gefeierte Ausflüge ins Opernfach absolviert hat. Wir freuen uns auf sein deutsches Operndebüt…

Mehr darüber in den „Infos des Tages“

ZUM CARRERAS-75er: ARD -VIDEO (45 Minuten)

ZUM VIDEO

Berlin
Das programmierte Gefühl
Computerspiele, Schauspiel und Musiktheater: Ein Pilotprojekt von Komischer Oper und Berliner Ensemble zeigt neue Möglichkeiten auf.
Tagesspiegel.de

Essen
Groß, größer, Stockhausen
Das NOW!-Festival Essen wurde mit einer Erstaufführung aus Karlheinz Stockhausens Megazyklus „LICHT“ eröffnet
https://www.nmz.de/artikel/gross-groesser-stockhausen

Regensburg
Gegen Trübsal immunisieren lassen: Johann Strauß’ „Die Fledermaus“ am Theater Regensburg
Neue Musikzeitung/nmz.de

Köln
Politisch motivierte Kammeroper: „Undzer Shtetl brent“ in Köln
NeueMusikzeitung/nmz.de

Wien/ Theater an der Wien
Alle sind getestet, geimpft und tragen Maske“ Bezahlartikel
https://www.diepresse.com/6069920/alle-sind-getestet-geimpft-und-tragen-maske

Was ist herauszulesen? Die wollen mehr Geld! Aber wollen das nicht alle?

Mozart-Arien – Die Freiheit zu verzieren
von Jürgen Kesting
Juan Diego Flórez stand noch nie in einer Mozart-Partie auf der Bühne. Auf seinem Album „Mozart“ widmet er sich dem Komponisten und nimmt sich viele Freiheiten in der Interpretation der Arien: mit heroischen Verzierungen bis zum hohen D.
https://www.deutschlandfunk.de/mozart-arien-die-freiheit-zu-verzieren-100.html

UNSER MUSIKALISCHER ADVENTKALENDER/ Teil 2 „Mille Cherubini in Coro“ von Franz Schubert – Luciano Pavarotti
zusammengestellt von TTT

Luciano Pavarotti (1935 – 2007)

TTT: Ich habe mehrere Aufnahmen mit L. Pavarotti verglichen – nur hier singt er geradezu betörend  ohne zu „schmettern,  zart, empfindsam, schwerelos – zu Herzen gehend!

 

ZUM VIDEO

BÜHNE BADEN: DER NUSSKNACKER ab 17.12

Copyright: Lalo Jodlbauer

Ballet-féerie in zwei Akten und drei Bildern
Musik von Pjotr I. Tschaikowsky
Libretto von Marius Petipa und Iwan Wsewoloschski nach E.T.A. Hoffmann und Alexandre Dumas dem Älteren
Premiere: 17. Dezember 2021
Folgevorstellungen: 30. Dez. 2021 und 2. Jän. 2022

Salzburg
Autorin Christine Haidegger ist verstorben
Die gebürtige Deutsche war Gründerin der Salzburger Autorengruppe und auch am Aufbau des Literaturhauses Salzburg beteiligt. Sie wurde 79 Jahre alt
Der Standard.de

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“

  • Trotz Delle am US-Arbeitsmarkt dürfte die Notenbank geldpolitisch auf die Bremse treten: Amerikanische Firmen haben im November überraschend wenige Jobs geschaffen. Auch die neue Corona-Variante Omikron bereitet Sorgen. Doch die Fed wird wohl an ihrem Kurs festhalten. Sie hatte kürzlich ein schneller als erwartet eintretendes Ende der gewaltigen Geldflut der vergangenen Jahre angekündigt. Zum Bericht
  • Der ehemalige US-Präsidentschaftskandidat Bob Dole ist tot: Der Weltkriegsveteran prägte als einflussreicher Senator Jahrzehnte amerikanischer Politik. Um den Chefsessel im Weissen Haus bemühte er sich mehrfach vergeblich und unterlag als Kandidat der Republikaner 1996 Bill Clinton. Dole wurde 98 Jahre alt.
    Zum Nachruf
  • Auf der indonesischen Insel Java hinterlässt ein Vulkanausbruch Tod und Zerstörung: Ein Ausbruch des 3676 Metern hohen Semeru hat mindestens 13 Personen das Leben gekostet. Die Zahl dürfte noch steigen. Indonesien liegt am Pazifischen Feuerring, wo es regelmässig Vulkanausbrüche sowie Erd- und Seebeben gibt.
    Zum Bericht
  • Bei der Präsidentenwahl in Gambia liegt Amtsinhaber Adama Barrow klar vorn: Die Abstimmung gilt als Lackmustest für die junge Demokratie in dem kleinen westafrikanischen Staat. Es war die erste Wahl ohne Yahya Jammeh, der lange Jahre diktatorisch geherrscht hatte und 2016 von einer Koalition unter Barrow gestürzt wurde.
    Zum Bericht
  • Lewis Hamilton gewinnt den ersten Grand Prix von Saudiarabien: Der Titelverteidiger verweist seinen WM-Rivalen Max Verstappen nach einem verrückten Duell auf Platz zwei. Nun starten beide punktgleich ins Formel-1-Finale. Am nächsten Wochenende in Abu Dhabi kommt es zum grossen Showdown.
    Zum Bericht
  • Banksy will eine frühere Haftanstalt zum Kunstort machen: Der sagenumwobene Street-Art-Künstler will ein leerstehendes britisches Gefängnis, in dem einst Oscar Wilde einsass, in ein Kunstzentrum umwandeln. Banksy bietet an, das Angebot des Stadtrats von Reading um zehn Millionen Pfund zu erhöhen.
    Zum Bericht

Buchbesprechung

Regine Paril-Fellner
INGE KONRADI
Bilder aus einem Theaterleben
152 Seiten, ca. 60 Abbildungen. Verlag Lehner , 2021

Der Begriff „Volksschauspielerin“ passte ihr punktgenau – das bedeutet in Wien: Raimund und Nestroy, Dialekt und Humor, aber das wäre zu wenig, wenn nicht auch ein gutes Stück Lebenswahrheit und ein Quentchen Tragik dabei wäre. Inge Konradi hatte das alles. Ihr Christopherl im „Jux“, ihre Rosa im „Verschwender“ (immer an der Seite von Ideal-Partner Josef Meinrad) haben Wiener Theatergeschichte geschrieben.

So war es hoch an der Zeit, fast 20 Jahre nach ihren Tod zwischen Buchdeckeln an sie zu erinnern, wo das Publikum, das sie live kannte, älter wird und man sie vielleicht nur als grantige Oma in satirischen Fernsehfilmen von Xaver Schwarzenberger in Erinnerung hat, was zu wenig wäre, um ihre Besonderheit einzufangen. Dass sie eine kleine Frau mit dunkler Stimme war – daraus hat sie auf der Bühne das Maximum herausgeholt.

Regina Paril-Fellner, heute in der Josefstadt tätig (Dramaturgie und Archiv), schrieb ihre Diplomarbeit über Inge Koradi, und es war Prof. Helmut Krauss, die „Seele“ der Raimund- und Nestroy-Gesellschaft, der sich ein Buch daraus wünschte, das er nun leider nicht mehr erlebt hat. Aber es ist da, wenn auch aus Ersparnisgründen in kleiner Schrift „dünn“ gehalten, allerdings mit vielen Fotos, die zeigen, dass die Gesichter der Inge Konradi weit vielfältiger waren, als das Klischeedenken über sie einräumt…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Fortschritt als Versprechen
„Ohne Faulheit kein Fortschritt! Weil der Mensch zu faul war zu rudern, erfand er das Dampfschiff. Weil er zu faul war zu Fuß zu gehen, erfand er das Auto. Weil er zu faul war abends die Augen zuzumachen, erfand er das Fernsehen.“
TTT’s Hinweise auf Psychosoziales (soziale Gegebenheiten, die unsere Psyche beeinflussen) haben immer deutlich relevantes „Gewicht“ für gegenwärtiges Theater.
Deutschlandfunk.de

Architekt Günther Feuerstein im Alter von 96 Jahren gestorben
Der „Katalysator der Wiener Nachkriegsszene in der Architektur“ ist am Samstag im Alter von 96 Jahren gestorben.
Kurier.at

Heute im ORF-Kulturmontag: Denkmalstreit – Die ewige Diskussion um Karl Lueger

 

95 Jahren schon steht die Bronzestatue des ehemaligen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger auf einem Podest in der Wiener Innenstadt, seit mehr als 15 Jahren wird in der Öffentlichkeit heftig über eine Neugestaltung debattiert. Denn auf der einen Seite war Lueger maßgeblich an der Entwicklung Wiens zur modernen Großstadt beteiligt, andererseits gilt er als Prototyp des modernen, populistischen Politikers mit antisemitischer Rhetorik und war – nach dessen eigenem Bekunden–- einer der „Lehrer“ Hitlers. Jetzt scheint langsam Bewegung in die Sache zu kommen: Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler kündigte eine Ausschreibung für eine „künstlerische Kontextualisierung“ des Denkmals am Stubentor an, die 2023 umgesetzt werden soll. Die Grünen der Stadt Wien und die Jüdischen österreichischen Hochschüler:innen fordern jedoch die Entfernung der Statue, die als Bezugspunkt für Rechtsextreme gilt. Auslöschen oder Aufarbeiten der Geschichte? Ein Pro und Contra. Live zu Gast im Studio nimmt Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler dazu Stellung. (Quelle: ORF)

Rio sagt Silvesterparty ab und bangt um Karneval
Nach der erneuten Absage seiner großen Silvesterparty wegen der Pandemie fürchtet die brasilianische Metropole Rio de Janeiro nun auch wieder um den berühmten Karneval.
https://orf.at/stories/3239045/

Der Karneval in Rio ist eine Freiluftveranstaltung. Wenn diese bereits hinterfragt wird, sehe ich für den Wieneropernball grau (noch nicht schwarz, aber in den nächsten 2 Wochen wird wohl eine Entscheidung fallen müssen!

Österreich
Fix! Impf-Verweigerer zahlen alle 3 Monate 600 € Strafe
Heute“ hat den Gesetzes-Entwurf zur Impfpflicht: Wer am 15.3. nicht gejaukerlt ist, brennt bis zu 600 €. Dieser Betrag wird alle drei Monate fällig. https://www.heute.at/s/impf-verweigerer-zahlen-alle-3-monate-600-strafe-100177394

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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