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6. AUGUST 2018

06.08.2018 | Tageskommentar


Mariss Jansons ist der unbestrittene Star der Festspielpremiere „Pique Dame“ bei den Salzburger Festspielen. Copyright: Marco Borggreve

Aus den ersten Nachtkritiken ergibt sich bereits das Bild, das wir erwartet haben. Mariss Jansons mit dem Orchester weit vor seinen Mitstreitern, dann eine durchschnittliche Besetzung – und dann ein Regisseur, der polarisiert – wegen seiner „Vergangenheit“ – nicht wegen der Gegenwart. Das sind die Zutaten für eine zu Höchstpreisen gehandelte Festspielpremiere – die ebenso vorhersagbar bejubelt wurde. Würde ich 1000 Euro und mehr für eine Opernkarte bezahlen, geriete ich auch glatt „aus dem Häuschen“.

Langer Applaus für „Pique Dame“
Erfolg für Jansons und das Ensemble, wiederum Buh-Rufe gegen Neuenfels
Tiroler Tageszeitung

Jubel für Pique Dame
Kurier

Merkel zu Gast in Salzburg – Jubel für Jansons „Pique Dame“
Bei den Salzburger Festspielen gab es Tschaikowskys „Pique Dame“. Dirigent Mariss Jansons wurde bejubelt. Unter den Gästen war auch Kanzlerin Merkel.
ZDF-de

Das Angebot im Internet: 2378 Euro für eine Karte zu „Pique Dame“
Menschen stehen vor dem Großen Festspielhaus und suchen verzweifelt nach Karten. Das zeigt, wie begehrt das Salzburger Musikspektakel ist. Und das führt auf Onlineplattformen zu absurden Blüten.
Salzburger Nachrichten

Frau Merkel hat ihre politischen Probleme scheinbar gelöst und stürzt sich in den Festspieltrubel, im Internet wurden Karten um (Einzelpreis) 2378 Euro angeboten. Ob sie um diese Summe verkauft wurden, weiß ich nicht – und wir werden das vermutlich auch nie erfahren. Wer diese Summe in eine Opernkarte investieren kann, verdient es, dass sich die Steuerfahndung mit ihm näher befasst!

„Die Zauberflöte“ – mit Alternativbesetzung für die „Königin der Nacht“ bei der TV-Übertragung

Solche Märchen schreibt nur das Leben. Die weltweit mit dieser Rolle die großen Opernhäuser der Welt bereisende Albina Shagimuratova sagt kurz vor der Premiere ab, eine 23jährige, die für die „Kinderversion“ dieser Oper vorgesehen ist, darf sie ersetzen. Emma Posman wurde dieses Glück zuteil, obwohl ich gar nicht so sicher bin, dass das überhaupt ein Glück war. Denn die Produktion ist – vorsichtig ausgedrückt – wenig gelungen und die TV-Zuschauer werden sich gar nicht so gerne an sie erinnern. Dass der Welt teuerstes Festspiel-Spektakel allerdings zu einer solchen Notlösung greifen muss, verwundert. Wenn der Wiener Operndirektor bei einer normalen Repertoirevorstellung eine derartige Notbremse ziehen muss, tut er es mit einem flauen Gefühl im Magen – denn er kennt seine Wiener.

Dennoch, Dank an die junge Dame mit offenbar eisernen Nerven – mögen ihr künftig gelungenere Szenarien zu Gebote stehen. Der Name hat sich jedenfalls in meinem Gedächtnis eingeprägt.

„Zauberflöte“: Eingesprungen und gefeiert
Die Salzburger Festspiele können nach der „Salome“ eine weitere Entdeckung feiern. Die junge Belgierin Emma Posman sang am Samstag als Ersatz für die erkrankte Albina Shagimuratova die Rolle der Königin der Nacht. Und wurde vom Publikum bejubelt.
https://orf.at/salzburgerfestspiele18/stories/2449779/

 Bayreuther Kleiderordnung: Nichts ist wie früher!

Auszug aus „Frankfurter Rundschau: Die Bayreuther Kleiderordnung für den Herren hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Wandlung erfahren, die von dem, was war, nur eine große Anzahl weißer Hemden übriggelassen hat. Noch in Stefan Herheims „Parsifal“ (2008ff) erschien es, das weiße Hemd, erst im dritten Aufzug schamhaft unter der Jacke (vor dreißig Jahren: unter der Smokingjacke). Man orientierte sich am Nachbarn, schöpfte durch dessen Kessheit selbst Mut, und so entstanden weiße Inseln und Linien. Der von Herheim in der Schlussszene eingesetzte Riesenspiegel machte das sichtbar, all die schwitzenden, erschöpften Herrschaften im Hemd, ein Anblick so rührend und indiskret wie ein Naturfilmschwenk in einen Maulwurfgang, in dem ein kleiner, fleißiger Maulwurf auf frischer Tat ertappt wird.

Der Herr von heute betritt den Saal zwar weiter vorzugsweise in Abendgarderobe, zappelt sich aber noch im Setzen aus der obersten Hülle heraus…

Weiterlesen in der „Frankfurter Rundschau

Times mager Ordnung
Sogar in Bayreuth leuchten inzwischen die weißen Herrenhemden aus den Reihen.
Vor 23 Stunden
Der Herr von heute betritt den Festsaal der Bayreuther Festspiele vorzugsweise in Abendgarderobe – und zappelt sich dann aus der obersten Hülle.
http://www.fr.de/kultur/timesmager/times-mager-ordnung-a-1556562

Bayreuth. Lohengrin – der Versuch einer feministischen/politischen Interpretation

Als eine „Abfolge von Schlagern“ beschreibt Musikdirektor Christian Thielemann diese rezeptfreie Einstiegsdroge in den berauschenden Klangkosmos Richard Wagners. Das macht die Story nicht leichter verständlich. Wieder hilft der Maestro: „Da kommt irgendwas vom Himmel herunter und geht wieder weg.“ Ja, so ungefähr ließe sich das Geschehen zusammenfassen.

Elsa befreit sich selbst

Wie Richard Wagners Held Lohengrin in Bayreuth an den Frauen scheitert – eine politische Interpretation
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/elsa-befreit-sich-selbst

Thomas Hampson: „Einige haben mich abgeschrieben“
Der amerikanische Bariton Thomas Hampson war froh, als das Jahr 2017 vorbei war. Gesundheitliche Probleme machten ihm zu schaffen. Seit einer Knieoperation fühlt er sich viel besser. Dennoch werde er „der Erste sein, der die Klappe hält, wenn es Zeit ist“, sagt er. Doch noch reizen ihn neue Aufgaben, und er ist dankbar, auch in Wien auf der Bühne stehen zu können.
Die Presse

Erfurt: Domstufenfestspiele bieten „Carmen“ an


„Carmen“ auf den Domstufen. Copyright: Lutz Edelhoff

Was kann bei einer Open Air-„Carmen“ schon schiefgehen? Nur das Wetter! In Erfurt zeigte es sich gnädig.

Zum Bericht von Larissa Gawritschenko und Thomas Janda

Leipzig: Dreizehn Werke in drei Wochen: Oper Leipzig kündigt eigene Wagner-Festspiele an
Leipzig statt Bayreuth? Die Oper hat erste Rahmendaten zu einem Happening bekanntgegeben, dem nicht nur Leipziger Musikfreunde entgegenfiebern. Im Sommer 2022 werden alle 13 Werke Richard Wagners binnen drei Wochen im Opernhaus am Augustusplatz zu sehen sein.
Leipziger Internet-Zeitung

Kirchstetten/NÖ: „IL BARBIERE DI SIVIGLIA in der Ausstattung des „Vogelhändlers“


Dirigent Hooman Khalatbari mit Juan de Dios Mateos (Graf Almaviva), Karolina Wieczorek (Rosina), Biljana Kovac (Bertha), Daniele Macciantelli (Dr. Bartolo), Thomas Weinhappel (Figaro), Leszek Solarski (Basilio) und Rastislav Lalinský (Fiorello).
Foto: Festival Kirchstetten

Die Regie war Joanna Godwin Seidl anvertraut. Die vom Schauspiel kommende junge Britin hat viele Ideen, oder eigentlich zu viele. Dabei übersieht sie  in ihrer ersten Arbeit für die Oper, dass Singen anderen Gesetzen als das Schauspiel folgt. Weniger wäre sicher mehr gewesen und warum diese Änderung von Ort und Zeit?  Was hatte gestern Kirchstetten mit Sevilla außer der Hitze gemeinsam?

Zum Bericht von Elena Habermann

MUSICAL: „DER KÖNIG DER MÖWEN“ in Hamburg – „Gut gebrüllt, Möwe“

Hamburg: Gut gebrüllt, Möwe
Unfassbare 13 Millionen Menschen haben seit 2001 das Musical „König der Löwen“ in Hamburg gesehen. Jetzt gibt es endlich eine Alternative mit Lokalkolorit: Der „König der Möwen“
Tagesspiegel

München/ Deutsches Theater: Feiner Fang
„Vom Fischer und seiner Frau“ als Musical im Deutschen Theater
https://www.sueddeutsche.de/kultur/kritik-feiner-fang-1.4081979

SALZBURGER FESTSPIELE: FRANK CASTORF HAT KEIN ERBARMEN MIT DEM PUBLIKUM – „HUNGER“ DAUERTE BEINAHE SECHS STUNDEN

Frank Castorf bleibt Frank Castorf. Er hat die langen Wagner-Opern längst bezüglich Spieldauer getopt. Er arbeitet mit den Mitteln, die sein Publikum bereits seit Jahren kennt (und trotzdem noch neugierig ist). Auf der Halleiner Perner-Insel spielte er seine Bearbeitung des Romans „Hunger“ von Knut Hamsun.

Es gab während der Aufführungen große Absetzbewegungen des Publikums, aber die „Castorfianer“ hielten bis zum Schluss durch. In unserer Presseschau finden Sie einige Kritiken.


Marc Hosemann, Josef Ostendorf, Rocco Mylord. Copyright: Salzburger Festspiele/Matthias Horn

An den Salzburger Festspielen retten die Schauspieler Frank Castorfs grosses Durcheinander
In Salzburg hat Frank Castorf «Hunger» von Knut Hamsun auf die Bühne gebracht. Inhaltlich dürftig, lang und zäh verläuft der Abend – den die Schauspieler aber mit Glanzleistungen erhellen. Ein exquisites Duo ist zudem auch in der «Penthesilea» von Johan Simons zu sehen
Neue Zürcher Zeitung
Salzburger Festspiele: Frank Castorfs „Hunger“
Knut Hamsuns „Hunger“ als Sound der nervösen Moderne. Schwer nervig und doch erhellend: Fünfeinhalb Stunden mit Knut Hamsuns „Hunger“, aufbereitet von Frank Castorf
Münchner Abendzeitung
Tapferkeit auf beiden Seiten der Rampe
Frank Castorf mobilisierte noch einmal seine bekannten Mittel, um auf der Halleiner Perner-Insel den Roman „Hunger“ von Knut Hamsun auf die Bühne zu bringen. Fast sechs Stunden Zeit muss man aufwenden für eine Aufführung, in der Castorf tief in seine altbewährte Trickkiste greift
http://drehpunkt.infobox.at/index.php?subid=706&option=com_acymailing
Castorf in Salzburg: Hungerkunst mit Sesamlaibchen
Festspiel-Ausflug in das Norwegen Hamsuns: Frank Castorf inszeniert sechs Stunden „Hunger“ in Hallein
Der Standard
Premiere: Castorfs Hamsun-Marathon in Salzburg
Sechs Stunden Theater bei 35 Grad Außentemperatur. Frank Castorf stellt sein Publikum bei den Salzburger Festspielen auf eine harte Probe.
Hamburger Abendblatt
Frank Castorf inszenziert „Hunger“ von Knut Hamsun in Salzburg
Frank Castorf bringt den Roman „Hunger“ von Knut Hamsun als Fast-Food-Farce auf die Bühne. Das Publikum haut in Scharen vor Vorstellungsende ab. Wer die sechs Stunden ausharrt, ist begeistert.
Die Welt.de
Als der moderne Mensch entstand
Zwei Romane für den Preis von einem: Frank Castorf inszeniert Knut Hamsuns Bücher „Hunger“ und „Mysterien“.
Sueddeutsche Zeitung

Filme der Woche


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Eigentlich kann einem der Franz Eberhofer fast leid tun. Da ist er als Polizist ein unverzichtbarer Bestandteil von Niederkaltenkirchen (das bayerische Dorf schlechthin, erfunden von Autorin Rita Falk und darum wirklicher als die Wirklichkeit), und dann freuen sich seine Vorgesetzten – der Bürgermeister (Thomas Kügel), der Dienststellenleiter (Sigi Zimmerschied) – offenbar diebisch darüber, dass er nach München versetzt wurde. München!

Und das ist nur ein Handlungsstrang in dem fünften „Eberhofer-Krimi“, die nun in schöner Regelmäßigkeit Jahr für Jahr auf der Leinwand erscheinen und eine feste Fangemeinde haben. Kein Wunder, so schlitzohrig, hinterfotzig und lebensecht, wie Ed Herzog diese Filme seit Jahr und Tag inszeniert.

Ja, die Ereignisse überborden diesmal. Also – München. Das gibt Nora Waldstätten Gelegenheit, als Kommissarin wieder zu kehren, allerdings nicht in einer richtigen Rolle (wie im vorigen Film), sondern nur eine Episode, wo sie sich wieder durch besondere Boshaftigkeit auszeichnet. Aber viel in München ist der Eberhofer Franz ohnedies nicht, wo er . bei seinem Freund Rudi (Simon Schwarz) in dessen schäbiger Bude einzieht und dieser beginnt sich aufzuführen wie ein besitzergreifender Teil des „Seltsamen Paars“…

Zuhause allerdings ist die Hölle los, denn dort wartet die Susi (Lisa Maria Potthoff) noch immer auf den Heiratsantrag vom Franz, und weil der vorläufig nicht kommt, will sie ihn mit dessen im schicken Auto zurückgekehrten alten Schulfreund eifersüchtig machen…

Etwas von der Handlung muss ich ja verheimlichen, Sie sollen nämlich den Film besuchen!

Fußball

Bildergebnis für fussball
Zwangsläufig habe ich mir Abstinenz verordnet- mein Lieblingsclub „Admira-Wacker“ ist nämlich vollends zum Sparverein geworden und hat im Sommer fast die ganze Mannschaft verkauft. Das ist entgegen meine Phisosophie, denn ich habe in den Transferzeiten immer kräftig investiert – auch mit Eigenmitteln. Meine Frau wollte mich schon entmündigen lassen, aber so leicht geht das nicht.

Nun spielt Admira-Wacker mit einer Billigsttruppe in Österreichs höchster Liga, international eine „Operettenliga“, schied aus dem Österreichischen Cupbewerb gegen einen Regionalligisten aus, in der Europaliga-Quali – in der Admira Wacker ohnedies nichts verloren hatte – gab es gegen gegen die schwache Elf von ZSK Sofia (Bulgarien) ordentliche Haue und vorige Woche durfte sogar Lieblingsgegner Rapid nach einem 3:o Sieg in der Südstadt einige Tage lang glauben, dass er nun plötzlich „wieder wer ist“. Ein Trugschluss, wie sich Samstag gegen Altach herausgestellt hat – nur die in der ersten Runde inferiore Admira-Wacker hat für eine Fata Morgana beim Rekordmeister gesorgt.

Als Meidlinger hänge ich aber noch immer am Bestandteil „Wacker“ – und so erbarmte ich mich gestern und fuhr nach Hartberg mit. Ich war immer ein 0:0 – Spezialist („Die Null muss stehen“), und wie man so einen Minimalpunktegewinn schafft (ohne ein Tor zu erzielen) wollte ich irgendwie vermitteln.

Zum Glück ergab sich keine Gelegenheit dazu, denn Admira Wacker gewann in Hartberg beim Liga-Aufsteiger mit 1:0 – und weiß bis heute nicht, wie das gelingen konnte!

Kurios verhält sich nach wie vor die „Austria“ – mit einem Trainer, der schon lange nicht mehr Austria-Trainer sein dürfte. Gestern verlor der einstige Wiener Spitzenclub gegen den WAC (Wolfsberg/ Kärnten) mit 0:1 und der Trainer tat anschliessend das, was er immer tut: Das Schicksal für die Pleite verantwortlich machen. Sein Standardsatz war in der abgelaufenen, verkorksten Saison Woche für Woche: „Die Leistung hat gestimmt, nur das Resultat nicht“.

Ich würde es an seiner Stelle einmal umgekehrt versuchen: Mit einer miesen Leistung drei Punkte erobern – wie eben Admira-Wacker gestern.

Aber Kopf hoch, liebe Austrianer, vor Admira-Wacker werdet Ihr diesmal sicher landen – da lege ich mich fest!

So, wer weiß, wann mein Club wieder das nächste Pünktchen ergattert, man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Viele Feste wird es heuer nicht geben!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag

A.C.

 

 

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