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5. SEPTEMBER 2021 – Sonntag

05.09.2021 | Tageskommentar

Ehemaliger Opern-Mäzen Alberto Vilar in New York verstorben. Foto: ORF

Alberto Vilar,  Ex-Wall-Street-Investor , wurde 80 Jahre alt. Er war unter anderem Sponsor der Salzburger Festspiele. 2005 wurde er wegen Finanzbetrugs zu jahrelanger Haft verurteilt

2005 war er wegen Finanzbetrugs verhaftet und nach einem achtwöchigen Prozess zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Der Richter legte später noch ein Jahr drauf. 2018 wurde er entlassen. Vilar war Sponsor unter anderem der Bayreuther und der Salzburger Festspiele, des Festivals Baden-Baden, der Metropolitan Opera in New York und des Royal Opera House in London. Seine Spenden sollen sich weltweit auf rund 225 Millionen Dollar belaufen haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte Vilar und seinem Partner Gary Tanaka der Veruntreuung von 21 Millionen Dollar (17,69 Millionen Euro) beschuldigt. Nach dem Urteilsspruch stellte sich heraus, dass auf den Amerindo-Firmenkonten mehr als 40 Millionen Dollar lagen. 2017 erhielten sämtliche Anleger ihr Geld zurück. (

https://www.derstandard.at/story/2000129412705/ehemaliger-opern-maezen-alberto-vilar-in-new-york-verstorben

Alberto Vilar mit Ehefrau. Foto „Dorfzeitung“

Leser werden mich fragen, warum ich mit dieser Meldung den heutigen Kommentar beginne. Weil Alberto Vilar ein hochinteressanter Mann mit vielen Rätseln war. Ein Hochstapler? Nur bedingt, weil Geld hatte er ja  (Grundlage für Hochstapler ist ja, dass diese eben kein Geld haben und Besitz nur vortäuschen)), so viel, dass nach Öffnung eines Kontos sämtliche vermeintlich Geschädigten ihr Geld zurückbekommen haben. Ein Wichtigmacher, der sich seine Wichtigtuerei etwas kosten lässt? Schon eher! Davon kenne ich einige, aber das ist nicht strafbar!

Angeklagt wurde er wegen der Unterschagung von 21 Millionen Dollar, in Kultur gespendet hat er angeblich 225 Millionen. Wieso er sich ins Gefängnis gesetzt hat und nicht die 21 Mille zur Schadentilgung zurückbezahlt hat (obwohl er diese Summe und noch viel mehr locker hatte) bleibt ein Rätsel, das Vilar nun ins Grab genommen hat. Warum hat er bei seiner Finanzlage nicht gesagt „Da habts den Bettel und gebts mir a Ruah“?

Schade, das „System Vilar“ hätte mich brennend interessiert, das muss ja genial gewesen sein! .

Und die Spenden-Empfänger (u.a. hat Vilar – so glaube ich – die Übersetzungsanlage bei jedem Sitzplatz der Wiener Staatsoper finanziert) haben sich so verhalten, wie es „Kulturmenschen“ leider tun. Die Reaktionen und sofortige Distanzierungen  waren zum Fremdschämen

Wiener Staatsoper: Heute wirklich erstmals volles Haus!

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Pretty Yende als Violetta. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Erstmals vor Publikum ist ab Montag, 5. September 2021, Verdis La traviata in der Produktion von Simon Stone zu erleben, die vergangenen März ihre Premiere im ORF feierte. Der Regisseur arbeitet in seiner Traviata mit einer überdimensionalen Videowand und demonstriert eindrucksvoll, wie zeitgenössisch große Oper 2021 sein kann:  Violetta ist ein Pariser »It-Girl«, eine heutige Influencerin, die selbst dann in ihrer Instagram-Blase gefangen bleibt, wenn sie sich mit ihrem Geliebten aufs Land zurückzieht. Ihr Leben ist der virtuellen Präsentations- und Schaulust ausgeliefert. Alles Private ist bei ihr öffentlich, dafür wird der öffentliche, urbane Raum zu ihrem einzigen Rückzugsgebiet für Momente der Schwäche.
Unter der musikalischen Leitung von Nicola Luisotti – er leitet das Werk erstmals am Haus – ist die südafrikanische Sopranistin Pretty Yende in der Titelpartie zu erleben. Sie feierte im Herbst vergangenen Jahres als Adina in L’elisir d’amore ihr erfolgreiches Staatsoperndebüt und begeisterte bei der vom Fernsehen übertragenen Traviata-Premiere mit gesanglicher und darstellerischer Intensität. Ihr Alfredo ist in dieser Vorstellungsserie der aus Québec stammende Tenor Frédéric Antoun, der sein Debüt im Haus am Ring gibt; den Giorgio Germont verkörpert Ludovic Tézier.

Reprisen am 7., 10., 15., 18. September, weitere Details hier.

Wiener Staatsoper: Saisonstart mit Tosca

Carmen Giannattasio als Tosca. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

http://dermerker.com/index.cfm?objectid=E48F09A4-F0A3-CF9E-99F3603C6D7D86D3.

Thomas Prochazka/ www.dermerker.com

Thomas Prochazka betreibt seine eigene Website www.dermerker.com) , das habe ich schon festsgehalten. Wir kooperieren bloß miteinander („zweieinig geht der Mensch am best“ – Meistersinger, 2. Akt) und er ist meist etwas strenger als andere Berichterstatter. Sachlich ist ihm nicht beizukommen, sonst hätten es viele bereits versucht. Wenn aner Prochazka von einer mittelmäßigen Vorstellung schreibt, kann man den Schluss ziehen, dass die Vorstellung gut war. Mit der Zeit lernt man auch die Handschrift der Rezensenten kennen.

Um sich auch „Merker“ zu nennen, bedurfte es keiner Genehmigung unserseits, der Name ist rechtlich nicht geschützt!

Wiener Staatsoper: Falstaff-Kritik vom 4.9.

Wolfgang Koch als „Falstaff„. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Gestern war Walter Nowotny „Merker am Amt “ .  Hier sein Bericht: 

 Man musste das umfangreiche Programmbuch über die neue Spielzeit der Wiener Staatsoper schon sehr genau lesen, um feststellen zu können, dass die Wiederaufnahme von Giuseppe Verdis „Falstaff“ nicht der zuletzt am Spielplan befindlichen Produktion von David McVicar, sondern der Inszenierung von Marco Arturo Marelli aus dem Jahr 2003 gilt. Groß angekündigt wurde dies nicht, wie das vor einem Jahr sehr wohl mit den Produktionen von Mozarts „Le nozze di Figaro“ von Jean-Pierre Ponnelle und Richard Strauss‘ „Elektra“ von Harry Kupfer geschehen ist. Dementsprechend groß war die Überraschung bei einigen Besuchern an diesem Abend.

Ich muss frei gestehen, dass ich weder ein so großer Fan der Inszenierung von Marelli noch  ein so entschiedener Gegner der Neuproduktion von McVicar bin; ich finde, dass beide Produktionen ziemlich gleichwertig sind. Allerdings muss man sich als Besucher (und Steuerzahler) schon die Frage stellen, warum wir unbedingt eine gewiss nicht billige Neuinszenierung gebraucht haben, die insgesamt nur 13 Mal gezeigt wurde, wenn die alte Produktion durchaus noch spielbar ist. Aber der Direktor, der für diese unnötige Neuinszenierung verantwortlich zeichnet, weilt nicht mehr in Wien…

Zum Bericht von Walter Nowotny

Gesichter Europas: Die Wiener Staatsoper: Mehr als nur schöne Arien
Ein Podcast (53 Minuten)
Zum Podcast (53 Minuten)

Wien
Schmäh trifft Schnauze
Im neuen Opernjahr steigt Clemens Unterreiner vom Donner zum Gunther auf. Davor lädt er mit Doyenne Renate Holm nach Baden.
https://www.diepresse.com/6029322/schmah-trifft-schnauze

Jetzt müssten wir einen Opernsänger fragen, ob der Aufstieg vom Donner zum Gunther wirklich ein solcher ist. Die effektvollere Szene hat eindeutig der „Donner“

Wiener Konzerthäuser starten in die neue Saison
https://www.vienna.at/wiener-konzerthaeuser-starten-in-die-neue-saison/7113843

Spielzeitbeginn am Stadttheater Klagenfurt mit Die Walküre

Aaron Stiehl, Ferdinand Buchner, Sarah Gilford, Matthias Walter. Copyright: Stadttheater Klagenfurt/low.jpg

Das Stadttheater Klagenfurt eröffnet die neue Spielzeit am 16. September 2021 mit Richard Wagners Die Walküre.
Am Tag nach der Premiere steht eine Lange Nacht der kurzen Musik mit Lesungen und Konzerten am Programm.

„Die Walküre“ bildet den Auftakt eines großen Ring-Projekts, das in den kommenden vier Spielzeiten gezeigt wird. Der Ring spiegelt universale Gesellschaftsstrukturen wieder und hinterfragt das Verhältnis von Mensch und Natur –eines der drängendsten Themen der Gegenwart. Der Opernzyklus steht erstmals seit den 60er Jahren wieder am Spielplan. Regie führt Intendant Aron Stiehl, die musikalische Leitung übernimmt der neue Chefdirigent Nicholas Milton. In der Rolle des Wotan ist Markus Marquardt zu sehen, in der Rolle der Fricka Ksenia Vyaznikova zu erleben.

PLACIDO DOMINGO SANG GESTERN BEIM FESTIVAL IN KRUMAU (Tschechien)

 

ZU INSTAGRAM

Placido Domingo ist derzeit der wohl umtriebigste Sänger. „Unseren“ Kurt Rydl (kei Tag ohne Auftritt ist ein verlorener) hat er bereits den Rang abgelaufen!

Die Preisträger der XIX. Międzynarodowy Konkurs Sztuki Wokalnej im. Ady Sari in Nowy Sącz [19th Ada Sari International Vocal Artistry Competition] stehen fest:

Ketevan Chuntishvili, a soprano from Georgia, a graduate of the Department of Drama and Media at the Hanover University of Music in Marek Rzepka’s class, was awarded 2nd prize (PLN 15,000) in the female voice category at the 19th Ada Sari International Vocal Artistry Competition in Nowy Sącz. In addition, the artist received an award (PLN 2,000) for the best performance of a Mozart piece.

In the male voice category, the second prize (PLN 15,000) went to David Roy, a baritone from Poland, a graduate of the Feliks Nowowiejski Academy of Music in Bydgoszcz, in the class of Adam Zdunikowski. -C-Piotr Drozdzik MCK-SOKOL.jp

Zum ausführlichen Bericht vit sämtlichen Preisträgern

WIEN / Akademietheater des Burgtheaers: 
LÄRM. BLINDES SEHEN. BLINDE SEHEN von Elfriede Jelinek
Österreichische Erstaufführung Premiere: 4. September 2021 

Foto: Burgtheater/ Matthias Horn

In Wien gibt es derzeit ein echtes Theater-Ringelspiel. Ex-Burgtheater-Direktor Claus Peymann, in Berlin ohne Berliner Ensemble heimatlos, ist nach Wien zurück gekehrt, treibt sich allerdings in Josefstädter Gefilden herum. Der amtierende Burgtheater-Direktor Martin Kusej macht einen Spielplan à la Peymann und bringt Stücke von Jelinek und Handke, die er allerdings nicht Peymann anvertraut hat, sondern einem anderen heimatlosen Berliner, dem aus der Volksbühne geschiedenen Frank Castorf.

Dieser, gerade 70 geworden, beweist anhand des Jelinek-Stücks mit dem wenig einsichtigen, umständlichen Titel „Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!“, dass er noch immer so mutwillig unternehmungslustig ist wie eh und je – und in seinen Mitteln ganz der Alte. Überraschungen hat er nicht zu bieten.

Elfriede Jelinek auch nicht. Der „Lärm“ (erlauben wir uns zu verkürzen, und Lärm gibt es genug auf der Bühne des Akademietheaters) ist ihr „Pandemie-Stück“, uraufgeführt im Juni am Hamburger Schauspielhaus, nun zur Österreichischen Erstaufführung gebracht. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Autorin gewissermaßen an aktuelle Ereignisse anhängt, und im Grunde hat sie immer dasselbe zu sagen – die bösen Mächtigen anzuklagen, die immer an allem schuld sind, ist allerdings eine sichere Bank, wer wird da schon widersprechen?…

Frank Castorf, gegen seinen sonstigen „Zerrupftheits“-Look im weißen Anzug geradezu zivilisiert aussehend, konnte den widerspruchslosen Beifall entgegennehmen. Die Autorin, immerhin jüngste Ehrenbürgerin von Wien, hat sich auch angesichts ihrer neuen Würde nicht dazu entschlossen, sich bei dieser ihrer Wien-Premiere zu zeigen.

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Thomas Stipsits kündigt dreimonatige Bühnenpause an
Er sei mit Dreharbeiten, Live-Auftritten, seinem dritten Stinatz-Krimi, Film- und TV-Projekten so beschäftigt gewesen, dass ihm „die Kraft ausgegangen“ sei, bedauert der Kabarettist.
https://www.diepresse.com/6029449/thomas-stipsits-kundigt-dreimonatige-buhnenpause-an

Das ist ja wunderbar, wenn ein Schauspieler in der Krise voll ausgelastet war. Es gibt auch andere Beispiele!

Kommentar
Der pragmatische Zugang
Das Medienreich des Red-Bull-Eigentümers Dietrich Mateschitz erhält wieder einmal Zuwachs. Gemeinsam mit Prinz Michael von und zu Liechtenstein herausgegeben, erscheint ab sofort „Der Pragmaticus“ als Online-Plattform. Ein monatliches Printmagazin wird am Montag nachgereicht.
Wiener Zeitung

Deutschland
Bundestag :So funktioniert die Briefwahl
In diesen Tagen erhalten viele Menschen ihre Wahlunterlagen. Erwartet wird ein Rekord bei der Briefwahl. Warum ist das so und was heißt das für den Wahlkampf? Und: Wie geht das eigentlich? Antworten auf wichtige Fragen.
Tagesschau

Heute in drei Wochen wird gewählt – in Deutschland und in Oberösterreich. Als Österreicher interessiert mich natürlich Oberösterreich mehr. Die Umfragen sind sehr interessant!

Unsere „Vereinigten Hundskicker“ haben gestern gegen Israel 2:5 verloren und können sich den Direktaufstieg in die Haare schmieren.

Ich wünsche einen schönen Sonntag!

A.C.

 

 

 

 

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