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5. SEPTEMBER 2019 – Donnerstag

05.09.2019 | Tageskommentar

Es herrscht wieder Gedränge beim Bühnenausgang der Wiener Staatsoper. Foto: Esther Hatzi

Ritual wie eh und je! In Wien wie auch – so wurde mir gesagt – in München können die Künstler nach der Vorstellung in ihrer Popularität“ baden“

Thomas Hampson sang gestern den „alten Germont“ in Verdis „La Traviata“. Im Laufe des Tages bringen wir den ersten Bericht über die Staatsopern-Saisoneröffnung. Foto: Esther Hatzi

Dramatik pur vor dieser Traviata: Die vorgesehene Sängerin der Titelrolle merkt beim Einsingen, dass es nicht geht, die Gattin des Tenors springt ein!

Charles Castronovo, Ekaterina Siurina. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Unser Rezensent Dr. Manfred Schmid berichtet: Knapp vor Vorstellungsbeginn tritt Operndirektor Dominique Meyer vor den Vorhang und erklärt, dass die für die Titelpartie angekündigte Irina Lungu eben erst beim Einsingen festgestellt habe, dass sie stimmlich nicht in der Lage sei aufzutreten. Man habe aber – kurzfristigst – für adäquaten Ersatz sorgen können: Ekaterina Siurina, die Ehefrau von Charles Castronovo, der den Alfredo Germont singen wird, sei mit nach Wien gereist und habe sich bereit erklärt, die Partie der Violetta zu übernehmen. Da die in Wien nicht unbekannte russische Sängerin – sie feierte bereits zu Jahresbeginn ihr Traviata-Debüt im Haus am Ring – natürlich etwas Vorbereitungszeit braucht, beginnt die Aufführung eine knappe halbe Stunde später. Es wird – in Anbetracht der Umstände verständlich – keine Sternstunde, aber immerhin eine zufriedenstellende Angelegenheit…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

HEUTE geht es weiter mit „LES CONTES D’HOFFMANN“

„Les contes d’Hoffmann“. Foto. Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Frederic Chaslin dirigiert, Olga Peretyatko singt alle drei großen Frauenrollen. Dmitry Korchak ist Hoffmann, Luca Pisaroni sein Gegenspieler.

Deutsche Oper Berlin: So gut war Anna Netrebko noch nie


Yusef Eyvazov, Anna Netrebko. Foto: Bettina Stöss

Schlussapplaus-Video dazu

Bei der konzertanten Aufführung von Cileas Schauspielerin-Oper Adriana Lecouvreur scheint Anna Netrebkos prächtig reife Stimme ganz bei sich. Dass Netrebkos Mann Yusif Eyvazov mit steifem, farblosem Tenor kaum punkten kann, ist insbesondere im vierten Akt spürbar. Die Fürstin von Olesya Petrova und der Fürst des jungen Patrick Guetti hingegen tragen entschieden zum Hörgenuss bei. Am Pult überzeugt der so geschmeidig wie lebendig sich für das Werk einsetzende Michelangelo Mazza.
Konzertkritikopernkritikberlin/schlatz

Berlin/ Deutsche Oper: ADRIANA LECOUVREUR

Ein Opernabend wie viele andere ist es wohl nicht, wenn die glamouröse russische Diva mit der samt-rauchigen Stimme und silbern gleißenden Höhen und der Verismoreißer „Adriana Lecouvreur“ sich nun auch in Berlin zu einem künstlerischen Stelldichein treffen. Anna Netrebko in der Titelpartie, die junge Russin Olesya Petrova als ihre Gegenspielerin Fürstin von Bouillon, Yusif Eyvazof als umschwärmter Maurizio und Alessandro Corbelli als Michonnet stellten das in diesen Rollen überwiegend hocherfahrene vokale Kleeblatt dar. Dirigent Michelangelo Mazza, der 14 Jahre lang Mitglied der Ersten Violinen des Orchesters des Teatro Regio di Parma war, startete seine Dirigentenkarriere erst vor fünf Jahren. Ihn verbindet laut Programmheft eine intensive künstlerische Zusammenarbeit mit dem Ehepaar Netrebko, Eyvazov. Da könnte man ja fast vermuten wollen, wie das Engagement zustande kam. Tun wir aber nicht. 

Zum Bericht von Dr. Ingobert Waltenberger

Na also, was so ein Urlaub bewirken kann! Bayreuth hat sie sich klugerweise gar nicht erst ausgesetzt, das ist ein eigener Publikumskosmos. Beim Tricksen ist die Netrebko geschickter als derzeit Boris Johnson und Matteo Salvini zusammen!

Daniel Barenboim kommt aus dem Gerede nicht heraus

Es geht nicht um sexistische Übergriffe, es geht um Unbeherrschtheit. Ein Mann, der über einen großen Klangapparat gebietet, hat sich manchmal selbst nicht in der Hand. Zumindest behauptet das eine ehemalige Orchestermanagerin!

 

Am Samstag, den 17. März 2018 gegen 11:20 Uhr suchte Laura Eisen Daniel Barenboims Garderobe in der Staatsoper Unter den Linden auf. Die Orchestermanagerin der Staatskapelle Berlin wollte mit dem Dirigenten eine Besetzungsänderung in den Flöten für die bevorstehenden Endproben von Verdis Oper Falstaff besprechen. Nach Aussage Eisens, die sie im Juni 2019 gegenüber ihrem Anwalt macht und an Eides statt versichert, war Barenboim bereits wütend auf sie, als sie das Zimmer betrat. »Er schrie mich an, ich solle den Raum verlassen und er könne mir nicht mehr vertrauen«, schreibt Eisen. »Als ich dazu etwas sagen wollte, kam er auf mich zu, packte mich mit beiden Händen zwischen Schultern und Hals und schüttelte mich. Dabei schrie er mich an, dass ich verschwinden solle. Ich war geschockt, trat zwei Schritte zurück Richtung Tür und verließ direkt den Raum. Ich erinnere mich an den Gesichtsausdruck von Herrn Barenboim, der in dem Moment meines Zurückweichens selbst schockiert über sein Handeln zu sein schien.« Am Abend nach dem Vorfall, so Eisen gegenüber VAN, fühlte sie sich »schrecklich«. »Ich dachte: ›Bin ich im falschen Film?‹…

https://van.atavist.com/nach-wie-vor

Daniel Barenboim dementiert:

Berlin
Mutmaßlicher körperlicher Übergriff: Daniel Barenboim streitet Vorwürfe ab
Der Dirigent soll gegenüber der ehemaligen Orchestermanagerin der Staatskapelle Berlin körperlich übergriffig geworden sein, berichtet das VAN-Magazin. Die Managerin wirft außerdem der Staatsoper vor, den Fall nicht ernst genommen zu haben. Barenboim selbst streitet die Vorwürfe ab.
BR-Klassik

Dirigent verteidigt sich gegen Vorwürfe: Barenboim behauptet, er sei nie handgreiflich geworden
Die frühere Orchestermanagerin der Berliner Staatsoper wirft Barenboim körperliche Übergriffe vor. Der Dirigent weist das nun offiziell zurück.
Tagesspiegel

Salzburg: Die Präsidentin der Festspiele ist die „Edith Klinger der Künstler“

Die Österreicher älteren Datums erinnern sich noch an Edith Klinger („er ist ja sooo lieb“). Bei den Künstlern hat nun Frau Dr. Rabl-Stadler diese Rolle eingenommen. Bei Placido Domingo wurde ihr eine Entscheidung abverlangt – und diese war vertretbar – eigentlich hatte sie gar keine Wahl. Warum sie sich aber in diese Lewek-Geschichte eingemischt hat, verstehen die Götter – und wahrscheinlich nicht einmal die!

Damit eckt sie bei Manuel Brug an – und der ist in jeder Beziehung ein Schwergewicht. Also schreibt er in seinem Leibblatt:

Ist Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin der Salzburger Festspiele, so etwas wie der Schutzschild ihrer Künstler? Es scheint so, in ihrem mozartkugelig staniolstrahlenden Klassik-Universum gilt noch das Gute und Schöne, sie stellt sich rasch und spontan, manchmal auch ein bisserl naiv, so wie sie halt ist, vor jede(n) ihrer Teilzeitbeschäftigten. So auch im möglichen MeToo-Fall Plácido Domingo. Und ihr nicht immer glücklich formuliertes und dann ausgesendetes Wort hat – zumindest in Europa – Vorbildfunktion…

Domingo und der Klassikgraben
Ist Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin der Salzburger Festspiele, so etwas wie der Schutzschild ihrer Künstler? Es scheint so, in ihrem mozartkugelig staniolstrahlenden Klassik-Universum gilt noch das Gute und Schöne, sie stellt sich rasch und spontan, manchmal auch ein bisserl naiv, so wie sie halt ist, vor jede(n) ihrer Teilzeitbeschäftigten.
https://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article199662186/Kommentar

Für einen „geordneten Domingo-Triumph“ haben die Salzburger Festspiele durch ein eigens inszeniertes Auftrittsritual gesorgt, bei dem nicht viel schiefgehen konnte. Herr Domingo hat jedenfalls ohne das geringste Anzeichen von Reue in der Publikumsgust gebadet.

Aber die Grenze verläuft durch den Atlantik! Auf den Met-Werbebannern für die„Macbeth“-Vorstellungen im Oktober steht vorsichtshalber derzeit nur der Name von Anna Netrebko. Auch ein Held, der Mister Gelb!

Jetzt möchte ich natürlich nicht ungerecht sein, beim Geld der Sponsoren hört sich die Heldenhaftigkeit auf. Helden sind – zumindest bei Richard Wagner – nicht die Hellsten im Kopf.

Frankfurt: LIEDERABEND „JAKUB JÒZEF ORLINSKI“

 
Jakub Józef Orliński (Countertenor) und Michał Biel (Klavier) bei ihrem  Frankfurter Liederabend (Foto: Barbara Aumüller)

Traditionell präsentiert die Oper Frankfurt auch in der neuen Spielzeit internationale Opern-Stars zur Reihe „Liederabende“, den Reigen eröffnete heute der Countertenor Jakub Józef Orlinski welcher bereits in Frankfurt für Furore sorgte mit seiner aufsehenerregenden Interpretationen des Unolfo (Rodelinda) und Rinaldo.

Sechs Arien aus Barock-Opern brachte der polnische Sänger im ersten Teil seines Recitals zu Gehör welches er mit drei Preziosen von Georg Friedrich Händel eröffnete und beschloss.

Zum Bericht von Gerhard Hoffmann

Frankfurt
Jakub Józef Orlinski: Diese Augen müssen weinen
Jakub Józef Orlinski beim virtuosen Liederabend im Frankfurter Opernhaus.
Frankfurter Rundschau

Wien/ Volkstheater: Installation – Werbeaktion für „Merowinger: Zuschlagen erwünscht!
Das Volkstheater installiert einen mobilen „Wutraum“ im Wiener Museumsquartier. Möglichkeiten der Aggressionsbewältigung inklusive.
Wiener Zeitung

WIEN / Kunstforum: KAIROS. Der richtige Moment Wolfgang Beltracchi und Mauro Fiorese
Vom 4. September 2019 bis zum 221. September 2019

 

Spaziergang durch die Kunst

Im Kunstforum der Bank Austria ist ein kurzfristiges Gastspiel eingezogen – knapp drei Wochen haben die Wiener Besucher Zeit, sich ein durchaus originelles Projekt von Christian Zott zu betrachten: Unter dem Motto „KAIROS. Der richtige Moment“ sind Gemälde von Wolfgang Beltracchi und Fotos von Mauro Fiorese zusammen gestellt. Besonders letztere werfen einen eigenwilligen Blick auf „verborgene“ Kunstgeschichte. Die Gemälde von Wolfgang Beltracchi zeigen, wie ein Meister seiner Kunst diese auf legalem Weg vermarkten kann…

Zum Ausstellungsbericht von Renate Wagner

Filme der Woche

Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

Eben erst ist Emma Thompson als sehr unangenehmes amerikanisches Medien-Monster auf der Leinwand erschienen, nun bietet Steve Coogan als Lionel Macomb eine ähnliche Studie an. Er ist allerdings ein Radiomann und ein superscharfer dazu, offen und schamlos rechtsradikal, einer, den Donald Trump loben und anhören würde, gäbe es ihn wirklich (kein Zweifel, dass genügend von seinesgleichen in USA vor Radiomikrophonen sitzen).

Coogan, der jetzt auf Charakterrollen setzt (in „Stan & Ollie“ war er ein herausragend verbiesterter Stan Laurel), braucht in diesem Film von Frank Coraci (bisher meist mit billigen Komödien unterwegs, hier ein bisschen griffiger) nicht lange, um einen überzeugend miesen Kerl hinzustellen. Man wundert sich nur, dass dieser Lionel in Gestalt von Valerie (überzeugende Herzlichkeit und Menschlichkeit: Neve Campbell) eine wirklich liebenswerte Partnerin hat.

Nun hat Lionel Macomb das klassische Problem, dass er nicht jünger wird und dass die Konkurrenz mit verlogenem Lächeln und noch verlogeneren Sprüchen gnadenlos nachdrückt. Aber so richtig turbulent wird es, als ein farbiger Teenager sich mit einem miesen Trick in Lionels Appartement schwindelt und ihn vor die Tatsache stellt, seine Nichte zu sein…

Hirscher erklärt Karriere für beendet
Superstar Marcel Hirscher hat seine alpine Karriere am Mittwoch offiziell beendet. Mit den Worten „Ja, es ist heute der Tag, an dem ich meine aktive Karriere beende. Jetzt ist es draußen, jetzt ist mir leichter“ zog der weltbeste Skifahrer der Gegenwart in Salzburg den Schlussstrich. Rund 150 Journalisten und 20 TV-Teams aus der ganzen Welt ließen sich den letzten Auftritt des erst 30-Jährigen als Sportler nicht entgehen.
https://sport.orf.at/stories/3053063/

Um Marcel Hirschers Finanzen brauchen wir uns trotzdem keine Sorgen machen. Er braucht es zwar nicht, aber er könnte Seminare abhalten: „ Die Kunst des rechtzeitigen Abtritts“.  Wer käme als Kunde in Frage: Opernsänger jenseits des Ablaufdatums und Feststspielpräsidentinnen mit Klebstoff auf der Sitzfläche!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

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