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5. OKTOBER 2019 – Samstag

05.10.2019 | Tageskommentar

Berlin/ Staatsoper: DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR. Pavol Breslik, Anna Prohaska. Foto: Monika Rittershaus

Ausgerechnet René Pape als Sir John Falstaff, das kann doch nicht funktionieren, so die Bedenken vorab. Doch das klappt, hier nicht bei Verdis „Falstaff“, aber beim Dreiakter, den der Berliner Otto Nicolai nach Shakespeares „The Merry Wives of Windsor“ komponierte und sein Werk als komisch-phantastische Oper bezeichnete.

Schon sehr lange hat sich das Publikum in der Staatsoper Unter den Linden, die eher das Ernste und Erhabene pflegt, nicht so amüsiert, die Autorin inklusive. Das Staunen und Gekichere beginnen, als René Pape im Fatsuit und Sandalen auf die Bühne schlurft. Als reichlich vergammelter alter Kerl mit fettigen Haarstränen. Das befleckte weiße T-Shirt ist zu kurz und lässt einen ständig vorgestülpten Bauchnabel über der hängenden Dreiviertelhose sehen (Kostüme: Falko Herold)…

Zum Premierenbericht von Ursula Wiegand

….Der Kardinalfehler dieser Regiearbeit liegt aber in seiner Verortung auf einem sehr niedrigen sozialen Niveau. Falstaff, immerhin ein Sir, entspricht optisch einem Berliner Penner, wie man ihn in dunklen Ecken, unter Brücken oder auf Parkbänken finden kann. Halbnackter Schmerbauch, billige Tennissocken, schmuddelige Kleidung und speckige, ungewaschene Haare. Diesen Typ hätte keine Frau freiwillig in ihre Nähe gelassen.

Auch die Familien Fluth und Reich stellt man sich auf einem deutlich höheren sozialen Level vor. Auffällig, wie viel in dieser Aufführung getrunken wird, sämtliche Protagonisten haben permanent Flaschen in der Hand, aus denen höchst unkultiviert getrunken wird. Das praktizierte Verhalten aller Beteiligten ließe mehr auf Hartz IV-Niveau, als auf Reihenhaus-Besitzer schließen…

Zum Bericht von Peter Sommeregger/ Klassik-begeistert

„Die lustigen Weiber von Windsor“: Falstaff als Rocker
Berliner Morgenpost
Barenboim: DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR
https://www.freitag.de/autoren/andre-sokolowski/barenboim-die-lustigen
Die geschmacklosen Weiber von Windsor
DeutschlandfunkKultur
Die lustigen Weiber und die Crossdresser – Otto Nicolais Shakespeare-Oper an der Staatsoper Berlin

Neue Musikzeitung/nmz

Neueste Nachricht: Tenor Marcello Giordani 56jährig an Herzversagen gestorben!

Forum: „florezaficonada“ weiß mehr:

laut quotidiano.net starb giordani in seinem haus in augusta an einem infarkt. sofortige reanimationsmaßnahmen blieben erfolglos. er hinterlässt eine frau und zwei söhne. vor einem monat noch sang er in den antiken theatern von siracusa und taormina den calaf.

ich hab ihn mehrmals live erlebt und bin erschüttert. RIP

WIEN/ Staatsoper:  SALOME am 4.10.

Linda Watson (Herodias). Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Zwei hauseigene Rollendebutanten gab es in dieser „Salome“-Serie: Linda Watson als mächtige, prächtige, zynische Herodias beweist, dass die ehemaligen Hochdramatischen die besten Sängerinnen dieser Rolle sind. Jörg Schneider ist ein geradezu freundlich wirkender Herodes, zwischen starken Frauen zerrieben, fast kindlich verliebt in die Stieftochter, immer wieder ängstlich, nervös. Dazu lässt er seinen schönen Tenor erschallen…

…Dennis Russell Davies am Dirigentenpult ließ die Wiener Philharmoniker klingen wie ein um ein paar Dezibel zu laut aufgedrehtes Radio. Nun ist die „Salome“ verdammt dramatisch, und wer ihre Aufschwünge hoch peitscht, macht nichts falsch. Aber permanente Lautstärke lässt viel von der berühmten Raffinesse der Partitur unter den Tisch fallen. Aber, wie schon oft festgestellt, „laut“ wirkt, und das ausverkaufte Haus spendete seinerseits lauten, wenn auch nicht allzu langen Beifall.

Zum Bericht von Renate Wagner

Wien/ „Brittens Sommernachtstraum an der Staatsoper“ Premiere am 2.10.2019

Die erste Premiere der Wiener Staatsoper in der neuen Saison galt Benjamin Brittens Shakespeare-Vertonung „A Midsummer Night’s Dream“. Das Werk stand zuletzt von 1962 bis 1964 auf dem Staatsopernspielplan.

Brittens Oper ist in den folgenden 55 Jahren aber nie ganz aus dem Blickwinkel des hiesigen Publikums verschwunden: 1998 gab es eine erfolgreiche Produktion in der Regie von Philippe Arlaud an der Volksoper, die 2009 noch einmal aufgenommen worden ist; 2018 präsentierte das Theater an der Wien das Werk in einer radikalen (Um-)Deutung von Damiano Michieletto…

http://www.operinwien.at/werkverz/britten/asommer4.htm

Artistischer „Puck“. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

MANNHEIM: DIE FRAU OHNE SCHATTEN. Wiederaufnahme am 2.10.


Catherine Foster (Färberin), Miriam Clark (Kaiserin), Julia Faylenbogen (Amme). Foto: Hans-Jörg Michel.

Am 10. Oktober 1919 erlebte „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss in Wien ihre UA, genau eine Woche davor feierte nun das grandiose expressive Werk zur WA am Nationaltheater seinen 100. Geburtstag…

Zum Bericht von Gerhard Hoffmann

Stuttgart: „NORMA“ 3.10. 2019– Ergreifendes Belcanto-Drama


Von Rivalinnen zu Freundinnen:  Yolanda Auyanet (Norma) und Diana Haller (Adalgisa). Copyright: Martin Sigmund

Die Tragik der Oberpriesterin Norma zwischen Glaubens-Gelübde, verbotener Liebe zu einem römischen Besatzer und mütterlicher Bindung in Kombination mit Vincenzo Bellinis ebenso himmlischer wie mitreißender Melodik gehört ohne Zweifel zu den herausragenden Errungenschaften der Operngeschichte und dürfte wohl nur besonders hartgesottene Gefühlsverweigerer kalt lassen. Auch in dieser vorläufig letzten, 71. Vorstellung der vor der Sommerpause erfreulicherweise noch einmal wieder aufgenommenen Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito im Bühnenraum und Kostümen von Anna Viebrock war die große Anteilnahme des Publikums während der Aufführung zu spüren. Die Solisten sowie Chor und Orchester machten aber auch allesamt spürbar, wie sie selbst von der Emotionalität und Ästhetik des Stückes mitgenommen und zu lebendiger Gestaltung verführt werden.

Zum Bericht von Udo Klebes)

Wiesbaden, Staatstheater: DIE ZAUBERFLÖTE.   Vorstellung am 3. Oktober 2019

Thomas de Vries, Ralf Rachbauer (oben), Gustavo Quaresma, Benjamin Russell (unten)
Foto: Andreas J. Etter

CARSTEN KOCHAN´s Inszenierung der Zauberflöte darf man bieder nennen: sie tut nicht weh, eckt nicht an und erzählt die Geschichte geradeaus. Alles ist gleichschenklig und im Lot. Videoprojektionen ersetzen weitgehend das Bühnenbild (MICHAEL SCHALLER), ein Trend der zunehmend auf deutschen Bühnen zu erleben ist, und der fatal ist. Video ist der Feind des Theaters, da die bewegten Bilder zumeist des reale Bühnengeschehen dominieren. Hier in Wiesbaden dominieren sie nicht, aber sie kommentieren und bebildern eine kahle Bühne, die ein wirkliches  Bühnenbild eigentlich verweigert. So senkt man sicher die Produktionskosten.

Die Besetzung hingegen ist ein Wurf. Fast ausnahmslos sind sehr gute Sänger, mit speziell- timbrierten Stimmen und guter Bühnenpräsenz, am Start.

Zum Bericht von Damian Kern

DARMSTADT/ Staatstheater: KISS ME, KATE am 2.10.


Katharina Rebekka Reister mit den Ganoven David Pichlmaier und Michael Pegher). Copyright: Staatstheater Darmstadt

In der neuen jazzig-aufgefrischten Orchestrierung  bietet man in Darmstadt Cole Porters KISS ME, KATE. Das Orchester, mit Reed-Spielern und Jazztrompeten zu einem Hollywoodorchester plus Bigband aufgestockt, kann sich voll entfalten und der leichte Staub der 50er Jahre fällt musikalisch locker ab…

Zum Bericht von Christian Konz

WIEN : „Die Fledermaus – reloaded“ im Wiener Metropol, 2.10.2019:
Alte tolle Operette, toll wienerisch neu aufgemascherlt

Johann Strauß hält dies aus! Sein Superhit „Die Fledermaus“ von Metropol-Chef Peter Hofbauer und dessen Team ganz hemdsärmelig auf urig wienerisch umgemodelt. Zwar im Vorjahr für das sommerliche NÖ-Theaterfest bereits in Schloss Weitra ausprobiert, nun ins Metropol übernommen und zum unverfrorenen Hausgebrauch eingerichtet…

Zum Bericht von Meinhard Rüdenauer

„Konzertgänger in Berlin“
Begegnungsreich: Match Cut Festival in der Volksbühne: Lauter lohnende Begegnungen!
Wenn ein Konzertabend mehr Nettomusikzeit bietet als eine Götterdämmerung, kann man ihn mit Fuge und Hecht als Festival bezeichnen. Beim bemerkenswerten Match Cut Festival, das das Zafraan Ensemble mit Partnern am Tag der deutschen Einheit auf die Beine gestellt hat, ist die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz durchaus respektabel gefüllt. D
https://hundert11.net/begegnungsreich/

Das war Opernzauber! Verdis „Otello“ als fulminante Two-Men-Show in Hamburg
Was für eine fulminante Aufführung!
Ulrich Poser berichtet aus der Hamburgischen Staatsoper
Klassik-begeistert

Scharf konturiert in den Untergang: „Otello“ an der Hamburgischen Staatsoper
Dieser „Otello“ lebt vom Wechselspiel zwischen der inneren Verrohtheit seiner Hauptfiguren und der äußeren Gewalt, mit der sie im isolierten Umfeld auf Zypern agieren. Bieitos Regie ist trotz aller Drastik fokussiert und musikdienlich. Carignani führt musikalisch souverän durch den Abend, während auf der solistischen Seite bisweilen etwas Differenziertheit fehlt.
Guido Marquardt berichtet aus der Hamburgischen Staatsoper
Klassik-begeistert

London: Alwyn’s Miss Julie rescued from the operatic desert
bachtrack

Miss Julie review – Sakari Oramo’s revival brims with colour and verve
https://www.theguardian.com/music/2019/oct/04/miss-julie-review-bbcso

WIENER KAMMERORCHESTER: SOLISTENKONZERT SAMSTAG IN DER MINORITENKIRCHE  (19,30 h)

 

Sa, 05.10.2019 19:30 20:45 Solisten des Wiener KammerOrchesters – Zykluskonzert A Minoritenkirche

Leonard Furda (Violine)

Die „ORF-Lange Nacht der Museen“ feiert ihr 20-Jahr-Jubiläum:

 

Auch dieses Jahr haben Kulturinteressierte mit nur einem Ticket Zugang zu rund 730 Museen, Galerien und Kulturinstitutionen in ganz Österreich sowie in Teilen von Slowenien, Liechtenstein, der Schweiz und Deutschland (Lindau am Bodensee und Tettnang). Am 5. Oktober 2019 laden der ORF und seine Partner von 18.00 bis 1.00 Uhr Früh wieder zu einer kulturellen Entdeckungsreise und bieten ein vielfältiges Programm für Jung und Alt. Der ORF wird in seinen Medien ausführlich berichten. Informationen rund um die „ORF-Lange Nacht der Museen“ gibt es unter langenacht.ORF.at.

Karel Gott: Tschechische Regierung plant Staatsbegräbnis und Trauertag
Große Ehre für Karel Gott: Die tschechische Regierung will ein Staatsbegräbnis für den verstorbenen Schlagerstar. Auch ein nationaler Trauertag ist in Planung.
https://www.gmx.at/magazine/panorama/trauer-karel-gott-regierung-plant

Ein Glas Alkohol pro Tag gegen die Demenz
Wer im Alter regelmässig geringe Mengen von Alkohol trinkt, könnte damit eine Demenz verhindern. Die US-Studie ist aber mit Vorsicht zu geniessen.
https://www.nau.ch/news/forschung/ein-glas-alkohol-pro-tag-gegen-die-demenz-65593877

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.

 

 

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