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5. MAI 2019 Sonntag

05.05.2019 | Tageskommentar

Die Welt ist untergegangen, samt den Göttern, und alle sind zufrieden. Foto (c) Huber: Nach viel zu schnell vergangenen 5,5 h um 11:30 pm EDT = 05:30 MESZ Götterdämmerungs-Schlußapplaus in der Met, v. l. die Rheintöchter Woodbury/Hankey/Mumford, Owens, Schager, Jordan, Goerke, Nikitin, Haller

Wagners Ring in New York

Petra und Dr. Helmut Huber sind in New York (deshalb fallen wir auch um die Premierenbesprechung aus Linz um) und berichten umgehendst aus der Metropolitan Oper vom „Maschinen-Ring“:

Die Bühnenmaschine von Carl Fillion (Projektionen Boris Firquet, Licht Etienne Boucher) dominiert das Geschehen auch an den beiden letzten Hauptabenden der Tetralogie. Was diese 24 dicht an dicht aufgefädelten flachen Dreieckskörper mit ihrer lautlosen Verstellbarkeit kollektiv, aufgefächert oder „chaotisch“ aufführen, was sie für Illusionen vermitteln können, ist schon atemberaubend. Die vier Projektoren (und ein paar Zusatzgeräte), die exakt silhouettendeckend diese verstellbare Projektions- und Spielflächen begleiten, in allen Positionen ohne „Kontamination“ des Bühnenhintergrundes, liefern nach eher statischen, wenn auch detailreichen Bildern von dicht an dicht stehenden Baumstämmen in der Walküre nun auch vielfältig bunt bewegte – Herbstwald mit fallenden Blättern, aber auch radierungsartig dargestelltes, sich windendes Gewürm und natürlich auch einen eindrucksvoll feurig-abweisenden Brünnhildenfelsen. Und ein Bach bei Mimes Werkstatt sowie ausfließendes Drachenblut läßt sich so auch, mit tropfenden Details, darstellen…

Christine Goerke trifft schon mit ihrem ersten Ton nach dem Erwachen genau den Nerv von Publikum und Werk und spielt mit Siegfried stimmlich wie körperlich einen wahren, immer enger werdenden pas de deux bis zum jubelnden und trotzdem innigen Finale des dritten Abends…

Tomasz Koniecznys Alberich ist auch im Siegfried ein trotz „schöner“ Stimme dämonisch wirkender Regisseur des Bösen, was er auch am letzten Abend bei Hagen vorzüglich darstellt. Michael Volle verabschiedet sich als Wanderer aus der Geschichte mit von Akt zu Akt resignativerer Darstellung, was er auch fein dosiert mit der Stimme überträgt…

Gerhard Siegel ist ein power-Mime, dessen Verschlagenheit und mitunter Larmoyanz dadurch umso unguter wirkt. Nährvater und definitiv unangenehmer Gegner für Siegfried. Andreas Schager läßt sich durch dieses kraftvolle Gegenüber fast (anders als Stephen Gould voriges Jahr in Dresden) ein bißchen zu viel herausfordern und streift dadurch beim Schmieden von Nothung seine freilich extrem weit gestreckte stimmliche Grenze; ab dem zweiten Akt legt er aber eine atemberaubend perfekte Leistung hin und schwingt sich in der Schlußszene mit Brünnhilde noch einmal zu genau kontrolliertem, aber trotzdem durchschlagenden und befreit jubelndem Fortissimo auf. Ebenso vielschichtig abgestuft und jetzt immer definitiv perfekt dosiert seine Leistung am Schlußabend, wo er in der Todesszene auch sein vorzüglich angesetztes und trotz der geringen Lautstärke tragfähiges Piano einsetzen kann. Sein durchaus expressives Spiel hätte Otto Schenk mit dem Hinweis „mano“ vielleicht dann und wann etwas gedämpft…

Zum Bericht von Petra und Helmut Huber aus New York

Wiener Staatsoper: RIGOLETTO (Vorstellung vom gestrigen Samstag)

…Christopher Maltman gab als Rigoletto in dieser Serie sein Rollendebüt am Haus. Er ist (ähnlich wie Rollenvorgänger Keenlyside) ein überragender Sänger-Darsteller, der sichtlich und hörbar aus dem Land des William Shakespeare kommt. Er trimmt die Stimme auch auf „alt“ (samt beträchtlichem Vibrato), was bei dieser Charakterrolle durchaus legitim ist. Er bringt die zynischen Facetten und den wetterwendischen Charakter des Hofnarren fesselnd auf die Bühne…

Zum Bericht von Karl Masek

Klagenfurt/ Stadttheater: KOMA – „Definitive Fassung“ der Oper von Georg Friedrich Haas und Händl Klaus – eine Herausforderung für das Publikum

Das Ensemble. Copyright: Stadttheater Klagenfurt/ Arnold Pöschl

„Wer im Dunkeln sitzt, zündet sich einen Traum an,“ verkündet die Lyrikerin und Nobelpreisträgerin Nelly Sachs in einem ihrer tiefsinnigen Gedichte. Wovon aber träumt Michaela Windisch, die vermutlich nach einem gescheiterten Suizidversuch – umringt von Krankenhauspersonal und Familienangehörigen – in einem gekachelten Krankenbett liegt? Träumt sie überhaupt, oder dämmert sie nur vor sich hin? Als Wachkomapatientin kommuniziert sie jedenfalls nicht mir ihrer Umgebung, man weiß daher auch nicht, was in ihr vorgeht, wenn sie so daliegt und singend Vokalismen von sich gibt oder in unruhige Zuckungen verfällt. Zunehmend rat- und hilflos reagieren darauf nicht nur die drei Pfleger und die zwei Ärztinnen, sondern auch ihre Familie – und nicht zuletzt wohl auch das in diese Aufführung sehr geforderte Publikum…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Stuttgart: Premiere „Rotkäppchen“ von Georges Aperghis am 4.5.2019 im JOiN (Junge Oper im Nord am 4.5.

Lisa Kunerth, Adam Ambarzumjan, Andrea Nagy und Mark Lorenz Kysela. Foto: Martin Sigmund

Ein häufiger Rollenwechsel

In dieser „Rotkäppchen“-Version des griechischen Komponisten Georges Aperghis ist alles anders. Inszeniert und choreografiert von Guillaume Hulot und Elena Tzavara (Bühne und Kostüme: Elisabeth Vogetseder) regieren Witz und Esprit. Das Märchen von Charles Perrault nach den Gebrüdern Grimm wird gründlich umgekrempelt. Es gibt dabei immer wieder überraschende Konstellationen.

Zum Bericht von Alexander Walther

Empfohlen wird die Produktion für Kinder ab 6 Jahren. Dabei krempelt man die Handlung um, Kinder können offenbar nach Meinung dieser Experten nicht früh genug lernen, dass Märchen kräftig gegen den Strich gebürstet und passsend zur Meinung der Überarbeiter gemacht werden müssen!

TEL AVIV: Die Passagierin von Mieczyslaw Weinberg . Aus dem Kurzbericht wurde nun ein umfassender in gewohnter „Billand-Länge“

Copyright: Karl Forster

Zum Bericht von Klaus Billand

Berlin: Oceane von Detlev Glanert. Ein weiterer Bericht steht nun online!

Eine Stimme erklingt, ein ferner, engelsgleicher Gesang ohne Worte. Auf den noch geschlossenen Vorhang wirft ein Video (von Robert Pflanz) das Gesicht einer Frau, mal verschwommen, mal klarer. Der Ostseewind weht in ihren blonden Haaren.

Der Chor gesellt sich ebenso wortlos zu diesem klaren Sopran von Maria Bengtsson und wird allmählich stärker, scheint schon einen Sturm anzukündigen. Ein poetischer Beginn der von Detlev Glanert (geb. 1960) komponierten Theodor-Fontane-Oper „Oceane“ in der Deutschen Oper Berlin, vom Chefdirigenten Donald Runnicles, zusammen mit dem Orchester des Hauses in dieser Szene feinfühlig musiziert…

Zum Bericht von Ursula Wiegand

Berlin/ Staatsoper: TOSCA mit Sonya Yoncheva

Die Hermanis-Tosca erneut zu sehen, ist kein Muss, aber wenn eine der derzeit reichsten Sopranstimmen die Floria T. singt, dann wird ein Besuch zur freudigen Pflicht.

 

Foto: Hermann und Clärchen Baus

Staatsoper Berlin: Sonya Yoncheva ist Tosca
Sonya Yoncheva brilliert an der Lindenoper als Tosca. Die bulgarische Sopranistin singt mit Leidenschaft, blendender lyrische Einfühlung und vokal subtil. Nur in der Höhe scheint sie sich Yonchevas Stimme nicht vollkommen wohl zu fühlen. Ein tenoral bombensicherer, etwas unflexibler Teodor Ilincai als Cavaradossi und ein vokal gemeingefährlicher Andrzej Dobber ergänzen die sehr hörenswerte Riege der Protagonisten. Yoncheva-Ehemann Domingo Hindoyan leitet eine fabelhaft gut aufgelegte Staatskapelle.
Konzert-und Opernkritik Berlin/ Anton Schlatz

Hans Pfitzner: „Treudeutsch und bitterböse“

Hans Pfitzner. Foto: Wikipedia

Vor 150 Jahren, am 5. Mai 1869, wurde der Komponist und Dirigent Hans Pfitzner geboren. Die Auseinandersetzung mit ihm ist schwierig, denn er ist nicht nur Komponist von Meisterwerken wie der Oper „Palestrina“, sondern auch Autor der Schriften „Futuristengefahr“, „Die neue Ästhetik der musikalischen Impotenz“ oder der „Glosse zum II. Weltkrieg“. Diese Polemiken brachten ihm den Ruf eines überzeugten Nazis ein. Wie antisemitisch war Hans Pfitzner?
BR-Klassik

Graz: Webers „Oberon“ mit Birgit Minichmayr in der Grazer Oper
Die Grazer Oper bringt nach fast 70 Jahren wieder Carl Maria von Webers Oper „Oberon“. In der konzertanten Aufführung wirkt Birgit Minichmayr als Erzählerin mit. „Die zwischen Tragik und Heiterkeit changierende Geschichte findet in Webers Musik, die mit einem enormen Formen- und Farbenreichtum begeistert, eine einzigartige musikalische Gestalt“, schwärmte Intendantin Nora Schmid im APA-Gespräch.
Salzburger Nachrichten

Der große „Parsifal“-Vergleich: Wien schlägt Hamburg klar und deutlich
Die Akustik ist in der Wiener Staatsoper um ein vielfaches besser als in der Staatsoper Hamburg. Gurnemanz singt sehr stark an Donau und Elbe. Parsifal ist in Wien eine Enttäuschung, in Hamburg ein Debakel. Katharina Wagner sollte schnellstens Elena Zhidkova als Kundry nach Bayreuth holen.
Klassik-begeistert

Hohenems/ Schubertiade: Schubert und seine deutschen Poeten. Mit Benjamin Appl (Bariton)  und Graham Johnson (Klavier)

Graham Johnson, Benjamin Appl. Foto: Andrea Masek

So genannte Konzept-Liederabende machen neugierig, erhöhen von vornherein die Konzentration eines Festspielpublikums, das großteils „in Residence“ ist – wie auch die meisten der Künstler/innen. Man kommt nicht bloß rasch auf ein Konzert vorbei, um  ein Allerweltsprogramm im Gemischtwarenstil zu konsumieren. Die „Schubertiade“ ist viermal im Jahr (je 2 Serien in Hohenems und im Bregenzerwälder Ort Schwarzenberg) „Eine Traumadresse für Kammermusik“, wie das der leider so früh verstorbene Cellist Heinrich Schiff einmal bezeichnet hat.

Zum Bericht von Karl Masek

Bernard Haitink und der Traum von Musik-Festspielen im Tessin
Was jüngst zwischen Lugano und Bellinzona zu erleben war, liess staunen: Geadelt wurde dieses inoffizielle Osterfestival zudem durch zwei Auftritte von Bernard Haitink, der das einst von Claudio Abbado gegründete Orchestra Mozart dirigierte.
Neue Zürcher Zeitung

Hamburg: Uraufführung der Oper „Die Nacht der Seeigel“ über die Fragen der Menschen in Hamburg
Neue Musikzeitung/nmz.de

HEUTE ORF 3: RUSALKA aus der Met

Im Hauptabendprogramm präsentiert „Erlebnis Bühne mit Barbara Rett“ aus der MET „Rusalka“ (20.15 Uhr) in einer Inszenierung von Otto Schenk aus dem Jahr 2014. Es dirigiert Yannick Nézet-Séguin, die Hauptrollen singen Renée Fleming, Dolora Zajick und Piotr Beczala.

Wiener „Ballettskandal“: Geht es ohne Blut im Schuh?

Auszug aus „Der Standard: Ballett ist eigentlich Hochleistungssport, da sind die Opfer naturgemäß andere als etwa im Schauspiel. Der Mythos vom leidenden Künstler ist undifferenziert – und genau deshalb so mächtig. Man glaubt ihn gerne, weil er sich deckt mit religiösen, bäuerlichen, kapitalistischen Vorstellungen: Wer sich plagt, wird belohnt. Trotzdem ist er ein Fehlschluss. Menschen, die bedeutende Kunst schaffen, zeichnet vor allem die Fähigkeit aus, das Leben (und damit auch das Leid) zu durchdringen, verwandeln zu können. Dass man einen Menschen nur zu quälen braucht, um ihn zu einem guten Künstler zu machen, ist Humbug.
Der Skandal an der Ballettakademie in Wien stellt uns vor unangenehme Fragen –
Der Standard

Natürlich ist es ein Unsinn, einem Menschen zum Spitzensport hin quälen zu müssen.  Spitzensportler müssen bereit sein, sich selbst zu quälen – sonst wird das nichts! Wenn der Übungsleiter quälen muss, dann ist es besser, der Schüler hört auf – ein Talent zwingt den Trainer, es an sein oberstes Limit zu führen – nicht umgekehrt! Mitarbeiter H.S.S. meint aber über die Übungsleiter: Härte schließt Menschlichkeit nicht aus.

KS. DR. BERND WEIKL STELLT IN WIEN/ STAATSOPER SEIN NEUESTES BUCH VOR

Am 3. Juni stellt er seine neue – „sehr schlimme“ – Schrift im Mahlersaal zusammen mit Dr. Thomas Dänemark vor. Es ist meine fürchterliche Familiensaga. Hier sind der Text der Einleitung und das Cover:

 

  Self fulfilling prophecy. Das ist die wissenschaftliche Bezeichnung für eine selbst erfüllende Prophezeiung. Und doch gibt es dafür zwei Möglichkeiten. Die erste Prophezeiung erfüllt sich tatsächlich und zufällig selbst – auch wenn dies gerne der Sparte Okkultes zugeordnet wird -, aber die zweite wird von den Personen, die daran glauben und festhalten selber erfüllt. Unbewusst, oder bewusst?

       Beide Möglichkeiten werden in dieser Schrift geschildert. Sie können auch gleichzeitig existieren und am Ende fünf Menschen zutiefst unglücklich machen. Max wird berühmt und der Mutter fürchterliche Schmerzen bereiten. So liest es die Wahrsagerin aus der Hand seiner Mutter. Mutter ist ein Kind ihrer Zeit, glaubt fest an diese Prophezeiung und tut alles, um sie zu fördern.

       Die Namen, Orte und Berufe in meiner Erzählung sind frei erfunden. Alles Geschehen, was zur schrecklichen Erfüllung der Prophezeiung führt, ist in allen Einzelheiten immer wahrheitsgetreu dasselbe oder aus Rücksicht gegenüber eventuell weiterer Personen das Gleiche. Nichts wird geschönt oder andererseits verschlimmert.

       Die Mutter und der Vater von Max leiden fürchterlich und quälen ihn und seine Frau dabei auch seelisch zugrunde. Hilfreiche Gutmenschen, die den Eltern zur Seite stehen und persönlich oder schriftlich mit Vorwürfen gegen Max auftreten verschlimmern die Situation und machen Argumente gegen die Prophezeiung vollständig aussichtslos. Max wird drogenabhängig. Seine Frau wird psychisch schwer krank und trennt sich von ihm. Seine Schwester wirft ihm vor, dass er berühmt sein will. Er soll dies nicht leugnen, denn sie weiß es besser. Mit ihr gibt es dann keinen Kontakt mehr. Sie stirbt im darauffolgenden Jahr.

       Max hatte seine Mutter verlassen, eine andere Frau geheiratet und ihr damit große Schmerzen bereitet. Jetzt erfüllt er dann am Ende ihren sehnlichsten Wunsch. Er akzeptiert schließlich diese, seine große Schuld und tritt freiwillig aus dem Leben. Im Familiengrab wird er neben seiner Mutter beigesetzt…

VORMERKEN: MORGEN MONTAG „MERKER-KUNSTSALON“

 

Proberäume im Zentrum Wiens

Einen schönen Sonntag wünscht

A.C.

 

 

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