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5. JUNI 2021 – Samstag

05.06.2021 | Tageskommentar

Martha Argerich ist heute 80. Foto: Wikipedia

Manchmal reicht ja ein Name. Beispiel: Lionel Messi. Anderes Beispiel: Martha Argerich. Was er für den Fußball ist, ist sie für das Klavier. In einem Wort: konkurrenzlos. Das meint zumindest BR-KLASSIK-Autor Tobias Stosiek, der „La Martha“ zum 80. Geburtstag gratuliert.

Nichts gegen schwangere Hausfrauen. Trotzdem: Es sind nicht sie, die einem einfallen, wenn man Martha Argerich zuhört, dieser großen Ungeduldigen. Würde sie schreiben statt spielen, ihre Linien würden grooven, die Buchstaben einander jagen. Hastig gekritzelt sähe das nicht aus. Eher so, als würde da jemand erst in Bewegung zur Ruhe kommen, auf der Flucht zu sich selbst finden.

Es gehört zu den vielen Widersprüchen dieser Pianistin, dass sie, die erklärtermaßen immer noch unter schlimmem Lampenfieber leidet, die Konzerte noch häufiger cancelt als einst ihr superskrupulöser Lehrer Arturo Benedetti Michelangeli – dass ausgerechnet sie am Flügel sitzt, als sei das der natürlichste Ort der Welt: aufrecht, unverkrampft, cool…

Martha Argerich wird 80
Die Konkurrenzlose
BR-Klassik.de

...Aus der Utopie eines selbstbestimmten Lebens, frei von den „faulen Tricks“ von Agenten und Plattenfirmen, wie sie sagt, entstanden ihre Festivals im japanischen Beppu und in Lugano in der Schweiz. Im Spiel mit Freunden fühlt sich Argerich aufgehoben. „Ich bin alt, aber noch immer unreif“, sagte sie vor ein paar Jahren im Gespräch. Und lächelte dabei.

Die „Löwin am Klavier“ wird 80
Die argentinische Pianistin ist im Juni mit Daniel Barenboim in der Hamburger Elbphilharmonie zu erleben.
Wiener Zeitung

WIENER STAATSBALLETT: DIE PREMIEREN

SinfonieNr15 CFailla FMcGeeMarcosMenha (c)MichaelPoehn

Welche Bilder von der Welt, vom Menschen, vom Künstler, vom Körper entfaltet der Tanz? Welche Verbindungen entstehen zwischen Bewegung, Musik und Raum? Wie werden Traditionslinien weiter- oder überschrieben? Welche Impulse vermag das klassische Ballett unserer Gegenwart zu geben? Der Spielplan 2021/22 des Wiener Staatsballetts lädt mit jeweils drei Premieren in der Wiener Staatsoper und der Volksoper Wien sowie sieben Repertoire-Programmen, der Nurejew-Gala und dem neuen Format Plattform Choreographie zu vielfältigen Wechselspielen ein.

Den gesamten Premierenreigen (sechs an der Zahl, aufgeteilt auf Staats- und Volksoper) finden Sie in unseren heutigen Infos des Tages

Günther Groissböck – der Klartextsänger

Manuel Brug schreibt in „Die Welt“: Günther Groissböck ist nicht nur einer der besten Bässe der Gegenwart. Er hat in der Pandemie auch Grundrechte angemahnt und vor blindem Gehorsam gewarnt. Nun wagte er sich an ein besonderes klinisches Experiment.

Wiener Kammeroper: „Tristan-Experiment“ – rechts Norbert Ernst als Tristan. Foto: Herwig Prammer/ Theater an der Wien

Der 44-jährige Günther Groissböck aus Waidhofen an der Ybbs wurde durch die Corona-Pandemie jäh in den besten Jahren seiner Karriere ausgebremst. Vor allem wurde er vom Virus um sein Wotan-Debüt im neuen „Ring“ der Bayreuther Festspiele gebracht. Der ist jetzt auf 2022 verschoben, diesen Sommer wird vorgeprobt, und er darf zumindest die „Walküre“ konzertant singen. Trotzdem schmerzt das, Sängerkarrieren sind begrenzt.

Günther Groissböck aber stemmte sich gegen die Pandemie-Absagen, mit vielen Konzerten, wie einem ersten Post-Pandemie-Versuch bereits im Mai 2020 in Wiesbaden. Aber durchaus auch mit manchem, die Regierungsmaßnahmen in Österreich wie Deutschland und blinden Gehorsam anzweifelnden Wort. Ein Kraftlackel redete Klartext…

Günther Groissböck: Der Klartextsänger

https://www.welt.de/kultur/article231409501/Guenther-Groissboeck-Der-Klartextsaenger.html

Ich habe das Glück, Günther Groissböck persönlich zu kennen. Genau genommen gab er das erste indoor-Konzert vor Publikum nicht in Wiesbaden oder in der Wiener Staatsoper, sondern beim Online-Merker im Mai 2020 (das war die „Generalprobe für Wiesbaden). Ganz genau genommen sang G.G. aber das aller-allererste „Pandemie-Konzert“ bei Peter Edelmann in einem Hinterhof im „Achten“ – aber das war „outdoor“

Prof.Dr. Alexandra Goloubitskaya und Günther Groissböck im Mai 2020 beim Online-Merker. Foto: Brigita Schwarz

Frau Goloubitskaya musste sich damals noch mit unserem Yamaha-Elektroklavier bei Wotans Abschied abmühen (und tat das bravourös), vor drei Wochen hat Günther Groissböck anlässlich eines Kurzbesuches zu meinem „Halbrunden“ das 120 Jahre alte und bestens renovierte „Lauberger & Gloss“-Klavier getestet. Nein, ich bin kein Fan – dazu eigne ich mich nicht. Ich bewundere G.G. wegen seiner klaren Haltung und auch wegen offener Worte. Wir scheinen einander in wesentlichen Punkten zu verstehen – das ist mir wichtig. Vor Hysterikern laufe ich davon, ich schätze Menschen, die auch in Krisensituationen die Nerven nicht wegwerfen und zu ihrer Meinung stehen. Dass diese letztlich richtig war und ist, erkennt man nun bereits ziemlich klar. Ich habe für mich zum Hausgebrauch aufgelistet, wer die Nerven verloren hat und wer nicht!

Berlin
Der „Zigeuner“baron: Wie Regisseur Tobias Kratzer den Shitstorm vermeiden will
Der Regisseur Tobias Kratzer inszeniert an der Komischen Oper Berlin die Operette mit dem Z-Wort. Er findet es wichtig, ein so problematisches Stück zu zeigen.
Berliner Zeitung

Hoffentlich ist ihm mehr dazu eingefallen als diese Anführungszeichen. Das wäre nämlich zu billig!

LINZ:  Musiktheater Großer Saal: LIEDER FÜR EINE NEUE WELT

Ensemble: Foto: Reinhard Winkler

Songs for a New World, Jason Robert Browns erste Arbeit für die Bühne, 1995 an einem kleinen Theater in New York uraufgeführt, ist – aufgrund der Besetzung mit ursprünglich nur einer Handvoll Sängerinnen und Sänger und durch seine dramaturgischen Struktur, die ohne enge physische Interaktion auskommt – geradezu ideal für die Programmgestaltung in Zeiten von Covid. Kein Wunder also, dass dieses Musical, das eher einem szenisch angelegten Liederzyklus ähnelt denn einem üblichen Musical, im vergangenen Herbst u.a. nicht nur in Dortmund, sondern – unter der Ägide von Andrew Lloyd Webber – auch im Palladium in London herausgebracht worden ist. Die bewährte und höchst erfolgreiche Musical-Abteilung des Linzer Landestheaters hat nun mit ihrer deutsch gesungenen Version von Lieder für eine neue Welt (Übersetzung Wolfgang Adenberg) die wieder anlaufende Serie von Aufführungen vor Publikum am 19. Mai mit diesem Werk eröffnet…

Lieder für eine neue Welt – Songs for a New World – heißt nicht unbedingt Lieder für eine bessere Welt. Der mit dem Tony Award ausgezeichnete Komponist und Librettist Jason Robert Brown, von Beginn seiner Karriere an von Stephen Sondheim gefördert und inzwischen eine Größe im New Yorker Musical-Business, nimmt keinerlei Wertungen vor.  Linz aber festigt mit dieser aktuellen, zum Nach- und Weiterdenken anregenden Produktion seinen Ruf als eine der drei führenden Musicalbühnen Österreichs.

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

JEAN-PHILIPPE RAMEAU: ZAÏS – TOBS, Stadttheater Solothurn, Vorstellung: 03.06.2021

(6. Vorstellung • Premiere am 30.04.2021) «Es war doch alles nur ein Spiel»

Anna Dreschers Inszenierung von Rameaus «Zaïs» hat mit dem Wechsel nach Solothurn kein bisschen an Intensität verloren. Und mit den seit 31. Mai zugelassenen 100 Zuhörern fühlt es sich im intimen Solothurner Haus an, wie in den guten, alten Zeiten, als Corona nicht mehr als ein Hopfentee war…

Eine Offenbarung!

Aufführungsdaten Biel: Fr, 11.06., 19:30, Sa, 12.06., 19:00; So, 13.06., 19:00; Di, 15.06., 19:30.
Aufführungsdaten Solothurn: Fr, 04.06., 19:30; Sa, 05.06., 19:00.

Zum Bericht von Jan Krobot

WÜRZBURG: RUFEN SIE HERRN PLIM! Kabarettoper von MISCHA SPOLIANSKY

Copyright: Nik Schölzel

Eigentlich ist Herr Plim der ideale Arbeitnehmer in der Dienstleistungsbranche. Er tut willfährig, was man ihm aufträgt, mehr noch: Er bemüht sich, seine Pflichten überzuerfüllen. Und er lässt sich widerstandslos feuern, immer wieder – zumindest so lange, bis sich die geschäftsfördernde Fiktion in bittere Realität wandelt. Herr Plim ist nämlich im Berliner Kaufhaus „Wertheim“ der Schuldige vom Dienst. Wann immer ein Kunde sich beschwert, Herr Plim wird gerufen, darf sich abkanzeln lassen und wird wirkungsvoll entlassen. Zunächst scheint diese schlaue Geschäftsidee des alerten Personalchefs glänzend zu wirken: Auch wenn der Kunde Unrecht hat, das Recht, sich zu beschweren, hat er.

Mit „Rufen Sie Herrn Plim!“ haben zwei Größen der Berliner Unterhaltungsindustrie der dreißiger Jahre, Kurt Robitschek und Marcellus Schiffer, Szenen für eine „Kabarettoper“ geschrieben, die spielerisch die ohnmächtige Situation der kleinen Angestellten in der wirtschaftlichen Depression der ausgehenden Weimarer Republik aufgreifen und ins Groteske übersteigern. Aber das Schicksal des Profi-Schuldigen Plim ist bei aller amüsanten Zuspitzung nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt, als dass sich der Kurzweil nicht ein unangenehmer Geschmack des Wahrscheinlichen beimischen würde…

Zum Bericht von Werner Häußner

Frankfurt / Opernhaus: „MOZART: REQUIEM“ – 04.06.2021

ZU YOUTUBE – gesamter Stream

Ein weiteres Streaming-Highlight präsentierte die Oper Frankfurt mit einer „halbszenischen“ Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“ zur Bühnenbild-Anleihe aus „Le vin herbé“ des Produktionsteams Tilman Köhler/Karoly Risz. Inmitten der dimensionalen Kasten-Dekoration wurden die Choristen postiert…

Zum Bericht von Gerhard Hoffmann

Was die Berliner Staatsoper 2021/22 plant
Das klingt fast so wie früher
Tagesspiegel.de

München
Wir glauben an Polyester: „Vetter aus Dingsda“ in München
https://www.br.de/nachrichten/kultur/wir-glauben-an-polyester-vetter-aus-dingsda-in-muenchen,SZHJV3I

Die Walküre, Longborough Festival Opera review – heroic defiance of farcical constraints
Wagner cut down to size refuses to shrink

Lee Bisset’s Brünnhilde reaches out to Sarah Marie Kramer’s Sieglinde. Copyright: Jorge Lizande

Die Walküre, Longborough Festival Opera review
– heroic defiance of farcical constraints Wagner cut down to size refuses to shrink
theartsdesk.com

München/ Volkstheater
Horror im Gruftilook
In Shakespeares „Macbeth“ am Münchner Volkstheater steigert Jakob Immervoll den Charakter des Königs ins maßlos Widerwärtige Bayerische Staatszeitung

Literatur: Wiens Bürgermeister Dr. Michael Ludwig zum Tod von Friederike Mayröcker

Friederike Mayröcker. Foto: Wikipedia

Mit dem Tod hat sich Friederike Mayröcker ihr ganzes Leben lang literarisch auseinandergesetzt: Als „Tyrannchen“ hat sie versucht, ihn kleinzureden. Dass er nicht nur ein Lebens-, sondern auch Schreibverkürzer ist, wollte sie ihm nie verzeihen. Jetzt hat der Tod sie ereilt: Mayröcker starb 96-jährig in ihrer Heimatstadt.
OTS-Presseaussendung

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“

  • Weissrusslands Staatspropaganda führt Roman Protasewitsch vor: Das Fernsehen hat ein Interview mit dem in Gewahrsam des Geheimdienstes befindlichen Journalisten im Stil eines Schauprozesses gezeigt. Dieser gibt zu, in ein angebliches Umsturzkomplott verwickelt gewesen zu sein. Wie es zu den Aussagen kam, lässt sich nur erahnen.
    Zum Bericht
  • EU verurteilt neues russisches Gesetz zum Wahlrechtsausschluss: Das Gesetz entzieht Unterstützern «extremistischer Organisationen» das passive Wahlrecht. «Dieses neue Gesetz ist ein weiteres Instrument gegen kritische und oppositionelle Stimmen, das den politischen Pluralismus in Russland weiter einschränken wird», erklärte ein EU-Sprecher am Freitagabend.
    Zum Bericht
  • Abgeschobene Afghanen kommen häufig nach Europa zurück: Zwei Drittel der Ausgeschafften fliehen erneut aus Afghanistan, wie eine Studie zeigt. Grund dafür sei auch das Stigma der «Verwestlichung». Sie stünden unter dem Verdacht, in Europa ein ausschweifendes, regelloses Leben geführt und religiöse Pflichten verletzt zu haben.
    Zum Bericht
  • Brüssel knöpft sich Facebook vor: Die europäischen Wettbewerbshüter untersuchen einen möglichen Missbrauch von Daten des Kleinanzeigenmarkts von Facebook. Auslöser der Ermittlungen waren offenbar Beschwerden anderer Kleinanzeigenanbieter. Das Unternehmen gibt sich kooperationsbereit.
    Zum Bericht
  • Abholzung des Amazonaswaldes nimmt weiter zu: Im brasilianischen Amazonasgebiet sind allein im Mai 1180 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt worden – also etwas mehr als die Gesamtfläche Hongkongs. Das sind 41 Prozent mehr als im Mai des vergangenen Jahres.
  • Zum Bericht

    Ich wünsche ein schönes Wochenende

    A..C.

 

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