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4. OKTOBER 2021 – Montag

04.10.2021 | Tageskommentar

Wiener Staatsoper: „Die Entführung ins Zauberreich“ – eine „Wanderoper für Kinder“. Foto: Peter Mayr

Kinder länger als eine Stunde in einen Theatersessel zu zwängen, ist pädagogisch bedenklich und für die zukünftigeBeziehung des Kindes zum Theater schädlich. So gesehen ist „Wanderoper“ eine Königsidee.

Auszug aus „Volksblatt:

Oper entführt. Sie zaubert mit Musik eine Welt herbei und nimmt – im besten Fall – ganz einfach da hin mit. Damit Kinder das auch erleben dürfen, genügt es aber meist nicht, sie vor eine Bühne zu setzen. In der „Entführung ins Zauberreich“, die am Sonntagvormittag im Haus am Ring uraufgeführt wurde, muss das junge Publikum nicht still sitzen: die aufwendig gestaltete Wanderoper durch Gänge und Pausenräume serviert Mozart in kindgerechten Portionen als echtes Abenteuer.

Eigentlich wollte Danis (Daniel Ogris) die Kinder gerade durch das Opernhaus führen und ihnen etwas zu seiner Geschichte erzählen – da schlägt die „verzauberte Stunde“: Belmonte (Hiroshi Amako), der Liebestenor aus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ steht plötzlich in voller Rokoko-Montur auf der Feststiege und möchte seine entführte Verlobte Konstanze aus den Fängen des bösen Bossmin (sic! und: Ilja Kazakov) befreien. Wer will ihm helfen? Fast alle natürlich. Und das kleine, mobile Orchester kommt einfach mit.

Wien/ staatsoper
„Entführungs“-Abenteuer durch die Staatsoper für Kids
https://volksblatt.at/entfuehrungs-abenteuer-durch-die-staatsoper-fuer-kids/

Staatsoper Berlin: Premiere Così fan tutte mit Barenboim

Napoli, Vesuvio: F-Dur-Quintett 1. Akt. Foto: Matthias Baus.

Figaro war schon dran, Don Giovanni kommt im Frühjahr. Jetzt hat Teil 2 des Berliner Da-Ponte-Zyklus mit Daniel Barenboim und Vincent Huguet Premiere. Huguet lässt die Verwechslungkomödie in einem geschmackvoll ausgestatteten Neapel während der Hippie-Zeit spielen. Das wirkt recht ansehnlich, bringt aber summa summarum recht wenig Erkenntnisgewinn. Gesungen wird auf hohem Niveau. Besonders Federica Lombardi gefällt mit cremigweichem Sopran. Marina Viotti singt eine patente Dorabella. Auch der noble Alfonso von Lucio Gallo macht vokalen Eindruck. Im Orchestergraben lässt Barenboim Melos und Farben aufblühen und schafft mit der Staatskapelle einen Mozartklang voller Schattierungen und Nuancen. Mal wieder eine Opernpremiere, deren Stärken im musikalischen Bereich liegen…
konzertkritikopernkritikberlin/schlatz

Graz: Die Macht des Schicksals. Premiere am 2.10.

Preziosilla ist in Höckmayrs Inszenierung aufgewertet. Foto: Oper Graz/ Werner Kmetitsch

Auszug aus dem Programmheft der Oper Graz: Schuldgefühle und Rachegelüste, gepaart mit unglücklichen Fügungen, treiben die Handlung dieser Oper durch eine Welt, die immer mehr ins Chaos zu stürzen droht und einem verhängnisvollen Ende entgegensteuert: Gewalt statt Moral.
Und so resümiert Mönch Melitone: „Die Welt spielt verrückt. Was sind das bloß für Zeiten!“
Dieses Meisterwerk aus der Feder Giuseppe Verdis hat seit seiner Uraufführung 1861 nichts an Aktualität und Brisanz eingebüßt: Aus seiner kraftvollen, farbenreichen Partitur, die von Matteo Beltrami zu neuem Leben erweckt wird, treten uns Figuren entgegen, die zu lieben und hassen suchen, und dies vor dem blutgetränkten Hintergrund zweier Kriege. Regisseurin Eva-Maria Höckmayr kehrt nach Graz zurück und setzt dieses Machtspiel von unsterblicher Liebe, Hass und Verzweiflung in Szene…

Graz
Grazer Oper: Verdis „La forza del destino“
In Eva-Maria Höckmayrs bilderstarker Inszenierung von Giuseppe Verdis „La forza del destino“ brillieren vor allem exzellente Sänger
Der Standard.at

Nachtkritik Opernhaus Graz
Hat das Schicksal Macht über uns? Bezahlartikel
Kleine Zeitung.at

Wien/Kammeroper des Theaters an der Wien

 Kammeroper „Orphée et Eurydice“ – „Eine bittersüße Liebesgeschichte“. Premiere am 2.10.2021

Foto: Theater an der Wien/ Herwig Prammer

Gut Ding braucht Weile. In der Kammeroper wurde die für Mai 2020 geplante und wegen COVID verschobene Neuproduktion von Glucks „Orphée et Eurydice“ jetzt nachgeholt. Erzählt wird eine moderne, bittersüße „Love Story“ zwischen zwei Frauen.

http://www.operinwien.at/werkverz/gluck/aorfeo3.htm

Dominik Troger/ www.operinwien.at

INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

FLORENZ: LA TRAVIATA am 2.10.2021

Zubin Mehta; Nadine Sierra, Francesco Meli, Placido Domingo.u.a

ZU INSTAGRAM mit mehreren Fotos

Wird das Interesse am Theater nachhaltig geringer? Die Besucherzahlen sprechen derzeit Bände!

Die Autoren sind am Theater abgeschafft!
Dieser Tage vermeldeten das Wiener Burgtheater, das Theater in der Josefstadt und das Wiener Volkstheater einen teilweise dramatischen Besucherrückgang, der naturgemäß auf die Corona-Pandemie und die damit geradezu seuchenartig verbreitete neue Häuslichkeit zurückgeführt wird. Für einen Autor, der sich nur deshalb so selten ins dramatische Fach verirrte, weil ihm dazu keine Gelegenheit geboten wurde, hält sich das Mitleid ob dieser Entwicklung in Grenzen. Ja, der klammheimliche Wunsch, es möge überhaupt niemand mehr ins Theater gehen, um die Blase des Betrugs, die dort Platz gegriffen hat, endlich zum Platzen zu bringen, ist, obgleich charakterlich bedenklich, verführerisch.
 
Was sind wir Schriftsteller doch für ein feiges undopportunistisches Pack! Obgleich sich unsere bereits in den beamteten Hofratsrang aufgestiegene und über Jahrzehnte amtierende Interessengemeinschaft namens IG-Autoren jeweils flink zu geharnischten Resolutionen aufschwingt, wenn es um die esoterischen Finessen der neuen bzw. der alten Rechtschreibung oder um die Übersiedlung von ORF-Angestellten von der Argentinierstraße auf den Küniglberg geht, hat nicht nur sie, sondern haben auch die Grazer Autorenversammlung und der PEN-Club, haben wir alle zusammen aus Angst, vielleicht um eine kleine Chance umzufallen, den Mund gehalten, geschweige denn protestiert, während man uns, peu à peu, wie es so schön heißt, nach dem Ende des Hörspiels im Rundfunk nun auch am Theater abgeschafft hat…
Zur Meinungvon Alois Schöpf (Feuilleton)
Auch Tim Theo Tinn sucht die Ursache für den Besucherrückgang bei den Theaters (siehe Infos des Tages).
Tatsächlich ist der Rückgang vor allem bei Sprechtheater derzeit eklatant. Musiktheater ist davon weniger betroffen, weil Musik eine internationale Sprache ist und  die Opernhäuser in beträchtlichem Ausmaß von Touristen leben. Auch steht ein Besuch der Staatsoper auf der To do-Liste jedes „anständigen“ Wien-Besuchers, ein Besuch von Burg und Josefstadt schon eher weniger.

Ich sehe es etwas pragmatischer: Wir haben einige schwierige Zeit hinter (und hoffentlich eine bessere vor) uns. Die Menschen sind in unterschiedlicher Form betroffen. Es gibt Berufsgruppen, die keine existenziellen Sorgen haben, aber auch solche, die um ihre Existenz kämpfen. Erlauben wir diesen Menschen auch andere Sorgen als Theater!

Berlin
Barrie Koskys neue Meisterinszenierung in Berlin: Geld oder Leben
Barrie Kosky legt an der Komischen Oper den Kern von Brecht/Weills Goldgräberdrama „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ frei.
Der Tagesspiegel.de

Frostige „Carmen“ in Nürnberg: Null Bock auf Flamenco
Eine Freiheitsheldin in Cargo-Hosen und derben Stiefeln: Dieser Abend passt eher nach Berlin-Neukölln als nach Andalusien, und die Liebe ist so unglaubwürdig wie die Eifersucht.
BR-Klassik.de

Leipzig:Vom Ich zum Wir? Viktor Ullmanns „Der Sturz des Antichrist“ an der Oper Leipzig
NeueMusikzeitung/nmz.de

„Konzertgänger in Berlin“
Quadratwummsig: SDLW in der Neuen Nationalgalerie
Kein Museum ohne Konzert heutzutage, so will es das Spartenübergriffs-Eventgesetz! Das Deutsche Symphonie-Orchester macht seit langem Notturni bei Nofretete & Co, die Capella de la Torre neuerdings Sounding Collections auf der Museumsinsel.
https://hundert11.net/quadratwummsig/

Nachilfe: Dr. Ulrike Messer-Krol über die Sängerin Waria Wilt (von der ich geglaubt habe, nie gehört zu haben)

Frau Dr. Messer-Krol belehrt mich eines Besseren. Sie hat in der „Vor-Corona-Zeit“  in unserer Online-Galerie einen Vortrag über die Geschichte des Wiener Operballs gehalten und dabei sehr wohl Maria Wilt erwähnt, die sie als eine „Vorgängerin von Anna Netrebko auf dem Wiener Opernball“ bezeichnet:

Maria Wilt

Amalia Materna

Dr. Messer-Krol: Zu Ihrem Kommentar, dass Sie von Maria Wilt noch nie etwas gehört haben : An meinem Abend über die Geschichte des Wiener Opernballs  habe ich, freilich nur sehr kurz , über sie erzählt: Wilt und Amalia Materna waren sozusagen die Vorgängerinnen von Anna Netrebko auf dem Wiener Opernball. Der erste Ball in der Hofoper 1877 :  Die Produktion, so hieß der abwechslungsreiche Konzert-Teil,  begann, ganz wie heute, um 22 Uhr ,  aber nicht mit den Fanfaren zum Einzug des Monarchen, die Kaiserloge blieb leer, sondern mit dem  Hochzeitsmarsch von Mendelssohn. Gefolgt vom Scherzo von Léo Delibes. Sein Ballett Sylvia war  vor nicht allzu langer Zeit  auf dem Spielplan der Oper , Coppelia in der Volksoper .  In einer Robe in Rosa-Atlas mit Draperie in Tüll     brachte  Amalie Materna „Vöglein im Fliederbusch“ zum Vortrag.  Ein  Zwiegesang nach einem französischem Volkslied , mit Marie Wilt und gemischtem Chor.  Es „machte einen zauberhaften Eindruck!“.Ein Jahr vorher  , sie war da 32 Jahre alt, war Frau Materna die erste Brünnhilde in Bayreuth. Kammersängerin  Marie Wilt ging im Jahr darauf nach Leipzig und brillierte dort auch als Wotanstochter. Das wäre so als ob Nina Stemme und Catherine Foster im Duett sängen –  Vielleicht sollte sich  ein Wagner-Sopran  diese Noten einmal anschauen . Komponist ist Franz Adalbert Doppler, k. k. Hofoperntheater-Kapellmeister in Wien.

 Wilt war nicht der Schlanksten eine. Von ihrem Kollegen Leo Slezak stammt das boshafte, einen Jules-Verne-Titel paraphrasierende Aperçu „Die Reise um die Wilt in achtzig Tagen“.

Heute im ORF-Kulturmontag: Heilige oder Hure – Tizians Frauenbild in großer KHM-Jubiläumsschau

Mit einer Ausstellung der Superlative feiert das Kunsthistorische Museum Wien (KHM), das am 17. Oktober 1891 von Kaiser Franz Joseph eröffnet wurde, gebührend seinen 130. Geburtstag. „Tizians Frauenbild. Schönheit – Liebe – Poesie“ heißt die große Herbstschau, die sich anhand von rund 60 Gemälden aus internationalen Sammlungen auf die Darstellung der Frau in Tizians Oeuvre und seiner Zeitgenossen der venezianischen Renaissance, wie Jacopo Tintoretto, Paolo Veronese oder Lorenzo Lotto, konzentriert. Aber wer waren diese Frauen in der Malerei Venedigs im 16. Jahrhundert? Erzählen sie in den für diese Zeit zum Teil sehr freizügigen Darstellungen von der Sehnsucht nach Berührung oder von Macht und deren Missbrauch? Clarissa Stadler trifft die Direktorin des KHM, Sabine Haag, in der opulenten Ausstellung zum Gespräch.

Buchbesprechung

 

Stefan Maiwald: DER TOTE IM BACH
Ein Bad-Kleinkirchheim-Krimi
264 Seiten, Servus Verlag bei Benevento Publishing, 2021

Theoretisch ist das Rezept für eine erfolgreiche Krimi-Serie einfach. Man schaffe einen wirklich sympathischen Kriminalbeamten, den man einfach mag, und schicke ihn in einer reizvolle Gegend – auf diese Art lesen Millionen Menschen jährlich einen neuen Brunetti-Roman, der in Venedig spielt. Bei Stefan Maiwald (obzwar er Deutscher ist!) begibt man sich in den absolut reizvollen Kärntner Kurort Bad Kleinkirchheim.

Wendelin Kerschbaumer (klar, dass es immer wieder dumme Bemerkungen über seinen Vornamen gibt), Chefinspektor bei der Wiener Kriminalpolizei, ist schon zum zweiten Mal dort. Seit er den Fall vom „Toten im Stadl“ gelöst hat, zieht es ihn wieder hin – auch wegen der netten Polizistin Hilde. Weniger wegen dem ortseigenen Chefinspektor Hartmut Trevisol, der sich bei seinen Ermittlungen nicht gerne stören lässt. Aber wenn Kerschbaumer doch den nunmehrigen Ermordeten, den „Falko“ Bruchbichler, schon aus dessen Wiener Strizzi-Zeit, gekannt hat?

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“

  • Mit Dutzenden von Flugzeugen erhöht Peking den Druck auf Taiwan: Noch nie hat China so viele Kampfflugzeuge in Richtung der demokratischen Insel entsandt wie in den letzten Tagen. Die Provokationen sollen Pekings Machtanspruch untermauern. Staatsmedien schäumen über vor Patriotismus, doch ein kurzfristiger Angriff ist sehr unwahrscheinlich.
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  • China sperrt ausländische Studenten und Forscher aus: Eine halbe Million Ausländer studierten und forschten an chinesischen Unis. Dann kam die Pandemie. Weil China die Studierenden nun nicht mehr ins Land lässt, droht ein grosser Imageschaden.
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  • Fabrikschliessungen bringen die Turnschuhfirma On in Nöte: Dem Schweizer Unternehmen drohen schwerwiegende Folgen, weil Lieferanten in Vietnam wegen der Pandemie ihre Fabriken schliessen müssen. Von möglichen existenzbedrohenden Auswirkungen ist die Rede. Von den Betriebsschliessungen sind auch Hersteller wie Nike, Adidas und Puma betroffen.
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  • In Frankreich hat das grosse Schaulaufen möglicher Präsidentschaftskandidaten begonnen: Nach und nach formiert sich das Bewerberfeld für die Wahl im kommenden Frühjahr. Die einst dominierenden Parteien verzichten dabei auf Primärwahlen, weil sie nicht ähnliche Fehler begehen wollen wie vor fünf Jahren.
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  • Bei Zürichs Filmfestival hat der Kinobesuch eine Wiedergeburt erlebt: Mehr als 100 000 Eintritte und altvertraute Bilder im Kinosaal zeigten, dass der Hunger nach Kino im Gross- statt im Taschenformat noch längst nicht gestillt ist. Die Goldenen Augen, die Trophäen des 17. ZFF, gehen nach Italien, Russland und in die Schweiz.
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    Bernard Tapie ist mit 78 Jahren gestorben:
    Er war ein Selfmademann, der sein Land träumen liess. Mit seiner schillernden Karriere in Wirtschaft, Sport, Chanson, Theater und in der Politik, mit spektakulären Erfolgen und steilen Abstürzen, galt Bernard Tapie in Frankreich über Jahrzehnte als Prototyp des Machers. Am Sonntag ist der einstige Adidas-Haupteigentümer dem Krebs erlegen.
    Zum Nachruf

Marie Antoinette: Geschwärzte Stellen in geheimen Briefen entziffert
Ein historischer Briefwechsel zwischen der französischen Königin Marie Antoinette und einem schwedischen Grafen gibt der Wissenschaft seit Langem Rätsel auf. Denn Teile davon wurden geschwärzt. Eine neue Studie bestätigt, was schon länger vermutet wird: Dahinter verbirgt sich eine geheime Liebesromanze.
https://science.orf.at/stories/3209017/

Fünfter Corona-Fall: Impfdurchbruch auch bei Landeshauptmann Haslauer
Nun hat es auch den Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) erwischt: Er ist positiv auf das Coronavirus getestet worden und damit allein am Sonntag der fünfte Corona-Fall in der Salzburger Politik.
https://www.krone.at/2522285

Soviel zur Impfung als Spielgewinner! Trotz Impfung bin ich vorsichtig. Da ich etwas introvertiert bin, fällt mir das nicht schwer. Zu den „Abbusslern“ habe ich nie gehört!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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