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4. NOVEMBER 2020 – Mittwoch

04.11.2020 | Tageskommentar

„Musik und Kultur sind die Antwort auf Hass, Intoleranz und Gewalt“
RAI sendet Mozart-Requiem unter Karajan als Hommage an die Toten am Mittwoch auf RAI 5.

Das Konzert wird am Mittwoch um 18 Uhr auf RAI 5, dem Kulturkanal des italienischen Staatsfernsehens gesendet. „Musik und Kultur sind die Antwort auf Hass, Intoleranz und Gewalt. Nach den tragischen Ereignissen in Wien und Nizza sendet RAI eine Hommage an die Opfer des Terrorismus“, teilte RAI in einer Presseaussendung am Dienstag mit.
Wiener Zeitung

Österreich: Drei Tage Staatstrauer. Die Wiener Staatsoper hisst die schwarze Fahne

Foto: Fritz Krammer

Gestern musste ich – allerdings nur sehr vereinzelt – Kritik einstecken, weil ich den Terroranschlag in Wien nicht an die Spitze des Tageskommentars gestellt habe. Nun, ich war schockiert, nicht über die Kritik an mir, sondern über den Anschlag. Schockiert war ich aber auch von der chaotischen, letztklassigen Berichterstattung der Medien.  Zum Zeitpunkt des Verbrechens befand ich mich in der Schönbrunnerstraße, also weit weg vom Geschehen, allerdings auch nicht in den eigenen sicheren vier Wänden. Ich war übrigens nicht in einem Schicki-Micki-Lokal, um dicht gedrängt noch kurz vor dem Lockdown um Ansteckung zu betteln, sondern mit meinem ständigen Begleiter, dem Redaktionshund Theo, im Foyer einer Bank, um die Reparatur des Online-Merker zu bezahlen.

Letzlich daheim angekommen, wurde ich mit dem Geschehen konfrontiert – und zwar in einer Art und Weise, die ich als Tiefpunkt der TV-Berichterstattung empfand. Der ORF unterbrach einen Film (den meine Frau gerne weiter gesehen hätte), um zu einem Reporter zu schalten, der überhaupt nichts zu sagen hatte. Dem Moderator war das sichtlich peinlich, der Film ging dann weitere 15 Minuten weiter, um dann total abgebrochen zu werden. Der zweite ORF-Reporter wusste ebenso wenig und redete nur herum, fischte also im Trüben. Daraufhin schaltete ich auf Oe 24, dem Fellner-Sender – und der unterbot den ORF um Längen. 50 mal wurde das gleiche Video gezeigt, mehrere angebliche  Reporter kamen zu Wort, von denen ich hoffe, dass sie dem Sender billig kommen – denn talentiert sind sie nicht. Auch hier hörte ich nur leeres Gerede. Natürlich ist es schwer über etwas zu berichten, von dem man nichts sieht. Es gibt da einen politisch unkorrekten Vergleich, den ich hoffentlich halbwegs korrekt umwandle: „Wie kann man einen Boxkampf von zwei Schwarzen im Tunnel kommentieren?“ Besser versucht man es gar nicht!

Dann wurde es in den Sendern (zumindest beim Fellner) dramatisch: „Geiselnahme in der Mariahilferstraße, Anschläge auch in Salzburg“.  Wie sich später herausstellen sollte, war der Täter, wenn es sich denn tatsächlich um einen Einzeltäter gehandelt hat, zu diesem Zeitpunkt bereits tot, von der Polizei erschossen. Blühende Fantasien wurden entwickelt, bösartige Falschmeldungen verbreitet.  Dann kamen angebliche  „Terrorexperten “ zu Wort, die von der „perfekten Vorbereitung für so einen gerneralstabsmäßig geplanten Anschlag“ schwadronierten. Dieser Terrorexperte wagte sich übrigens gestern tatsächlich nochmals vor die Kamera, um zu erklären, warum er sich geirrt hat. Besser wäre gewesen, wenn er für einige Monate von der Bildfläche verschwunden wäre!  In weiterer Folge kamen „Promis“ zu Wort (zumindest solche, die sich dafür halten), die sich an völlig belanglosen Wortspenden geradezu überboten (etwa mit Berichten, was sie selbst zum Zeitpunkt des Anschlages gerade taten). Wirklich zu sagen hatte niemand etwas, jeder wollte bloß im TV seine Wichtigkeit beweisen!

Die Berichterstattung wurde zunehmend hysterisch, eine Falschmeldung jagte die andere. Ähnliches sind wir derzeit leider gewohnt.

Das alles war so peinlich, dass es nicht mehr auszuhalten war. Also ging ich zu Bett!  Soll ich mich an Spekulationen beteiligen? Ich bin kein Promi, also ist wohl niemand auf meine Meinung neugierig!

ÖSTERREICH: ZUR WERTSCHÄTZUNG DER THEATER IN DEN AUGEN DES GESETZGEBERS

Verordnungstext auf Untertitelanlage der Wiener Staatsoper

 

Theater finden sich in der Verordnung zwar nach den Bordellen, aber immerin noch vor den Paintballanlagen und den Museen.Foto: privat

Foto: privat

Publikum saß am Abend in Wiens Kulturtempeln fest
Staatsoperngäste ab 23.45 Uhr aus dem Haus am Ring evakuiert, im Burgtheater um 0.45 Uhr.
Wiener Zeitung

Wien/ Staatsoper
Der etwas andere Opernabend
Bis kurz vor Mitternacht saß das Publikum am Montag in der Staatsoper fest – und wurde mit Zugaben beschenkt. Ein Erlebnisbericht.
Wiener Zeitung

Heute kostenloser Stream aus der Wiener Staatsoper: A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM

Mittwoch, 4. November 2020, 19.00 Uhr

Benjamin Britten
A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM, (Vorstellung vom 2. Oktober 2019)
Musikalische Leitung: Simone Young
Inszenierung: Irina Brook

Oberon Lawrence Zazzo und Puck Théo Touvet. © Staatsoper/M. Pöhn

Stream „Eugen Onegin“ gestern abgesagt, am Freitag aber zu sehen!

Der gestrige „Onegin“ wäre in jedem Fall abgesagt worden – auch ohne Lockdown. Obwohl uns vom Innenminister versichert wird, dass es sich beim getöteten Terroristen um einen Einzeltäter gehandelt hat, übermittelte die Staatsoper gestern nachmittags folgende Meldung:

Aufgrund der aktuellen Ereignisse und den Empfehlungen des Innenministeriums, zu Hause zu bleiben und die Innenstadt zu meiden, bleibt die Oper heute geschlossen. Auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  sind daher im Home Office, somit ist eine technische Einrichtung des für heute geplanten Streams von Eugen Onegin leider nicht möglich. Diese Inszenierung Dmitri Tcherniakovs ist aber bereits am kommenden Freitag, 6. November auf  play.wiener-staatsoper.at zu sehen und in Folge 24 Stunden lang abrufbar. 

Das Programm für die nächsten Tage bleibt wie gehabt. Details dazu finden Sie hier.

Ist in Ordnung, die Staatsoper hätte also auf keinen Fall spielen können.

Der Hinweis auf „Home-Office wird langsam zu Routine, ohne nachzudenken wird er gebraucht. Ich würde gerne einen Bühnenarbeiter im Home-Office sehen! Wie funktioniert das?

Zum Lockdown:

Dr. Wolfgang Habermann schreibt: Ich weiß, es gibt größere Probleme, aber auch solche, an die niemand gedacht. Gestern habe ich mich wieder mit dem Straßenkehrer unterhalten, der so gern mit Niko spielt und der war verzweifelt: „Ich habe von 6 bis 14 Uhr Dienst und alle Lokale haben zu. Ich kann mir doch nicht in die Hose machen.“

GRAZ/ Musikverein für Steiermark: Aufgrund der aktuellen Maßnahmen können im November keine Konzerte im Musikverein stattfinden.

Wir arbeiten an Ersatzterminen für die Konzerte von Elīna Garanča (8.11.) und Piotr Beczała (19.11).

Folgende Veranstaltungen müssen leider abgesagt werden:

  • Kammerkonzert Belcea Quartet (4.11.)
  • Solistenkonzert Igudesman&Joo (18.11.)
  • Orchesterkonzert WDR Sinfonieorchester| Cristian Măcelaru | Emmanuel Tjeknavorian (23./24.11.)
  • Salonkonzert Sara Celardo | Emese Hartvég (24.11.)

Vielen Dank für Ihre Unterstützung in diesen herausfordernden Zeiten! Wir werden mit Ihnen auch das 206. Vereinsjahr überstehen und freuen uns auf ein Wiedersehen!

Protest der Münchner Bühnen: Häuser leuchten rot

Gärtnerplatztheater. Foto: Christian POGO Zach

 Vom 2. bis voraussichtlich 30. November wurde von der Bayerischen Staatsregierung erneut die Schließung aller Theater angeordnet. Nach dem gemeinsamen offenen Brief ihrer Intendantinnen und Intendanten an Ministerpräsident Markus Söder vom 26. Oktober, setzen die Bühnen nun erneut im Schulterschluss ein Zeichen. Während der Dauer der Schließung werden die Bayerische Staatsoper, das Residenztheater, der Gasteig, das Gärtnerplatztheater, das Prinzregententheater, das Staatstheater Augsburg sowie das Deutsche Theater jeweils von 16.30 bis 22 Uhr rot beleuchtet.
Dieses Statement soll unter dem Motto #alarmstuferot das Augenmerk auf die besondere Situation der Kulturschaffenden richten. Die Tatsache, dass umfangreiche Hygienekonzepte vorliegen und erprobt sind, findet bei der Entscheidung keine Berücksichtigung. Des Weiteren wird außer Acht gelassen, dass kulturelle Einrichtungen mehr als bloße Freizeiteinrichtungen sind. Die Ensembles der beteiligten Theater formulieren dies in einem offenen Brief: »Auf die gesellschaftliche Lage kreativ zu reagieren und Denkanstöße anzubieten, ist unsere Kunst. Eine Kunst, die in diesen Zeiten Halt geben kann und muss.«

München: DIE VÖGEL. Weitere Online-Merker-Eigenberichte

Copyright: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Bayerische Staatsoper München Staatsteater.TV-Premiere 31. Okt. 2020
Die Vögel -lyrisch-fantastisches Spiel in zwei Aufzügen – 1920 Komponist Walter Braunfels

Zitat TTT wörtlich: „Interessant ist mein Bericht durch die Aufarbeitung der dramaturgischen Gewichte von Braunfels und Aristophanes über 2.500 Jahre. In  Bezug auf Demagogie etc. Erstaunlich  habe offensichlich in allen Berichten nur ich diese Perspektive erkannt. Aber wie wichtig ist denn Theater heute, wenn es die tatsächlichen Zeitbezüge in inszenierten Werken, die diese Themen ausgezeichnet verdichten, nicht berücksichtigt. Gerade im Moment könnte Theater wieder eine Positon einnehmen, die seinen Ursprüngen gerecht würde.
Dass wir überall verarscht (Demagogie) werden, erleben wir ja nicht nur in Zeiten der Pandemie – das ist doch immanenter Bestandteil jeder vorgeblichen Demokratie – die Unterschiede verschwimmen“.

Einlassungen von Tim Theo Tinn

Bereits gestern veröffentlichten wir die Meinung von Klaus Billand. Der Bericht wurde noch etwas nachbearbeitet
Zum Bericht von Klaus Billand

In eigener Sache : Wir wurden gehackt. Das ist eine kostspielige Angelegenheit, obwohl uns die Webentwicklerin preislich sehr entgegengekommen ist.

Der Angriff ereignete sich bereits vor einem Monat, unsere Leser werden nicht viel davon bemerkt haben. Nur während eines Tages konnten wir nicht in das Bearbeitungsprogramm und so stand die Version des Vortages zur Ansicht!

Der Angriff war so heftig, dass im Normalfall die Seite vom Netz genommen wird – bis zur Ortung und Reparatur des Schadens bzw. bis zur Erstellung eines erweiterten Sicherheitssystems. In unserem Fall kamen uns der Server und auch die Webentwicklerin sehr entgegen, es wurde sozusagen ohne Sicherheitsnetz bzw „am offenen Herz“ gearbeitet. Dank an die Wagemutigen!

WordPress (unser Bearbeitungsprogramm) Spezialistin Gabriele Lässer aus Bregenz hat sich des Falles angenommen und ist uns preislich entgegengekommen.
Unser Konto ist mittlerweile ziemlich abgeräumt. Wenn Sie uns unterstützen können, dann weise ich auf unser Konto auf der Startseite hin!

„Wien modern“: Ein kräftiges Trotzdem
Die Ruprechtskirche liegt jetzt mitten im Tatort des Terroranschlages in Wien. Das Konzert Klangautomat Ruprechtskirche am 8. November wurde allerdings schon im Vorfeld von Wien Modern aufgrund von Einreise-Bestimmungen abgesagt. Wie vom Großteil des geplanten Festivals-Programms bis 29. November wird es via Video-Dokumentation und Stream dennoch zu erleben sein.
DrehpunktKultur

Leipziger „Lohengrin“-Lollipop, lohnend?
Das Spannendste an dieser gekürzten Fassung von „Lohengrin“ ist seine Vorgeschichte, die mindestens bis zum letzten „Tannhäuser“ der Oper Leipzig im Jahr 2018 zurückreicht. Schon steht der Termin der „Lohengrin“-Vorstellung im Paket „Wagner 22“ mit allen Wagner-Dramen in chronologischer Reihenfolge nach Entstehung fest: 30. Juni 2022. Aber das wird ein schon wieder anderer „Lohengrin“ sein als die wegen des Teil-Lockdowns vom 7. auf den 1. November vorverlegte Premiere.
https://www.nmz.de/online/leipziger-lohengrin-lollipop-lohnend

Wuppertal
Rossini-Oper trifft Oskar Schlemmer: Der Barbier vom Bauhaus
Musikalisch furios verabschiedet sich die Wuppertaler Oper mit Rossinis „Barbier von Sevilla“ in den Lockdown.
Wuppertaler Rundschau

Buchbesprechung: Das Leben der LOLA MONTEZ
Ich habe dem starken Geschlecht überall den Fehdehandschuh hingeworfen
344 Seiten, Verlag C.H.Beck, 2020

Besuchen Sie die Buchrubrik von Renate Wagner

Der Begriff des „Sich selbst neu Erfindens“ scheint ganz in unsere Welt zu passen, aber zu den eindrucksvollsten Beispielen der Geschichte zählt wohl die Tänzerin „Lola Montez“ (1821-1861), zu deren bevorstehenden 200. Geburtstag nun eine neue Biographie erschienen ist.

Obwohl sie sich selbst immer als Frau inszenierte, die im Widerstand zu einer etablierten Männerwelt lebte (was natürlich heutzutage hoch erwünscht und bewundert wird), ist ihr Leben doch kein glanzvolles. Im Gegenteil – so genau, wie Autorin Martia Krauss, Universitätsprofessor in Augsburg, Schwerpunkt bayerische Regionalgeschichte, dieses Leben schildert, wirkt es auf den Leser zunehmend tragisch. Wenn man dieser geborenen Eliza Gilbert auch zugestehen muss, dass sie in ihrer kurzen Lebenszeit zwar immer wieder der Maßlosigkeit und dem Größenwahn verfiel, aber immer Erstaunliches geleistet und nie aufgegeben hat.

Auf diese Art füllen sich 40 Jahre eines Lebens mit einer Unzahl von Verwandlungen und „Karrieren“, die sie so berühmt machen, dass auch die Nachwelt sie nicht vergessen hat. Wahrscheinlich hat jeder einmal das Gemälde gesehen, das Joseph Karl Stieler von ihr gemalt hat, die besonders schöne Frau mit den ausdrucksvollen Augen. Auch ist wohl nicht nur den Bayern in Erinnerung, dass sie beinahe den Thron der Wittelsbacher zum Wanken gebracht hätte. Im übrigen gilt „Lola Montez“ als „spanische Tänzerin“…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

HEUTE /ORF: Programmänderung wegen des Terroranschlags

Aufgrund der aktuellen Ereignisse und der von der österreichischen Bundesregierung beschlossenen dreitägigen Staatstrauer ändert der ORF auch in den nächsten Tagen sein Programm:

Das TV-Programm für Mittwoch, 4., und Donnerstag, 5. November 2020

ORF 1 adaptiert vormittags und nachmittags das Serienprogramm. Die „Seitenblicke“ in ORF 2 entfallen, ein religiöses Ersatzprogramm folgt. „Studio 2 Extra“ informiert jeweils um 16.00 Uhr über aktuelle Entwicklungen. Tagsüber werden die US-Wahl-Live-Flächen aus dem Newsroom im Bedarfsfall für die aktuelle Inlands-Berichterstattung genutzt, die geplante Info-Live-Strecke ab 20.15 Uhr zu den Wahlen in den USA wird beibehalten und dient ebenfalls bei Bedarf der Berichterstattung über aktuelle Entwicklungen über den Terroranschlag in Wien. Am Donnerstag zeigt ORF 2 um 20.15 Uhr „Universum: Big Bend – Amerikas wildeste Grenze“, „Die Rosenheim-Cops“ entfallen an diesem Tag. Das ORF-1-Hauptabendprogramm für Mittwoch und Donnerstag wird gesondert bekannt gegeben.

Änderungen für Freitag, 6. November

„Vera“ entfällt, um 21.20 Uhr zeigt ORF 2 die „Universum History“-Dokumentation „Die Nacht des Terrors“ zum Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938. Die „ZIB 2“ beginnt um 22.10 Uhr in ORF 2, danach steht der am 2. November entfallene „kulturMontag“ auf dem Programm.

Anzeigenstornos nach Terrorvideos auf oe24.at
Billa und Spar kündigen Boykott an
Kurier

Gemeint ist die unterirdische Berichterstattung des Fellner-Senders über den Terroranschlag, wie von mir angesprochen.

Gastro-Lockdown: Wohin mit den Martinigänsen?
Der Ausfall ihrer Hauptsaison stellt Gänsezüchter heuer vor neue Herausforderungen
Kurier

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C

 

 

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