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4. MAI 2018

04.05.2018 | Tageskommentar

Bayern wieder Monarchie? „Ludwig II zieht wieder in das Füssener Festspielhauses ein.  Foto: Klaus Billand

Nicht Markus I. heißt der Regent, sondern Ludwig II.

Klaus Billand (nein, nicht Klaus I.) residiert am Ammersee und war natürlich beim „Festakt“ dabei:

Gestern Abend erlebte die Neufassung des ursprünglichen König Ludwig II Musicals, für das das eindrucksvolle Festspielhaus am Forggensee im Allgäu im Jahre 2000 in Betrieb ging, durch die Neufassung „Ludwig2“ die Premiere seiner Wiederaufnahme aus den Jahren 2016/17. Regie führte Benjamin Sahler in einer Produktion der Big Dimension GmbH. Für Sahler steht das Märchenhafte an Ludwig II im Mittelpunkt seines Konzepts. Wie lebte er seine Flucht vor der Welt aus, und wie genial entwickelte er seine Fantasiewelten? Sahler hatte zuvor die Finanzierung dieser WA durch ein äußerst erfolgreiches crowd funding und eine Marktstudie ermöglicht.

Im fast voll besetzten Festspielhaus dirigierte Dr. Konstantinos Kalogeropoulos die Sänger und Sängerinnen. Die Musik von Konstantin Wecker, Nic Raine und Christopher Franke kam vom Band.

Eine interessante Variante: Die Musik kommt vom Band, der Maestro dirigiert nur für die Sänger. Einsparungspotential für Opernhäuser?

Elbphilharmonie: Das Programm für die nächste Saison steht fest

Elbphilharmonie. Copyright: Ursula Wiegand

Erfolgsgeschichte der Elbphilharmonie geht weiter
Karten für die Hamburger Elbphilharmonie sind immer noch heiß begehrt. Spitzen-Orchester aus aller Welt waren bereits im neuen Musentempel zu Gast. An diese Erfolgsgeschichte will Intendant Lieben-Seutter auch in der kommenden Saison anknüpfen
Hamburger Abendblatt
Hamburger Elbphilharmonie nach wie vor Besuchermagnet
Gut ein Jahr nach der Eröffnung ist die Hamburger Elbphilharmonie nach wie vor ein Besuchermagnet. „Das öffentliche Interesse an allem, was die Elbphilharmonie betrifft, ist weiterhin außerordentlich groß, die Nachfrage nach Konzertkarten hält ebenso an wie der Run auf die Plaza“, sagte Intendant Christoph Lieben-Seutter am Donnerstag in Hamburg
Salzburger Nachrichten

Enttäuschung: Das Programm mit den „auf dem Kamm blasenden Putzfrauen“ , das sicher binnen weniger Stunden ausverkauft gewesen wäre, ist wieder nicht dabei!

Mannheim: Wiederaufnahme „Tannhäuser“

Was haben Anna Netrebko und Frank van Aken gemeinsam? Wenn der Bühnenpartner in der passenden Stimmlage kurzfristig ausfällt, rufen sie den Lebenspartner an – für einen Einsatz als „Feuerwehr“. Im konkreten Fall gab Astrid Kessler (Elisabeth) w.o., Eva Maria Westbroek sprang ein. So kurzfristig, dass es kein gemeinsames Foto gab, deshalb muss die Venus Heike Wessels einspringen.


Frank van Aken (Tannhäuser), Heike Wessels (Venus). Copyright: Hans-Jörg Michel

Die Inszenierung von Chris Alexander konzentriert sich auf die verschiedenen Schauplätze von Wagners Oper, wobei der Mythos der modernen Stadt immer mehr in den Mittelpunkt rückt. Alexander denkt dabei auch an den Kosmos von Wagners Paris-Erfahrung, der hier eine bedeutende Rolle spielt. Venusberg und Wartburg werden einander in konträrer Weise gegenübergestellt. Das gesellschaftliche Leben beschwört im Venusberg in hemmungsloser Weise die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, während die Wartburggesellschaft ein System klarer Strukturen und Gesetze errichtet. Dabei wird aber auch eine geheimnisvolle Brücke von der mittelalterlichen Welt zur Gegenwart geschlagen…

…Für Wagner selbst war das Geständnis Tannhäusers, im Venusberg geweilt zu haben, der „Nerv der ganzen ferneren Tannhäuserexistenz“. Und diesen Nerv hat das gesamte Team bei dieser Vorstellung sehr gut getroffen. Der Gesang der Pilger, Elisabeths Fürbitte und Tannhäusers Reue vereinigen sich zu einem ergreifenden Schwanengesang, dessen Stimmungsbilder sich aber auch immer wieder wandeln…

Zum Bericht von Alexander Walther

Ernst von Siemens-Preis: Das Jenseits ist auch bloss ein Nicht-Ort
Der Schweizer Komponist Beat Furrer erkundet in seinen Werken philosophische und musikalische Grenzräume. Nun erhält er den Ernst-von-Siemens-Musikpreis, der früher gern als «Nobelpreis für Musik» apostrophiert wurde
https://www.nzz.ch/feuilleton/das-jenseits-ist-auch-bloss-ein-nicht-ort-ld.1382647

Pichowetz gegen Seefestspiele Mörbisch: Vergleich statt Prozess

Der Schauspieler hatte geklagt, weil er Intendanz nicht wie geplant antreten konnte.
Der Standard

Es wurde strengstes Stillschweigen vereinbart – und am ersten Tag hielten sich die Streitparteien auch daran. Offiziell ist also nichts zu erfahren. Da die Sache mit einem Vergleich endete, war die Rechtslage tatsächlich unklar und das Engagement des Herr Pichowetz wohl ein (teurer) Betriebsunfall im Burgenland.

Stadttheater Klagenfurt Spielzeit 2018/2019 Spielzeitheft zum Download

 

Intendant Florian Scholz, die Kaufmännische Geschäftsführende Direktorin Iris Dönicke und der neue Chefdirigent Nicholas Carter haben heute das Programm der Spielzeit 2018/2019 im Stadttheater Klagenfurt vorgestellt.

Spielzeitheft zum durchblättern https://issuu.com/stkf/docs/spielzeitheft_2018_2019

Wiener Volkstheater 2018/19 „widersprüchlich, kämpferisch“
In der vierten Spielzeit von Anna Badora will das Volkstheater Wien Theater „in Verteidigung der Demokratie“ machen – und zwar „vielfältig, widersprüchlich, kämpferisch“, wie die Intendantin bei der Vorstellung des Spielplans für 2018/19 sagte. Dabei stehen u.a. sieben Ur- und Erstaufführungen auf dem Spielplan, darunter die Dramatisierungen der Romane „Opernball“ und „Watschenmann“
Salzburger Nachrichten
„Im Blindflug“
Anna Badoras Spielplan für 2018/19 und offene Zukunftsfragen
Wiener Zeitung

Wien/ Off-Theater Kirchengasse: Zarah Leander oder die versöhnlichen Lieder einer Diva
„Davon geht die Welt nicht unter“, singt Zarah Leander. Und im Off-Theater in der Kirchengasse entfaltet sich eine Hakenkreuzfahne. Eine zynische Zusammenstellung. Eine Untersuchung des Textes im Hinblick auf seinen historischen Kontext. Lassen sich die Liebeslieder der „politischen Idiotin“ Leander also doch als politische Kommentare lesen? Tamara Stern und Ernst Kurt Weigel (Regie und Schauspiel) mühen sich mit „Ich Zarah oder das wilde Fleisch der letzten Diva“ (nach einem Text von Franzobel) durch Rechtfertigung, Verurteilung und Absolution. „Der eigentliche Skandal ist, dass du dich noch immer nicht entschuldigt hast.“ Am Ende tut sie’s doch
Wiener Zeitung

WIEN / Volkstheater-Bezirke / an diesem Abend im Akzent: EMILIA GALOTTI von Gotthold Ephraim Lessing

Copyright: Volkstheater/lupispuma

Ganz so lapidar, wie Regisseur Lukas Holzhausen Lessings wahrlich großes Drama auf die Bühnen stellt, die das Volkstheater in den Bezirken bespielt, ist die „Emilia Galotti“ wohl nicht. Und das Publikum hier zählt auch nicht unbedingt zu den „Fortgeschrittenen“, die eine dermaßen eingedampft-minimalistische Fassung an der Kenntnis des Originals messen können. Dennoch bekommen die Zuschauer zumindest eine – reduzierte – Ahnung des Stücks, und das ist heutzutage auch schon etwas wert.

Gekürzt bis zum Geht-nicht-mehr auf eindreiviertel pausenlose Stunden, spielt der Abend zwischen drei weißen Wänden (Bühne: Jane Zandonai), zu denen drei weiße Türen führen, die niedrig genug sind, dass alle Beteiligten sich bücken müssen, um durchzukommen (nicht nur der sehr große Hauptdarsteller). Symbolik? Wofür?…

Zum Bericht von Renate Wagner

WIEN / Theater in der Josefstadt: DER GOTT DES GEMETZELS von Yasmina Reza
Premiere: 3. Mai 2018

Copyright: Theater in der Josefstadt

Da „Der Gott des Gemetzels“ nach „Kunst“ das zweitbeste Theaterstück von Yasmina Reza ist (der Rest ihrer Produktion ist Gebrauchsware, der man keine besondere Haltbarkeit prophezeien möchte), hat man das Stück oft genug gesehen. Auch im Burgtheater (2008 mit Maria Happel und Roland Koch, Christiane von Poelnitz und Joachim Meyerhoff), auch im Kino (2011 von Roman Polanski verfilmt mit Jodie Foster und John C. Reilly, Kate Winslet und Christoph Waltz). Es wird bei oftmaliger Betrachtung nicht besser, eher fragwürdiger.

Denn im Grunde überzeugt nur die Exposition: Da sind zwei Ehepaare: Annette und Alain kommen zu Véronique und Michel, um darüber zu diskutieren, wie ihre Söhne sich geprügelt haben und was da nun zu tun sei. Die vier bringen sich selbst in Position, tasten die „Gegner“ ab, zeigen aber ziemlich bald ihr wahres Gesicht…

...Am Ende der Geschichte, nach knappen eineinhalb Stunden (und das ist auch mehr als genug), ist alles kaputt, alles kaputt, auch die Selbstbilder, und man hinterlässt vier Betrunkene in dumpfem Selbstmitleid. Viel Spaß weiterhin, Leute!

Zum Bericht von Renate Wagner

Heuer kein Literatur-Nobelpreis!

Schwedische Akademie : Literaturnobelpreis wird 2018 nicht vergeben
Die Schwedische Akademie reagiert auf die Belästigungs- und Korruptionsvorwürfe mit einem drastischen Schritt: In diesem Jahr wird es keinen Literaturnobelpreis geben.

https://www.zeit.de/kultur/literatur/2018-05/literaturnobelpreis-wird-2018-nicht-vergeben

Soeben erreicht uns diese Kunde. Schade, ich hätte einen würdigen Preisträger gewusst. Aber mich fragt ja niemand!

Fußball: Das Europaliga-Drama RB. Salzburg

Ich habe an Salzburg nicht geglaubt. Als es in der Halbzeitpause 0:0 gestanden hat, habe ich mich der Redaktionsarbeit gewidmet.  30 Minuten später habe ich doch reingeschaut – und dann war ich nicht mehr vom Bildschirm wegzubringen.

Salzburg hat durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters das alles zerstörende Gegentor erhalten. War der Schiedsrichter tatsächlich an Salzburgs „Aus“ schuld? Tatsache ist, dass er einen klaren Elfmeter gegen Salzburg und somit für Marseille wegen Handspiel im Strafraum nicht gegeben hat. Das war in der regulären Spielzeit und hätte bereits das Ende von Salzburgs Träumen sein können. Salzburg war im Glück, daher Verlängerung. Dort kehrte sich das Glück in Pech um. Kurz vor Schluss wurde ein Schuss eines Franzosen in das Torout abgefälscht. Zu mehr als 80 % ist in so einem Fall das Bein eines Abwehrspielers im Spiel – und so habe ich es im ersten Moment auch gesehen. In der TV-Wiederholung stellte sich aber heraus, dass der Ball vom Bein eines Franzosen in das Torout befördert wurde. Also wäre auf Abstoß zu entscheiden gewesen. Der Eckstoß führte dann zum Tor für Marseille, wobei aber der Schütze mutterseelenallein und einsam im Strafraum stand – und das darf auch nicht passieren, dafür kann der Schiedsrichter nichts.

Dem russischen Schiedsrichter Sergej Karasew gebe ich keine Schuld, eher dem „Torrichter“ mit Paradeiser/Tomaten in den Augen. Zur Erklärung für Nicht-Experten. Früher bestand ein Schiedsrichteam aus dem Schiri und zwei Assistenten (früher Linienrichter genannt, im Volksmund ganz früher als „Outwachler“ bezeichnet). Die Assisten sind aber zur Festellung des Abseits ein ungeheuer wichtiger Faktor einer Spielleitung und es kann von oft sensationellen Leistungen berichtet werden. Die Anzeige Torabstoß oder Eckstoß obliegt auch dem Assistenten – und da passieren durch die Unübersichtlichkeit der Strafraumszenen oft Fehler – menschlich verständliche.  Bei „großen, internationalen Spielen kommt dann zu diesem Trio das „Trio infernale“ dazu, das sind jene drei, die eigentlich unnötig  und nur ein Kostenfaktor sind. Ein „Vierter Mann“ – Koordinator vor der Betreuerbank und oft auch „Beschwichtigungshofrat“ und zwei sogenannte „Torrichter“, die eigentlich die Strafraumszenen besser überwachen sollen. Ein Schiri-Team besteht also in diesem Fall aus 6 (!) Personen. Altes Sprichwort: „Viele Köche verderben den Brei“.

Im konkreten Fall müsste es der an der Toroutlinie platzierte Torrichter besser als Schiedsrichter und Assistent gesehen haben, denn er hatte das Geschehen vor sich, die Kollegen hatten nur Seitensicht. Er hat aber nichts gesehen. Wofür bekommt der Mann sein Geld? Für gelernte Österreicher: „was war mei Leistung?“.

Da es um Millionen Euro ging, brannten nach dem Spiel einige Sicherungen durch, weniger bei den Spielern, aber bei den Zuschauern.

Der internationale offizielle Spielbeobachter der UEFA bat unmittelbar nach dem Spiel die Funktionäre um Schonung für den Schiedsrichter, der nach Kenntnis seines Fehlers unmittelbar vor einem Nervenzusammenbruch gestanden sein soll.

Dieses Schuldeingeständnis gibt den Salzburgern freilich die Millionen nicht wieder. Als Kenner unserer Neidgenossenschaft weiß ich aber, dass sich die Liga-Konkurrenz über den verhinderten Geldsegen freut!

Fazit: Wozu diese lächerlichen Torrichter? Die sind nötig wie ein Kropf!

Nun ist das Video online:

http://www.krone.at/1702813

Die Schiedsrichter sind bestürzt über diese Fehlentscheidung (kommt auch selten vor, meistens verteidigen sie ihren „Topfn“ noch „pampig“ (Laut Duden: pampig bedeutet: Pampig ist ein Mittelding, wenn jemand schmollend, patzig, verärgert, beleidigt oder einfach mies gelaunt sein könnte). Aber jetzt mal ehrlich: Schauen Sie sich das Video an und urteilen Sie, wer mehr vom schwachen Schiri benachteiligt wurde (Elferszene, Abseitsstellung). Und wenn Sie der Meinung sind, dass Sie die Situation im ersten Moment sofort richtig erfasst hätten, dann werfen Sie den ersten Stein. Aber nur dann!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

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