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4. FEBRUAR 2020 – Dienstag

04.02.2020 | Tageskommentar

Wiener Staatsoper: „Otello“ – für Stephen Gould gestern nicht problemlos. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

…Und der Titelheld, Stephen Gould? Mit Spannung erwartete man einen Wagner-Helden in der dramatischen Partie des naiven eifersüchtigen Feldherrn. Das Problem begann bereits mit dem „Esultate“, bei dem seine Stimme einfach wegkippte. Das kann passieren, wenn es auch ein geradezu fataler Einstieg ist. Aber auch nachher war jede Phrase von Wagner-Technik geprägt, aber Kraft allein reicht da nicht aus. Lautstärke und gepresste Höhen waren den Abend über zu hören, da fehlte es reichlich an Differenzierung in der Gestaltung der Rolle. Offenbar gelingt es nach wie vor kaum einem Sänger, das deutsche und das italienische dramatische Fach gleichermaßen erfolgreich auszufüllen…

Zum Bericht von Johannes Marksteiner

Wien/ Staatsoper: RUSALKA – mit Einspringerin in der Titelrolle (2.2.)

Manchmal freilich gibt es unerwartete Glücksfälle. So geschehen bei der 2. Vorstellung der aktuellen Rusalka-Aufführungsserie: Olga Bezsmertna, eine verlässliche, bewährte und geschätzte Hausbesetzung, fällt krankheitshalber aus. Eine weitgehend noch unbekannte junge Sängerin aus der Ukraine, die bisher nur an kleinen bis mittleren Bühnen, u.a. in Klagenfurt, Valencia und an der Volksoper Wien (2017 als Amalia in Verdis Die Räuber), aufgetreten ist, bekommt eine Chance – an der Staatsoper die Titelpartie in Dvoráks Rusalka zu übernehmen. Eine Rolle, in er sie seit Dezember – wie es der Zufall so will – im Theater St. Gallen ohnehin auf der Bühne steht: Sofia Soloviy. Ein Name, den man sich – diese Prophezeiung sei gewagt – merken sollte. ..

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Zürich: IPHIGÉNIE EN TAURIDE  – Premiere 2.2.2020. Cecilia Bartoli als überwältigende Iphigénie    

Cecilia Bartoli als Iphigénie. Foto: Monika Rittershaus

Die Inszenierung von Andreas Homoki dringt in die psychischen Tiefen der Tragödie um Iphigenie und ihren Bruder Orest ein. Schwarz ist die gesamte Ausstattung (Bühnenbild und Kostüme: Michael Levine), der perspektivisch nach hinten zulaufende Raum in der fensterlosen Enge, wo sich nur gelegentlich Risse auftun. Schwarz sind auch die Kostüme, wahrhaft prachtvoll in ihrer strengen Eleganz und einhüllenden Trauer zugleich. Schwarz ist überhaupt die Farbe dieser Inszenierung, dieser Tragödie um die Kinder von Agamemnon und Klytemnästra, des von den Göttern verfluchten Atridengeschlechts.  

Cecilia Bartoli ist es, die die unglückliche Iphigénie nicht nur singt und spielt, sondern mit ihrer ganzen Persönichkeit auch ist. Sie ist es, die die nahezu zwei Stunden Spieldauer fast unentwegt auf der Bühne steht und diese mit ihrem Charisma erfüllt…

Zum Premierenbericht von John H. Mueller

Cecilia Bartoli hat sich die Iphigénie gewünscht und verkörpert die Rolle mit der von ihr gewohnten Perfektion. Die Stimme ist mit dem Alter naturgemäss kleiner geworden, trägt aber, wie auch bei der Cenerentola, im Zürcher Haus perfekt. Jean-François Lapointe leiht dem König Thoas seinen prächtigen Bariton. Die Krone des Abends gebührt Stéphane Degout und Frédéric Antoun als Oreste und Pylade: hier wird sofort klar, was mit dem Begriff „Empfindsamkeit“ gemeint ist…

Zum Premierenbericht von Jan Krobot

BERLIN/ PHILHARMONIE: KIRILL PETRENKO DIRIGIERTE PUCCINIS „SUOR ANGELICA“

Foto: Michael Trippel

Erstmals dirigiert ihr Chef Kirill Petrenko in Berlin eine Oper, jedoch mit lauter jungen, sehr begabten Menschen.

Es sind die Stipendiaten der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker, die ihre Instrumente mit Verve und schon fast wie die Profis spielen. Einen guten Job macht auch der Chor des Vokalhelden-Chorprogramms. Mit dem Ausdruck „Volkhelden“ soll die Hemmschwelle tiefer gelegt und jungen Leuten Mut gemacht werden, dem Chor beizutreten.

Das größte Erstaunen erregen jedoch die 13 Sängerinnen, Gesangssolistinnen und Studentinnen der Berliner Musikhochschulen. Sie singen und spielen die Schwestern in diesem Marienkloster. Puccini gemäß Italienisch singend, gestalten sie ihre Rollen mit Temperament, Darstellfreude und bereits gut entwickelten Stimmen…

Zum Bericht von Ursula Wiegand

 

STUTTGART: Premiere „Boris“ von Mussorgski/Newski am 2. Februar 2020 in der Staatsoper/STUTTGART

Viele verschiedene Zeitebenen

 Hier betritt das Regie-Team Neuland. Zwei Werke werden hier gleichzeitig raffiniert verzahnt: In der Regie von Paul-Georg Dittrich verschmilzt Modest Mussorgskis „Boris Godunow“ mit Sergej Newskis Neukomposition „Secondhand-Zeit“. Newskis Werk basiert auf Texten der Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, die in ihrem gleichnamigen „Roman der Stimmen“ die Lebenserfahung unzähliger Einzelner in Zeiten politischer Wirren nach der Perestroika zu Literatur umarbeitete. Stimmen aus der jüngeren Vergangenheit tauchen plötzlich auf und stellen Fragen an Gegenwart und Zukunft.

Adam Palka (Boris), Carina Schmieger (Xenia). Foto: Matthias Baus

Zum Premierenbericht von Alexander Walther

Stuttgart: Seekrank im Meer der Erinnerungen: „Boris“ in Stuttgart
Russische Gegenwarts-Bewältigung: Modest Mussorgskis Oper „Boris Godunow“ kombiniert mit Auszügen aus dem Zeitzeugen-Buch „Secondhand-Zeit“ von Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch. Diese historische Kreuzfahrt überforderte viele Zuschauer.
BR-Klassik.de

Boris. Stuttgart Staatsoper Mussorgski vs. Newskis „Secondhand-Zeit“ Vertonung
Boris – Irgendwer, irgendwann und irgendwo. Die Einführung begann wieder mit der üblichen Zeitverwirrung: Futur II, das eigentlich eher ein Konjunktiv der Leute ist, die uns diese Zukunft bescheren. Um es gleich zu sagen: Ich bin dafür, eine Zukunft zu beenden, die keine gute wird. Manches bliebe uns erspart. Auch in der Oper in Stuttgart, wie ich befürchte.
https://www.freitag.de/autoren/hahalter/boris

FRANKFURT/ Bockenheimer Depot: LA GAZETTA von G. Rossini. Premiere am 2.2.

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Matthew Swensen, Mikolaj Trabka, Elizabeth Sutphen; (c) Barbara Aumüller

Bei diesem Dramma per musica in zwei Akten nach C.Goldoni handelt es sich um eine heute nahezu vergessene Oper. Giacomo Rossini, schrieb sie in der Zeit seiner auch heute vielfach gespielten Buffo-Opern Barbiere di Siviglia und Cenerentola 1816 für Neapel z.T in neapolitanischen Dialekt. Damals, wo es ja noch kein festgeschriebenes Urheberrecht gab, kopierte Rossini sich auch gern selbst, um seinen vielfältigen Aufträgen nachzukommen. So besteht ‚Gazzetta‘ aus etwa 60% dafür Komponiertem, der Rest ist aus anderen Opern des Schwans von Pesaro. Z.B. die Ouverture, die ursprünglich für Cenerentola konzipiert war…

Zum Premierenbericht von Friedeon Rosén

„La gazzetta“ in Frankfurt: Jetzt rasch eine Zeitung
Wie soll man einer Oper widerstehen, die das Wort Zeitung im Titel trägt? Beachten Sie in diesem Zusammenhang die ausführliche Szene, die sich der Aufregung, Vorfreude, ja, Gier beim Eintreffen der aktuellen Ausgaben am Kiosk widmet.
Frankfurter Rundschau

STRASBOURG/ opera du Rhin: PARSIFAL. Vorstellung am 1.2.

Thomas Blondelle im 3. Akt. Foto: Klara Beck

Nun kommt zum Bericht von Dr. Billand über die Premiere noch ein Bericht von Dirk Schauß von der Vorstellung am 1.2. hinzu. Die Inszenierung bedarf einer Gebrauchsanweisung – und unsere Beobachter deuten manche Sequenz anders. Dirk Schauß: Bereits im Vorspiel ist ein Junge mit seiner Mutter zu sehen. Der Junge ist wie der später auftretende Parsifal gekleidet und begleitet diesen durch die Handlung. Er beobachtet, wie seine Mutter sich vor einem Spiegel selbst befriedigt und reagiert darauf traumatisiert. Ein Sinnbild für Beziehungen, die sich verändern.

Zum Bericht von Dirk Schauß

Klaus Billand sieht diese Szene anders. Er meint nicht Herzeleide, Parsifals Mutter, sondern Kundry zu erkennen: Zum Premierenbericht von Klaus Billand

LIÉGE/ Lüttich: DON CARLOS (fünfaktige französische Fassung). Premiere am 30.1.

Foto: Opera Royal de Wallonie

Zum Bericht von Rudolf Hermes/ www.deropernfreund.de

München/ Bayerische Staatsoper: TURANDOT – letzte Vorstellung der „Netrebko-Serie“

Schlussapplaus. Rufen Sie weitere Fotos mit untenstehendem Link auf

Zu Instagram mit einer Fotoserie aus der letzen Turandot-Vorstellung

WIE SICH DIE BILDER GLEICHEN!

„Fidelio“-Urfassung an der Wiener Staatsoper. Thomas J. Mayer (Pizzaro) im roten Anzug. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Lucian Krasznec als Herzog von Mantua in Herbert Föttingers Inszenierung im Staatstheater am GärtnerplatzFoto: Christian POGO Zach

Böser Mann trägt roten Anzug, damit man ihn auf Anhieb als böse erkennt. Neuestes Kapitel der Regisseurs-Fortbildung

„Verschwörungstheorien brauchen keine klaren Tatsachen“: Frank Piontek über Fake News in der Zeit Richard Wagners
Interview: Der Kulturjournalist und Buchautor Dr. Frank Piontek
von Jolanta Lada-Zielke
https://klassik-begeistert.de/interview-am-donnerstag-1-frank-piontek/

München/ Bayerische Staatsoper: Ein Missbrauch Bezahlartikel
Der zweiteilige Opernkrimi „Judith“ scheitert als reizvolles Experiment an der Münchner Staatsoper.
Sueddeutsche Zeitung
Experiment gelungen: Kunstart-Fusions-Krimi! Judith Bond in München
Béla Bartók ist ein reichlich unbeschriebenes Opernblatt. Nur eine und dazu sehr kurze Oper. Herzog Blaubarts Burg entstand 1911 und wurde erst sieben Jahre 1918 später in Budapest uraufgeführt. Davor hatte kein Haus Interesse an einer Aufführung gezeigt. Kompositions-Lust geht anders.
Aus der Bayerischen Staatsoper berichtet Frank Heublein.
Klassik-begeistert

ÖSTERREICHISCHE NATIONALBIBLIOTHEK: SONDERFÜHRUNGEN

Kinderspaß in den Semesterferien und im Fasching

Ludwig van Beethoven begeistert bis heute Jung und Alt mit seiner Musik. Ob der große Komponist wirklich taub war und ob ein Musiker eigentlich hören können muss – diese Fragen werden im Rahmen einer Kinderführung durch die aktuelle Sonderausstellung „Beethoven. Menschenwelt und Götterfunken“ im Prunksaal beantwortet. Kleine WeltenbummlerInnen kommen in den Semesterferien auch bei Sonderführungen im Globenmuseum auf ihre Rechnung. Wer sich für keine dieser angebotenen Führungen entscheiden kann, der kommt am besten ins Papyrusmuseum, denn dort erfährt man, wie die Götter im alten Ägypten bei Entscheidungsschwierigkeiten geholfen haben.
Spaßig geht es dann im Fasching zu: Im Literaturmuseum lädt ein großer Bücherwurm zu einer Rätselrallye mit Scherzgedichten ein, im Bücherspeicher am Heldenplatz werden lustige Bücher mit dem Bücherzug kopfüber an die Erdoberfläche geschickt. Am besten gleich online die Tickets dazu kaufen!

» Mehr Infos

Der  zweite Film der Woche wird morgen näher vorgestellt! Er startet ja erst am Donnerstag

Miami/ USA
Super Bowl Halftime Show: Das war (zu) subtil
shakira und Jennifer Lopez lieferten in der Pause des Super-Bowl-Spiels eine körperlich intensive Show und feierten die Latino-Kultur. Gegen Schluss wurde es gar politisch.
Die Show im Video zum anschauen
Die Presse

Spektakel und Protest: Super-Bowl-Halbzeitshow mit Shakira und JLo
Auftritt der Popstars bot auch Kinder in erleuchteten Käfigen als Protest gegen Trumps Einwanderungspolitik
Der Standard

Diese Halbzeitshow muss man gesehen haben, ein unglaubliches Spektakel. Videos davon sind in beide Berichte eingebettet

Für heute wünsche ich einen schönen Tag. In Wien werden wir „vom Wind verweht“. Ich sitze derzeit in meiner Dachgeschoßwohnung mit Blick über Wien von Meidling bis zum Kahlenberg (ja, Wien ist ein Dorf) und genieße es, wie der Wind über das Blechdach streift.

A.C.

 

 

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