Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

4. DEZEMBER 2018

04.12.2018 | Tageskommentar

Wiener Staatsoper: Szene aus „Die Weiden“. Tomasz Konieczny. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Renate Wagner hat eine Reihe von Interviews gemacht – unter Aussparung des redseligen Komponisten, der von der Mission erfüllt ist, sein Publikum politisch auf den richtigen Weg zu bringen.

Auf Andrea Moses trifft die Bezeichnung „Politische Regisseurin“ zu. Jetzt hoffe ich, dass ich „Die Weiden“ mit neuen politischen Erkenntnissen geläutert verlasse. Das allein ist schon eine Stehplatzkarte wert.

INTERVIEWSERIE ZU „DIE WEIDEN“: ANDREA MOSES – Es passiert hier und jetzt

Mit der Regisseurin sprach Renate Wagner

Andrea Moses, Foto: Wiebke Loeper

Andrea Moses genießt in Deutschland den Ruf einer„politischen“ Regisseurin. Vermutlich haben Komponist Johannes Maria Staud und Librettist Durs Grünbein sie deshalb schon vor drei Jahren in den Entstehungsprozess der Oper „Die Weiden“ einbezogen. Nun hat sie das vielschichtige, szenisch anspruchsvolle Werk so zu realisieren, dass es sich dem Publikum auch mitteilt – „Ich würde es nicht versuchen, wenn ich nicht meinte, dass es möglich ist“, sagt sie im Gespräch zu Renate Wagner.

Frau Moses, Sie inszenieren seit zwölf Jahren Opern, zwischen Weimar und Dessau, Meiningen und Braunschweig, Stuttgart und Berlin, und wann immer man darüber liest, wird der besondere politische „Touch“ betont, den Sie Ihren Aufführungen geben. Kann das auch mit Ihrer Jugend in der DDR zu tun haben?

Keine Frage, dass es ein geschärftes gesellschaftliches Bewusstsein nach sich gezogen hat, in der DDR aufzuwachsen. Die „Haltungsfragen“ stellten sich von Kindheit an – wie verhalte ich mich zur Umwelt, zur Gesellschaft, was ist das für eine Welt, in der ich lebe? Natürlich überträgt sich diese Prägung dann auch auf die Arbeit.

Und als Johannes Maria Staud und Durs Grünbein beschlossen, eine sehr politische Oper zu schreiben, kamen sie auf Sie zu?

Dass Durs Grünbein und ich beide aus Dresden stammen, hat jedenfalls nichts damit zu tun, denn wir haben uns erst bei der Arbeit kennen gelernt. Johannes Maria Staud hat meine Stuttgarter „Don Giovanni“-Inszenierung von 2012 gesehen, war begeistert und hat mich darum eingeladen, mich zu dem Projekt dazu zu gesellen. Seit Anfang 2016 bin ich dabei, während sich die „Weiden“ entwickelt haben. Ich habe natürlich nicht mitgeschrieben, wurde aber zusammen mit meinem Dramaturgen Thomas Wieck immer um meine Meinung, Ideen und Anregungen gefragt. Es sind nunmehr fast drei Jahre dauernder Auseinandersetzungen…

ZUM INTERVIEW

INTERVIEW MIT THOMAS EBENSTEIN

Wenn man mit dem Komponisten telefonieren kann…

Thomas Ebenstein, Foto: Julia Wesely

Thomas Ebenstein war an der Wiener Staatsoper der großartige Caliban in „Der Sturm“ von Thomas Adès, der faszinierende Robespierre in „Dantons Tod“ von Gottfried von Einem, er kreiert derzeit die Rolle des Edgar in „Die Weiden“ von Johannes Maria Staud, und er wird in dieser Spielzeit noch der Menelaos im „Orest“ des Manfred Trojahn sein. Ein Charaktertenor als Spezialist für die Moderne – und ein Künstler, der mit Hinblick auf sein Vorbild Heinz Zednik an Mime und Loge denkt…

Das Gespräch führte Renate Wagner

Herr Ebenstein, in „Die Weiden“ von Johannes Maria Staud gibt es im Libretto von Durs Grünbein zwei Paare, Lea und Peter sowie Edgar und Kitty. Sie sind Edgar – welche Funktion hat diese Figur?

Die Konstellation mit zwei Paaren erinnert ein wenig an die „Zauberflöte“, wo es auch ein „hohes Paar“ und ein „niederes Paar“ gibt. Die Rollen, die Andrea Carroll und ich verkörpern, bilden das niedere Paar. Sie sind fast gleichwertige Hauptrollen, fehlen nur in Prolog und Epilog, machen aber sonst die ganze Reise „am Fluß“ mit und sind für das Geschehen sehr wichtig. Edgar, der Selfmademan, ist wahrscheinlich ein Internet-Millionär, und kehrt für die Hochzeit mit seiner Braut Kitty in das Dorf zurück, aus dem er und sein Schulfreund Peter stammen und wo der Komponist Krachmeyer vermutlich ihr Musiklehrer war. Kitty ist eine Fremde, vielleicht eine Osteuropäerin. Die Beziehung funktioniert in punkto Sex hervorragend, sonst haben sie sich wenig zu sagen. Wenn es später zu einem „Dreier“ mit Peter kommt, scheint es, als ob Edgar seit seiner Jugend in den Freund verliebt war…

ZUM INTERVIEW

Noch zwei Szenenfotos zu „Die Weiden“

Rachel Frenkel. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Rachel Frenkel, Andrea Carroll, Tomasz Konieczny, Thomas Ebenstein.Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Unsere Interviewserie wird in den nächsten Tagen fortgesetzt

Apropos „Politisches Theater“ – Schauplatz Linz

Landestheater Linz„Die Stadt sagt: Wir brauchen euch nicht“
Wie bei vielen Theatern sind in Linz die Subventionen zwischen Land und Stadt aufgeteilt − doch die Stadt will aus dem Vertrag aussteigen. Die Petition „Linz liebt sein Theater“ setzt sich das Ziel, den Gemeinderatsbeschluss rückgängig zu machen
DeutschlandfunktKultur

Was damit bezweckt wird, weiß ich nicht.

Angeblich sagt die Stadt: „Wir brauchen euch nicht, wir können uns euch nicht leisten“. Das ist der ökonomische Hintergrund, aber letztlich merkt man auch eine Ablehnung der Institution als solcher.“

Hermann Schneider hat  nun unter dem Motto Linz liebt sein Theater eine Petition eingerichtet, die bereits mehr als 14.000 Unterzeichner gefunden hat – darunter auch zahlreiche prominente Theaterschaffende aus aller Welt, wie etwa der frühere Burgtheater-Direktor Claus Peymann.

Vor Claus Peymann wird der Linzer SPÖ-Bürgermeister sicher nicht die Knie gehen, der ist nicht sein Wähler. Natürlich steckt da eine Strategie dahinter, bloß welche? Das Linzer Landestheater wird es sicher weiter geben, hysterische Szenarien sind nicht gefragt. Ich bin aber wirklich gespannt, was der Linzer Gemeinderat bezweckt! Wenn er aber jetzt wegen sagen wir mal 20 000 Unterschriften (noch dazu „aus aller Welt“) volle Hosen bekommt, ginge der Schuss nach hinten los. Soweit bekannt findet die Abstimmung darüber übermorgen (6.12.) statt. Es würde mich nicht wundern, wenn sie vertagt würde.

In eigener Sache: Das für morgen, Mittwoch, in unserer Online-Galerie anberaumte Künstlergespräch mit dem italienischen Tenor Andrea Carè musste abgesagt werden. Der Tenor musste für die gestrige zweite Vorstellung der „Butterfly“ absagen und will Freitag wieder singen, da haben wir auch aus rechtlichen Gründen geraten, das Gespräch auf nächste Saison zu verschieben.

BERLIN: WIE ALT IST DIE „HOFFMANN“-INSZENIERUNG WIRKLICH?

 In der Berichterstattung zur Premiere von „Les Contes d’Hoffmann“ an der Deutschen Oper Berlin gab es unterschiedliche Angaben über das Premierendatum der Produktion. Die Eigenkritik des Online-Merker (Autor Waltenberger) hat sich auf die Angaben im Programmheft der Deutschen Oper Berlin gestützt. In einer SMS hat mir ein berühmter Berliner Feuilletonist mitgeteilt, er wäre bei der Premiere 2003 in Lausanne dabei gewesen. Das verlangte natürlich nach Aufklärung: Ich habe daher die Pressestelle der Deutschen Oper Berlin kontaktiert und von Frau Kirsten Hehmeyer folgende klarstellende Strellungnahme erhalten:

„2003 in Lausanne gab es eine Hoffmann-Premiere von Laurent Pelly, allerdings in viel kleinerem Rahmen und musiziert mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne, also einem Kammerorchester. Für Lyon 2005 wurde die Produktion neu gemacht, ein neues Bühnenbild gebaut und meines Wissens nach war auch die Instrumentierung eine andere. Deshalb ist das die Referenz dieser Koproduktion.“

Ich denke, damit ist Licht ins Dunkel gekehrt.

Ingo Waltenberger

Venezia/ Teatro La Fenice: MACBETH

Schlussapplaus. Foto: Petra und Helmut Huber

Petra und Helmut Huber berichten aus Venedig: Giuseppe Verdi hatte bei der Uraufführung 1847 in Florenz großen Wert auf historische Genauigkeit der Ausstattung gelegt. Der gebürtige Venezianer Damiano Michieletto, der bei dieser Saisoneröffnung des Fenice Regie führte,ist da gegensätzlicher Auffassung: Er ließ sich von Paolo Fantin eine chromglitzernde Stahlumrahmung für die Bühne bauen.

Viele Effekte beruhten auf riesigen Plastikfolien, die entweder als Zwischenvorhänge genutzt werden, auch als Projektionsflächen für Schattenspiele, oder als wiederholt und damit ermüdend anschwellender von der Decke hängender Hexenkessel. Immer wieder wurden diese Plastikflächen auch heruntergerissen, als Leichenhüllen verwendet oder dergleichen: es ist stark zu hoffen, daß diese „compostabili“ sind, denn sonst würde der Folienabfall einer einzigen Vorstellung den Umwelteffekt des italienischen Plastiksackerlverbotes um Wochen zurückwerfen… ferner dürfte das Regieteam zu viel „CSI“ gesehen haben, denn es scheint der Auffassung zu sein, daß Blut weiß sein müsse (siehe der in dieser Krimiserie gerne gezeigte Blutnachweis mit Luminol): schon nach dem ersten Mord ist der sonst dunkelgraue bis schwarze Titel“held“ ziemlich weißscheckig; die Erscheinung des toten Duncan überschüttet sich mit etwas, das wie weiße Latexfarbe aussieht (nicht ohne zuvor seinen schönen schwarzen Anzug abgelegt zu haben, den wollte man wohl nicht mutwillig versauen). Die Familie Macduff wird mit Plastikfolie überzogen und der selben Pampe übergossen wie sie sich zuvor der tote König über den Kopf geleert hat.

Der Wald von Birnam besteht aus roten Schaukeln an langen verzinkten Ketten, die mitunter – von Lady Macbeth, Macbeth selbst und einigen Erscheinungen – auchals solche genutzt werden; Malcolm wird im Finale sogar darauf vielleicht 4 m hoch gehievt…

Zum Bericht von Petra und Helmut Huber

Stuttgart: Axel Ranisch inszeniert Sergej Prokofjews „Die Liebe zu drei Orangen“ am 2. Dezember 2018 in der Staatsoper/STUTTGART


Daniel Kluge, Matthew Anchel, Elmar Gilbertsson.
Copyright: Matthias Baus

Da hat Sergej Prokofjew (der gefürchtete Tastenlöwe) doch tatsächlich eine witzig-burleske Oper über einen Prinzen geschrieben, der nicht lachen kann und dafür verurteilt wird, sich in drei Orangen zu verlieben. Farfarello fragt in der Oper den raffinierten Zauberer Celio, ob er ein richtiger oder nur ein Theaterzauberer sei. Bei dieser Inszenierung steht in jedem Fall die unbändige Lust am Erzählen, am Märchenhaften und am Überraschenden im Vordergrund. Der Video- und Computerspielästhetik wird hier breiten Raum gegeben…

Zum Bericht von Alexander Walther

Die Liebe zu den drei Orangen als bunte Farce
Neue Zürcher Zeitung

Frankfurt: I PURITANI/Bellini   2.12. 2018 Premiere

Brenda Rae im Lacroix-Gewand. Copyright: Barbara Aumüller

Einer der wohl schönsten und auch dramatischsten Opern Vincenzo Bellinis sind I Puritani (Die Puritaner). Sie wird aber gern auf die große Liebe zwischen Arturo und Elvira, Belcanto-Rollen par excellance, reduziert, obwohl diese in einen Krieg zwischen den Puritanern unter Cromwell und der Königsfamilie der Stuarts um 1650 eingebettet ist.  Arturo ist ein Anhänger der Königsfamilie, während das andere Personal um Elvira die Seite der sich im Aufwind befindenden Puritaner  darstellt…

Zum Premierenbericht von Friedeon Rosén

GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK 4. – 10. DEZEMBER 2018

 

(Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern bezieht sich ausschließlich auf die untenstehenden Sender). Kurzfristige Programmänderungen der Sender vorbehalten!
Alle Zeiten MEZ.

5.12. LA TRAVIATA (Live aus New York) MET-Stream-1.55 Uhr
6.12. RICCARDO E ZORAIDE (aus Pesaro, Aufnahme v. 11.8.) BBC 3-15 Uhr
7.12. ATTILA (Live aus Mailand) RAI 3-18 Uhr
8.12. DIE WEIDEN (Live aus Wien) ORF Ö1-19 Uhr
ATTILA (aus Mailand, Aufnahme v. 7.12.) Bayern 4-19.05 Uhr
KATJA KABANOVA (aus Brünn, Aufnahme v. 19.11.) Deutschlandradio-19.05 Uhr
IL TRITTICO (aus New York, Aufnahme v. 23.11.) BBC 3-19.30 Uhr
LES TROYENS (aus Wien, Aufnahme v. 14.10.) Radio Suisse R.-20.03 Uhr
FRANCESCA DA RIMINI (aus Mailand, Aufnahme v. 15.4.) HR 2-20.04 Uhr
9.12. MAM’ZELLE NITOUCHE (aus Montpellier, Aufnahme v. 23.11.) France Musique- 20 Uhr
FIN DE PARTIE (aus Mailand, Aufnahme v. 15.11.) SWR-20.03 Uhr
L’EURIDICE (aus Innsbruck, Aufnahme v. 23.8.2013) WDR 3-20.04 Uhr

Filme der Woche

Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

Frauenpower ist der neue Kinotrend, Männerfilme werden umgedreht, weibliche Ghostbusters, weibliche Ocean’s 8-Heldinnen, die einen Heist durchziehen… und wenn „Witwen“ das nun auch tun, könnte man meinen, eine neue Komödie auf dieser Schiene vor sich zu haben. Aber die Geschichte, die Steve McQueen erzählt (seitdem der gleichnamige Schauspieler tot ist, kann es keine Verwechslung mit dem durchaus anspruchsvollen Drehbuchautor / Regisseur mehr geben), ist tragisch. Und sie bleibt es vom Anfang bis zum Ende.

Sie spielt in Chicago, wo die Gangster immer noch ganz schön unterwegs sind. Vier von ihnen, geführt von Harry Rawlins, gespielt von Liam Neeson, werden allerdings durch eine Explosion in die Luft gesprengt – und der erfahrene Kinobesucher fragt sich, wieso ein so populärer Schauspieler gleich am Beginn des Films verschwindet? Keine Angst, es gibt noch Rückblenden in Form von Erinnerungen und andere Überraschungen…

HEUTE IM MERKER-KUNSTSALON (Gatterburggasse 14)

 

Besuchen Sie dieses Adventkonzert! Ich bin auch dort!

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.

 

 

Diese Seite drucken