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4. APRIL 2021 – Sonntag, Oster-Sonntag

04.04.2021 | Tageskommentar

Die Redaktion des Online-Merker wünscht allen Lesern, Mitarbeitern und Freunden ein frohes Osterfest!

Alle Veranstaltungen (vorerst) bis zum 25. April untersagt

 

Das meint der Wiener Konzerthauschef. Bitte, die Medienmeldung erfolgt in Ermangelung von Alternativen durch uns.

Ehrlich gesagt habe ich bald überhaupt kein Mitleid mehr. Gut, es betrifft mich nicht in der persönlichen Existenz, unser Medium betrifft es nur insoferne, dass wir über etwas berichten sollen, das nicht stattfinden darf. Die Streams hängen mir bereits zum Hals raus, ich konsumiere sie zwar, aber die bloße Ankündigung  kann doch nicht die einzige Aufgabe des Online-Merker sein. Leider sind jene, die es betrifft, ganz, ganz still.  Es gibt kaum eine Branche, wo Konformismus, Opportunismus, billiges Gefallen-Wollen und vor allem Feigheit so stark ausgeprägt sind wie in der sogenannten Hochkultur. (A.C.)

Ansonsten gibt es schöne, aber allzu hohle Worte von Verantwortlichen. besser gesagt von „irgendwie am Rand Beteiligten“. Die Hauptverantwortlichen wollen sich dem Vorwurf, „kulturverliebt“ zu sein, erst gar nicht aussetzen. Diesbezüglich sind sie über jeden Verdacht erhaben.

Veronica Kaup-Hasler: „Bin nicht die Gouvernante der Kulturnation“
Sie ist gegen populistische Fördermaßnahmen und findet nichts dabei, dass im Volkstheater die Ehefrau des Direktors angestellt ist
Kurier.at

Veronica Kaup-Hasler (die Wiener Kulturstadträtin) wurde vor kurzem  beim „Feurigen Engel“ im Theater an der Wien gesichtet. Sie begründet das mit Solidarität zu den Künstlern („hier trifft sich Pflicht mit Genuss“).  Eine Stufe höher rangiert die Staatssekretärin Andrea Mayer. Sie besucht derzeit keine Veranstaltungen aus Solidarität zu denen, die nicht gehen dürfen. Die Regierungsmitglieder in den höchsten Etagen üben diese Solidarität bereits vorausschauend seit Jahrzehnten aus und meiden Oper und Theater wie der Teufel das Weihwasser.

Übrigens, dass der Volkstheaterchef seine Frau im Volkstheater anstellen darf, kratzt mich weniger – wenn die Dame dort gute Arbeit leistet. Man sollte das eben überprüfen – und zwar transparent. Anwürfe, natürlich anonym,  aus dem Umfeld werden sicher kommen und den Medien zugespielt werden. Diese haben wiederum die Aufgabe, zu den Vorwürfen zu recherchieren, sich nicht mit billigen Dementis abspeisen zu lassen. Aber auch in dieser Szene herrscht Feigheit pur! Die Pressesprecher der Parteien sind gerade in dieser Zeit sehr aktiv und greifen reflexartig zum Telefon. Fast immer mit Erfolg,  die Chefredakteure leiden unter Knieschlottern!

Wien
Wiener Festwochen zahlen Förderung zurück
Die Wiener Festwochen werden angesichts des Kultur-Lockdowns 1,8 Mio. Euro respektive 20 Prozent ihrer Fördergelder zurückzahlen. Das kündigte die Wiener SPÖ-Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler an.
https://wien.orf.at/stories/3097676/

Das klingt wunderbar und lässt sich auch leicht bewerkstelligen. Soll ich nun jubeln? Für wie naiv hält man mich? Diese Praktiken aus meiner Berufszeit habe ich schon  längst wieder vergessen, so alt sind die!

Wir haben uns geirrt Bezahlartikel
Schon vor einem Jahr glaubten wir an baldige Auferstehung nach der Krise. Und woran glauben wir jetzt? Zum Glück nicht mehr allem.
https://kurier.at/meinung/wir-haben-uns-geirrt/401340603

Sicheres Zeichen für ein Ende der Krise: Wir haben schon wieder andere Sorgen!

Warum der Begriff „Kulturschaffende“ NS-belastet ist
Ein Wettbewerb sucht nach alternativen Bezeichnungen
Der Standard

Da fielen mir spontan binnen 10 Minuten 10 Alternativen ein – aber nein, wir veranstalten einen Wettbewerb. Natürlich mit Jury, die Spesenersatz verrechnet!

Berlin: LE NOZZE DI FIGARO

Riccardo Fassi (Figaro) und Nadine Sierra (Susanna). Foto: Matthias Baus

Nein, es war kein Aprilscherz, als wir am 01.04. erneut daheim saßen und eine Premiere, diesmal Mozarts „Le Nozze di Figaro“, als Stream erlebten, da das angekündigte Live-Erlebnis, genannt Pilotprojekt, Corona bedingt vertagt werden musste. Bis wann, wissen noch nicht einmal die Operngötter.

Doch jammern hilft gar nicht, machen wir uns lieber fit für den Frühling und weitere Herausforderungen….

Zum Bericht von Ursula Wiegand

Berlin
Le nozze di Figaro“ an der Berliner Staatsoper: Die Wut über die verlorene Liebe
Schrille Actionkomödie à la Almodóvar: Vincent Huguet inszeniert Mozarts „Figaro“ an der Staatsoper, mit Daniel Barenboim am Pult – als Streamingpremiere.
Tagesspiegel.de

Berlin
„Le Nozze di Figaro“ in der Staatsoper: Ohne Ecken und Kanten
https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/kultur/202104/03/543384.html

Musikalisch hochkarätig – Mozarts „Le Nozze di Figaro“ an der Berliner Staatsoper
Neue Musikzeitung/nmz.de

Stuttgart/ Staatsoper: PARSIFAL als Stream (noch abrufbar)

Copyright: Martin Sigmund

Erlösung und Endzeitstimmung

Calixto Bieito bietet in seiner Inszenierung von Wagners Bühnenweihfestspiel (Bühne: Susanne Gschwender; Kostüme: Merce Paloma) eine völlig neue Sichtweise des Sagenstoffes. Parsifal ist hier in einer Männersekte gefangen. Das Ambiente erinnert an eine obskure Naturlandschaft nach einer Atombombenexplosion – und die Menschen laufen mit Gasmasken herum und warten verzweifelt auf ihre Erlösung. Zwischen  den monumentalen Ruinen spielen sich gewaltige seelische Dramen ab. Kundry erkennt als Verdammte in einer Waldlandschaft eine schwangere nackte Frau – und sie scheint später selbst schwanger zu werden. Parsifal ist zunächst auch bei Bieito ein tumber Tor, der mit seiner Umgebung nicht viel anzufangen weiß. Die Schwäne und Engel werden auf der Bühne zu einer Figur, Kinder sind den Ereignissen schutzlos ausgeliefert…

Zum Bericht von Alexander Walther

Ein echter Bieito eben!

München/ Gärtnerplatztheater
Musical „Non(n)sense“: Schwarzhumorige Klosterfrauen
Das Musical „Non(n)sense“ als gestreamte Vor-Premiere aus dem Gärtnerplatztheater.
Münchner Abendzeitung

Oper in Zeiten von CORONA – Aktion ohne Subvention! „Figaro für Operneinsteiger“ 

Start | pamy

Die PAMY Mediaproductions unter der Leitung von Alexander von Glenck hat es sich zur Aufgabe gemacht, in diesen besonderen Zeiten ein Zeichen für den Erhalt der Kultur zu setzen.
Er produzierte im Lockdown eine Inszenierung, die Menschen vieler Altersgruppen für das  Genre Oper begeistern möchte. „Figaro für Operneinsteiger“ ist eine knapp eineinhalbstündige Opernversion, geschrieben und inszeniert von der Regisseurin und Autorin Jasmin Solfaghari, die bei der PAMY die Abteilung Oper/Musiktheater leitet. Ihr Erzähler LUNA vom Mond erläutert die Verwicklungen dieser komplexen Handlung durch launige, sowie informative Texte und steht für das Publikum als „roter Faden“ zur Verfügung.

T&T-Fotografie/ Toni Suter

Von Februar bis März 2021 trafen sich Sängerinnen, Sänger und die Verantwortlichen für Musik, Szene und Ausstattung, um in vier Wochen im Berliner Tipi am Kanzleramt das Konzept einzustudieren. Damit die Proben überhaupt stattfinden können, sind Corona-Maßnahmen getroffen worden..

Die Produktion wird bald zu sehen sein, wir werden berichten!

Mehr darüber in den Infos des Tages

MÜNCHEN/ Neue Klangkunst GmbH. Rathaus-Galerie/ Kunsthalle – 1. MAI 2021)

Eintritt frei!

 

 

 

Buchbesprechung

Gabriele Hasmann / Sabine Wolfgang
VERBRECHERISICHES WIEN
152 Seiten, Verlag ueberreuter, 2021

 

Das Autorinnen-Duo Gabriele Hasmann und Sabine Wolfgang hat sich bereits mit dem Buch „Die Wilde Wanda und andere gefährliche Frauen“ auf die Spuren österreichischer Verbrecherinnen gesetzt. Nun bleiben sie dem Thema treu, erweitern es aber um verbrecherische Herren und kombinieren es mit Wiener Adressen. Wobei die „kriminalistischen Stadtspaziergänge“ vermutlich nicht so ergiebig sein werden – schließlich bringt man kaum Gedenktafeln an Häusern an, wo Mörder gewohnt haben…

Andererseits gibt es ein paar fraglos berühmter Adressen – die Wiener Oper, das Konzerthaus, das einstige Apollo-Theater (heute noch als Apollo-Kino aktiv), Raimunds Geburtshaus in Mariahilf, der Spittelberg, der Auer Welsbach-Park bei Schönbrunn, der Prater, der Lainzer Tiergarten, der Friedhof der Namenlosen… und auch das Kriminalmuseum im 2. Bezirk spielt quasi als „Ort“ mit, wo es ein paar schaurige Andenken an düstere Ereignisse gibt (etwa einen Fleischwolf als Mordwerkzeug).

Die Verbrechen, die hier (nach Bezirken geordnet) in kurzen Kapiteln erzählt werden, sind meistens hässliche Morde zwischen der Kaiserzeit und der Nachkriegszeit des 20. Jahrhunderts, und nicht immer hat man den Täter gefunden wie bei 11jährigen kleinen Ballett-Tänzerin Dagmar Fuhrich, die 1963 tot in der Staatsoper entdeckt wurde. Auch, wer 1958 die 21jährige Ilona Faber ermordet hat, die man hinter dem „Russen-Denkmal“ (sprich: Heldendenkmal mit Hochstrahlbrunnen) gefunden hat, wurde letztlich nicht ermittelt (das Geständnis einer Dame nach dem Tod ihres Gatten, der die Tat angeblich begangen hat, war wohl vor allem einem lukrativen Buchvertrag geschuldet…)

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Köln: Neue Aktion des Bananensprayers in Zeiten der Pandemie

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

Thomas Baumgärtel. Foto: Andrea Matzker

Mit rund 5000 Spraybananen hat der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel inzwischen weltweit öffentliche Stätten der Kunst geadelt. In der Rheinmetropole wurden unter anderem bereits das Italienische Kulturinstitut, das Museum für Angewandte Kunst, MAKK, und die Galerie Boisserée damit ausgezeichnet. Eine offizielle Kunstaktion in seiner Heimatstadt gab es bisher noch nicht. Bezugnehmend auf die zurzeit grassierende Pandemie erfand er die Corona-Version seines Symbols, die sogenannte Impfbanane. Damit will er seiner überzeugten Meinung Ausdruck verleihen, dass wir nur über die Impfungen zurück zu unserer Freiheit gelangen, und damit auch zur Freiheit der Kunst.

Thomas Baumgärtel: Die Impfbanane am Merheimer Krankenhaus Köln. Foto: Andrea Matzker

 

Beachten Sie bitte das Datum: Bereits im Januar 2020 (Corona war damals noch kein vielbeachtetes Thema, sagte Angela Merkel eine Veränderung der Lebensweise in den nächsten 30 Jahren voraus

Und dann wurden wir mit Corona überrascht(?)  – und alles hat sich für die Welt verändert. In manchen Ländern weniger, in anderen, wie in Merkels Einflussbereich samt Umgebung (dazu gehört Österreich), sehr viel mehr.  Besteht zwischen dem frühzeitig (?) Gesagten und dem unmittelbar darauf Geschehenen ein Zusammenhang.? Oder vermuten das nur verirrte Geister, die sofort diszipliniert gehören?

Merkel in Davos: „Gesamte Art des Lebens in nächsten 30 Jahren verlassen“
Bei ihrer Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat Angela Merkel von „gigantischen Transformationen“ in den nächsten Jahrzehnten gesprochen. Ältere Bürger müssten die Ungeduld der Jugend verstehen.
Veröffentlicht am 23.01.2020!
Die Welt.de

Ich denke nach und will meinen Geisteszustand damit überprüfen. Gerade für Kolumnisten sollte ein ständiger Geistes-Check verpflichtend sein!

Haben Sie einen schönen Oster-Sonntag. Bei uns – diesmal in Mauerbach (ohne Fußgängerzone und somit ohne Speakers-Corner“) –  ist es saukalt. Die Enkelkinder haben trotzdem mit Begeisterung Ostergeschenke im Garten gesucht, wobei Schoko-Produkte der „Renner waren. Ostereier folgen erst mit Abstand, Bekleidungsstücke sind für Kinder bereits so selbstverständlich, dass sie diese nicht als Geschenk des Osterhasen empfinden und wir uns deren Aufbahrung im nächsten Jahr wohl erparen werden.

A.C.

 

 

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