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31.AUGUST 2021 – Dienstag

31.08.2021 | Tageskommentar

Heute gehen die Salzburger Festspiele mit einer „Netrebko-Tosca“ zu Ende. Es hat alles weitgehend funktioniert und die Präsidentin kann beruhigt das Zepter weitergeben. Foto: Salzburger Festspiele

Wenn die Präsidentin Rabl-Stadler (auf Deutsch) und der Intendant Hinterhäuser (auf Englisch) die Verhaltensregeln wegen der Pandemie auf Band einsprechen, das vor jeder Vorstellung abgespielt wird, dann weiß man: Um einen möglichst covidfreien Sommer mit etwa 230.000 Besuchern, wie er Salzburg 2021 geglückt ist, kümmert sich bei den Festspielen wirklich jeder. Auch heuer blieb man glücklich verschont. Fast. Dass justament nach der Premiere des neuen „Jedermann“ 44 Zuschauerinnen und Zuschauer in 14-tägige Quarantäne mussten, war nicht Schicksal, sondern Fahrlässigkeit – glaubte doch ein Besucher, wissentlich eine K2-Kontaktperson, sich ins Publikum setzen zu müssen.

Salzburg
Salzburger Festspiele: Alles wird anders, und kaum einen regt es auf
Kleine Zeitung

Helga Rabl-Stadler: „Eine selbstbewusste Frau war man nicht gewohnt“
Wie sieht die Festspielpräsidentin am Ende ihrer langen Regentschaft selbst ihr Amt? Im September wird der Job ausgeschrieben, das Nachfolgespiel hat begonnen

Die heurigen Salzburger Festspiele sind gelaufen, der letzte Akt steht aber noch aus: Nach 26 Jahren endet unter großem medialen Rummel die Regentschaft von Präsidentin Helga Rabl-Stadler. Bevor es Ende des Jahres so weit ist, muss vom ÖVP-dominierten Kuratorium die Nachfolge für das durchaus herausfordernde Amt bestimmt werden.

Konflikte scheinen bei der breiten Führungsstruktur der Festspiele programmiert. Nicht immer herrschte in der Vergangenheit so viel Eintracht wie derzeit zwischen Intendant Markus Hinterhäuser, dem kaufmännischen Direktor Lukas Crepaz und der Präsidentin. Legendär die Auslassungen verschiedener Intendanten über die „Dirndlverkäuferin aus der Getreidegasse“, wie Helga Rabl-Stadler bereits voller Boshaftigkeit genannt wurde.

Aber ist das Amt eines Präsidenten oder einer Präsidentin wirklich sinnvoll? Die Wiener Festwochen haben es erst vor ein paar Jahren abgeschafft.

Der Standard.at

Wenn man eine Präsidentin wie Helga Rabl-Stadler findet, ist das Amt sinnvoll. Intendanten sind Künstler, oft sprunghaft – die Festspiele gehören aber fest verankert – auch politisch. Der Name Wrabetz war wohl eine Ente (jede Wette, dass es kein Präsident, sondern eine Präsidentin wird) , aber es werden andere interessante Namen genannt! Wir werden bald wissen, an wen das Zepter weitergereicht wird.

Salzburg/Festspiele – Wiener Philharmoniker unter Herbert Blomstedt – 29. August 2021

Honegger at his best!

Copyright: Salzburger Festspiele/ Marco Borrelli

 Es ist allein schon ein Erlebnis, den Doyen der Salzburger Dirigentschaft, Herbert Blomstedt, der bereits im 94. Lebensjahr steht, auf das Podium des Großen Festspielhauses schreiten zu sehen und wie er dann noch im Stehen Arthur Honeggers Symphonie Nr. 3 – „Liturgique“ und nach der Pause die Symphonie Nr. 4 e-Moll op. 98 von Johannes Brahms dirigiert. Das hatte einen Anstrich von ultimativer Einzigartigkeit. Wenn man Honeggers „Liturgique“ mit ihren drei christlich beschriebenen Sätzen ‚Dies Irae‘ – Allegro marcato; ‚De profundis clamavi‘ – Adagio und ‚Dona nobis pacem‘ – Andante, aus der Hand von Blomstedt mit den Wiener Philharmonikern hört, erscheint es völlig unverständlich, dass der Saal nicht vollbesetzt war, dem Publikum das Programm also offenbar nicht interessant genug erschien.

Zum Bericht von Klaus Billand

Vom Bravo zum Na, ja: Die Berliner Philharmoniker und Kirill Petrenko
Auf dem Programm standen von Weber, Hindemith und Schubert
Der Standard.at

Salzburg/ Berliner Philharmoniker
Turandot goes Jazz
Die Protagonisten: der Komponist Paul Hindemith, der Choreograph Léonide Massine und der Maler Salvador Dalí als Ausstatter und Librettist. Die Zeit: während des Zweiten Weltkriegs. Das Ergebnis: fürs Erste keines, dann aber eine Konzertmusik, die das Zeug zum Renner hätte – wenn sie denn einer je aufführte.
http://www.drehpunktkultur.at/index.php/festspiele/15392-turandot-goes-jazz

Intolleranza : Migranten werden niedergeschlagen, verhöhnt, gefoltert, im Geiste einer pervertiert-faschistischen Internationale. Öffentlich misshandelte Asylwerber gab es heuer bei den Salzburger Festspielen? Schon, aber nur auf der Bühne, versteht sich. Vorgestern in der Felsenreitschule gab es also die letzte Vorstellung der sehr zu Recht akklamierten Neuinszenierung von Luigi Nonos aktivistischem Arbeiterdrama „Intolleranza 1960“ zu bewundern. Die Dringlichkeit der perkussiv-blechernen Orchesterschübe und der gefährlich erhöhten Stimmtonlagen, souverän dirigiert von Ingo Metzmacher, wurde durch ein streng choreografiertes Wimmelbild – panisch durch- und gegeneinander laufende Menschenmengen – auf der Bühne noch verstärkt. Manuel Brug reportierte für profil dazu dies hier

Berlin/ Komische Oper: „ŒDIPE“ von George Enescu,  ein grandioser Saisonauftakt, 29.08.2021

Jens Larsen, Leigh Melrose. Foto: Monika Rittershaus

Welch eine großartige Musik strömt sogleich durch die Komische Oper Berlin! Ungewohnte und vertraute Klänge mischen sich und nehmen sofort gefangen. Dieses faszinierende Klangbild hat der rumänische Geigenvirtuose und Komponist George Enescu in mehr als 25jähriger Arbeit entwickelt und daraus seine einzige Oper „ŒDIPE“ komponiert, die 1936 in Paris uraufgeführt wurde.
Vieles vereinigt sich in dieser Partitur: Volksliedhaftes aus Enescus Heimat, sanfte Moderne mit vierteltönigen Passagen, außerdem Spätromantisches mit Impressionismus-Flair, vermutlich aufgesogen während seiner Studienjahre und Aufenthalte in Paris…

Zum Bericht von Ursula Wiegand

„Konzertgänger in Berlin“
Faster, Ödipussycat! Kill! Kill!
Mythenschröckliches von Turnage und Enescu an Deutscher und Komischer Oper
https://hundert11.net/oedipussycat/

Begeisternd: „Oedipe“ an der Komischen Oper (Podcast)
Mit der Oper „Oedipe“ des Rumänen George Enescu hat die Komische Oper am Sonntagabend ihre Spielzeit eröffnet. Und das konnte durchaus begeistern.
https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/kultur/202108/30/607736.html#top

Berliner Opernpremieren: Enescus „Œdipe“ und Turnages „Greek“ Im Höllenreich der Sinne
Ödipust ist der Mythos zur Pandemie: Enescus „Œdipe“-Tragödie feiert Premiere an der Komischen Oper, Turnages „Greek“-Komödie auf dem Parkdeck der Deutschen Oper.
Tagesspiegel.de

Berlin
Schmerz! Stich! Stoß!
Der Deutschen Oper gelingt mit der furiosen Oper „Greek“ von Mark-Anthony Turnage ein Coup. Die Komische Oper geht dagegen mit einem ermüdend bleiernen Pathos den Sophokles-Stoff an.
Sueddeutsche.de

Die Musikkultur Rheinsberg gGmbH trauert um Siegfried Matthus  

 

Mit Betroffenheit hat die Musikkultur Rheinsberg gGmbH die Nachricht vom Tod des Komponisten Prof. Siegfried Matthus aufgenommen.

Siegfried Matthus war einer der bekanntesten und meistgespielten Komponisten aus der ehemaligen DDR, dessen Werke auch international große Anerkennung fanden und in aller Welt gespielt wurden. Als Gründer und langjähriger Leiter der Kammeroper Schloss Rheinsberg hat er darüber hinaus die Geschicke des Rheinsberger Opernfestivals über mehr als zwei Jahrzehnte künstlerisch in entscheidender Weise geprägt. Am 27. August schlief er nach Angaben seiner Familie nach längerer Krankheit friedlich ein. Matthus wurde 87 Jahre alt.

Siegfried Matthus‘ Œvre umfasst 14 Opern, über 60 große Orchesterwerke, zudem arrangierte er zahlreiche Kammermusikwerke und Vokalkompositionen, Ballettszenen und Filmmusiken. Er war Mitglied der Akademie der Künste Berlin, der Bayrischen Akademie der Schönen Künste München und des Präsidiums des Goethe Instituts. 1998 erhielt er den Preis des Verbandes der deutschen Kritiker: „Siegfried Matthus gelingt das Kunststück, verbreiteten Hörgewohnheiten entgegenzukommen, ohne deshalb ins Kompromiss- oder Klischeehafte zu verfallen“.

Nachruf
Siegfried Matthus gestorben
Der Komponist galt als Protagonist der zeitgenössischen Musik der DDR.
Wiener Zeitung

Er prägte das Musiktheater der DDR: Der Komponist Siegfried Matthus ist tot
Im Alter von 87 Jahren ist der Komponist Siegfried Matthus verstorben. Er wurde auch als Gründer der Kammeroper Schloss Rheinsberg bekannt
Tagesspiegel.de

München/ Allerheiligen Hofkirche
Oper in der Kirche: Was Wagner nie aus dem Ohr bekam
Giacomo Meyerbeers „Die Hugenotten“ wird mit der freien Truppe Opera Incognita von Andreas Wiedermann und Ernst Bartmann in der Allerheiligen-Hofkirche gespielt.
Münchner Abendzeitung

Süße Möglichkeiten
Die Opera Incognita gräbt Meyerbeers „Hugenotten“ wieder aus. Zumindest im ersten Teil liegt die Ahnung einer Utopie für die Gegenwart.
Sueddeutsche.de

Giacomo Meyerbeers „Die Hugenotten“: Von wegen halbszenisch!
https://www.tabularasamagazin.de/von-wegen-halbszenisch/

Musikfestival Lednice|Valtice 2021 – die größte europäische Werkschau zum Schaffen Antonio Vivaldis im neuen Jahrtausend

ZUM TRAILER (in deutscher Sprache)

Edinburgh
Ariadne auf Naxos, Edinburgh International Festival review – apt setting for Strauss hybrid
theartsdesk.com

EU proposing new travel restrictions on Americans, could end nonessential travel
https://nypost.com/2021/08/30/eu-to-propose-new-travel-restrictions-on-us-travelers/

 

Wenn US-Touristen (und wohl andere auch) von Reisen nach Europa abgehalten werden sollen, dann sehe ich für Österreichs Kulturinstitutionen tiefschwarz. Wir sind zur Stunde dabei, den Verlauf des Kartenverkaufs der Wiener Staatsoper zu analysieren, Sie hören von uns demnächst. Freitag beginnt die Saison – und für die „Tosca (nicht schon wieder!) bekommen Sie locker Karten ohne jede Protektion (431 sind mit Stand 31.8. noch verfügbar, allerdings sind 100 % der Sitzplatzkarten im regulären Verkauf). Es ist auch kein Privileg, sich Opernkarten zum Vollpreis kaufen zu dürfen (bitte nicht lachen, ein derartiges offizielles Schreiben an die Redaktion gibt es wirklich – das ruht in meinem Safe).

Für Tosca wird mit den Foto von Piotr Beczala geworben, es singt aber Fabio Sartori: Mit Carmen Giannattasio, Fabio Sartori, Erwin Schrott 

Sartori und Schrott als Gegenspieler um die Gunst von Floria Tosca – da kann ich Giannattasio die Firma Fielmann empfehlen!

Derzeit schaut es nicht sonderlich gut mit dem Kartenverkauf aus. Eine genaue Auflistung der 3 Tage vor Saisonbeginn noch verfügbaren Karten veröffentlichen wir morgen. Zur Auslastung: Ein „Kurz-Ergebnis“ (99,44 % hat der Kanzler beim Parteitag eingefahren) ist bereits jetzt außer Reichweite, auch ein „Meyer-Ergebnis (99,2 % Auslastung – abzüglich diverser Rechentricks)  wird nicht machbar sein. Derzeit müsste man der Staatsoper einen „Kickl-Zuspruch“ (88,24 % beim letzten Parteitag) wünschen, zu einem „Rendi-Wagner Debakel“ (75 % Vertrauensbekundung) darf und wird es für die stolze Staatsoper nicht kommen.

So weit der letzte Stand. Wir wünschen momöglich eine 100 % Quote, denn unsere Quote verhält sich zu der der Wiener Staatsoper wir ein kommunizierendes Gefäß!

BOLSHOI-GALA IM ATHENER IRODION. Gefeiert wurden 200 Jahre griechisch-russische Freundschaft (30.8.2021)

Foto: Lena Koromila

Mehr Fotos in unseren „Infos des Tages“

Buchbesprechung

 

Jana Revedin  : FLUCHT NACH PATAGONIEN
Roman, 416 Seiten, Aufbau Verlag, 2021 

Jana Revedin, geboren in Konstanz, ist im Italienisch-, Französisch- und Spanisch-sprachigen Raum ebenso zuhause wie in Venedig (wo sie mit ihrem Mann wohnt) und in Kärnten (wo sie einen Teil ihrer Zeit verbringt). In Wikipedia kann man ihre breit gefächerte Karriere als Architektin, Architekturtheoretikerin und Schriftstellerin nachlesen. In letzterer Eigenschaft hat sie schon biographische Romane über die zweite Frau von Walter „Bauhaus“ Gropius und über Margherita Revedin, die Großmutter ihres Mannes, geschrieben.

Nun will der Verlag bei ihrem neuesten Buch, „Flucht nach Patagonien“, offenbar weiter die „Frauen-Schiene“ bedienen und erweckt den Eindruck, das Werk handle von Eugenia Errázuriz, der südamerikanischen Millionärin, die in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts eine der berühmtesten Mäzeninnen in Paris war: Sie zwang die ihr bekannten Kunsthändler, die Werke Picassos zu verkaufen, sie förderte Igor Strawinsky und den Dichter Blaise Cendrars, und dass sie die Modelle von Coco Chanel trug, als diese noch nicht berühmt war, verhalf der Couturiere zu ihren Kundinnen und ihrem Ruhm. Eugenia Errázuriz, deren Familienvermögen auf Silberminen beruhte (und das ihres Maler-Gatten auf den Kupferminen seiner Familie) und die über zahlreiche Besitzungen in Südamerika verfügen konnte, dem Kontinent, den sie als junge Frau verlassen hatte, wäre tatsächlich eine Biographie wert…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Dresden
Ausstellung: Wie „Der Freischütz“ zum Publikumshit wurde
mdr-kultur-theater

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“

Amerikas längster Krieg ist zu Ende: Die letzte US-Militärmaschine hat Afghanistan verlassen. Erstmals seit fast 20 Jahren befinden sich keine amerikanischen Soldatinnen und Soldaten mehr in Afghanistan. Am Montag, angeblich eine Minute vor Mitternacht, verliessen die letzten fünf im Land stationierten amerikanischen Militärmaschinen den Flughafen von Kabul. Der längste Krieg in der Geschichte der amerikanischen Republik, der offiziell am 7. Oktober 2001 begann, ist damit zur grossen Freude der Taliban zu Ende. Amerika und seine Verbündeten haben in den vergangenen vier Wochen gegen 123 000 Menschen ausgeflogen.
Zum Bericht
SEF-Barometer 2021 zeigt, dass das Gröbste der Pandemie überstanden scheint: Im Vorfeld der von der NZZ diesen Mittwoch und Donnerstag veranstalteten Wirtschaftskonferenz Swiss Economic Forum (SEF) haben sich 422 Unternehmensführer zur aktuellen Lage geäussert. Sie gaben sich bemerkenswert optimistisch, was die Stärke und Wettbewerbsfähigkeit ihrer Firmen angeht. Doch es gibt auch dunkle Flecken, die nachdenklich stimmen sollten.
Zum Bericht
Paris weitet die Tempo-30-Zonen aus: Mit Ausnahme der Ringautobahn und einiger grosser Verkehrsachsen – unter anderem der Champs-Élysées – hat die rot-grüne Stadtregierung unter Anne Hidalgo die Höchstgeschwindigkeit um 20 km/h reduziert. Die Bürgermeisterin setzt damit ein Wahlversprechen um. Doch viel schneller geht es in Paris ohnehin selten voran.
Zum Bericht
Zwischen Syrien und Zypern bahnt sich eine Ölkatastrophe an: Bei einem Unfall in einem syrischen Heizkraftwerk ist es laut Medienberichten vergangene Woche zum Auslaufen grosser Mengen Erdöls gekommen. Laut Schätzungen hat der Ölteppich eine Grösse von rund 1000 Quadratkilometern. Ankara will drei Schiffe in die Region entsenden, um sich ein Bild von der Lage zu machen.
Zum Bericht

Kinder in der Corona-Krise: Es ist nicht sinnvoll, jede Infektion um jeden Preis zu verhindern
Viele Kinder haben unter den Corona-Maßnahmen gelitten. Bei steigenden Impfquoten müssen Infektionsschutz und regulärer Schulbetrieb wieder in Balance gebracht werden.
Die Zeit.de

Ich wünsche einen schönen Tag:
A.C.

 

 

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