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30. NOVEMBER 2020 – Montag

30.11.2020 | Tageskommentar

„Le nozze die Figaro“ im Theater an der Wien. Foto: Moritz Schell

Renate Wagner hat Alfred Dorfers Regie-Arbeit auf ORF III verfolgt:

Als man die Saison 2020 / 21 plante, konnte niemand ahnen, was auf die Welt zukommen und welche Auswirkungen es auf die Theater- und Opernwelt und ihre Projekte haben würde. „Corona“ hat unendlich viele Pläne zunichte gemacht – aber wir leben schließlich im digitalen Zeitalter. Was nicht live vor Menschen sein darf, sucht mittlerweile über die Medien sein Publikum. Das Theater an der Wien, das bislang kaum Interesse gezeigt hat, sich Streams und Fernsehübertragungen zu öffnen, hat es sich auch überlegt – neulich gab es eine Aufzeichnung der (überschätzten) „Zaza“, nun wurde der „Le nozze di Figaro“ für das Fernsehen produziert. Wie gut, dass wir mit Ö III einen Kulturkanal haben, der für dergleichen Sendeflächen übrig hat. Stellen wir uns doch einmal vor, wir wären um das Opernregie-Debut von Alfred Dorfer gekommen!

Alfred Dorfer hat jede Menge Interviews gegeben und in jedem dasselbe gesagt. Dass er viele Geigen spielende Verwandte hat und mit Wiener Klassik aufgewachsen ist (was im Gemeindebau sicher nicht das Übliche ist). Dass sechs Jahre währender Klavierunterricht (der ihn auf Nachfrage nicht so begeistert hat) ihm die Fähigkeit vermittelte, Partituren zu lesen – Kompliment. Im allgemeinen bringt man es dabei zwar zum Notenlesen, das Partiturenlesen ist schon hohe Schule, aber wir wollen es ihm glauben.

Er selbst wäre, schüchtern, nicht auf die Idee gekommen, eine Oper zu inszenieren, aber Roland Geyer hätte ihn aufgefordert (obwohl es bei „artfremden“ Regisseuren wie Stefan Ruzowitzky und Christoph Waltz so gut ja nicht gelaufen ist). Ja, und natürlich liebt und bewundert er Mozart.

Dass es das Jus primae noctis vielleicht gar nicht gegeben hat, entnahm Dorfer offenbar Wikipedia, wo ja auch nicht alles stimmt – tatsächlich ging es an diesem Beispiel der selbstverständlichen sexuellen Vereinnahmung um die absolut willkürliche Gewaltherrschaft, die eine feudale Gesellschaft über ihre Bediensteten, die ihre hilflosen Untertanten waren, ausübten – allenfalls wäre die Französische Revolution wohl nicht dermaßen blutig ausgefallen…

Was soll es uns eigentlich sagen, wenn eine Handvoll Sänger in Straßenkleidern herumgehen und so gar nicht klar machen, wer sie sind, wo sie sind und warum sie tun, was sie tun? Die Personenführung neigt zu gewissen Grobheiten, aber nicht zur glaubhaften Darstellung von Charakteren. Vor allem ist das alles sehr unlustig – wie viel Humor in dem Werk (neben all dem legitimen Zorn) steckt, wissen wir schließlich…

Was bleibt ist die Sehnsucht nach der Ponnelle-Inszenierung, die die gegenwärtige Staatsoper-Direktion versprochen hat – damit das Stück wieder lebt, damit es in einer Welt spielt, wo die Geschichte auch Hand und Fuß hat und in all ihrem Charme, Humor und Zauber erzählt wird – und ihre Hintergründigkeit entfalten kann…

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

In dieser Woche werden uns einige Termine geboten, die interessant werden könnten

Erwacht der zweite Lockdown aus der Agonie?

HEUTE: Einladung von Fabio Sartori und Luca Salsi zum OTELLO-Stream aus Florenz

ZU FACEBOOK

MÜNCHEN: Instagram Chat von Rachel Willis-Sørensen während der  Boheme-Aufzeichnung am Freitag

HEUTE auf Staatsopern/V: LA BOHÈME (Sørensen: Kaufmann)

 

https://www.instagram.com/stories/bayerischestaatsoper/2451825600416378354/?utm_source=ig_story_item_share&igshid=zpycqozw8e0s&fbclid=IwAR01D4MlpoZkxSki_C3JwNp1T5AFvpF_nHe1h8DYeNxTbfvfG_eWPUIOKFo

Bereits am 2. Dezember streamt die Bayerische Staatsoper FALSTAFF

Dazu wird zuerst die gesamte Matinée geliefert:

MÜNCHEN/ BAYERISCHE STAATSOPER: Die gesamte Premierenmatinée FALSTAFF“

 

ZUM VIDEO Premierenmatinee

Münchnen: Gärtnerplatztheater streamt Opern-Premiere »Anna Bolena«

Am 4. Dezember wird die Premiere von Gaetano Donizettis Belcanto-Oper um 19.00 Uhr live aus dem Staatstheater am Gärtnerplatz übertragen werden. Der Live-Stream in Kooperation mit der BR KulturBühne ist kostenfrei auf der Website des Theaters abrufbar.

HEUTE: Intendant*innengruppe im Deutschen Bühnenverein: AKTIONSTAG THEATER UND ORCHESTER am 30. November 2020

Die im Deutschen Bühnenverein organisierten Theater und Orchester initiieren am Montag 30. November 2020 einen gemeinsamen AKTIONSTAG DER THEATER UND ORCHESTER.
In dieser gesellschaftlich so herausfordernden Zeit möchten die Theater und Orchester trotz ihrer fortdauernden Schließung aufgrund des weiterhin beunruhigenden Infektionsgeschehens ein Zeichen von Zuversicht, künstlerischer Energie und Verbundenheit zu ihrem Publikum in die Kommunen senden…

…Videoclips mit Eindrücken von den Aktionen der einzelnen Häuser, die beim AKTIONSTAG DER THEATER UND ORCHESTER mitmachen, werden auf der eigens eingerichteten Seite https://www.aktionstag.spectyou.com gezeigt

Auch das Musiktheater im Revier beteiligt sich an diesem Aktionstag und wird am Montag um 12 Uhr im Großen Haus des MiR Beethovens „Ode an die Freude“ in einer stummen Version aufführen – frei nach dem Motto „Wie Sie sehen, hören Sie nichts“.

Das daraus entstehende Video wird anschließend auf der dafür eingerichteten Internetseite https://www.aktionstag.spectyou.com gezeigt.

Mehr darüber in den heutigen „Infos des Tages“

Bühnenverein ruft zum Aktionstag auf Berliner Bühnen dicht bis Mitte Januar
Kultursenator Lederer rechnet nicht mit einer Lockerung des Lockdowns für Kultureinrichtungen. Der Bühnenverein ruft Montag zum Aktionstag.
Tagesspiegel

INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

HEUTE STREAM: OTELLO aus Florenz – via RAI5 ab 21.15
ZU INSTAGRAM
Fotoserie zu OTELLO
Fotozeile 6 Fotos, Stream heute 30.11.2020 ab 20,15 bai RAI 5

 

ZU INSTAGRAM  mit 6 Fotos

SOFIA: Kurzbericht ELEKTRA – 1. Reprise am 29. November 2020

 Eine gute Zweitbesetzung

TEASER „ELEKTRA“ IN SOFIA

 Gestern Abend ging die 1. Reprise der neuen „Elektra“ von Richard Strauss in der Inszenierung von Plamen Kartaloff und im Bühnenbild von Sven Jonke an der Sofia Oper und Ballett über die Bühne. Evan-Alexis Christ hatte am Pult des Orchesters der Sofia Oper und Ballett mit unglaublicher Konzentration und exakten Einsätzen des vor ihm weit verteilt im Parkett und im Graben sitzenden Orchesters im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun und hätte manchmal auch noch eine dritte brauchen können. Seine große Kenntnis der Partitur – er hatte „Elektra“ schon mehrmals als GMD in Cottbus dirigiert – sicherte aber einen guten und in mancher Hinsicht auch sichereren musikalischen Abend als bei der Premiere, wo noch etwas Nervosität bei den Musikern im Spiel gewesen sein konnte. Verständlicherweise, denn eine solch schwere Partitur haben sie hier noch nie gespielt…

Zum Kurzbericht von Klaus Billand

Interview Dr. Magdalena Manolova.

Klaus Billand berichtet aus Sofia über ELEKTRA / Neuinszenierung
ZU FACEBOOK

Live From London – Christmas: Neues Online-Festival für Vokalmusik

 

Nach dem weltweiten Erfolg des Festivals ‚Live From London‘ kehren die VOCES8-Foundation und Freund*innen diese Weihnachten mit einer Auswahl an winterlichen Lieblingsstücken zurück. Mit dabei sind unter anderem der Chor der Westminster Abbey, amarcord, VOCES8 und weitere.
• Das Festival präsentiert vom 1. Dezember bis zum 16. Januar insgesamt 16 Konzerte als Streams in höchster Qualität. In atemberaubenden Locations wie der Kirche von VOCES8 im Herzen Londons, der Westminster Abbey, St. Johns, Smith Square und anderen einzigartigen Veranstaltungsorten werden die musikalischen Höhepunkte in die ganze Welt hinausgetragen.
Ausführlicheres in den heutigen „Infos des Tages

Jonas Kaufmann in Aalborg/ Dänemark (Konzert 29.11.)

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RAFAEL FINGERLOS (Wiener Staatsoper) -MUSIKALISCHER ADVENTKALENDER 2020

Rafael Fingerlos

Liebe Freunde, in außergewöhnlichen Zeiten von Lockdown und Pandemie habe ich mich entschlossen, für die vielen lieben Menschen in meinem Umfeld einen MUSIKALISCHEN ADVENTSKALENDER zu gestalten. Vom 1. bis zum 24. Dezember möchte ich euch hier 24 Musikvideos vorstellen, die für mich eine große künstlerische Bedeutung haben und mich berühren.

Einerseits sollte das ein kleiner, sehr persönlicher Jahresrückblick mit einigen, zum Teil noch unveröffentlichten Aufnahmen dieses denkwürdigen Jahres sein, andererseits möchte ich euch generell ein paar Sachen vorspielen, die ich mir selbst gerne als Inspiration oder einfach aus Freude ansehe. Damit es nicht zu eintönig wird, werde ich je 12 eigene und 12 allgemeine Videos zu posten, und diesen jeweils kleine Texte mit meinen Gedanken zum jeweiligen Stück hinzufügen.

Hoffentlich kann ich Euch damit eine kleine Freude machen!

http://www.rafaelfingerlos.com/adventskalender-2020

Rafael Fingerlos -Adventkalender 2020
https://www.pressreader.com/austria/salzburger-nachrichten/20201128/281629602828994

DIGITALER ADVENTKALENDER DER OPER FRANKFURT (MIT ABBILDUNGEN)

 

24 x Vorfreude auf Weihnachten: Im Dezember öffnet sich auf der Website der Oper Frankfurt www.oper-frankfurt.de jeden Tag ein Türchen eines digitalen Adventskalenders. Dahinter verstecken sich musikalische, besinnliche und humorvolle Videobeiträge von Sänger*innen des Ensembles, Musiker*innen des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters, vom Opern- und Kinderchor und vielen anderen. Jedes Türchen birgt somit eine besondere Überraschung und wird täglich auf der Opern-Website und auf YouTube geöffnet.

https://oper-frankfurt.de/de/news/?detail=555

https://www.youtube.com/channel/UCJxEjoXB9TabN8p163dgsiQ

Österreich
Dieser Lockdown ist – leider – noch lange nicht zu Ende
Die Hinweise verdichten sich, dass in einer Woche doch nicht so einfach Schulen und Handel öffnen werden.
Kurier

Es sieht nicht danach aus, dass Handel und Schulen am 7.12. gänzlich öffnen. Vielleicht ist das in Teilbereichen möglich. Damit ist das Weihnachtsgeschäft wohl endgültig kaputt. An die versprochene Öffnung der Theater denkt sowieso niemand ernsthaft. Mit dem TV- und Streamprogramm wurde in den vergangenen Tagen Vorsorge getroffen.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen erwartet einen Dauer-Lockdown
BILD.de

Corona-Mythen
Experten sollen kommunizieren und managen, Strategien breit diskutiert werden? Die Dauer der Krise entzaubert solche Ideen.
https://www.wienerzeitung.at/meinung/leitartikel/2083896-Corona-Mythen.html

Wiener Spitalsarzt: 60 Prozent unserer Intensivpatienten haben Migrationshintergrund
Menschen mit Migrationshintergrund sind in Österreich überdurchschnittlich oft von Covid-19 betroffen, sagt Intensivmediziner Burkhard Gustorff von der Klinik Ottakring. Unter anderem deshalb, weil die Regierung sie nicht erreiche.
Die Presse

Diese Info deckt sich mit meinen Beoachtungen von meiner Warte (Glastür in der Redaktion vor meinem Schreibtisch) aus. „Die Regierung erreicht diese Menschen nicht“ – das ist eine sehr vorsichtige Formulierungen. Diesen Menschen ist die Regierung wurscht (das wäre mir relativ egal), aber auch die Mitmenschen sind denen egal. Es wird völlig ungeniert bei uns in der FUZO mit geringem Abstand getratscht, bei Männern meist von eigenen Heldentaten erzählt. Die Frauen wiederum rücken zusammen und richten die Nachbarin aus – auch dazu empfiehlt sich aus akustischen Gründen ein geringer Abstand. Eine halbe Stunde ohne Kommunikation ist offenbar nicht auszuhalten.

Ich habe mich nicht getraut, diese statistische Frage zu stellen – eigentlich müsste ich mich für diese Feigheit schämen! Tu ich auch!
Nun veröffentlicht „Die Presse“ die Antwort, die mich nicht überrascht und denen, die „diese Menschen nicht erreichen“, zu denken geben sollte.

Was soll’s, der Karren steckt im Dreck!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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