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30. JÄNNER 2020 – Donnerstag

30.01.2020 | Tageskommentar

Fulminantes Turandot-Debüt von Anna Netrebko in München (28.1.). Foto: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Gisela Schmöger berichtet aus München: Anna Netrebko erfüllte die in sie gesetzten Erwartungen voll und ganz. Ihre große Arie im zweiten Akt bewältigte sie hoch souverän und war jederzeit Herrin der Partie. Dabei klang ihre Stimme nie angestrengt, sondern strahlend, kraftvoll und leuchtend, so dass das Publikum ihr fasziniert lauschte. Darüber hinaus schuf sie auch eine beeindruckende und vor allem auch im dritten Akt gefühlvolle Bühnenfigur, in der man neben der gefühlskalten, männermordenden Prinzessin auch die zur echten Liebe fähige Frau erkannte. Es gibt vielleicht Rollen, in denen Netrebkos glutvolle, warme und zu großen Melodiebögen fähige Stimme und ihre Fähigkeit zu zarten Pianissimi besser zur Geltung kommt als in der hauptsächlich kraftvollen Partie der Turandot, trotzdem war es eine eindrucksvolle Vorstellung von ihr. …

Zum Bericht vom Gisela Schmöger

„Turandot“ mit Anna Netrebko an der Bayerischen Staatsoper: Langes Warten auf den Star
So richtig viele Superstars gibt es in der Opernwelt gar nicht, sie gehört aber ganz gewiss dazu: Anna Netrebko – eine Operndiva wie aus dem Bilderbuch. Für drei Abende singt sie nun an der Bayerischen Staatsoper in München die Titelrolle in „Turandot“ von Giacomo Puccini – das erste Mal, dass sie diese Rolle in einer Produktion singt. Allerdings ist diese Inszenierung schon über acht Jahre alt.
BR-Klassik

Anna Netrebko als Turandot in München
So richtig viele Superstars gibt es in der Opernwelt gar nicht, sie gehört aber ganz gewiss dazu: Anna Netrebko – eine Operndiva wie aus dem Bilderbuch. Für drei Abende singt sie nun an der Bayerischen Staatsoper in München die Titelrolle in „Turandot“ von Giacomo Puccini – das erste Mal, dass sie diese Rolle in einer Produktion singt. Allerdings ist diese Inszenierung schon über acht Jahre alt.
https://www.swp.de/unterhaltung/kultur/oper-anna-netrebko-als

Wiener Staatsoper: OTELLO (am 28.1.)

Stephen Gould, Krassimira Stoyanova. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Sieglinde Pfabigan erwartete gespannt das Wiener Otello-Erstauftreten von Stephen Gould: Das Hautptinteresse des ausverkauften Hauses galt wohl dem Wiener Rollendebut von Stephen Gould als Otello. Wer sich einen „zweiten Domingo“ erwartete, musste enttäuscht werden (denn es gab nur einen „ersten“). Doch Gould ist Persönlichkeit genug, um keine Nachahmung anzustreben. Was ihn in Wagner-Rollen so unvergleichlich macht, kam auch bei Verdi ins Spiel. Der südländischen, spontanen vokalen und emotionalen  Explosivität, wie sie uns von Mario del Monaco bis Domingo vertraut war, die sich im  Gefühlsüberschwang selbst zu vergessen schienen, steht beim aus dem angelsächsischen Raum kommenden Stephen Gould ein für Wagner, Strauss oder auch Britten ideales, ebenmäßig strömendes, enormes Stimmpotential gegenüber, mit dem der Sänger in jeder Situation tiefes und echtes Empfinden ausdrücken kann. Wir erlebten „seinen“ Otello!..

Zum Bericht von Sieglinde Pfabigan

Krassimira Stoyanova (Desdemona). Foto: Michael Pöhn/Wiener Staatsoper

Auszug aus dem Bericht von Manfred A. Schmid: Krassimira Stoyanova ist eine überzeugend unschuldige, den grundlosen Verdächtigungen, die bald in körperlicher und seelischer Demütigung vor aller Öffentlichkeit münden, fassungslos gegenüberstehende Desdemona. Zunächst wehrt sie sich selbstbewusst, kapituliert dann aber zusehends. In ihrem ergreifenden Lied an die Weide drückt sie angesichts der unausweichlichen Katastrophe ihre Hoffnungslosigkeit aus. Zart, beklommen, bang. Verzweifelt und vergeblich Trost suchend. Intensiver und ergreifender als Stoyanova, so voll Wärme und Aufrichtigkeit, lassen sich die seelischen Nöte einer zutiefst beleidigten Frau kaum ausdrücken…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Das Royal Opera House Covent-Garden im Kino: LA BOHÈME (29.1.)

 

Heinrich Schramm-Schiessl besuchte diesmal ein leider schütter besetztes Kino, um zu berichten: … Es handelt sich um die Wiederaufnahme einer Inszenierung von Richard Jones, die von Julia Burbach neu einstudiert wurde. Man muss mit dieser Inszenierung sehr zufrieden sein, denn sie ist sehr nah am Libretto. Sie spielt in der angegebenen Zeit und am angegebenen Ort.Auf Verdoppelungen, Brechungen, Videos und sonstige Mäzchen des sogenannten Regietheaters wird komplett verzichtet was durchaus wohltuend war. Die Ausstattung von Stewart Laing ist stimmig, nur in der Mansarde hat man die Kargheit etwas übertrieben, denn es gab nicht einmal ein Lotterbett und Mimi musste am Boden liegend sterben. Als Wiener vermisst man natürlich schon die besondere Atmosphäre der Zeffirelli-Inszenierung.

Musikalisch konnte man mit der Aufführung zufrieden sein. Herausragend aus einem soliden Sängerensemble war Sonya Yoncheva als Mimi. Ihre Stimme klingt in allen Lagen wunderbar und sie versteht es, alle Gefühlerbenen dieser Figur zum klingen zu bringen. Auch darstellerisch konnte sie sehr überzeugen. Charles Castronovo (Rodolfo) verfügt über einen durchaus wohlklingenden, schon heldisch timbrierten Tenor, der allerdings etwas stumpf wirkt. Es fehlt jegliche Strahlkraft, insbesonders in der Höhe, wo die Stimme etwas eng wird. Darstellerisch war er bemüht, ohne restlos zu überzeugen…

Zum Bericht von Heinrich Schramm-Schiessl

Basel: LA BOHÈME (27.1.) – mit einem No go!

Etwas gar karg eingerichtet ist die Mansarde, in der Mimi stirbt. Foto: Priska Ketterer

Daniel Kramer, der heuer «La Bohème» am Theater Basel inszeniert, verlegt die Geschichte ins Heute und nimmt ihr optisch jeglichen romantischen Zauber der Vergangenheit. Die vier Freunde darben in einem Hinterhof, wo zudem noch Weihnachtsbäume im «Sale» angeboten werden. Es ist nicht klar zu bestimmen, ob Rodolfo wirklich ein Dach über dem Kopf hat oder ob er openair im trostlosen Hinterhof mit einem brennenden Ölfass als einzige Wärmequelle, sein Dasein fristet…

Unser Rezensent Michael Hug ortet ein No go!: Einiges geht aber heftig daneben: Da warten zu Beginn des dritten Bildes Leute in Feierlaune darauf, vom Türsteher in eine Disco eingelassen zu werden. Es gesellen sich noch ein paar leicht bekleidete Mädels mit «Playboy»-Hasenohren dazu, einer der Begleiter hat einen aufblasbaren Penis in rosa mit dabei, und damit wird nun so einiges zwischen Herren- und Damenbeinen ausprobiert. Vor 40 Jahren noch hätte das für eine Provokation – ja vielleicht zu einem kleinen «Skandal» – gereicht – heute zaubert diese Szene nicht einmal ein müdes Lächeln aufs Gesicht und bleibt schlicht und ergreifend einfach doof.

Zum Bericht von Michael Hug/ Basel

Berlin/ Staatsoper: „DER ROSENKAVALIER (Premiere 9. Februar)

Die mit Spannung erwartete „Rosenkavalier-Premiere“ in Berlin ist für 9. Februar anberaumt. Mit dabe ist Günther Groissböck, der den Ochs von Rene Pape übernommen und dafür diesem den Hunding in Madrid überlassen hat.
Andrè Heller inszeniert den „Rosenavalier“ in Berlin
Der Künstler inszeniert Strauss’ „Rosenkavalier“ an der Staatsoper. Der 72-Jährige und sein Team stellten sich im Apollo-Saal vor.
Berliner Morgenpost
„Der Rosenkavalier“ in Berlin/ Staatsoper
Ärger mit der Verwandtschaft macht auch vor dem Wiener Hochadel nicht halt: Der ungehobelte Baron Ochs auf Lerchenau stört das morgendliche Tête-à-tête seiner Vetterin, der Feldmarschallin, mit ihrem jungen Liebhaber Octavian, um sie für seine eher von pekuniären Interessen geleiteten Hochzeitspläne um Hilfe zu bitten. Dabei ahnt er nicht, dass der zum Rosenkavalier bestimmte Octavian sich schließlich selbst in die Braut verliebt …
https://www.staatsoper-berlin.de/de/veranstaltungen/der-rosenkavalier.7549/

Genf
Entstaubt, entrümpelt, entstellt: Mozarts „Entführung aus dem Serail“ in Genf
„Mir persönlich ist der gute, alte, anachronistisch-barocke, von mir aus xenophob-sexistische Mozart dann doch hundert Mal lieber als der Murks einer politisch korrekten, zeitgenössischen Interpretation, in der die Moral der Geschichte dennoch fehlt.“
Charles E. Ritterband berichtet aus dem Grand Théatre de Genève
Klassik-begeistert

GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK  30. JÄNNER – 5. FEBRUAR 2020

 

 (Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern bezieht sich ausschließlich auf die untenstehenden Sender). Kurzfristige Programmänderungen der Sender vorbehalten!

Alle Zeiten MEZ.

1.2. FIDELIO (URFASSUNG v. 1805) (Live aus Wien) ORF Ö1-19 Uhr

       PORGY AND BESS (Live aus New York) Bayern 4, HR 2, Deutschlandradio, RNElassica Madrid-19 Uhr

       THE FAIRY QUEEN (aus Beaune, Aufnahme v. 27.7.2019) RAI 3-20 Uhr

2.2. BORIS (Live zeitversetzt aus Stuttgart) SWR 2-20.03 Uhr

       KÖNIG UND KÖHLER (auxs Prag, Aufnahme v. 19.9.2019) WDR 3-20.04 Uhr

New York: Yannick Nézet-Séguin, Christine Goerke, Piotr Beczala, Günther Groissböck, Lise Davidsen & Joyce DiDonato Lead Carnegie Hall’s 2020-21 Season
https://operawire.com/yannick-nezet-seguin-christine-goerke-joyce-didonato-lead

WIEN/ Musikverein/ Gläserner Saal: Werke von Olivier Messiaen und Galina Ustwolskaja

Foto: Christoph Karner

Zum Bericht von Christoph Karner

Filme der Woche

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Immer wieder verfilmt: „Little Woman“, der Roman von Louisa May Alcott, 1868 / 69 in zwei Teilen erschienen. Die Motive, das in den USA sehr berühmte und als Zeitdokument unendlich wichtige Werk auf die Leinwand zu bringen, waren in früheren Zeiten wohl unterschiedlich – vier sehr verschiedene Schwestern, das bedeutete vier gute Rollen für potente Hollywoodstars (Katherine Hepburn oder Elizabeth Taylor waren, in verschiedenen Verfilmungen, dabei). Außerdem erlaubte die mittlerweile gut hundertfünfzigjährige Geschichte einen „schönen“ Kostümfilm.

Nun, bekanntlich sehen wir die Dinge anders – und Greta Gerwig, die als Darstellerin immer in der zweiten Reihe geblieben ist, aber als Regisseurin mit „Lady Bird“ so bemerkenswert und verdient reüssiert hat, sieht nun die Dinge wohl richtig. Und zwar im Sinn der Autorin. Mit vollem Verständnis für jene Frauen, die in Reifröcke gesteckt wurden und, wenn sie selbständig denken konnten, innerlich vor Wut geschüttelt wurden, Frau zu sein. Das bedeutete einen engen Handlungsrahmen, bedeutete ein mehr oder minder von anderen vorbestimmtes Schicksal, bedeutete Unfreiheit und, wenn man sich nicht dagegen wehrte, Unbildung (lernen zu dürfen, war ein Privileg), Mittelmäßigkeit, öde Routine…

Wie immer und überall gab es nur ein Entkommen, und die alte Tante March, von Meryl Streep wieder einmal unvergesslich gespielt, sagt auch offen auf die Frage, warum sie denn nicht verheiratet sei: Sie konnte es sich leisten, sie ist reich… Ihre Nichten, Jo, Meg, Amy und Beth March, sind es nicht. Und doch hat sich die schreibende Autorin in der Figur der Jo ein Denkmal gesetzt – ein Denkmal des Protests, des Versuchs der Unabhängigkeit durch Schreiben…

Brexit: Nigel Farage „Wir lieben Europa, wir hassen die Europäische Union“
Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage hat sich mit einer triumphierenden Rede aus dem Europaparlament verabschiedet. Der für Freitag vorgesehene EU-Austritt sei ein Abschied ohne Wiederkehr. „Wir kommen nie zurück“, rief Farage.
Die Presse

Österreich: Weiter Kritik an Lunacek nach Äußerung über Handke
Der Vorsitzende der Kurier für Kunst, Wolf D. Prix, schrieb Offenen Brief. Anstoß sind zwei Interviews der neuen Kunststaatssekretärin.
Kurier

Der Herr Brix macht sich Sorgen – und die Frau Lunacek spürt erstmals, wie schwierig es ist, als Politikerin eine eigene Meinung zu vertreten: „Alleine die Geringschätzung zweier herausragender Künstlerpersönlichkeiten/ Nobelpreisträger signalisiert Gefahr im Verzug“, schreibt Prix. Er sehe „erste Anzeichen einer politischen Unterordnung an die angedachte Mehrheitsmeinung“.

Die Frau Lunacek wird wohl oft in dieser Kolumne aufscheinen, immerhin ist sie Österreichs Kulturchefin.

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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