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3. SEPTEMBER 2019 – Dienstag

03.09.2019 | Tageskommentar

 

Salzburger Festspiele:  Gedränge vor dem Bühnenausgang – wohl nur in Österreich möglich? Protest gegen MeToo – oder bloß Solidarität zu Domingo. Foto: Klaus Billand

Protest aus Deutschland bezüglich „nur in Österreich möglich“: Wenn Jonas Kaufmann in München singt, gibt es auch vor dem Bühnenausgang eine Vollversammlung!

Ich bin nicht der Meinung, dass PD unbeschadet aus dieser Geschichte aussteigen wird – aber eines ist schon klar: Ohne die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen wäre das Gedränge um ihn, die demonstrativ zur Schau gestellte Solidarität  nicht in diesem Ausmaß möglich gewesen.

So wurde Placido Domingo in Salzburg beim Bühneneingang empfangen. Das Video ist nur ganz  kurz, darin zu erkennen ist „Klaus Billand – immer und überall dabei“.

ZUM VIDEO

Ist der Schuss gegen Domingo nun nach hinten losgegangen? So ganz sehe ich das nicht, es wird Absetzbewegungen in Bezug auf neue Verträge geben. Der Sänger wird – wenn er klug und sensibel genug ist – nun über einen ehrenvollen Abschied mehr denn je nachdenken.  War die Aktion gar in erster Linie dazu angetan, ihn von der Bühne zu bringen? Wer hat Interesse daran? Wohl alle, denen er den Weg verstellt – und das sind nicht wenige.

Domingo kann nicht so leicht aufhören wie manch anderer Sänger, der  seine Schäfchen schon „ins Trockene“ gebracht hat. Er schleppt einen Familientross hinter sich her, der erhalten sein will. Also ehrlich, ich möchte nicht mit ihm tauschen, selbst angesichts solcher Fotos nicht!

OPER FRANKFURT: UMBESETZUNG BEI ROSSINIS „OTELLO“: NINO MACHAIDZE SINGT DIE DESDEMONA

Aufgrund der Erkrankung der polnischen Mezzosopranistin Karolina Makuła übernimmt die renommierte georgische Sopranistin Nino Machaidze in der Premiere von Rossinis Otello am 8. September 2019 sowie in drei Folgevorstellungen die Desdemona. Die in Tiflis geborene Sängerin hat die Partie bereits in der Inszenierung von Damiano Michieletto am Theater an der Wien, welche nun nach Frankfurt übernommen wird, mit großem Erfolg verkörpert. Opernstudio-Mitglied Karolina Makuła wird ab der fünften Vorstellung der Serie für drei Aufführungen in die Produktion zurückkehren.

Nino Machaidze. Foto: Agentur Zemski-Green

Was ist für mich an dieser Meldung so interessant? Nino Machaidze ist – so vermute ich zumindest – toll im Geschäft, eben erst den Salzburger Festspielen entsprungen. Und da hat sie Zeit, in eine Neuproduktion kurzfristigst einzusteigen? Zeitaufwand dafür sind mit den Folgevorstellungen etwa drei Wochen. Oder hatte sie einen Urlaub nach der Saison geplant, der nun geopfert wird. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, wer weiß, was in fünf oder zehn Jahren ist?

Aufklärung erfolgt aus Frankfurt: Es handelt es sich beim „Otello“ um eine Übernahme vom Theater an der Wien. Dort hat Nino Machaidze 2016 bereits in mehreren Vorstellungen die Desdemona gesungen. Sie ist also mit Damiano Michielettos Inszenierung bestens vertraut. Daher ist das kurzfristige Einspringen möglich, weil sie ihr Partie „nur“ auffrischen muss…

Die Zukunft der Salzburger Osterfestspiele: Die Berliner Philharmoniker halten sich raus aus dem Streit
Das deutsche Spitzenorchester weist Gerüchte über eine bevorstehende Rückkehr zu den Osterfestspielen von sich
Tagesspiegel

Interessant ist auch, dass sich die Berliner Philharmoniker in dieser Angelegenheit zu Wort melden, obwohl sie nur hinter vorgehaltener Hand mit diesem Zwist in Verbindung gebracht werden? Wozu ein Dementi ohne Not! Was steckt da wieder dahinter?

Die nächste Sitzung des Aufsichtsrates der Salzburger Osterfestspiele ist für 17. September anberaumt. Wird sie eine Klärung bringen oder geht diese unwürdige Szenerie in die Verlängerung!

BERLIN / Philharmonie: DIE FRAU OHNE SCHATTEN –
Ungekürzte konzertante Aufführung des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin unter Vladimir Jurowski zur Saisoneröffnung im Rahmen des Musikfestes Berlin, 1.9.2019

Zum 100. Geburtstag der „Frau ohne Schatten“

„Die Frau ohne Schatten – konzertant. Foto: Dr. Ingobert Waltenberger

Uraufgeführt wurde diese schillerndste aller Strauss-Opern am 10. Oktober 1919 in Wien. Knapp 100 später hat nun der Chefdirigent des Radiosinfonieorchesters Berlin (rsb) Vladimir Jurowski die „Frau ohne Schatten“ ohne die üblichen Striche in der Berliner Philharmonie aufgeführt. Konzertant, versteht sich, wie dies schon sein Vorgänger Marek Janowski so erfolgreich mit den 10 großen Wagner-Opern samt CD-Editionen (Bestseller auf dem Klassiktonträgermarkt), aber auch etwa „Daphne“ und „Elektra“ von Richard Strauss vorexerziert hat.

Laut einem Jurowski-Video zur Aufführung (Link: https://www.youtube.com/watch?v=VpKBJYrx39c ) beträgt die reine Musikdauer 3 Stunden und 11 Minuten. Im Progammheft ist die Spieldauer mit etwas mehr Toleranz mit ca. 3 Stunden 15 Minuten angegeben. Jurowksi orientiert sich bei den Tempi nicht an der „Aufführungstradition“, sondern an den flotteren Tempi von Richard Strauss selbst. Über 130 Orchestermusiker waren aufgeboten…

Zum Bericht von Dr. Ingobert Waltenberger

Anne Schwanewilms. Fotografin © Monika Karczmarczyk.

Berlin/ Philharmonie
„Die Frau ohne Schatten“ berauscht unter Jurowski in der Berliner Philharmonie
Richard Strauss‘ in den Jahren des ersten Weltkriegs komponierte große spätromantische Oper sollte nach der Uraufführung 1919 in Wien erst einmal ein Schattendasein im Werk des so erfolgreichen Komponisten führen. Vielen galt sie als zu lang, zu verworren, und vor allem: schwer zu besetzen. Tatsächlich gehören die fünf Hauptrollen des Stückes zu den schwersten Partien ihres jeweiligen Stimmfaches.
Peter Sommeregger berichtet aus der Philharmonie Berlin
Klassik-begeistert

Musikfest Berlin: Die Frau ohne Schatten konzertant unter Jurowski 
Unter Vladimir Jurowski gelingt dem Radio-Sinfonieorchester Berlin eine fulminante Aufführung von Richard Strauss‘ mächtigem Meisterwerk. In den Hauptrollen sind Anne Schwanewilms als zart leuchtende Kaiserin, Torsten Kerl als Kaiser, Ricarda Merbeth als schönstimmige Färberin, Thomas J. Mayer als Färber und die mezzo-gewaltige Ildikó Komlósi als Amme zu hören. 
konzertkritiopernkritikberlin/a.schlatz

Berlin/ Philharmonie: Zum Auftakt Champagner! Berlioz‘ „Benvenuto Cellini“ eröffnet das Musikfest Berlin
Die erste Oper aus der Feder von Hector Berlioz greift eine Episode aus der Autobiographie des Renaissance-Bildhauers Benvenuto Cellini auf. Sie spielt während des römischen Karnevals und bereits die Ouvertüre sprüht vor musikalischen Einfällen, der einleitende Chor vermittelt überschäumende Lebensfreude. Champagner für alle also.
Peter Sommeregger berichtet aus der Philharmonie Berlin
Klassik-begeistert

Der neue Bayreuther Ring-Regisseur: Derzeit läuft seine „Turandot-Inszenierung in Darmstadt. Die Kritiken sind „durchwachsen“

Valentin Schwarz. Foto: Privat

Er ist österreicher, inszenierte für das Theater an der Wien in der Kammeroper, Cosi fan tutte. Ich habe mich bemüht zu eruieren, von wo in Österreich Valentin Schwarz kommt. Es war vergebens, das scheint ein Geheimnis zu sein (und deshalb interessiert es mich). Weiß wer in unserer Leserschaft Bescheid?

http://valentinschwarz.net

Wahn! Wahn! Überall Wahn! – Giacomo Puccinis „Turandot“ in Darmstadt
Neue Musikzeitung/nmz.de

Amsterdam
Zwischen Liebestrank und Liebestod: Tristan und Isolde im Concertgebouw Amsterdam

Christine Goerke. Foto: Arielle Doneson

Im Großen Saal des Concertgebouw Amsterdam mit seiner exzellenten Akustik wurde Wagner nur häppchenweise serviert – der zweite Akt musste dem Publikum an diesem Samstagabend genügen.

bachtrack

Levit, Kaufmann und Ottensamer bekommen Preis Opus Klassik
Auch die Wiener Philharmoniker werden am 13. Oktober ausgezeichnet
Der Standard

FÜR DIE FIGUR MUSS MAN ETWAS TUN. ANNA NETREBKO LÄUFT MIT SOHN TIAGO in einem Wiener Park (Video)

ZUM VIDEO

Andere laufen nicht!

Dazu passend:

Die US-Amerikanerin Kathryn Lewek hat die Gunst der Stunde in Salzburg genützt und gibt ein Interview über „ihr Thema“ nach dem anderen.
Was ist „die Gunst der Stunde“?  Manuel Brug schrieb über die Salzburger „Orpheus“-Inszenierung („die Barrie Kosky in berlinbewährter, aber vor Ort eben noch nie gesehener Manier als Sexklamotte ironisierte und orchestrierte“).– und erntete einen Shitstorm.

Brug in seinem Artikel: Es ging nicht um Auseinandersetzung, nur um Beleidigung. Massiv. Und klar, man hatte die wenigen von mir im Internet kursierenden Fotos schnell recherchiert. Ich bin keine Elfe, hab ich auch nicht behauptet, doch meine Pfunde machen mir nichts aus. Journalist Harassment! Bodyshaming! MeToo: Jetzt könnte ich lamentieren, mich ereifern, aufjaulen über die mir auf den Hals geschickten geifernden Brigaden: Die Sängerin hat sich immer noch nicht beruhigt, gibt BBC, „Salzburger Nachrichten“ e tutti quanti in der premierenarmen Zeit nonstop Interviews und beschwert sich über „nasty critics“.

Bodyshaming-Skandal: Warum es richtig ist, das Wort „dick“ zu benutzen
Unser Opernkritiker schrieb über die Salzburger Festspiele einen Satz, der einen internationalen Shitstorm auslöste: Bodyshaming, so der Vorwurf. Über ein Missverständnis – und die Inszenierung von Körpern auf der Bühne.
Die Welt.de

Es gibt nur wenige Opernsänger, deren Interviews top-gefragt sind. Diese wenigen aber könnten rund um die Uhr ihre Ansichten auf die Menschheit loslassen. Frau Lewek gehört bislang nicht zu den Vielbegehrten, deshalb setzt sie sich auf dieses Thema drauf – bis zum „Geht nicht mehr“!

Ich halte fest, dass sich der Online-Merker nicht über die Figur der Frau Lewek alteriert hat. Eine Frau „an der nichts dran ist“ – ist für mich schwer vorstellbar. Aber das ist meine persönliche Meinung. Übrigens bin ich – wie Meister Brug – auch keine Elfe!

Das bewegt Österreich wirklich!

Marcel Hirscher verdrängt Wahl-Konfrontation aus dem ORF-Hauptabend
Der Skistar wird am Mittwoch um 20.15 Uhr auf ORF 2 über seine Pläne sprechen. Die Spitzenkandidaten treten erst um 21.05 Uhr an.
Kurier

Die Spitzenkandidaten können froh sein, dass Marcel Hirscher nicht mit einer Liste zur Nationalratswahl antritt. Alles ist möglich – in diesem kuriosen Land!

Aber es ist eben mein Heimatland. Ich wünsche einen schönen Tag in diesem!

A.C.

 

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