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3. SEPTEMBER 2018

03.09.2018 | Tageskommentar

Endlich: Der erste Verriss der neuen Saison ist da: „Das Reingold“ in Kassel. Bjarni Thor Kristinsson (Wotan) und Lothar Odinius (Loge).  Copyright: N. Klinger/ Staatstheater Kassel

In der Festspielzeit sind die Kritiker meist milde gestimmt, zu den Festspielen wird meist auch die „handzahme Truppe“ entsendet, denn zu viel steht für die Zeitungen auf dem Spiel. Inserate zum Beispiel.  Da langen schon Anrufe in den Redaktionen ein, in denen der Abzug einer Kritikerin/eines Kritikers gefordert wird, weil ansonsten Werbegelder nicht mehr fließen. Welcher Herausgeber kann da schon widerstehen?  Es begab sich (nicht in diesem Sommer), dass mir ein Kritiker seine Rezension ans Herz legte (unter Pseudonym natürlich), mit der ihn sein Kulturchef zur Türe rauskomplimentiert hat – zu abwertend erschien ihm die Meinung des Kritikers! Mit was aber erpresst man den Online-Merker?

Die erste Premiere, die beim Online-Merker besprochen wird, kommt – was das Szenische betrifft, gar nicht gut weg.

Gerhard Hoffmann berichtet aus Kassel: Nach der grandiosen „Tristan und Isolde“ – Produktion der letzten Spielzeit eröffnete das Staatstheater Kassel die neue Opernsaison mit Richard Wagner als Auftakt der Ring-Schmiede den Vorabend „Das Rheingold“. Leider erbrachte dieses Vorspiel zu „Der Ring des Nibelungen“ keine neuen Erkenntnisse, Markus Dietz bediente sich wahrhaft aller Klischees der vergangenen Jahrzehnte, dazu installierte Ines Nadler die fortwährend auf- und absenkende Bühnenkonstruktion, das Stahlgerüst vor dem publikumsblendenden Neon-„W“, Henrike Bromber lieferte die Badedress-Code der Rheintöchter, die Feinripp-Wäsche der Statisten sowie die straßentauglichen Alltags-Kostüme und alle begaben sich somit auf dieselbe Weide der grasenden wiederkäuenden Regie-Banausen wie viele zuvor. Ihrem Ende eilen sie zu! Ob ich für weitere drei Abende (in dieser Formation?) Zeit und Aufwand opfere? Bedenken will ich´s, wer weiß was ich tu´. Das Publikum nahm die zum Gähnen langweilige Produktion ohne Pro und Contra gleichmütig hin…

Zum Premierenbericht von Gerhard Hoffmann

Wien: Die Volksoper startete gestern mit der „Fledermaus“ in die neue Saison, heute steht  „Die Zauberflöte“ auf dem Programm

Beate Ritter als „Königin der Nacht“. Copyright: Barbara Palffy/ Wiener Volksoper

Herrmann Nitsch ist 80 und schockt das Publikum mit dem, was er seit 50 Jahren macht

Copyright: Nitsch-Museum, Archiv Cibulka Frey

Nichts für „Sensibelchen!  Copyright: Nitsch-Museum/ Wolfgang Kober

Die sinfonische Aktion, die Hermann Nitsch anlässlich seines 80. Geburtstages kreierte, war als Partitur für 40 Akteure und 165 Musiker und Sänger konzipiert. Die Uraufführung dieser sinfonischen Aktion wurde von Dirigent Andrea Cusumano gemeinsam mit den Musikern, die sich aus dem Orchester der Klangvereinigung Wien, der Stadtkapelle Mistelbach, dem Chor con cor aus Mistelbach und dem Musik- und Gesangsverein Asparn an der Zaya zusammensetzten, zur Aufführung gebracht. Die von Hermann Nitsch eigens komponierte Musik ist auch als Einführung in sein für 2020 geplantes 6-Tage-Spiel in Prinzendorf zu verstehen. Das gesamte Areal wurde in die Aktion mit einbezogen, die bereits Wochen zuvor ausverkauft war.

Mistelbach/ NÖ: Sinfonische Aktion zum 80er von Hermann Nitsch
Hermann Nitsch hat sich zu seinem 80. Geburtstag am 29. August selbst ein Geschenk bereitet: Zur 155. Aktion – der ersten seit der Burgtheater-Aktion 2005 – sind Samstagabend zahlreiche Kunstfreunde und Fans des Künstlers ins nitsch museum nach Mistelbach gepilgert, um die Uraufführung der sinfonischen Aktion zu sehen. Als Dirigent fungierte Andrea Cusumano
Salzburger Nachrichten

„Don Carlo“: Verdi in einem alten Sägewerk in Schweden
15 Jahren nach der Gründung ist „Opera på Skäret“ nun eine international etablierte Operngesellschaft und eine der populärsten Sommeropern in Schweden. Der Ort ist ein 1967 stillgelegtes Sägewerk am See mitten im Wald. „Opera på Skäret“ hat auch ihren eigenen Zug, der von Stockholm aus direkt zur Oper fährt. Das Gebäude hat eine gute Akustik, ist aber vom Wetter sehr abhängig: Wenn es heiß ist, schwitzt man, und wenn es kalt ist, friert man. 2018 war es Zeit für ein gewaltiges Werk: Giuseppe Verdis „Don Carlo“ (italienische Fassung mit vier Akten). Der Regisseur William Relton und sein Team sorgen für eine ausgezeichnete Inszenierung mit phantasievollem Bühnenbild und tollen Kostümen; sie geht in jeder Hinsicht vom Libretto aus und harmonisiert mit der Partitur in hohem Maß. Die Inszenierung ist konventionell, aber nicht traditionell, die Personenregie ist teilweise dürftig, und die Chemie zwischen den Künstlern stimmt nicht immer.
Yeyha Alazem berichtet aus Schweden
https://klassik-begeistert.de/giuseppe-verdi-don-carlo-opera-pa-skaeret-kopparberg/

Für Nostalgiker: Ausführliche Besprechung des ODENSE-RING

Klaus Billand ist während der Festspielzeit ein Getriebener. Den „Stets Reisenden“ hält es besonders im Sommer nicht an einem Ort. Er beliefert uns mit Kurzkritiken (die meist länger sind als die üblichen Besprechungen anderer Rezensenten) und liefert dann, oft viele Wochen später, eine Detailkritik. Aber immerhin hält er Wort – und wenn es wirklich darauf ankommt, kann er auch tagesaktuell sein. 

„Die Walküre“. Fotograf: Knud Erik Jørgensen.

So wie im konkreten Fall mit dem „Odense-Ring“. Man stelle sich vor: Die „Götterdämmerung “ beendete am 3. Juni den ersten Durchlauf, das war zu einer Zeit, in der die Fußballwelt für Deutschland noch voll in Ordnung und der WM-Titel bloß Formsache war.

Nun aber…?

Nun aber liefert uns Klaus Billand seinen Odense-Bericht: Zum Bericht ODENSE-RING

Filme der Woche

Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

Eigentlich hatten wir das alles schon: Menschen aus der Eiszeit – ist nicht gerade erst der Ötzi über die Leinwand gestapft? Ein Mann, zurückgelassen und verloren in der Ödnis – das war doch Leonardo DiCaprio in „The Revenant“? Und Mann und Hund, die tiefe Freundschaft – zahllose Male da gewesen. Aus all diesen Elementen eine neue Suppe zu kochen, würde von Drehbuchautoren und Filmemachern gewaltigen Einfallsreichtum erfordern. Aber tatsächlich ist uns inhaltlich schon lange nichts so Dürftiges untergekommen wie „Alpha“. Regisseur Albert Hughes hat da nur ein Werk freundlicher Routine abgeliefert, das nicht schmerzlich unter die Haut gehen soll. (Was sich nicht wirklich gelohnt hat – die Einspielergebnisse halten sich in Grenzen…)

Die Steinzeitmenschen, unter denen die Geschichte spielt, sehen schon recht nach Hollywood aus – bei der pelzbesetzten Kapuze unseres Helden möchte man direkt schauen, welches Label er trägt… Gesprochen wird „eiszeitisch“, und die Herrschaften des Clans wirken auch ziemlich heutig (die Damen diskret geschminkt). Die Kamera fliegt über die Landschaft, es gibt dramatische Gewitter, und schon geht unser Held, der junge Keda (Kodi Smit-McPhee, ein australischer Schauspieler mit einem Hauch Exotik), verloren, wird für tot gehalten. Die anderen geben ihn auf, er ist allein…

McCain-Trauerfeier: Washington trauert, Trump fährt golfen
US-Präsident Donald Trump hat sich während der nationalen Trauerfeier für den verstorbenen Senator John McCain auf einen seiner Golfplätze begeben.
https://diepresse.com/home/ausland/aussenpolitik/5489566/McCainTrauerfeier

Trump kann machen, was er will – er macht es falsch. John McCain hat sich die Anwesenheit von Donald Trump bei seiner Beerdigung verbeten – und Trump hat den Wunsch respektiert. Was er während der Zeit der Beerdigung gemacht hat, geht wirklich niemand etwas an. Ich habe das Golfspiel nie als besondere Belustigung empfunden. Was also hat Trump falsch gemacht?

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche

A.C.

 

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