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3. OKTOBER 2019 – Donnerstag

03.10.2019 | Tageskommentar

Los Angeles Opera – künftig ohne Placido Domingo

Los Angeles
Placido Domingo tritt als Chef der Los Angeles Oper zurück
„Die jüngsten Vorwürfe, die in der Presse gegen mich erhoben wurden, haben eine Atmosphäre geschaffen, in der meine Möglichkeiten, diesem Unternehmen, das ich so liebe, zu dienen, beeinträchtigt wurden“, erklärte Domingo. „Während ich weiter daran arbeite, meinen guten Namen wieder herzustellen, habe ich beschlossen, dass es im besten Interesse der Oper Los Angeles ist, als Generaldirektor zurückzutreten und mich von weiteren geplanten Auftritten zurückzuziehen“, fügte er hinzu.
Der Standard

Plácido Domingo Leaves Los Angeles Opera Amid Sex Harassment Inquiry – The New York Times
The New York Times

Wiener Staatsoper: A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM

Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Renate Wagner waltete ihres Amtes als unsere Rezensentin: In seiner letzten Saison als Direktor der Wiener Staatsoper (niemand konnte ahnen, dass sie für ihn verkürzt sein würde) wollte Dominque Meyer weniger volle Kassen, als das Lob, ein Opernhaus von heute auch heutig zu führen. Es gibt, wie bekannt, die Uraufführungen österreichischer Komponisten (Olga Neuwirth, Albin Fries), „Orest“ von Trojahn, die „Tri Sestri“ von Eötvos und „Die Weiden“ von Staud tauchen wieder im Spielplan auf. Und letztendlich gilt Benjamin Britten auch noch so halb und halb als Moderner.

Wenn auch die erste Premiere der Wiener Staatsoper in dieser Saison mit „A Midsummer Night’s Dream“ gewissermaßen in die Kategorie „Moderne light“ fällt. In keinem anderen Werk war der Komponist so gefällig, so locker, und wenn sie mit ihren drei Stunden Spielzeit nicht manche Länge aufwiese, man könnte nur Gutes über die Oper sagen, die (Uraufführung 1960, von der Wiener Staatsoper damals schon zwei Jahre danach, Direktion Karajan, nachgespielt!!!) nun auch schon fast ihre sechs Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Aber Märchen werden ja nicht alt…

Die Sänger exekutierten die brave, stellenweise etwas behäbige Inszenierung, die immer wieder choreographische Elemente zeigte (Martin Buczko) mit Geschmack und Können. Als Oberon lernte man den Amerikaner Lawrence Zazzo kennen, der sehr elegant auf der Bühne steht und der seltene Fall eines durch und durch wohlklingenden (nie schrillen!) Countertenors ist. Als seine reizvolle, rothaarige  Titania lässt Erin Morley ihre absolute Spezialität hören, eine extrem helle, zu extremen Höhen fähige Stimme…

Ein schöner Abend. Ein braver Abend. Nur gelegentlich ein bisserl fad. Er hat seinen Beifall verdient und bekommen.

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Heinrich Schramm- Schiessl ist auch eine „Premierengeher“:  Im Gesamten gesehen war es eine ordentliche Aufführung. Mit der Inszenierung von Irina Brook kann man jedenfalls leben, denn im Gegensatz zur Katastrophenproduktion im Theater an der Wien im vorigen Jahr, wo Damiano Michieletto eine komplett andere Geschichte über das Werk gestülpt hat, wird hier das Libretto realisiert. Zwar spielt das Stück hier nicht direkt im Wald sondsern in einer Burg- oder Schlossruine, die sich in einem Wald oder Park befindet (Bühne: Noelle Ginefri-Corbel). Einziger Wermutstropfen ist der Umstand, dass die Kostüme (Magali Castellan) nur für die Elfenwelt phantasievoll sind, währen die Menschen Alltagskleidung tragen. Es ist zwar nicht alles logisch, was da auf der Bühne abläuft – der Sinn der in den ersten beiden Akten immer wieder auftauchenden Schlange hat sich mir z.B. nicht erschlossen – aber man wurde durch nichts wirklich verstört.

Auch musikalisch konnte man zufrieden sein, auch wenn es natürlich einiges kritisch anzumerken gibt…

Am Ende gab es Jubel für alle. Ob die Produktion nachhaltig sein wird ist jedoch mehr als fraglich, denn schon zu Beginn waren zahlreiche Plätze leer und das steigerte sich nach der Pause.

Zum Premierenbericht von Heinrich Schramm-Schiessl

HEUTE:  Umbesetzung La Bohème

Gianluca Terranova singt am 3. Oktober 2019 den Rodolfo in Puccinis La Bohème anstelle des erkrankten Jinxu Xiahou. Der in Rom geborene Tenor, der bisher u.a. an zahlreichen renommierten italienischen Opernhäusern, der Deutschen Oper am Rhein, der Oper Frankfurt, der Los Angeles Opera, in Savonlinna, Hong Kong, Sydney und Amsterdam zu erleben war, gibt damit sein Debüt an der Wiener Staatsoper

Jonas Kaufmann: Buch-Präsentation am 15.10 in Wien
Mit einer „Bilderreise“ dokumentiert das vorliegende Fotobuch Höhepunkte im künstlerischen Schaffen des Ausnahmesängers und zeichnet die wichtigsten Stationen in seinem Leben nach. Ergänzt und gespiegelt werden diese Bilder durch Jonas Kaufmann selbst: Erstmals hat er eigene Fotografien veröffentlicht, lässt den Betrachter teilhaben an seinen Eindrücken von seinen Reisen und an seinem Leben außerhalb der Bühne.
https://vfmk.org/de/shop/jonas-kaufmann?fbclid=IwAR3kasKAn

München/ Gärtnerplatztheater: DIE KLUGE von Carl Orff – „light“ im Studiotheater (2.10.)

„Die Kluge –  light“ in der Studiobühne am Gärtnerplatztheater: Holger Ohlmann, Stefan Bischoff, Gyula Rab (Strolche), Daniel Gutmann (der Mann mit dem Maulesel), Martin Hausberg (der Kerkermeister), Sophie Mitterhuber (des Bauern Tochter, genannt »die Kluge«), Matija Meić (der König), Juan Carlos Falcón (der Mann mit dem Esel) © Christian POGO Zach

Tim Theo Tinn war für uns dabei: Die Inszenierung ist ordentlich bis gut. Erzählt wird die Geschichte gem. Libretto. Das gem. Orff intendierte pralle Märchenspiel gerät zur aktionsreichen antiseptischen Betrachtung überdrehter Menschen.

Bühne und Kostüme bewegen sich zwischen Boutiquen-Stil und unbeholfenem Design-Theater. Es bleibt Geschmacksache, ob diese technokratische Treppen-Gerüst-Lösung in schwarz auf rotem Grund im Einheitsbühnenbild gefallen. Das erdige Märchen mit bairischen Volkstheater-Anklängen ist es nicht. Schwarze Kostüme mit synthetisierter weißen, silberhaarigen Klugen unterstreichen weder die Handlung noch das musikalische Erleben – sind allerweltstauglich – aber …. ja, kann man machen.

Das große Pfund, das allergrößte Pfund dieser Aufführung sind die faszinierenden Sänger…

Zum Bericht von Tim Theo Tinn

Wie sieht die Oper von morgen aus? Beispiel „Macbeth Underworld“ in Brüssel

Blutflecke bleiben auf den Händen: Magdalena Kožená (Lady Macbeth). Copyright: Matthias Baus

Wie sieht die Oper von morgen aus? In allen Symposien und Diskussionsrunden hören wir seit 25 Jahren: „Uraufführungen von neuen Werken“. Denn es macht inzwischen wenig Sinn, um die bekannten Werke statt „werktreu“ immer wieder neu interpretieren/inszenieren zu wollen, indem man inzwischen schon „neuartig“ in die Handlung eingreift und andere Musik hinzufügt. Doch wenn man auf die Spielpläne der großen Opernhäuser guckt, sind Uraufführungen immer noch eine Seltenheit, außer in Amsterdam, wo Pierre Audi in seiner 30-jährigen Amtszeit einen Weltrekord von szenischen Uraufführungen aufgebaut hat. Peter de Caluwe, langjähriger Mitarbeiter von Pierre Audi in Amsterdam und seit 2007 Intendant der Oper in Brüssel, stellt nun zum Beginn seiner dritten Amtszeit eine völlig neue „Spielplanarchitektur“ vor. Er erläutert diese in einem Manifest-Buch „Opéra, Passion(s) et controverse(s)“, niedergeschrieben durch den Journalisten Stéphane Renard, das wohl ins Niederländische aber leider nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Denn es zeigt, wie anders man das Thema Oper angehen kann, als wie (noch) im deutschen Sprachraum üblich. Peter de Caluwe erklärt darin u.a., warum er in den nächsten sechs Jahren jede Spielzeit mit nicht nur einer sondern sogar zwei Uraufführungen eröffnen wird…

Zum Bericht von Waldemar Kamer

Oldenburg: „Götterdämmerung“ – Paul Esterhazy vollendet am Staatstheater Oldenburg grandios seinen Ringzyklus
Neue Musikzeitung/nmz.de

Berlin/ Philharmonie
Eine lohnende Entdeckung: Die polnische Nationaloper „Halka“ konzertant in der Philharmonie Berlin
Polen feiert in diesem Jahr den 200. Geburtstag seines nach Frédéric Chopin berühmtesten Komponisten, Stanislaw Moniuszko. Um dessen in Westeuropa weitgehend unbekanntes Werk vorzustellen und zu seinen Ehren schickt das Polnische Kulturinstitut eine Neuproduktion der Posener Oper von Moniuszkos bekanntester Oper „Halka“ in konzertanter Form auf Tournee.
Peter Sommeregger berichtet aus der Berliner Philharmonie
Klassik-begeistert

NÖ -Herbsttage Blindenmarkt : Herzlich willkommen im Jubiläumsjahr 2019!


Robert Kolar (Iwan), Alexander Kaimbacher (Gabriel von Eisenstein), Patricia Nolz (Prinz Orlofsky), Ballett

Foto von Lukas Beck/

Jubiläumspremiere am 4. Oktober 2019: „Die Fledermaus“ von Johann Strauss Champagnerlaune und Liebesverwirrungen im Dreiviertel-Takt. Zum 30-Jahre-Jubiläum präsentiert Intendant Michael Garschall die Königin aller Operetten: Am 4. Oktober 2019 feiert die „Fledermaus“ von Johann Strauss ihre mit Spannung und Vorfreude erwartete Premiere. Tausendsassa Marcus Ganser zeichnet für Regie und Bühne verantwortlich. Publikumsliebling Alexander Kaimbacher ist in der Partie des „Eisenstein“ wieder in Blindenmarkt zu Gast

Informationen: www.herbsttage.at / Karten: 07473-666 80 /
Veranstaltungsort: Ybbsfeldhalle Blindenmarkt

NEU IN UNSEREN INTERVIEWS

Interview mit Jukka Rasilainen, Heldenbariton: „ich habe nur einen Arbeitgeber – und der heißt Richard Wagner

Klaus Billand, Jukka Rasilainen. Foto: Birgit Rasilainen

Zum Interview

TOULOUSE: 52. Concours International de Chant (Int. Gesangswettbewerb) Semifinale und Finale

Capitole de Toulouse. Foto: Klaus Billand

Alle drei Jahre, nach engeren Zeitabständen von 1-2 Jahren früher, findet in Toulouse der international renommierte Concours International de Chant statt, also der Internationale Gesangswettbewerb zur Entdeckung junger Talente des lyrischen Gesangs. Es war bereits die 52. Ausgabe seit dem Beginn 1954. Der Veranstalter ist immer das ehrwürdige Théatre du Capitole, die Oper von Toulouse. Die Jury ist stets von exzellentem internationalem Niveau. Große Stimme gingen aus diesem Wettbewerb hervor, wie Viorica Cortez, José Van Dam und Dmitri Hvorostovsky. Mária Temesi, die bekannte Wagner-Sängerin aus Ungarn und im Merker oft besprochen sowie interviewt, erreichte hier 1980 den 3. Platz…

ZUM BERICHT von Klaus Billand

GESAMTE OPERN IM RUNDFUNK 3. – 9. OKTOBER 2019

 

3.10. ALCESTE (aus München, Aufnahme v. 26.5.) BBC 3-15 Uhr
LES PÉCHEURS DE PERLES (Live aus Turin) RAI 3-20 Uhr
4.10. TURANDOT (Live aus New York) MET-Stream-1.30 Uhr
5.10. A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM (Live aus Wien) ORF Ö1, Radio 4Hilversum- 19 Uhr
IL CORSARO (aus Warschau, Aufnahme v. 24.8.) Deutschlandradio-19.05 Uhr
MISS JULIE (aus London, Aufnahme v. 3.10.) BBC 3-19.30 Uhr
LA GIOCONDA (aius Barcelona, Aufnahme v. 4.4.), HR 2-20.04 Uhr
6.10. BENVENUTO CELLINI (aus London, Aufnahme v. 2.9.) SWR 2-20.03 Uhr
IL SAN VITO (aus Köln, Aufnahme v. 22.9.) WDR 3-20.04 Uhr

Filme der Woche

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Wer 1968 noch jung war, aber alt genug für Reflexion, für den mochte der Roman „Die Deutschstunde“ von Siegfried Lenz so etwas wie ein Augenöffner gewesen sein. Deutschland war so sehr mit seinem Wirtschaftswunder und seinem Zukunftsglauben beschäftigt, dass man die Vergangenheit nur zu gerne hinter sich gelassen hatte – die penible Aufarbeitung begann erst später. Und da war nun plötzlich dieser Roman.

Dabei ging es Siegfried Lenz in seiner Geschichte nicht um die vordergründigen Gräuel des Nationalsozialismus zwischen Judenverfolgung und Todeslager, sondern um eine gewissermaßen ganz alltägliche Geschichte. Und vor allem um das Bewusstsein der Menschen damals – jener, die das Regime ermöglicht hatten, und jener, die trotz ihres inneren Widerstands nichts verhindern konnten… Wie die Ideologie ganz selbstverständlich die Menschlichkeit, die Mitmenschlichkeit, die Gefühle auslöschte. Und alle ihr Handeln für richtig erachteten.

Gestern im TV: Schlagabtausch zweier (ehemaliger Parteifreunde). Das wird ein Youtube-Hit!

 

Ewald Stadler und Andreas Mölzer waren einst Parteifreunde. Mittlerweile sind sie das Gegenteil davon. Gestern nannte Mölzer sein Ex-Freund Stadler einen Trottel und verließ die Diskussion.

Zum Video

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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