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3. MÄRZ 2020 – Dienstag

03.03.2020 | Tageskommentar

„Salome“ in Frankfurt: Ambur Braid in der Titelrolle. Foto: Monika Rittershaus

Die Inzenierung verstört einen ziemlich. So hart und brutal und auf den Kern des Dramas reduziert  hat man R.Strauss‘ Salome noch nicht erlebt. Regisseur Barrie Kosky verzichtet gänzlich auf ein Bühnenbild, es ergibt sich nur ein schwarzer Raum, in dem alle Beteiligten agieren (Bb.& Kostüme: Katrin Lea Tag). In einem ‚Mondstrahl‘, wie es Kosky nennt, also in einem runden Scheinwerferspot, können bis zu drei Personen ‚gebannt‘ werden, oder sie sind auch nur halb drin. Das sind aber nur die Hauptprotagonisten einschließlich der 5 Juden. Die anderen, Soldaten, Nazarener etc. sind nur akustisch, aus der Dunkelheit singend, vernehmbar…

Zum Premierenbericht von Friedeon Rosen

Gerhard Hoffmann zur „Salome: Der eiserne Vorhang hob sich, Rabenschwärze, Salome im weißen Glitzerkleid mit Federschmuck auf dem Haupt kehrte uns den Rücken zu, hüpfte, wiegte die Hüften, räkelte sich lasziv am Boden, zu Flattergeräuschen eines Todesvogels (?) akustisch untermalt, danach setzte die Musik ein. Die Idee des Regisseurs war ohne „Gebrauchsanweisung“ im Programm nicht vermerkt.

Barrie Koskys Zitat zum Werk: Salome bedeutet immer eine große musikalische und szenische Herausforderung. Wie bei vielen anderen Stücken hat sich über die Jahre eine dicke Schicht Staub durch Routine angesammelt. Diesen Staub zu entfernen, einen tiefgründigen Blick auf den Text,  die Musik zu werfen und zu erkennen, woher die Ideen und Motive stammen, ist das Wichtigste für eine Neuinszenierung. Zu neuen Taten, sodann ging der Staub-Wedel ans Werk…

Zum Premierenbericht von Gerhard Hoffmann

Diese Liebe hat einen Haken: Nachtschwarze „Salome“ in Frankfurt
BR-Klassik

Eine kranke, falsche Liebe
DeutschlandfunkKultur

„Salome“ in Frankfurt: Es muss schrecklich sein, in so einer schwarzen Höhle zu leben!
Frankfurter Rundschau

Salomes dunkler Traum
Frankfurter Allgemeine

Salomes Psychopathologie – Theatralisch sensationelle Deutung des Straussschen Musikdramas an der Oper Frankfurt
Neue Musikzeitung/nmz.de

ZÜRICH: „ARABELLA“ unter’m Hakenkreuz. Premiere am 1.3.

Foto: Monika Rittershaus

Arabella im Schatten der aufkommenden Nazis  

Es fängt alles ganz harmlos an: die stilvolle Halle eines Hotels, elegante Menschen in Kleidern der dreissiger Jahre, angenehme Atmosphäre. Und doch deutet Alles darauf hin, dass Regisseur Robert Carsen mit seinem Leading-Team Gideon Davey (Ausstattung) und Peter van Praet (Lichtgestaltung) in dieser Inszenierung die Entstehungszeit und das ominöse Jahr 1933 der Uraufführung der Oper „Arabella“ nicht verhehlen, nein, sogar deutlich machen will. So schwebt über dieser ästhetisch wunderschönen Inszenierung immer der Ruch des aufkommenden Nazitums. Wie wir ungern zugeben wollen, hat sich Richard Strauss aus Opportunismus, wohl nicht als Überzeugter, den Machthabern „angedient“. Das geht soweit, dass er auch für die Olympischen Spiele 1936 (verewigt durch die suggestiven Bilder des Olympia-Films von Leni Riefenstahl) eine ordinäre Hymne komponiert hat. Im Zwischenspiel, eigentlich das Vorspiel zum 3. Akt, wird dieses Verhängnis durch eine in der Tat höchst beunruhigende Tanz-Szene vor Augen geführt. Aus dem ausufernden Fiakerball werden die Schuhplattler von den Nazis in ihre Reihen und zum Gruss mit dem ausgestreckten Arm gezwungen…

Zum Bericht von John H. Mueller

Wie originell! Wieso ist da nicht bereits vorher ein Regiekünstler draufgekommen. Oder habe ich da etwas verpasst?

Premiere von Schuberts „Winterreise“ von Hans Zender am 1.3.2020 in der Staatsoper/STUTTGART

Der Schrecken soll bei Hans Zenders Neu-Komposition von Schuberts „Winterreise“ deutlich spürbar sein. Das Staatsorchester Stuttgart ist unter der emotionalen Leitung von Stefan Schreiber vorne auf der Bühne zu sehen. Grenzen lösen sich auf – und dies auch zwischen Bühne und Zuschauerraum. Der niederländische Videokünslter Aernout Mik zeichnet bei dieser interessanten Produktion für Konzept, Video, Raum und Regie verantwortlich. In 24 Liedern begleitet Franz Schubert seinen Wanderer nach einer zerschlagenen Liebeshoffnung aus der Stadt in die Winterlandschaft hinaus. Schubert erlebte in den Jahren nach 1815 durch die Restaurationspolitik Metternichs eine vernichtende Absage an seine Kunst und sein Dasein. Diese „Winterreise“ durchlebte er ganz persönlich…

Zum Premierenbericht von Alexander Walther

Premiere in der Stuttgarter Oper „Winterreise“, weiter geschrieben
Stuttgarter Zeitung

Dresden / Staatsoperette:  „DIE BANDITEN“, OPÉRA BOUFFE VON JAQUES OFFENBACH – ODER AUCH NICHT – 28.2.2020 Premiere

Eigentlich bedürfen Jacques Offenbachs Operetten mit ihrer schmissigen Musik und Brisanz keiner „Bearbeitung“ durch die Regie, auch nicht seine, 1869 in Paris uraufgeführte Opéra-bouffe „Die Banditen“ („Les Brigands“), die nicht ganz so populär ist wie „Orpheus in der Unterwelt“. Sie sind nach wie vor in ihrer Politik- und Gesellschaftskritik aktuell…

Zur Premierenkritik von Ingrid Gerk

Zwei doppelt ratlose Offenbach-Premieren in Dresden
https://www.nmz.de/online/zwei-doppelt-ratlose-offenbach-premieren-in-dresden

Dresden
Kritik: Offenbachs „Großherzogin von Gerolstein“ in Dresden: Bis der Schaum fliegt
Mit seiner Inszenierung von Jacques Offenbachs „Großherzogin von Gerolstein“ an der Semperoper in Dresden, ist Regisseur Josef Köpplinger eine unterhaltsame Offenbach-Sause gelungen. Der Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters wurde lautstark gefeiert. Enttäuschend war dagegen Anne Schwanewilms in der Titelrolle.
BR-Klassik

MADRID: DIE WALKÜRE

Christopher Ventris, Elisabet Strid. ©Javier del Real | Teatro Real

Ein Jahr nach dem „Rheingold“ wurde am Teatro Real nun der „Ring des Nibelungen“ in der altbekannten Inszenierung von Robert Carsen in Zusammenarbeit mit Patrick Kinmonth aus den Kölner Jahren 2000-2003 mit der „Walküre“ fortgesetzt. Dieser „Ring“ lief dann ja auch 2010 bei der Welt-Ausstellung in Shanghai und in Venedig, wohl auch noch an anderen Orten.

Zum Bericht von Klaus Billand

Ein Experiment des Online-Merker: Podcast unmittelbar nach der Vorstellung

Der 2. Tristan-Akt in Athen  hat zwar schon vor einigen Tagen stattgefunden, Klaus Billand hat mit einer kurzen Podcast-Info „auf dem falschen Bein erwischt“. Ich sehe in dieser Form aber Zukunftspotential, deshalb habe ich „herumgedoktert“ und dabei festgestellt, dass es zwar technisch möglich ist, ich aber noch nicht auf dem neuesten Stand der Technik bin (wie meist bei mir: ich mache so ziemlich alles falsch, aber meistens funktioniert es dann doch irgendwie). Wenn Improvisation eine Kunst ist, dann bin ich ein Künstler. 

Zum Bericht von Klaus Billand – inclusive Podcast

Halle: Mehr Entwurf, als Wurf – Nina Kupczyk inszeniert „Don Giovanni“ in Halle
Neue Musikzeitung/nmz.de

Ein Wochenende mit Meyerbeer: Prophet und Hugenotten an der Deutschen Oper Berlin
Die großartigen Meyerbeer-Wochen an der Deutschen Oper machen es möglich. Zwei Hauptwerke des deutsch-französischen Komponisten lassen sich innerhalb von gut 24 Stunden erleben. Le Prohpète wirkt (Regie: David Alden) wirkt runder und konzilianter, Les Huguenots (Regie: Olivier Py) aggressiver, aber auch konsequenter. Sängerisch punktet Le Prohpète mit einer erfahrenen Sänger-Riege rund um den formidablen Gregory Kunde bzw. die mezzointensive Clémentine Margaine, während Les Huguenots mit jungen Sängern (Liv Redpath als koloraturwendige Marguerite, Olesya Golovneva als leidenschaftliche Valentine, Anton Rositskiy als höhensicherer Raoul) aufwartet. Am Pult zieht sich Enrique Mazzola (Hugenotten) souverän und geschmeidig aus der Affäre, während Alexander Vedernikov beim Propheten etwas im Ungefähren bleibt.
Konzertopernkritikberlin/a.schlatz

INSTAG(K)RAMEREIEN: gefunden von Fritz Krammer

Andre Comploi, der doch etwas mehr als „Pressechef“ war, nimmt Abschied von seinem Platz in der Wiener Oper. Bei Bedarf wollen wir auch weiter mit ihm – nun eben von Mailand aus – zusammenarbeiten

 

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Die erste Arbeitswoche beginnt aber schon mit Absagen: Michael Volle auf Instagram: Die Scala ist bis zum 8.3 2020 geschlossen

 

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Auch leere Plätze in Berlin

ZUM VIDEO – bitte anklicken

Entweder waren die Karten zu teuer, oder die Leute haben Angst vor dem Virus!

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WIEN / Volkstheater im MuseumsQuartier: SCHULD UND SÖHNE
Klimatragödie mit Musik von Christine Eder (Text) und Eva Jantschitsch (Musik)
Premiere: 15. Februar 2020, besucht wurde die Vorstellung am 2. März 2020

Foto: lupispuma.com

Zu Beginn fühlt man sich wie in einer Parodie. Irgendwann in der Zukunft (ha! Es ist schon heute) hat sich eine Handvoll Menschen aufs Land zurück gezogen und lebt im „Schutzhaus zur Zukunft“ das „richtige“, bewusste Leben. Sie teilen, sie schonen, sie sparen (auch wenn dann nur noch einmal in der Woche Duschen angesagt ist) – und wie alle Gutmenschen fühlen sie sich ganz toll, auch weil sie keine neuen Kleider tragen, nur Second Hand! Und sie beten ihr Gutsein selbstzufrieden wie ein Mantra auf und ab – man muss schließlich was davon haben, wenn man auf Dinge verzichtet, die die Rücksichtslosen noch immer in Anspruch nehmen (Auto! Flugzeug! Tourismus!)…

Freilich, ganz am Ende hat man einen Migranten-Chor zusammengestellt und diesen perfekt einstudiert: Wenn sie an der Rampe „Irgendwo, auf der Welt, gibt’s ein kleines bisschen Glück, Und ich träum davon in jedem Augenblick“ singen – ja, dann saust die Emotionskeule nieder. Das ist gut für den Schlußapplaus nach eineinhalb drögen Stunden. Wenn man ein solches Thema aufnimmt, sollte man mehr dazu zu sagen haben als bloß die alt bekannten Argumente.

Zum Bericht von Renate Wagner

China: Bargeld in Quarantäne
Nur noch neue Banknoten erlaubtJeder Schein muss in Quarantäne: China schließt Bargeld wegen Coronavirus weg
Focus

Da läuft SEHR viel dahinter ab, aber das ist der breiten, nach wie vor gutgläubigen Masse schwer zuzumuten. Aber die so ganz offensichtlichen Konsequenzen darf man schon ansprechen:

Denken Sie die Szenerie einmal zu Ende: Das Bargeld wird abgeschafft – und man kann gesundheitliche Gründe dafür anführen. Der „Gläserne Mensch“ ist Realität und klatscht noch begeistert Beifall.

Ich fühle mich nicht als „Durchblicker“ – wie in unserem Forum bereits gehöhnt wurde – ich bin bloß nicht „deppert“. Hysterisch bin ich ich schon gar nicht, die stärksten Momente in meinem Leben hatte ich unter chaotischen Umständen. Wenn ich nun auf meinem Fußweg in das Büro an der Apotheke vorbeigehe und dort die Warteschlange sehe, ohne das Bedürfnis zu haben mich einzureihen, frage ich mich, ob mit mir etwas nicht stimmt.

Wien: Gery Keszler empört mit „Schnitzelgesicht“-Sager
Ex-Life-Ball-Organisator geht auf Konfrontationskurs mit Stadtchef Michael Ludwig.
https://kurier.at/chronik/wien/gery-keszler-empoert-mit-schnitzelgesicht-sager/400769742

Was ist bloß mit Herrn Keszler los? Auf den ist kein Verlass – und das in Vorwahlzeiten!

Der „Schnitzelgesicht“-Sager hat Kult-Potential. Die Opposition freut sich!

PS.: Das musste natürlich kommen (postwendend per Mail): Ja, auch ich habe ein „Schnitzelgesicht“! Ich will aber auch nicht „Das Gesicht der Stadt“ werden“!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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