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3. DEZEMBER 2018

03.12.2018 | Tageskommentar

Ich verstehe es ja, der Herr Kompositeur Staud wird wohl niemals in seinem Leben wieder eine Uraufführung an einem Haus vom Rang der Wiener Staatsoper bekommen, deshalb gilt es, die Feste zu feiern wie sie fallen. Seit Wochen eilt er von Interview zu Interview Wir hätten gleich in der Anfangsphase der Probenarbeit eines haben können – und nun in der Endphase. Wir haben die Gelegenheit nicht wahrgenommen, weil eben schon (zu) viel gesagt wurde. 

Wiener Staatsoper/ Premiere „Die Weiden“
Komponist Staud: „Strache kann noch so viel Kreide fressen“
https://www.profil.at/kultur/komponist-staud-interview-strache-10498326

Nun hat Herr Staud auch zur österreichischen Bundesregierung etwas zu sagen, wird dabei parteipolitisch. Na gut,  er muss wissen, was ihm gut tut.

München: Gestern war die Stream-Vorstellung des Otello. Wir bieten einen Bericht an


Jonas Kaufmann, Gerald Finley. Copyright: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Susanne Kittel-May beginnt ihren Bericht wie folgt:

Eine Inszenierung über die man spricht. Die Beurteilungen in den Feuilletons der deutschsprachigen Presse gingen von „Thema verfehlt“ bis zu hellauf begeistert. Was kann einem Opernhaus Besseres passieren, als dass man über die Neuproduktionen spricht? Und Gesprächsstoff bietet diese Neuinszenierung von Otello zuhauf. Auch nach der dritten Aufführung vom 2.12. bleibt der Eindruck einer spannenden, auch kontroversen, neuen Sichtweise auf die altbekannte Tragödie.

Neu ist vor allem weibliche Sichtweise der RegisseurinAmélie Niermeier, ausgehend von der Annahme, dass Desdemona nicht das naive, kleine Mädchen ist, als das sie meistens dargestellt wird, sondern vielmehr eine starke Frau, die immerhin gegen den Willen ihres Vaters einen Außenseiter der Gesellschaft, der sie selbst angehört, heiratet. Dieser Außenseiter, Otello, ist Soldat und hat sich ausschließlich durch militärisch-strategischen Verdienste den gesellschaftlichen Aufstieg erarbeitet, ohne jedoch wirklich zu der Welt Desdemonas zu gehören…

Zum Bericht von Susanne Kittel-May

Kunststück des Leisen, strenge Schönheit: Anja Harteros und Jonas Kaufmann im Münchner Otello
In Amélie Niermeyers kathedralhohen Räumen spielen sich die Protagonisten um Kopf und Kragen. Gesungen wird differenziert, im Flüsterton, mit wenigen Ausbrüche der Verzweiflung. Kirill Petrenko durchleuchtet die Partitur kammermusikalisch.
Konzert- Opernkritik Berlin

Die Aufführung wurde alsLivestream übertragen und ist vom 3. Dezember, 12.00 Uhr bis 4. Dezember, 11.59 Uhr als Video-on-demandhier abrufbar:
https://www.staatsoper.de/tv.html?no_cache=1

WIEN/ Staatsoper:  „MADAMA BUTTERFLY“ am 1.12.2018. Ein Abend der Hausdebüts.


Elena Guseva, Andrea Carè. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Drei der Künstler waren zum ersten Mal im Haus am Ring. Jader Bignamini stand am Pult und zeigte viel Engagement für den Verismo Puccinis. Dass dabei Einiges etwas zu kräftig ausfiel, kann beim ersten Mal wohl passieren. Aber das Orchester klang wunderbar.

Instrumental auf alle Fälle ein hervorragender Abend. Ebenso gibt es auch von der Bühne fast nur Gutes zu berichten. Für Ana Maria Martinez ist Elena Guseva in der Titelrolle eingesprungen. Einspringerbonus braucht die Dame nicht, sie stellte eine sehr ergreifende und musikalisch sehr schöne Umsetzung dieser Kindfrau um. Die Stimme ist groß und wird klar und ohne Druck und Sondervibrato sauber geführt. Die Piani kommen fein und schwingend über die Rampe. Andrea Carè, ein Spintotenor aus Turin, konnte als Pinkerton voll und ganz überzeugen. Fast wie veni, cantavi, vinci. Eine schön timbrierte Stimme, die sehr gut trägt, und kein Brüller. Sein Stil mit der leichten Träne im Vortrag der Rolle ist alter italienischer Stil in bester Form. Darstellerisch ist er schon Dank seines Aussehens vollkommen richtig am Platz…

Zum Bericht von Elena Habermann

Heute Besetzungsänderung in „Madama Butterfly“ an der Wiener Staatsoper

Jorge de León singt in der heutigen (3. Dezember 2018) Vorstellung von „Madama Butterfly“ den B. F. Pinkerton anstelle des erkrankten Andrea Carè.

Andrea Carè muss die heutige Vorstellung absagen (Jorge de Leon wird singen) und somit ist auch das für Mittwoch angesetzte Künstlergespräch abgesagt. Wenn möglich, will er nämlich Freitag die dritte Vorstellung singen. Er bittet um Verständnis!

 

Berlin: „Hoffmanns Erzählungen“ an der Deutschen Oper: Lyrik statt Tinder, Prosa statt Beziehungsstress
Haben wir am größten Berliner Opernhaus keine eigenen Ideen? Das könnte man meinen, wenn jetzt die Deutsche Oper „Hoffmanns Erzählungen“ in einer 15 Jahre alten Inszenierung aus der Schweiz zeigt. Doch die ist wunderbar, findet Maria Ossowski.
https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2018/12/berlin-musik-deutsch
„Hoffmanns Erzählungen“ an der Deutschen Oper Zaubers Trick

Laurent Pellys Version der „Contes d’Hoffmann“ an der Deutschen Oper Berlin, mit einem großartigen Enrique Mazzola am Pult.
Tagesspiegel

Eigene Mischung – „Les Contes d’Hoffmann“ an der Deutschen Oper Berlin
Neue Musikzeitung/nmz.de

Chemnitz: Siegfrieds Schlittenfahrt – Wagners Götterdämmerung an der Oper Chemnitz

Wie eiskalt ist der Wagner hier. Mit den ersten Takten der „Götterdämmerung“ in Chemnitz erleben wir ein Gefrieren aller Gefühle. Nicht etwa, weil die Robert-Schumann-Philharmonie unter ihrem spanischen Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo unterkühlt musizieren würde – im Gegenteil: hier wird heißblütig aufgespielt, dennoch ausgewogen klangstark, wohlbedacht dosiert und bestens begleitet. Eiskalt ist der Ort dieses Weltuntergangs-Szenarios von seinem Anfang bis zum frostigen Ende…
Neue Musikzeitung/nmz.de

Nike Wagner über den Fall Siegfried Mauser: „Böswillige Intrige“
Im Rahmen eines Gesprächsabends am Theater Heidelberg verteidigt Nike Wagner ihren Freund Siegfried Mauser. Sie sieht ihn als Opfer einer Hochschul-Intrige. Bernd Redmann, Präsident der Münchner Musikhochschule, stellt dagegen in einem offenen Brief klar: Auch große Kunst rechtfertige keine Straftaten.

...Mauser sei kein Gewalttäter und habe sich weder an Minderjährigen noch an Abhängigen vergangen. Wagner spricht auch von einer „böswilligen Intrige“ im Innern der Münchner Musikhochschule. In die gleiche Kerbe hat bereits auch Mausers Ehefrau geschlagen, die ihren Mann als Opfer eines Komplotts eines konkurrierenden Professors sieht.

Frauen, die einen Job wollen, sind auch nicht immer nur Engel. (Nike Wagner, zitiert in der RNZ am 24. November 2018)

Wagner kritisiert auch die #metoo-Bewegung: Sie sehe zwar die Diskussion als wichtig für die Gesellschaft an, doch verwahre sie sich gegen den „scheinheiligen neuen Puritanismus amerikanischer Provenienz“.

BR-Klassik

Studiobühne der Wiener Staatsoper: Elegant demonstriert – ‚Der sterbende Schwan‘ aus der Nähe gesehen

Die Lecture-Reihe „Was sie schon immer über Ballett wissen wollten“ auf der Agrana–Studiobühne der Wiener Staatsoper bietet hautnah eine Einführung in die Historie der klassischen Tanzkunst. Dr. Gabriele Schacherl, Ballettadministratorin in der Staatsoper, von Ballettkorrepetitor Jirí Novák musikalisch fein unterstützt, ist hier eine wissende und gewinnende Erzählerin. Ganz aus der Nähe gesehen und von Primaballerina Liudmila Konovalova stilistisch so sauber und elegant vorgeführt: „Der sterbende Schwan“.

Bildergebnis für ballett der sterbende schwan pawlowa
Anna Pawlowna. Foto: Franz van Riel, 1928

Dieser kurze legendäre Pas seul des Michel Fokine für Anna Pawlowna zu einem Violoncello–Solo von Camille Saint-Saens aus dem Jahr 1907 führt den Ballettfreund zurück in die ausklingende Ära des großen zaristischen Balletts. Große Sprünge erlaubt die kleine Bühne zwar nicht, doch ein Pas de deux aus Peter I. Tschaikowskis „Schwanensee“ gehört nun einmal zu dieser Epoche, und Konoleva und ihr gefühlvoller Partner Roman Lazik führten vor, mit welch einer Sensibilität solch ein Bravourstück getanzt werden kann. Mit seinem ‚Ballet russe‘ spielte Impresario Serge Diaghilew als Reformator eine spezielle Hauptrolle in der Entwicklung des anspruchsvollen künstlerischen Tanzes vom 19. ins 20. Jahrhundert. Die für Diaghilew ebenfalls 1907 von Fokine choreographierte Ballettphantasie „Le Pavillon d‘Armide“ auf Musik von Nicolai Tscherepnin befindet sich zur Zeit im Repertoire des Wiener Staatsballetts in einer von John Neumeier mit Intellekt durchdacht umgeformtem Version. Für einen extrem komplex gestalteten Männer-Pas de deux gesellte sich Jakob Feyferlik zu Lazik. Menschliche Schwächen, Beziehungen mit tiefenpsychologischem Scharfblick gefühlvoll erzählt …. hundertjähriges Kulturgut von Neumeier jetzt nun in eine Welt mit heutigem Zuschnitt gelenkt.

M.R.

Berlin/ Barocktage der Staatsoper: „Le Concert des Nations & Jordi Savall“. Die reinste Wonne im Piere Boulez Saal, 1.12.2018

Ein neues Festival hat Matthias Schulz, der neue Intendant der Staatsoper Berlin, gestartet: „Die Barocktage der Staatsoper Unter den Linden“, diesmal vom 23. November bis zum 2. Dezember. Von nun an sollen dieses Barockfest jeden November stattfinden, eine großartige Nachricht für die vielen Fans Alter Musik. Gleichzeitig erlauben solche Barocktage dem Chef Daniel Barenboim und den Seinen auf Auslandstournee zu gehen. 

Zum Bericht von Ursula Wiegand

Konzertgänger in Berlin“
Amormartialisch: Monteverdi mit Jordi Savall & Le Concert de Nations
Die Barocktage der Staatsoper auf der Zielgeraden: Nach dem starken L’Orfeo, der noch stärkeren Poppea sowie dem weniger starken Hippolyte widmen sich einige intimere Konzerte nochmals den Schwerpunkte Monteverdi und Rameau. Während Christophe Rousset, solo und mit Ensemble, am Freitag und Sonntagnachmittag zweimal französischen Hochbarock im Apollosaal aufführt (Bericht folgt), gilts bei Jordi Savall und Le Concert des Nations im Pierre-Boulez-Saal zwei Stunden lang Krieg und Liebe: Madrigali guerrieri et amorosi aus dem VIII. Madrigalbuch von Claudio Monteverdi.
https://hundert11.net/amormartialisch/

Baden-Baden: „MISSA SOLEMNIS“ – 01.12.2018

Am Vorabend zum 1. Advent präsentierte das Festspielhaus die „Missa Solemnis“ von Ludwig van Beethoven. Ein riesiger wunderschön-strahlender Weihnachtsbaum schmückte die linke Bühnenseite und bildete den festlichen Rahmen zur glanzvollen Aufführung.

Beethoven war Feuer und Flamme für seine Missa, ließ sich jedoch zum Komponieren Zeit. Das feierliche Hochamt, für das die Messe ursprünglich geplant war, wurde erst nach drei Jahren vollendet und gilt seit seinem Bestehen als regelrechter Monolith der gesamten Chorliteratur…

Zum Bericht von Gerhard Hoffmann

München/ Volkstheater: Männer, die Frauen hassen
Glaube Liebe Hoffnung, Volkstheater München
Bei Horváth ist die Liebe nur ein aufgeblasenes Kondom. Christian Stückl inszeniert am Münchner Volkstheater Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“ und schickt seine Protagonistin durch eine Geisterbahn des Patriarchats und des gesellschaftlichen Grauens.
Sueddeutsche Zeitung

Berlin: Deutsches Theater: PERSONA von Ingmar Bergman, B-Premiere, 01.12.2018


Corinna Harfouch und Karin Lithman, Foto: Arno Declair

Eine Frau im Krankenhaus. Im weißen Nachtgewand liegt sie lang auf dem Boden, den Hinterkopf dem Publikum zugewandt. Ihr schönes Gesicht ist nur gegenüber zu erblicken, im Video von Sebastian Pircher. Es zeigt die Züge der gefeierten Schauspielerin Elisabeth Vogler, dargestellt von der Schwedin Karin Lithman.

Ihre Augen wandern hin und her, doch sie spricht seit ihrer letzten Vorstellung von „Elektra“ kein Wort mehr. Schon während des Stückes hatte sie eine plötzliche Pause eingelegt, dann aber weiter gesprochen. Sogar die Zeitungen berichteten darüber.

Nun schweigt sie schon eine ganze Weile, sei aber, wie die behandelnde Ärztin (Franziska Machens) betont, geistig und körperlich völlig gesund. Die vermutet wohl eine Depression. Als Therapie soll ihre Pflegerin Schwester Anna,  gespielt von Corinna Harfouch, mit der Verstummten einen Sommerurlaub am Meer verbringen. Die zögert…

Zum Premierenbericht von Ursula Wiegand

WIEN/ KUNSTHISTORISCHES MUSEUM: HEUTIGER TALK MIT BRIDGET RILEY ABGESAGT!

Leider musste die Künstlerin Bridget Riley ihre Reise nach Wien absagen. Der Talk am Montag, 3. Dezember 2018, kann daher nicht stattfinden.

Wir danken sehr herzlich für Ihr Verständnis.

Thessaloniki/ Megaron: Dort steht ein wertvoller „Bosendorfer-Flügel


Ein prächtiger Konzertflügel der österr. Firma Bösendorfer. Die Tasten sind aus schwarzem Ebenholz und weißem Elfenbein gefertigt. Foto: Thalia Hatzis

Gebaut wurde der Flügel 1889, er ist eine Donation von Margarita Gheorghiu Gel Veri.

Mehr darüber in unseren heutigen „Infos des Tages“

Deutschland: Bettina Wulff muss nach Alkofahrt Führerschein abgeben
Der Spiegel
Die Frau des deutschen Ex-Bundespräsidenten ist ihren Führerschein los
https://www.krone.at/1812521

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.

 

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