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3. APRIL 2022 – Sonntag

03.04.2022 | Tageskommentar

 

Wiener Staatsoper: Programmpräsentation für die nächste Spielzeit auf 30.4. 11,30 h vorverlegt

Nicht, wie angekündigt am 1.5., sondern bereits am 30.4. stellt die Staatsoper das Programm für die nächste Spielzeit vor!

WIEN/ Museumsquartier: Requiem für die Erde – oder doch: Mozart auf der Gartenmesse? 1.4.2022

© Pascal Victor_Art Com Press_Festival d’Aix-en-Provence

Mit seinem oft spiegelglatten bis sterilen, dabei prophetisch hintergründelnden Theater verzückt Romeo Castellucci die einen und befremdet die anderen; tiefe Aura und Ödnis liegen bei ihm eng aneinander. Der Verfasser hat noch eine ihm bekannte Person im Ohr, die sich nach „Democracy in America“ (2017 bei den Wiener Festwochen im Volkstheater) vor Ergriffenheit fast abwandte, denn: „Das ist so ein großer Künstler.“ Selbst ihr und anderen Jüngern, deren Gefolgschaft bestens zum prätentiösen Namen von Castelluccis Truppe („Socìetas Raffaello Sanzio“) passt, dürfte jedoch auffallen, dass seine Bühnenversion von Mozarts „Requiem“, bereits 2019 beim Festival d’Aix-en-Provence und nun hier als Prolog zu den Festwochen in der Halle E des Museumsquartiers, kein großer Wurf ist.

In abstraktem Nebeneinander zwischen Szenerie und Bühnenwand packt Castellucci diesmal fast plump das große Ganze an, indem er per Projektion in Stichworten eine Geschichte der Auslöschung auf unserem Planeten zuspielt: ein Aufmarsch zahlloser Namen von Tierarten, Vorläufern des Menschen, Völkern, Sprachen, Religionen und Gebäuden, die es nicht mehr gibt. Zuletzt, das die einzig spannende Volte, öffnet er ins „Verheißungsvoll-Ungeheure“, indem unter der Überschrift „Das Sterben heute“ einerseits den Fakten des bereits Unwiderruflichen der Prozesscharakter des Ausblicks gegenübersteht, um die Möglichkeit der Veränderung doch noch als Flamme weiterzureichen (,Ihr könnt etwas dagegen tun‘), andererseits aber auch, ob gewollt oder nicht, die Inflation des Begriffs „Sterben“ aufgezeigt wird, was sogar für manches Schmunzeln im Publikum sorgt („Das Sterben des Museumsquartiers“)…

Zum Bericht von Gregor Schima

Mozarts Requiem bei den Festwochen als Fest der Vergänglichkeit
Romeo Castellucci formt im Museumsquartier das letzte Werk Mozarts für die Wiener Festwochen zum Stück über Leben und Sterben
DerStandard.at

Der Tod als ständiger Begleiter
Hinterlegt mit der genialen Musik Mozarts und einigen gregorianischen Gesängen tauchte der Regisseur das jedes Lebewesen begleitende Thema in extrem starke Bilder.
Von Herbert Hiess
Klassik-begeistert.de

Mozarts Totenmesse, diesmal mit Volkstanz (Bezahlartikel)
Hüpfen zum „Dies irae“, Gesichtsbemalung zum „Tuba mirum“, Autopanne zum „Sanctus“: Bei den Wiener Festwochen scheitert Romeo Castellucci daran, Mozarts Requiem zu säkularisieren. Mit großen Bildern, natürlich.
DiePresse.com

Bildgewaltig und radikalästhetisch: Kaup-Hasler ehrt italienischen Starregisseur Romeo Castellucci
OTS-Presseaussendung

Wiener Staatsoper:  „CARMEN“ am  1.4.

Anna Goryachova (Carmen), Vittorio Grigolo (Don José). Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Bieitos Inszenierung ist schonungslos brutal. Ohne jegliche Zugeständnisse an folkloristische „Lustig ist das Zigeunerleben, faria, fariaho“-Romantik geht es hier ums bloße Überleben in einer grausamen, von Gewalt und Aggressivität dominierten Welt. Im Mittelpunkt steht nicht das Bürgertum, sondern die soziale Unterschicht. Schon die ersten Szenen – der Aufmarsch der Soldaten, die Micaela bedrohlich einkreisen und bedrängen, sowie die heftig streitenden Arbeiterinnen der Tabakfabrik – lassen keine Zweifel darüber aufkommen, dass in dieser Gesellschaft Konflikte, Rivalitäten und physischen Tätlichkeiten bis hin zu Mord und Totschlag auf der Tagesordnung stehen. Dieses Gewaltpotenzial, das immer wieder durchbricht und manifest wird, zieht sich wie ein Leitfaden durch alle vier Akte. Dazu kommt – als Strategie des Überlebens – das Ausweichen in die Illegalität, in Schmuggel und Prostitution. Das minderjährige Mädchen, das immer wieder auftaucht und mit dem einer der Soldaten tanzen wird, zeigt offen auf, welchen Weg es – vermutlich viel zu bald und viel zu früh – einschlagen wird…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

WIEN/ Staatsoper: WOZZECK. Der Abend war belanglos; — und dennoch von Belang.
Wien/ Staatsoper: WOZZECK am 31.3.2022

Der Abend war belanglos; — und dennoch von Belang. Nicht nur der Darstellung des Irrweges, den diese Kunstform, » unsere « Kunstform, die Oper, nimmt. Wozzeck zu spielen, ohne betroffen zu machen: eine seltene Kunst.

Vorrede: Berg selbst fand manch erklärendes Wort zur musikalischen Struktur und dem Inhalt seines Wozzeck. Und gab dennoch den Rat, der Besucher möge alle Gesagte vergessen, wenn er das Werk höre. Sich einlassen.

Bergs erste Oper ist herausfordernd. Nicht einfach zu studieren, nicht einfach zu spielen, nicht einfach zu singen. Besonders letzteres, denn Berg schrieb für wenige Szenen die Verwendung der Sprechstimme vor. Für andere verlangte er einen » Sprechton «, eine rhythmische Deklamation, bei der der Sänger — anders als beim Rezitativ — die vorgeschriebene Tonhöhe und -länge möglichst genau einhalten solle. Beim » Sprechton « verläßt die Stimme die vorgeschriebene Tonhöhe immer wieder, steigt oder fällt durch die Modulation des Wortes, während beim gesungenen Ton die Tonhöhe einzuhalten ist. Der Übergang zum Rezitativ bzw. zum vollen Gesang erfolgt fließend…


Anja Kampe und Kind der Opernschule.
Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

http://dermerker.com/index.cfm?objectid=28EB15CC-CC7D-1CBB-2C57C15BD6F37B4D
Thomas Prochazka/www.dermerker.com

BASEL/ STADTCASINO: SEELENTROST – EIN DEUTSCHES REQUIEM von Johannes Brahms
Sinfoniekonzert
Mittwoch, 06. April 2022 um 19:30 im Stadtcasino Basel
18.30 Uhr: Konzerteinführung mit Benjamin Herzog

LIVIU HOLENDER
Das Singen mit der „Muttermilch“ mitbekommen

(c) Barbara Aumüller

Er trägt einen großen Namen wie mancher Sohn eines berühmten Vaters, er erfüllt sogar den Traum von Vater Ioan Holender, als Bariton auf den Opernbühnen und in den Konzertsälen Karriere zu machen, aber Liviu Holender sucht doch konsequent seinen eigenen Weg.

Renate Wagner hat für den Online Merker die Fragen gestellt.

Herr Holender, räumen wir die Frage, die kommen muss und die jeder erwartet, gleich weg. Ihr Vater ist zwar kein Sänger, aber er war lange Jahre Direktor der Wiener Staatsoper, und auch heute, 12 Jahre danach, kennt noch jeder in der Branche seinen Namen. Ist das eine Last oder ein Gewinn?

Mein Vater war sechs Jahre lange hauptberuflich als Opernsänger tätig, auch im Stadttheater Klagenfurt engagiert, und ist in seinem Herzen (so empfinde ich es) immer ein Sänger geblieben. Besonders durch sein ungemein großes Wissen und heute wahrscheinlich einzigartigen Erfahrungsreichtum mit und über Sänger habe ich enorm viel gelernt und profitiert. Er ist ein sehr ehrlicher Beobachter und auch strenger Kritiker meiner Entwicklung. Sowohl von meinem Vater als ehemaligem Sänger und meiner Mutter, früher Dramaturgin an der Oper Luzern, aber auch durch meinen früh erhaltenen Musikunterricht, habe ich dieses Wissen über Interpretation und die Opernpraxis quasi als „Muttermilch“ mitbekommen. Dies war und ist ein immens wertvoller Gewinn für mich, und bin sehr dankbar für dieses Privileg…

Das Interview mit Liviu Holender

TTT Vinylschätze 19  –  Tempi passati  –  Wagner – Parsifal – Vorspiele,  Karfreitagszauber, 1882 „Symphonic Synthesis“ (Stokowski Arrangements) Philadelphia Orchestra – Stokowski 1936

 

1. Akt  https://www.youtube.com/watch?v=dPDxZgS5Te0     Vorspiel14.51 Min.                                                  

3. Akt https://www.youtube.com/watch?v=6Dd9XlEU0hI      Vorspiel 14.17 Min.                                                  
3. Akt https://www.youtube.com/watch?v=3wLm9CcguXQ   Karfreitagszauber 11.54 Min.

Leopold Anthony Stokowski (* 1882/ † 1977 England) englisch-amerikanischer Dirigent und Arrangeur

Stokowski und Wagner

… Wagner blieb Stokowski sein Leben lang nahe, und noch in seinen Neunzigern dirigierte er die Musik des deutschen Meisters. …  konnten er und das Philadelphia Orchestra Wagner auf einer Reihe von 78er Schallplatten einem viel größeren Publikum nahe bringen. Diese Aufnahmen bestanden aus längeren Orchesterauszügen aus den Opern, die zu reichen Tongedichten mit der übergreifenden Bezeichnung „Symphonische Synthesen“ verwoben worden waren. (s. www.stokowskisociety.net  )

Stokowskis Klang

… Stokowskis Klangideal war so unmissverständlich und besonders, …  Es wurde als der „ Philadelphia sound“ bekannt.  … was Stokowski unternahm, um sein Klangideal zu verwirklichen, muss unbewusst gewesen sein: eine Widerspiegelung seiner Gesten und seines Herangehens. … ganz bewusste Versuche, ein spezifisches Spiel seiner Orchester zu erreichen, um einen Gesamtklang zu formen. … Orchester wie jene in Philadelphia, in Houston, die American Symphony, verstanden das Prinzip …  half den Streichern zu verstehen, … Bogen verlieren natürlicherweise an Kraft, wenn sie herunterfahren,  gewinnen an Kraft, wenn sie hinauffahren. Wenn man nun Bogen in beide Richtungen kombiniert, ergibt sich im Prinzip ein gleichmäßigerer Klang. … Erzeugung eines üppigen, kraftvollen und unverkennbaren Streichertons. Das Ausbalancieren der Holzbläser war ein anderes Markenzeichen …  Rimsky-Korsakow … haben Flöte oder Oboe es schwer, sich gegen sechzig Streicher zu behaupten. Stokowski experimentierte mit einer veränderten Sitzordnung der Holzbläser, um ihre Lautstärke zu erhöhen und sie besser sichtbar zu machen. Er hatte das Gefühl, dass die Bläser hinter dem großen Streicherkörper dem Publikum verborgen bleiben und dass ihr Klang die Streicherbarriere zu überwinden hat. Eine Zeitlang platzierte Stokowski die Holzbläser zu seiner Rechten, auf dem Platz der Celli oder Bratschen. Das veränderte ihren Klang drastisch und auch die Gesamtbalance. Manchmal stellte er die Bässe im Hintergrund der Bühne auf eine hohes Podium und die Hörner direkt davor, um eine Art Klangwand für die Hörner und das ganze Orchester zu schaffen. Dies gab den Bässen überdies eine orgelartige Qualität. … Blechbläser immer weicher spielen lassen, als in der Partitur vorgesehen, um Streicher und Blasinstrumente besser auszubalancieren. … Vorgabe, für das Blech kein Podium zu benutzen, trug in hohem Maße zum weichen „ Philadelphia sound“ mit  glanzvollem Streicherton und …  Holzbläsern. Stokowski sorgte für Klangschönheit,  Manches davon ist erklärbar, doch vieles kann man nur Magie nennen.

https://www.naxos.com/mainsite/blurbs_reviews.asp?item_code=8.570293&catNum=570293&filetype=About%20this%20Recording&language=German

Benjamin Britten: The Rape of Lucretia • Luzerner Theater • Vorstellung: 02.04.2022. Ein bewegender Abend

Mit Benjamin Brittens erster Kammeroper «The Rape of Lucretia» ist Sarah Derendinger am Luzerner Theater eine überzeugende Regie gelungen. Die Solisten überzeugen mit einer stimmigen Ensembleleistung.

Foto © Sarah Derendinger

Entscheidend für Sarah Derendingers Inszenierung (Regie und Video) ist, so das Programmheft, die politische Instrumentalisierung von Lucretias Vergewaltigung…

Zum Bericht von Jan Krobot

Solothurn/ Biel: Antonio Vivaldi / Vanni Moretto: Les Liaisons dangereuses •  Stadttheater Solothurn • Premiere: 31.03.2022

Schweizer Erstaufführung / Erfrischendes Musiktheater

 

Als letzte Musiktheater-Premiere der Saison, die traditionell in Solothurn stattfindet, hat sich Theater Orchester Biel Solothurn eine singuläre Produktion ausgewählt: Die Bearbeitung des Briefromans «Les Liaisons dangereuses» («Gefährliche Liebschaften») für die Musiktheaterbühne. Autor des 1782 erschienenen Briefromans, der als Hauptwerk der französischen Literatur und Sittengemälde des ausgehenden Ancien Régime gilt, ist der französische Offizier und Schriftsteller Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos…

Zum Bericht von Jan Krobot

WIEN / Akademietheater des Burgtheaters: REICH DES TODES von Rainald Goetz
Österreichische Erstaufführung
Premiere: 2. April 2022 

Foto: Burgtheater/ Marcella Ruiz-Cruz

Im Grunde ist es nicht direkt ein Stück über 9/11, Der Anfang erweckt den Eindruck (nachdem ein langer „Prolog“ mehr oder minder geturnt und getanzt wurde, zu Hintergrundlichtspielen des vom Regisseur beigestellten Bühnenbilds. Warum? Wer weiß?), Da tritt Martin Schwab vor, der davon erzählt, wie ein Mann an jenem 11. September 2001 am Fenster eines der Zwillingstürme von New York stand, um fassungslos zu beobachten, wie ein Flugzeug direkt auf ihn  zuflog. Sekunden später war er tot, ebenso wie der noch einmal Allah preisende Pilot und alle Insassen dieses Fliegers. Aber darum geht es nicht.

Autor Rainald Goetz, von dem das Burgtheater im Jahr 2000 sein Theaterstück „Jeff Koons“ zeigte, hat „endlich“ – wie die deutsche Theaterszene erleichtert feststellte – wieder ein Stück geschrieben, falls man „Reich des Todes“ als solches bezeichnen kann. Tatsächlich ist es eine schier endlose, im Endeffekt dreieinhalbstündige Szenenfolge (bei der Hamburger Uraufführung hat man angeblich gut vier Stunden gebraucht), die nicht unbedingt dramaturgischen Gesetzen folgt. Was die Arbeit für die Regie einerseits schwer macht, denn man will ja doch etwas vermitteln, andererseits leicht, weil die große Freiheit bei der Interpretation herrscht…

..Nehmt alles nur in allem waren es dreieinhalb Stunden, die nur Sadisten oder Masochisten goutieren werden, für normale Menschen ist es eine ziemliche – Folter. Der Autor war selbst erschienen, um sich den doch sehr überzeugend klingenden Applaus für seine Horrorschilderung abzuholen. Immerhin – das Theater als moralische Anstalt. Und Motal ist ja nun einmal anstrengend.

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Halle
Langjähriger Ballettdirektor und Chefchoreograf der Oper Halle, Ralf Rossa, nach langer und schwerer Krankheit verstorben
Dubisthalle.de

Die Presse.com

Prinz Andrew: Jetzt Skandal um veruntreutes Geld
Der britische Prinz Andrew (62) hat mutmaßlich veruntreutes Geld, das er auf Vermittlung eines umstrittenen Geschäftsmanns erhielt, wieder an dessen rechtmäßige Eigentümerin zurückgezahlt. Wie die Deutsche Presse-Agentur dpa am Samstag erfuhr, überwies der zweitälteste Sohn von Queen Elizabeth II. (95) umgerechnet rund 920.000 Euro zurück an eine türkische Millionärin.
https://www.krone.at/2671597

Wenn Menschen nichts zu tun haben, kommen sie nur auf dumme Gedanken. Von wem kommen die 920 000 Euro? Von der Quenn? Wer bezahlt die Quenn?

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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