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29. SEPTEMBER 2018

29.09.2018 | Tageskommentar

Heute in der Wiener Staatsoper: „Don Pasquale“ mit Ambrogio Maestri und Andrea Carroll. Copyright: Michael Pöhn/ Wiener Staatsoper

Am Samstag, 29. September 2018 wird Donizettis Don Pasquale an der Wiener Staatsoper wiederaufgenommen: René Barbera gibt als Ernesto sein Debüt im Haus am Ring, Ambrogio Maestri ist in der Titelpartie zu erleben, Andrea Carroll als Norina und Gabriel Bermúdez als Malatesta. Es dirigiert: Evelino Pidò.

Reprisen: 2. und 6. Oktober. Die Aufführung am 29. September wird im Rahmen von „Oper live am Platz“ live auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen, die Vorstellung am 6. Oktober 2018 wird mit WIENER STAATSOPER live at home weltweit live in HD gestreamt: www.staatsoperlive.com.

Wiener Staatsoper: WERTHER am 28.9.2018

Nicht viele Werke der französischen Romantik sind echte „Dauerbrenner“, zwei davon gehen auf Stoffe des Geheimrats aus Weimar zurück, eines davon erfuhr die unterdessen 61. Aufführung in der nicht unsympathischen Produktion von Andrei Serban, der das Drama um die von der Übermutter in die Ehe mit einem ungeliebten Mann getriebene und schließlich von einem überspannten Naturromantiker durch hoch manipulative Annäherungsversuche um den Seelenfrieden gebrachte junge Frau (warum heißt das Stück eigentlich nicht „Charlotte“, wo doch sie es ist, um die sich alles dreht?) in die gesellschaftliche Enge der 50er Jahre verlegt hat…

Sei es, wie es sei. Zwischen Petticoat und Nierentisch trafen diesmal Sophie Koch und der Russe Dmitry Korchak in den beiden Hauptrollen aufeinander. Die französische Künstlerin elegant und feminin wie gewohnt, die ganze Palette der mit ihren Gefühlen ringenden jungen Frau mit ihrem großen, eher hellen Mezzo zum Klingen bringend, darstellerisch vielleicht ein wenig verhaltener, als man sie mit anderen Partnern in dieser Konstellation schon erlebt hat. Sie ist nach wie vor eine erste Besetzung für diese Partie, wenngleich man den ganz exponierten Tönen anmerkt, dass sie unterdessen die solide technische Erfahrung der Künstlerin fordern, um zu „funktionieren“. Was man von ihrem jungen Partner halten soll, ist nicht ganz einfach zu sagen. Er verfügt über großes Material, das er vor allem in den dramatischen Verzweiflungsausbrüchen (nachdrücklich etwa das Ende des 2. Bildes) beeindruckend und klangvoll einzusetzen versteht. Die lyrischeren Passagen wollen nicht so sicher gelingen, da wird die Stimme aber einer gewissen Höhe kehlig, verliert an Substanz und vermag auch die Notenwerte nicht immer genau zu treffen. Teilweise scheint das an einer eigenwilligen Vokalisation des Französischen zu liegen, mit der sich der Sänger – leider besonders deutlich an beiden Strophenenden des Ossian Gedichts – den Gesangsfluss selbst einengt und sich zum Pressen nötigt…

Zum Bericht von Valentino Hribernig-Körber

FRANKFURT ERNEUT „OPERNHAUS DES JAHRES“

Außenansicht Oper Frankfurt: Copyright: Barbara Aumüller

Im Rahmen der alljährlichen Umfrage des Fachmagazins Opernwelt wurde zur Saison 2017/18 die Oper Frankfurt nach 1996, 2003 und 2015 zum vierten Mal sowie zum dritten Mal innerhalb der Intendanz von Bernd Loebe zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt. Zehn von insgesamt 50 internationalen und unabhängigen Autoren der Publikation gaben diesmal ihre Stimme für das Haus am Willy-Brandt-Platz ab.

Frankfurt zum vierten Mal „Opernhaus des Jahres“
Neue Zürcher Zeitung
Kritikerumfrage: Frankfurt ist „Opernhaus des Jahres“
Tagesspiegel

In unsere Redaktion trudeln nun die Jubelmeldungen vieler Pressebüros bzw. Agenturen ein, die „Opernwelt“ vergibt ihren Preis ja in vielen Kategorien. Was ich von solchen Preisen und speziell von diesem halte, habe ich hinlänglich kundgetan. Mich interessieren in erster Linie die Auslastungszahlen –  Theater wird nicht für das Feuilleton gemacht. Da entnehme ich den Kritiken schon einiges, das mich nachdenklich stimmt!

Linz: Kaufmann-Konzert – Genialer Gesang nebst Störgeräuschen
Es ist eigenartig, wie sich ein Publikum selbst die Stimmung eines genial erdachten Liederabends zerstören kann. Stellenweise konnte man am Mittwoch im Brucknerhaus die Texte, die Weltstar Jonas Kaufmann mit zauberhaftem Gesang zu transportieren versuchte, vor lauter Husten nicht verstehen. Was ist nun schöner? Die Musik, oder das künstliche Hüsteln zwischen den Liedern, das lautstarke Schnäuzen, das schier endlose Zuckerlpapierauswickeln bis hin zum ungustiösen, rachenbefreienden Räuspern. Wer glaubt, dass Künstler das auf der Bühne nicht mitbekommen, irrt.
Weltstar Jonas Kaufmann brillierte mit seinem Liederabend im Brucknerhaus.
Oberösterreichische Nachrichten

 

Dieses „Huster-Bashing“ nimmt in letzter Zeit vermehrt zu. Kein Mensch hustet in einem Konzert, wenn er nicht muss. Da gibt es nur eine Lösung: Nicht zum Konzert gehen! Oder eben nicht Karten im Vorverkauf ordern, sondern erst, wenn man sich seiner Gesundheit sicher ist – an der Abendkassa. Ich bin weder ein Huster noch ein Schnäuzer, schon gar kein „Zuckerlpapierauswickler“, aber auch nicht so blöd, mir eine Karte zu kaufen um dann als Störenfried gemobbt zu werden, wenn mich ein leichter Hustreiz überkommt.

Bei Liedprogrammen wird definitiv mehr gehustet als bei Opernaufführungen. Das kann kein Arzt, sondern wohl ein Psychologe erklären.

Fritz Krammer erinnert sich: Als Pereira noch in Zürich regierte, hatte er einen „Deal“ mit einer Hustenzuckerlfirma – Ricola – und die Lage wurde bedeutend besser. Ich selbst gehe nie ohne einen zuckerfreien Kaugummi außer Haus mich plagt kein Hustenzeiz. Kann das nur empfehlen – gegen Langeweile schützt er halt nicht!

Man kann Husten unterdrücken!

Auch Dr. Klaus Billand hat einen Tipp parat:

Ich habe eine Lösung, die weitgehend Geräuschfreiheit bewirkt. Der oder die Huster/in braucht nur ein vierfach gefaltetes Taschentuch (man ha ja eh immer ein solches dabei), es ist dann ein kleines Quadrat, zu nehmen und im Fall der Fälle fest angepresst hinein zu husten. Es ist immer noch etwas zu hören, aber sehr wenig im Vergleich zur ungeschützten Geräuschentwicklung. Eigentlich sollten die Veranstalter diesen Rat in den Programmheften vermerken. Ich habe jedenfalls einmal schon gelesen, dass man weitestgehend von störendem Husten Abstand nehmen solle. Immerhin.

Der Text von Mozart/Schikaneders  “ Die Zauberflöte : Was muss geändert werden, was darf

Emmanuel Schikaneder

Eigentlich ist auch das ein Künstlername, denn der Texter der Zauberflöte hat Schikeneder geheissen.

Die Castellucci -Deutung konnte von uns vorgestern via Stream gesehen werden, dabei fiel mir die Textstelle „Ein Weib tut wenig, plaudert viel“ auf. Seltsamerweise wird diese Passage nicht geändert, obwohl sie zutiefst frauenfeindlich (und ein Blödsinn wie jener, „dass ein Schwarzer hässlich ist“) ist. Der gute Schikaneder hat damals noch nicht die Leichtathletik-TV-Übertragungen mit den schwarzen Athletinnen und Athleten sehen können.

Eine kritische Auseinandersetzung um die Deutung der „Zauberflöte“

Ein Beispiel (1. Akt, Szene 3):

„Ein Weib tut wenig, plaudert viel“, sagt der alte Priester in 1,15

GOOGLE BOOKS

Einzelne Textpassagen zu ändern halte ich für unangebracht. Entweder man nimmt das Werk, wie es eben ist – oder man nimmt es eben überhaupt nicht (mehr). Aber das Rumgemurkse an Texten dürfte es nicht geben, das ist schlichtweg Manipulation!

Wien/ Konzerthaus/ Mozart-Saal: LA CLEMENZA DI TITO – semikonzertant

 

Am Rande der Salzburger Festspiele unterrichten Mitglieder der Wiener Philharmoniker junge Studierende österreichischer Universitäten, um sie in einem dreiwöchigen Intensivkurs zu perfektionieren und ihnen den spezifischen philharmonischen Klang nahezubringen. Als spezielles Projekt dieser „Angelika-Prokopp-Sommerakademie der Wiener Philharmoniker“ wird gemeinsam mit jungen Sängern seit ein paar Jahren eine Oper von Wolfgang Amadeus Mozart erarbeitet. In diesem Jahr war das „La Clemenza di Tito“ und vom durchaus erfreulichen Ergebnis dieses Projektes konnten sich Musikfreunde gestern, 27.September, im Wiener Konzerthaus überzeugen…

Zum Bericht von Michael Koling

Konzerthaus: Die Jugend beweist, wie wenig Regie Oper braucht
Studenten der MUK-Uni und Musiker der Prokopp-Stiftung brillierten mit Mozarts „Clemenza di Tito“.
Die Presse

Da hätten wir schon den nächsten Fall für „tiefgreifende Änderungen“. Mit seiner Milde wäre „Tito“ nicht einmal Vorsitzender des Kegelklubs „Alle Neune“ geworden!

Wiener Ronacher, 27.9.2018: „BODYGUARD – DAS MUSICAL“ – mit britischer Lizenz eingekauft

 

Das Musical-Business in Europa hat es zur Zeit schwer, schwer, schwer: Es fehlt an neuen guten Stücken, es fehlt an aktuellen Hits (anders gesagt: an qualitätsvoller neuer Unterhaltungsmusik). Der breite Publikumsgeschmack ist so in Richtung Helene Fischer gedriftet. Und um eine größere Publikumsschicht anzusprechen setzen sich die Geschäftsleute der Branche hin, um an Storys herum zu basteln, mit denen sie eventuell ihren Markt bedienen können.

Die Vereinigten Bühnen der Stadt Wien haben nun am Londoner West End eingekauft, um das Ronacher für diese Saison mit Besuchern zu füllen…

…„Bodyguard“ ist eine artifizielle, von den Londoner Musical-Profis (deren Namen: hier wohl unerheblich) optisch perfekt gemachte Show. Lautstark dröhnend, in keinster Weise tiefsinnig, durchsetzt mit wirbeligen Tanznummern, in denen die überwiegend aus England engagierten Tänzer von der Choreographin Karen Bruce gleichsam in ein Perpetuum mobile hineingeworfen scheinen und in famoser ungemein dynamischer Mode-Manier herumhüpfen und posieren. Somit: Das Publikum darf nach dem schließlich doch fulminanten Schlagerfolge-Finish (am Premierenabend jedenfalls) jubeln. Und wer nach anspruchsvollerer Kultur Ausschau hält ….

Zum Bericht von Meinhard Rüdenauer

Wien: Krawuzikapuzi! André Heller wird Kasperltheaterdirektor
Zuletzt hatten sich sogar Politiker dafür eingesetzt, dass ein traditionelles Wiener Puppentheater fortbestehen konnte. Als dessen Retter griff nun der Zeremonienmeister der Phantasie höchstpersönlich in die Privatschatulle. André Heller erfüllt sich damit vielleicht einen Lebenstraum.
Neue Zürcher Zeitung

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Der grimmige Vorname „Mordechai“ passt nicht so recht zu ihm. Da trifft es „Motti“ für den schmalen jungen Mann mit dem netten Lächeln und den freundlichen Augen schon eher. Allerdings befindet sich Motti unter permanentem Streß, denn als junger jüdischer Mann in Zürich steht er nicht nur fest unter der Fuchtel seiner „Mame“, es wird von ihm auch erwartet, das übliche Schicksal eines Juden in einer orthodoxen Gemeinde zu erfüllen. Das heißt: Man spricht Jiddisch untereinander, man verkehrt miteinander, man macht Geschäfte vordringlich mit andern Juden, und selbstverständlich heiratet man untereinander. Alles andere wäre eine Katastrophe…

Und genau die begibt sich – zuerst in dem Roman „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ von Thomas Meyer (ein Debutroman, der auf eine Auflage von über 100.000 Stück kam!), und nun in der absolut hinreißenden Verfilmung von Michael Steiner. Denn, wie der Titel sagt, Motti begehrt auf – wenn auch angesichts der Mame nur schüchtern, aber immerhin sind seine Triebe stark genug, um der netten blonden Schweizer Schickse nachzulaufen und sogar zu erwägen, ihretwegen das ganze jüdische Leben wegzuwerfen…

Deutschland-Fußball: Bayern kassieren erste Pleite der Saison
0:2 in Berlin
https://sport.orf.at/stories/3016663/

Die Bayern sind das Maß der Dinge in der deutschen Bundesliga. Mit Ausnahme der Bayern-Fans jubeln alle Fußballfreunde, wenn Bayern-München „eine auf den Zylinder bekommt“

Wer wird am Ende wieder Meister sein? Vermutlich die Bayern!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

A.C.

 

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