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29. OKTOBER 2019 – Dienstag

29.10.2019 | Tageskommentar

Wien ist und bleibt „Domingo-Stadt“. Jubel bis in die Morgenstunden nach der gestrigen Macbeth-Vorstellung

Auf Wien kann sich Placido Domingo verlassen. Der Jubel nach Macbeth war riesig, das „Sole“ wird wohl die Sperrstunde hinausgezogen haben.

Johannes Marksteiner ist Domingo-Fan – das merkten wir auch bereits vor diesem „besonderen Wien-Auftritt mit Loyalitätscharakter“: …Der unbestrittene Star des Abends war Placido Domingo in seiner derzeit wohl besten Rolle, dem Macbeth. Vom ersten Ton an fesselte der Ausnahmekünstler das Publikum mit seiner – es gibt leider keine originellere Bezeichnung – immer noch unvergleichlichen Stimme. Da war Kraft, glaubwürdiges Spiel, höchste Musikalität, seine große Routine bei heiklen Passagen musste er nicht unter Beweis stellen, es gab einfach keine Schwächen. Der Höhepunkt war natürlich seine große Arie „Pieta, rispetto, amore“ im letzten Akt. So schön hat man das schon lange nicht gehört …

Zum Bericht von Johannes Marksteiner

Dr. Klaus Billand übertitelt seinen Bericht überhaupt mit „Placido Domingo nach Macbeth„:

Ein harter Kern wollte Domingo offenbar nicht von der Bühne gehen lassen und ging in rhythmische Rufe aus dem Parkett „Bravo Placido“ über, mit Schlägen auf die Sessellehnen, bis der Eiserne herunterkam, was ihren Bemühungen, ihn noch einmal hervorzuholen, keinen Abbruch tat. Er kam aber nicht mehr.

„Warten auf Domingo“ – von Klaus Billand

Am Bühnentürl ging es dann weiter mit etwa 80 Hartnäckigen, die in der Kälte lange ausharren mussten, um ihn drinnen in der warmen Schreibstube zu sehen und das Autogramm zu erhalten. Seine Frau Marta saß daneben. Es gab Block-Abfertigung, bei der immer etwa 5-6 Personen eingelassen wurden und ein Opernangestellter die Tür darauf sofort wieder abschloss. So etwas habe ich hier noch nie erlebt. Es war ein ganz Besonderes… (Anm.d. Red.: Auch bei Kaufmann wurde das so gehandhabt)

Zum Bericht von Klaus Billand

Noch einmal, ich gehöre nicht zu den Domingo-Fans, persönlich ist mir der Herr ziemlich wurscht. Aber was jetzt vor allem in den USA, dem Land, in dem die Moral überhaupt erst erfunden wurde, stattfindet, ist lächerlich. Man hat den Bogen eindeutig überspannt (wie ihn wohl auch Domingo in seiner Rolle als „unwiderstehlicher Frauenheld“ überspannt hat. Es wurde ihm aber wohl allzu leicht gemacht – und niemand wirft ihm Gewaltanwendung vor). So gesehen begrüße ich die „europäische Entscheidung“, Domingo nicht zu boykottieren. Angeblich sollen in Europa viele Termine anstehen, die wohl auch – Gesundheit Domingos vorausgesetzt – stattfinden werden. Langsam sollte er nun aber eine würdevolle „Auslaufrunde“ planen – und keine neuen Termine fixieren!

Heute Umbesetzung in der Wiener Staatsoper:

Caroline Wenborne übernimmt kurzfristig am 29. Oktober 2019 für die erkrankte Marina Rebeka die Partie der Amelia in Verdis Simon Boccanegra.

Stuttgart: DON CARLOS – Weiß ist die Farbe der Diktatur

Olga Busuioc, Massimo Giordano. Foto: Matthias Baus

Als in meist diffusen Beleuchtungen (Alex Brok) bleibende Vision einer Zukunft, in der bei weiteren antidemokratischen und egozentrischen Entwicklungen des Individuums  die  autoritären Machtverhältnisse jener dunklen Epoche des historischen Don Carlos wieder kehren könnten, hat Lotte De Beer bei ihrem Stuttgarter Debut die hier nun erstmals in französischer Sprache einstudierte Verdi-Oper in Szene gesetzt. Christoph Hetzers Bühnenraum beschränkt sich auf eine weitgehend leere Spielfläche, die von einer sich immer wieder öffnenden und schließenden Rundwand auf der Drehbühne eingenommen wird und so öffentliche und private Szenen der Handlung ineinander gleiten lässt. Einziges Requisit ausser einer dreistöckigen Galerie für das Volk in der Autodafészene und einem breiten Treppenversatzstück im Kloster ist ausgerechnet ein eheliches Bett, das sowohl im Wald von Fontainebleau als auch im Arbeitszimmer des Königs deplatziert ist. Im ersteren irritierend, wo sich das angehende Prinzenpaar Elisabeth und Carlos in winterlicher Kälte bereits auszuziehen beginnt, ehe die Nachricht von der anbefohlenen Verheiratung mit Philipp II. erfolgt; in zweiterem so unwahrscheinlich, dass der König den Großinquisitor zum Gespräch im Nachthemd empfängt. Dass die übermächtige Inquisition der katholischen Kirche sich auch in Intimbereiche einmischte, muss wohl nicht szenisch erklärt werden…

Zum Bericht von Udo Klebes

Verdis „Don Carlos“ in Stuttgart – Weiß ist die Farbe der Diktatur
https://www.swr.de/swr2/buehne/Oper-Verdis-Don-Carlos-in-Stuttgart-die-Farbe
Nachtkritik „Don Carlos“ in Stuttgart
Stuttgarter Nachrichten
Verdis „Don Carlos“ an der Staatsoper Stuttgart: Knutschen für Gott und Spanien

BR-Klassik

„DON CARLO(S)“ an der Opéra National de Paris – 25 10 2019

Zum ersten Mal in Paris: die verschollene Fassung der Generalprobe der Uraufführung, auf Italienisch und wunderbar dirigiert durch Fabio Luisi.

Aleksandra Kurzak (Elizabetta di Valois) und Anita Rachvelishvili (Principessa Eboli) in einer der wiedergefundenen (aber dann doch nicht gesungenen) interessanten Duo-Szenen. Foto: Vincent Pontet

Diese wohl längste Fassung wurde vor Paris 2019 nie gespielt. Waldemar Kamer berichtet aus Paris: : „Don Carlo(s)“ ist nicht nur die längste Oper von Giuseppe Verdi (länger als „Traviata“ und „Trovatore“ zusammen), sondern auch seine meist ehrgeizige, mit der er Meyerbeer in den Schatten stellen wollte, und an der er 20 Jahre lang immer weiter gearbeitet hat, so dass es zeitlebens mindestens acht Fassungen dieser Oper gab, wovon die kürzeste (Mailand, 1884) heute am meisten gespielt wird (wie z.B. gerade an der Wiener Staatsoper)…

Ein musikalisch wunderbarer Abend, an dem viel Bekanntes in einem breiteren Kontext plötzlich neu klang. Nur schade, dass wir nicht einmal wirklich das ganze Werk ohne Schnitte erleben konnten, mit u. a. dem berühmten Perlen-Ballett (das Cornelius Meister nun zeitgleich im „Don Carlos“ in Stuttgart dirigiert). Und hoffentlich setzt sich die fünf-Akten Fassung nun endlich durch, auf Italienisch. Verdi war enttäuscht von der Uraufführung in Paris, die er als „senza sangue e agghiaciata“ empfand („frostig und ohne Saft und Kraft). Worauf der Theaterdirektor Nestor Roqueplan ihm riet: „Bleiben Sie bei den italienischen Makkaroni und lassen Sie das französische Sauerkraut“ – was er auch nie mehr essen wollte! 

Zum Bericht von Waldemar Kamer

Berlin/ Staatsoper: Katja Kabanowa an der Staatsoper Berlin: mausgrau inszeniert, heißblütig gesungen
Andrea Breths trostlos gräuliche Tragödie in einer Spitzenbesetzung mit Eva-Maria Westbroek als leidenschaftlicher Titelheldin, Simon O’Neill als höhensicherem Liebhaber ohne Rückgrat und Karita Mattila als dämonischer Kabanicha. Am Pult liefert der junge Thomas Guggeis eine flotte Leistung.
https://konzertkritikopernkritikberlin.wordpress.com

Schreiben mit der Partitur vorm Kopf
Anmerkungen zum Typus des fundamentalistischen Musikkritikers

 

Studierende, die mit aufgeschlagener Partitur (heute vermehrt auch mit einer elektronischen Partitur) eine Opernvorstellung verfolgen, tun dies aus guten Studiengründen. Ein Kritiker, der – von Ausnahmefällen abgesehen – einen Opernabend prinzipiell immer mit der Partitur vorm Kopf über sich ergehen lässt und penibel die Einhaltung einer jeden dort angegebenen Tempo- oder Dynamikanweisung überprüft, ist entweder ein Angeber oder – als Kontrollfreak – ein armer Narr. In beiden Fällen weiß er jedenfalls nicht, worum es in einer Oper wirklich geht. Indem der mit einer Partitur und einer Stoppuhr bewaffnete Rezensent  (ohne diese Hilfsmittel wäre er vermutlich orientierungslos) ständig aufpasst wie ein Haftelmacher und alle ihm auffallenden „Verfehlungen“ notiert, ist er so fokussiert auf  Details, dass ihm, dem Buchhalter der Musik, der Blick auf das Ganze, das bekanntlich mehr ist als die Summe seiner Teile, völlig entgeht: Er sieht den Wald vor lauter – in seinen Augen meist ohnehin krummgewachsener – Bäume nicht.

Weiterlesen in unserem Feuilleton/ Manfred A. Schmid

Lucerne Festival startet mit einer Sensation in den Sommer
Michael Haefliger, Intendant des Lucerne Festival, spricht im Interview über Currentzis und das Programm.
Luzerner Zeitung

Düsseldorf/ Helikon Oper: „With Love from Moscow“:
Galakonzert der Moskauer Helikon-Oper in Düsseldorf
http://www.russland.news/with-love-from-moscow-galakonzert

St. Gallen: Gounods Oper „Faust“ in St.Gallen: Sag mir, wo die Blumen sind
https://www.tagblatt.ch/kultur/sag-mir-wo-die-blumen-sind-ld.1163619

Staatstheater Darmstadt – Fidelio: Beethovens Rettung
https://www.concerti.de/oper/opern-kritiken/staatstheater-darmstadt-fidelio-26-10-2019/
„Fidelio“: Die ideologische Allzweckwaffe

Frankfurter Rundschau

New York: Review: Richard Tucker Gala 2019
https://operawire.com/review-richard-tucker-gala-2019/

Glasgow: Natalya Romaniw an exciting Tosca in Scottish Opera’s powerful revival

Natalya Romaniw (Tosca) and Gwyn Hughes Jones (Cavaradossi). Foto: James Glossop

Natalya Romaniw an exciting Tosca in Scottish Opera’s powerful revival
bachtrack

SÜDAFRIKANISCHE SÄNGER, DIE DER ENTDECKUNG IN EUROPA HARREN: LEAH GUNTHER (Sopran)

 

Harald Sitta schreibt aus Südafrika: Leah Gunter hatte einen phantastischen Auftritt im Rand Club in Johannesburg, erstklassig und sehr engagiert, auch als Fiordiligi in ‘Cosi van tutte’ habe ich sie gehoert, sehr ueberzeugend. Erstlassige junge Stimme, sehr engagiertes Spiel, voller Einsatz. Ich empfehle nur sehr zurueckhaltend da ich mich nicht blamieren will aber wenn ich ueberzeugt bin, bin’s ich!

Sie sollte in Europa eine Chance bekommen. Sie wird vom 18.Oktober bis Dezember in Deutschland  und fuer Vorsingen erreichbar sein.

Stimmaufnahmen im internet: auf “youtube”  und www.leahcathleengunter.com

Filme der Woche:

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Und der Zukunft zugewandt“ – war es nur eine Phrase in der DDR, oder hat es Menschen gegeben, die das in aufrichtiger Überzeugung gelebt haben? Ehrliche Idealisten, deren Glaube an den Kommunismus nicht zu erschüttern war? Und die um dieser – erhofft positiven – Zukunft willen alles ertragen haben, was geschah? Die DDR hat Antonia Berger, der Heldin dieser Geschichte, die in der Hauptsache rund um 1952 / 1953 spielt, unendlich viel aufgebürdet.

Auch 30 Jahre Mauerfall haben mit diesem Film zu tun, und das Telefongespräch, das die nun alte Antonia Berger ziemlich zu Beginn aus Berlin mit ihrem ehemaligen Freund in Hamburg führt, ist anders, als man es erwarten könnte. Da ist man schon mitten drin in dem ideologischen Umfeld, das Regisseur und Drehbuchautor Bernd Böhlich hier zu erklären sucht. Denn Antonia zählt zu jenen Menschen, die sich nicht beglückt dem Versprechen eines neuen, freien Lebens in einem vereinten Deutschland zuwenden, sondern die daran verzweifeln, dass die Welt, an die sie unerschütterlich geglaubt haben, nun zusammenbricht. Trotz allem, was sie in dieser DDR zu erleiden hatte.

Böhlichs Film hat in den deutschen Medien durchaus unterschiedliches Echo gefunden – denn offenbar ist Kritik an der DDR noch lange nicht so selbstverständlicher Konsens wie es die Kritik an der Nationalsozialistischen Ära ist. Offenbar sind 30 Jahre geeintes Deutschland noch immer nicht ein ausreichend langer Zeitraum, dass man ohne Schmerzen darüber sprechen könnte, was geschehen ist…

In Köln zu Besuch: Elfjähriger Filmregisseur

Ausstellungseröffnung mit elfjährigem Medienstar aus Italien, Aldo Boschetti. Foto: Andrea Matzker

Köln/ Italienisches Konsulat: In der Künstlergruppe aus dem Piemont befand sich auch ein junger Medienstar, der elfjährige Regieanwärter Aldo Boschetti, in Italien sehr bekannt durch die Werbung von Mentadent, in der er die Hauptrolle spielt. Seitdem kann er sich vor Angeboten kaum retten, wird der Harry Potter Italiens genannt, ist aber hauptsächlich daran interessiert, eigene Filme zu drehen oder Fotos zu machen. Sein unentwegter Begleiter zurzeit ist eine winzig kleine sogenannte Grupo-Kamera mit eindrucksvollem Bildstabilisator. Einziger Wehmutstropfen an diesem kleinen Wunderwerk der Technik ist die Tatsache, dass Michael Schumacher sie bei seinem fatalen Sturz getragen haben soll und ausgerechnet ihre Befestigung ihn so schwer verletzt hat. Aldo produziert inzwischen Filme, die trotz der Bewegungen seiner kindlichen Lebendigkeit einen ruhigen Blick auf die Exponate vermitteln. In Turin ist er besonders gut aufgehoben, da das Filmmuseum der Stadt und seine lange Geschichte weltweite Bedeutung haben. Seine Eltern fördern ihn, soweit er das selbst möchte, drängen ihn aber zu nichts.

Schnitzel-Mitess-Verbot in Wiener Nobel-Restaurant
Kein zweiter Teller
https://www.oe24.at/oesterreich/chronik/wien/Schnitzel-Mitess-Verbot-in-Wiener-Nobel-Restaurant/403669411

Große Aufregung um das Lokal Plachutta in wien. Zum Kalbsschnitzel um 19,80 Euro wurde kein zweiter Teller beigestellt. Mittlerweile hat sich der Chef für diesen Fauxpas entschuldigt.

Da lob ich mir meinen „Karl-Wirt“ in der Pachmüllergasse – bei mir „ums Eck“. Menü (allerdings mit Schweinsschnitzel, dafür aber mehr auf dem Teller als beim Plachutta) um 6,90 Euro (Suppe, Hauptspeise, Nachspeise). Wenn ich dort mit meinen Enkelkindern aufkreuze, werden so viele Teller beigestellt, wie von mir gewünscht.

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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