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29. NOVEMBER 2018

29.11.2018 | Tageskommentar

Wann werden Regisseure endlich begreifen, dass sie nicht große Werke eindampfen, in ein Zimmer stellen können – und das zu einer gültigen Interpretation erklären? Beispiel: „Don Carlos“ an der Wiener Kammeroper. Copyright: Barbara Zeininger

Eine Choroper ohne Chor aufzuführen, kann nur zu einer „Verzwergung“ führen. So geschehen in der Wiener Kammeroper. Renate Wagner war bei der Premiere und berichtet:

Sébastien Dutrieux zeichnet für das Meiste verantwortlich – als Regisseur für das Konzept, als Bühnenbildner für die unsägliche Zimmerdekoration und noch als sein eigener Lichtdesigner für das fast permanente Halbdunkel, das den immer noch fast dreieinviertel Stunden langen Abend noch ermüdender macht. Chor hat er keinen, muss also viel von den werkimmanenten „großen“ Szenen streichen. Er kann die Gräfin von Aremberg nicht nach Frankreich zurück schicken, weil sie nie auf der Bühne war, das Autodafé findet nicht statt, also auch nicht Carlos’ Herausforderung seines Vaters – dafür taucht er dann unvorhergesehen in Philipps Zimmer auf, offenbar mit einem Dolch, verschwindet wieder, Posa kann dem König den Dolch präsentieren, dann ist halbwegs „logisch“ (was ist an dieser Inszenierung logisch?), dass Carlos dann im Gefängnis ist…

Und, wie ebenfalls immer schon festgestellt, der Schlußapplaus war stark. Lässt sich das Publikum alles gefallen – oder kapiert es gar nicht, was da auf der Bühne vorgeht?

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

55 Szenenfotos aus der Premiere finden Sie hier!

Peter Skorepa ist von dieser Produktion in der ehem. Kammeroper, für die er ganze 51,- € auf den Tisch gelegt hat, schockiert: Wenn Renate Wagner nicht schon geschrieben gehabt hätte, wäre ich mit einer unsanften Kritik hineingefahren. Allein schon der alte schäbige Kasten, die grindige Erbschaft der alten Kammeroper, ließ Schlimmes ahnen. Und dass sich das, was sich Regie und Bühne nennt und Kostüm noch ad personam nachher verneigt und Applaus bekommt, war ja wohl unglaublich kurios. Die bunten Bilder der Barbara Zeininger zeigen die dunkle Seite der Schäbigkeit gar nicht! 

In unserem Forum wird angemerkt, dass an dieser Produktion kein einziger „waschechter“ Österreicher beteiligt ist (wohl mit Ausnahme einiger Orchestermusiker). Alles drängt nach Wien, um hier das große Glück zu finden. Für Wiens Ansehen im Ausland ist das sicher gut, uns Österreichern ist ja das Ansehen im Ausland ja besonders wichtig. Ein Psychoanalytiker würde die Ursachen wohl in einem Minderwertigkeitskomplex sehen.

Das wohl traurigste Künstlerlos ist „Österreichischer Opernsänger in Österreich“!

Wiener Staatsoper: Heute Umbesetzung „LA BOHÈME“

Besetzungsänderung in „La Bohème“ an der Wiener Staatsoper: Jongmin Park singt auch am heutigen Donnerstag, 29. November 2018, den Colline in „La Bohème“ anstelle des erkrankten Ryan Speedo Green.

Wiener Staatsoper: „La Cenerentola“: Kein Volltreffer, aber auch kein Eigentor

Längst gehört diese Opera buffa zu den beliebtesten Werken des Schnell- und Vielschreibers Rossini. Dennoch war der Uraufführung von La Cenerentola 1817 in Rom zunächst kein Erfolg beschieden. Zu sehr bemäkelte das Publikum die Leistungen der Sängerinnen und Sänger, die an jenem Abend – zeitgenössischen Quellen zufolge – nicht sonderlich gut disponiert gewesen sein dürften. Auch heute noch zählen die perlenden, überreich verzierten und unablässig variierten Koloraturen zum Herausforderndsten, was der frühromantische Belcanto zu bieten hat. Die prickelnde Beschwingtheit beim Hören der blühenden Kantilenen und funkelnden Parlandi täuscht nur allzu leicht über die gesangstechnischen Finessen hinweg, die überall in dieser Partitur lauern. Kein Wunder also, dass die tollkühnen Koloraturen à la Rossini überhaupt als höchster Gradmesser gesanglicher Reife gelten.

Indisponiertheiten sind an diesem Abend zwar nicht zu vermelden, dennoch ist die musikalische Ausbeute insgesamt nur als durchwachsen zu bezeichnen…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Die Wiener Volksoper beleuchtet die Schicksale ihrer jüdischen Musiker zur Nazizeit

Es war wohl eine der seltsamsten Begegnungen seines Lebens – im Rückblick aber auch eine sehr nützliche Warnung: 1931 nehmen ein paar politisch interessierte Freunde Karl Lustig-Prean mit in eine Konditorei bei der Münchner Oper. Dort trifft man einen gewohnheitsmäßig laut vor sich hindozierenden Typen. Polternd betont er zwar seine Sympathie für musische Menschen. Sogar in der Politik wünschte sich der Mann mit dem schwarzen Besenschnurrbart Zeitgenossen mit sehr musikalischen Empfindungen. Während er solches von sich gibt, schlägt der Hysteriker aber mit der Hand auf den Tisch. Dies habe komischerweise jedoch niemanden aufgeregt, daran seien die Leute längst gewöhnt gewesen. Und: „Viele Frauen lieben ihn als Messias.“ So die Erinnerungen von Lustig-Prean … (Anm. d. Redaktion: n Adolf Hitler)
Die Wiener Volksoper stellt sich dem dunklen Kapitel ihrer Geschichte. Das Buch „Ihre Dienste werden nicht mehr benötigt“ beleuchtet Schicksale
Der Standard

Karl Lustig Prean war Direktor der Wiener Volksoper

Berlin/ Deutsche Oper: Muehle ist nicht gleich Alagna: Andrea Chénier geht an der Deutschen Oper in Rente
Nach 22 Jahren laufen die letzten Vorstellungen von John Dews grellem, aber effektivem Chénier. Die Absage von Roberto Alagna ist bitter. Denn der Chénier des eingesprungenen Martin Muehle kann zwar mit pfundigem Tenortimbre aufwarten, beweist als Stilist aber eklatante Schwächen. María José Siri klang auch schon unangestrengter. Zu überzeugen vermag der junge Roman Burdenko als Gérard mit typisch russisch-schwarzem Timbre.
https://konzertkritikopernkritikberlin.wordpress.com

„Konzertgänger in Berlin“. Galantwindig: Les Musiciens du Louvre retten zweimal Rameau
Endlich ungetrübter Rameau-Genuss bei den Barocktagen der Staatsoper! Zwei Tage nach der durch Regiepfusch versaubeutelten Premiere von Hippolyte et Aricie. Ólafur Elíassons Diskokugel hängt noch an der Decke des Großen Saals, doch diesmal kann sie keinen Schaden anrichten; es sei denn, sie stürzte herab und erschlüge Marc Minkowski, den liebenswerten Fondateur et Directeur der in Grenoble ansässigen Musiciens du Louvre. Bevor’s losgeht, hält er eine kuriose Eingangsrede. Aufs Inhaltliche reduziert dürfte das die sinnloseste Einführung aller Zeiten sein; aber es kommt hier nicht aufs Was an, sondern aufs Wie.
https://hundert11.net/galantwindig-les-musiciens-du-louvre-retten-zweimal-rameau/

Graz:  SALOME. Bericht über eine Folgevorstellung der Neuinszenierung

Johanni van Oostrum als Salome. Copyright: Werner Kmetitsch/Oper Graz

Der Hofzensor schrieb an den Staatsopern-Direktor Gustav Mahler 1905 zur geplanten österreichischen Erstaufführung der „Salome“ von Richard Strauss an der Wiener Hofoper, dass deren „Darstellungen in das Gebiet der Sexualtherapie gehören“, woraufhin die Produktion in Wien der Zensur zum Opfer fiel. Man mag es kaum glauben, dass am Bolschoi-Theater in Minsk, der Hauptstadt Weißrusslands, erst im vergangenen September eine Neuinszenierung der „Salome“ zunächst abgesagt werden musste, weil orthodoxe Aktivisten mit der Aufführung dieses absoluten Meisterwerks der Opernliteratur die religiösen Gefühle der orthodoxen Bürger des Landes verletzt sahen. Die Produktion ging dann doch über die Bühne, sogar mit großem Erfolg. Das war immerhin 112 Jahre nach der öst. EA in Graz, welches nach der Absage in Wien in den Genuss der EA kam, und noch ein Jahr mehr nach der UA in Dresden!..

Zum Bericht von Klaus Billand

Berlin/DOB:Richard-Wagner-Verband Berlin-Brandenburg: Symposium „Drei Generationen – ein Ziel“ 

Evelyn Herlitzius bei der Diskussion. Copyright: Helga-Franziska Humbaur.

Der Richard-Wagner-Verband Berlin-Brandenburg unter der Leitung seines Vorsitzenden Rainer Fineske führte in diesem Jahr schon zum 2. Mal ein äußerst interessantes Symposium zu einem Wagner-Thema durch. Und zwar ging es diesmal um die Akkumulation runder Geburtstage von Cosima Wagner (180 Jahre), ihres Sohnes Siegfried Wagner (150 Jahre 2019)  und dessen Tochter Friedelind Wagner (100 Jahre), eine durchaus interessante Personenkonstellation, insbesondere wenn es um die Art und Weise der Verfolgung eines Ziels dieser drei Generationen geht, nämlich die Bayreuther Festspiele nach dem Tode ihres Schöpfers Richard Wagner im Februar 1883 fortzuführen…

Zum Symposiumsbericht von Dr. Klaus Billand

Liège/ Lüttich: Joyce Joy pure in Belgium
Der Weltstar Joyce DiDonato glänzt mit einem Solo-Abend in Liège (Lüttich). Was für eine grandiose Sängerin, was für eine Gesangeskunst! Als Zugabe „Somewhere Over The Rainbow“ und die Schlussarie aus Rossinis „La Cenerentola“. Die Mezzosopranistin hat ihr Publikum in den Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Diesen Liederabend verlässt man nur mit zitternden Knien. Nicht enden wollender Applaus und standing ovations!
Dr. Holger Voigt berichtet aus dem Königlichen Opernhaus in Lüttich.
Klassik-begeistert

Düsseldorf/ Rheinoper: Wagners Ring-Tetralogie – Der betrübliche Niedergang der MS Wodan
Dietrich Hilsdorf macht unter dem Strich viel zu wenig aus den Ring-Möglichkeiten an der Oper am Rhein.
Frankfurter Rundschau

Heute Premiere im Wiener Akademietheater:“ Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos“ von Werner Schwab

Sarah Viktoria Frick – mit einer Habjan-Puppe. Copyright: Barbara Zeininger

Die Hölle, das ist … ein Zinshaus: Dort haust die „ausgemergelte Pensionistin“ Wurm gemeinsam mit ihrem verkrüppelten Sohn Herrmann in einem ärmlichen Loch. Über die Jahre hat sich in beiden Leibern ein ziemlicher Haufen Lebensschmutz angesammelt, der sich freilich nicht vergessen noch wegsaufen lässt – und so fantasiert sich der zum Künstler berufene Herrmann, der in seiner Kindheit schwer missbraucht wurde, halt in wüste Tötungsfantasien seiner lieben Mutti hinein. Ihre Nachbarn sind der Angestellte Herr Kovacic, „seit zwei Generationen einheimischer Deutschösterreicher“, mit Gattin und Töchtern, dessen Familienidyll aus „neuer grauenhafter Einrichtung“, Eierlikör und dem väterlichen Befingern seiner Töchter gezimmert ist. Über diesen lächerlichen Verhältnissen und gequälten Einsamkeiten schließlich thront triumphierend Frau Grollfeuer, die eines Tages die Hausgemeinschaft in ihr stilvolles Speisezimmer zur Geburtstagsfeier lädt, die in einer veritablen Volksvernichtung mündet. An deren Höhepunkt erfüllt sich Frau Grollfeuer nicht nur ihren sehnlichen Wunsch, endlich einmal „in so einen erbärmlichen Mietshauskörper hineinzustechen“, sondern hält auch gnadenlos Gerichtstag über ihr Selbst …

Schwabs „Fäkaliendramen“, zu denen seine „Radikalkomödie“ Volksvernichtung zählt, sind hässliche Porträts hässlicher Menschen, die sich in einer Kloake aus Hass, Gewalt, Niedertracht und Gemeinheit nur behaupten mittels der Sprache, die sie erzeugen, Sprache, die „sie selber sind“… (Quelle: Programmheft Akademietheater)

Berlin: „Macbeth“ feiert am Berliner Ensemble Premiere
Die Shakespeare-Inszenierung von Michael Thalheimer hat am Donnerstag Premiere.
Berliner Morgenpost

KÖLN: Ein Spaziergang über die Cologne Fine Art

Zur Vernissage der 49. Cologne Fine Art traf sich die gesamte erlauchte Gesellschaft aus Köln und Umgebung und wandelte durch die Gänge der verschiedenen Aussteller.

Cologne-Fine-Art 2018. Flown Sokol Spacesuit für 90.000 Euro. Foto: Andrea Matzker

Neben kostbarsten Gemälden, Skulpturen und Kleinoden gab es auch allerhand Skurriles, wie zum Beispiel einen originalen Kosmonauten-Anzug für 90.000 € bei Art Sablon, der bereits mehrfach durch den Weltraum spaziert war. Im Jahre 1979 hatte ihn ein russischer Kosmonaut fast 200 Tage lang im All getragen…

Zum Bericht von Dr. Egon Schlesinger

Wien/Dorotheum: Renoir aus Dorotheum gestohlen. Fahndung nach drei Verdächtigen
Es war tatsächlich ein Bild von Renoir, das drei Täter aus dem Wiener Dorotheum entwendet haben sollen. Größere Kunstdiebstähle sind in Österreich eher selten.
Die Presse

Der letzte FILM DER WOCHE wird morgen vorgestellt!

Linz verabschiedet sich von seinem Theater
Ein Nikolausgeschenk ist nicht in Sicht. Am 6. Dezember will der Linzer Gemeinderat den Ausstieg aus der Theaterfinanzierung beschließen.
Salzburger Nachrichten

Nichts wird so heiß gegessen, als es gekocht wird. Ich kann mir vorstellen, dass die Stadt einlenken wird – früher oder später. Aber mit hysterischen Horrorszenarien ist der Sache nicht gedient. Politiker müssen ihr Gesicht wahren und nicht vor Schreiberlingen in die Knie gehen!

Es ist aber schon bemerkenswert, dass gerade die Linzer Bürgermeisterpartei lautstark den Bau des Theaters gefordert hat, weil eine Oppositionspartei strikt dagegen war! Politikum!

Wien: Erfolg für Kaup-Hasler: Trendumkehr beim Wiener Kulturbudget
Das Wiener Budget sieht 2019 für „Kunst, Kultur und Kultus“ eine satte Erhöhung von 278,5 auf 312,2 Millionen Euro vor.
Kurier

Wenn diese Erhöhung mit einer Umschichtung (Einbeziehung neuer Empfänger, die bisher von anderen Töpfen genährt wurden), wäre sie de facto keine Erhöhung. Man müsste sich anschauen, was nun gefördert wird. Grundsätzlich hat aber der Wechsel im Kulturressort der Stadt Wien Kunst und Kultur nicht geschadet!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

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