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29. MAI 2022 – Sonntag

29.05.2022 | Tageskommentar

Wie Gustav Mahler das gemeint hat, weiß ich nicht. Tatsache ist: Derzeit nervt vieles!

Zum Beispiel die Berichterstattung über die Befindlichkeit der Frau Netrebko. In der Presseschau, bei deren Zusammenstellung ist nicht gezielt suche (und bei der mir auch die Herren Troger und Peppermüller helfen, das sei einmal dankend erwähnt), beobachte ich, was am „Markt“ ist.

Stark am Markt dürfte derzeit Anna Netrebko sein. Mit Oper sicht so sehr befasste Mitbürger könnten vermeinen, dass es wohl kaum andere Opernsängerinnen gibt, weil nur von Anna N. in den Medien die Rede ist. Medial ist sie durch die derzeitige Situation aufgewertet – unverdient, weil durch eigene Ungeschicklichkeit. Anderes können ihr selbst ihre größten Neider nicht vorwerfen. Und deren gibt es viele. Zum Beispiel Leute, die in der Staatsoper anrufen, um nachzufragen, „ob die Netrebko die Aida im Jänner (?)  ja nicht singt (im Programm wird sie vornehm versteckt), weil sie bei Anna N. aus Protest nicht kommen würden. Oder Menschen, die mir „stecken“, dass Netrebkos „Rückkehr“ auf die Bühne gar nicht so triumphal ist, weil Andreas Gabalier, Rammstein und Co. weit mehr Zuschauer anlocken!

Mag sein, ist wohl auch so, aber bei solchen Vergleichen müssten wir sämtliche Opernhäuser der Welt noch heute zusperren, weil das gestrige Finale der Fußball-Champios League in Paris wohl mehr TV-Zuseher (und drei volle Stadien, wenn man die TV-Übertragungen in die jeweiligen Heim-Arenen in Betracht zieht), interessiert hat als Oper – selbst bei besten Kontakten zu den TV-Anbietern, – in den nächsten Jahren interessieren wird. Und noch ein Argument, das aus kaufmännischer Sicht schwer widerlegbar ist. Der internationale Spitzenfußball wie auch Andreas Gabalier und Rammstein erhalten sich selbst, werden nicht subventioniert, müssen daher auch nicht bei der zuständigen Staatssekretärin bzw. Ministerin zum Rapport antreten, lassen sich daher nicht in die Kategorie „Bettler“ einordnen.

Nein, Äpfel und Bananen lassen sich schwer vergleichen!

Also kommen wir zu Gustavs Mahlers Meinung, dass nur der interessant ist, der übertreibt! Vielleicht wissen auch einige Leser, in welchem Zusammenhang das Zitat gefallen ist, zur Recherche habe ich wirklich keine Zeit.

Übertrieben ist die Medienpräsenz in jedem Fall. Vollkommen übertrieben sind aber auch Hoffnungen von Leuten, die ernstgenommen werden wollen und trotzdem meinen, mit derartigen „Sanktionen“ Künstlern gegenüber irgend etwas bewirken zu können. Das ist nicht nur falsch, das ist weltfremd!

Anna Netrebko plant Comeback auf deutschen und europäischen Bühnen
Wegen ihrer Nähe zum Putin-Regime verlor Anna Netrebko ihr deutsches Management, zahlreiche Konzerte wurden abgesagt. Nach ersten Auftritten will die russische Sängerin nun auf die großen Bühnen Europas zurück.
DerSpiegel.de

Comeback-Woche
Anna Netrebko bei Rückkehr in Mailänder Scala gefeiert
Die Starsopranistin hatte sich nur zögerlich vom russischen Angriffskrieg distanziert. Nun tritt sie wieder auf. Die ukrainische Botschaft in Paris kritisierte dies
DerStandard.at

Anna Netrebko bei Rückkehr in Mailänder Scala gefeiert
Die 50-Jährige hatte sich nur zögerlich vom russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem Ukraine-Krieg distanziert.
WienerZeitung.at

Anna Netrebko tritt nächstes Jahr wieder in Österreich auf
Die Sopranistin kommt am 6. September 2023 mit Ehemann Yusif Eyvazov ins Wiener Konzerthaus.
Kurier.at

Rückkehr einer Diva: Anna Netrebko tritt wieder im Westen auf
Nicht in Berlin, aber in Regensburg, Köln, Stuttgart und Hamburg. Anna Netrebko startet eine Deutschlandtournee.
Tagesspiegel.de

UMBESETZUNG AN DER WIENER STAATSOPER: ILDAR ABDRAZAKOV FLOG KOMMENTARLOS AUS DEM „TURCO“

 

Ildar Abradzakov ist jetzt kommentarlos aus der Besetzung gefallen!

https://www.wiener-staatsoper.at/spielplan-kartenkauf/liste/refDate/2022-07-01/

https://www.wiener-staatsoper.at/staatsoper/medien/umbesetzungen/

Das kommentiere ich gar nicht, das ist mir viel zu dumm!

HEUTE ARTE STREAM AUS DER HAMBURGISCHEN STAATSOPER: DON PASQUALE (ab 18 h)

Auch als Live Stream ab 18 Uhr

https://www.arte.tv/de/videos/105456-000-A/gaetano-donizetti-don-pasquale/

Wien: Roland Geyer: „Ich habe aus der Fülle geschöpft“
Der scheidende Chef des Theaters an der Wien über seine Ära, das Publikumsminus in der Stadt, das Volkstheater – und einen reizvollen Posten.
WienerZeitung.at

Darin versteckt sich auch ein Inserat: Roland Geyer kann man weiterhin engagieren, der „hat noch nicht fertig“ (Zitat Giovanni Trappatoni/ Fussballgelehrter und Trainer)

Darf ein Opernregisseur wirklich alles? Bezahlartikel
Weil Isolde (Aile Asszonyi) im Saarbrücker »Tristan« bereits Ende des ersten Aufzugs stirbt, muss sie eben den Rest des langen Abends als Geist über die Bühne spuken.
rheinpfalz.de.kurier

Die Version „sollte man sich auch einmal geben“, vielleicht steckt dies als Kalkül dahinter

TTT Vinylschätze 35 – Adagio für Streicher und Orgel in G-Moll, 1958 (!) – Remo Giazotto, nach einer Vorlage von Tomaso Albinoni

 

Auszug Plattencover

TOMASO ALBINONI (1671 – 1751) Italien – REMO GIAZOTTO (1910 – 1998) Italien

Berliner Philharmoniker · Herbert von Karajan 1984
https://www.youtube.com/watch?v=4SRAlF_JYS4 11.46 Min.
The Doors 1968
https://www.youtube.com/watch?v=Bms33Rjj6iY 4.36 Min.
Udo Jürgens 1968
https://www.youtube.com/watch?v=4OVMv3PdhIU 3.52 Min.
Ekseption 1973
https://www.youtube.com/watch?v=YSexKq9DhJo 3.50 Min.
Classic Yoga, Stuttgarter Kammerorchester · Karl Münchinger 1978
https://www.youtube.com/watch?v=jMV4pIRhaA8 7.20 Min.

Das Adagio in g-Moll für Violine, Streicher und Continuo (Continuo s. http://www.klassik-heute.de/4daction/www_infothek_lexikon_einzeln/78) wird dem Komponisten Tomaso Albinoni aus dem 18. Jahrhundert zugeschrieben.

Tatsächlich wurde es vom Albinoni – Gelehrten Remo Giazotto im 20. Jahrhundert geschrieben. Er soll nach dem Zweiten Weltkrieg ein kleines Fragment in den Sammlungen der Sächsischen Staatsbibliothek Dresden gefunden haben, aus einer sonst unentdeckten Sonata da Chiesa.

Auf dieser Grundlage komponierte er einen vollständigen Satz, den er 1958 veröffentlichte.

Heute gehört das Adagio zu den bekanntesten und beliebtesten Stücken „klassischer Musik“. Dadurch dürfte Giazotto „als urheberrechtlicher Komponist der mit großem Abstand meistverdienende zeitgenössische Komponist der letzten 50 Jahre sein“.

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Adagio_g-Moll_(Giazotto)

Albinoni oder Giazotto? Von wem stammt „Adagio g-Moll“ wirklich? Ein Klassik-Krimi echter Natur könnte man sie nennen: Die Geschichten um die Herkunft der bekannten Komposition Tomaso Albinonis „Adagio g-Moll“ scheinen sehr verworren …
https://www.mdr.de/mdr-klassik-radio/klassikthemen/komponist-tomaso-albinoni-giazotto-mythos-urheber-adagio-g-moll-100.html

Musik im Film: Auf Wiederhören – Als Filmmusik klingen selbst unerträglich bekannte Titel frisch und aufregend
. Über das Kino als Reha-Klinik für Gassenhauer von Albinonis Adagio bis zu Elton Johns „Tiny Dancer“
https://www.sueddeutsche.de/kultur/musik-im-film-auf-wiederhoeren-1.3559025

 

WIEN/ Ehrbarsaal: BENEFINZKONZERT IN MEMORIAM PETER SVENSSON AM FREITAG, 3. JUNI

 

 

Das ist die Teilnehmerliste:

1.MARISA ALTMANN-ALTHAUSEN-Mezzosopran
2.ASTGHIK KHANAMIRYAN -Sopran
3.YIPING LI -Mezzosopran
4.KETHY TAVARDI-DAVIS -Mezzosopran
5.ALEŠ BRISCEIN – Tenor
6.THOMAS GAZHELI – Heldenbariton
7.FAIK HONDOZI – Tenor
8. AXEL SCHEIN -Tenor

Lesung: KATHARINA PICHLER- Burgtheater Schauspielerin
Am Flügel: PAVEL KACHNOV- Bösendorfer Artist

Peter Svensson, oftmals bei mir in der Online-Merker-Galerie zu Besuch, hat für Oper regelrecht gebrannt. Vermutlich sogar dabei  übertrieben (da kommen wir wieder auf Mahlers Zitat zurück). Jene, die ihm medial angegriffen haben, mögen sich nachträglich etwas schämen. Letztlich hat er sogar teuer bezahlt!

Heute Opernkonzert auf Schloss Valtice (Südmähren) am Sonntag, 29. 5. 2022. Beginn: 16 Uhr, Schlossreithalle Valtice

Plakat: TIC Valtice

Über fünfzig Schülerinnen und Schüler der Musikschule Iglau (Tschechien) werden gemeinsam mit dem österreichischen Bariton Martino Hammerle-Bortolotti beim traditionellen Opernkonzert in der imposanten Reithalle auf Schloss Valtice in Südmähren auftreten und singen. Auf dem Programm stehen Arien und Chöre aus Carmen, Hamlet, Der Troubadour, Hoffmanns Erzählungen, Die verkaufte Braut und Die Zauberflöte sowie Lieder von A. Dvořák, Z. Lukáš und Z. Fibich.

Witten/ Ruhr
Spannend: die Wittener Tage für neue Kammermusik
Die hochkarätig besetzten Tage für neue Kammermusik zeigten einmal mehr die Potenz kleiner, sorgsam kuratierter Festivals. Höhepunkte in Witten an der Ruhr waren die Uraufführungen von Betsy Jolas, Enno Poppe und Milica Djordjević.
konzertkritikopernkritikberlin/a.schlatz

Graz
Eine geballte Ladung zeitgenössisches Musiktheater in Graz
Wer sich in Graz für zeitgenössisches Musiktheater interessiert, dem seien die Koproduktionen der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz mit der Oper Graz sehr empfohlen.
https://www.european-cultural-news.com/de/oper-graz-zeit-vergaenglich/37628/

Herman van Veen: „Ich habe mich vier Mal geirrt“
Der holländische Multikünstler kommt für zwei Konzerte nach Österreich und spricht über das Älterwerden, seine Ängste angesichts der Weltlage – und seine Fehleinschätzungen.
WienerZeitung.at

OPER ZÜRICH: Kostbarkeit des Belcanto: IL PIRATA

Irina Lungu. Foto: Oper Zürich

Il pirata — Vincenzo Bellini schuf mit Il pirata den Prototyp der romantischen Oper und stimmte mit seinen weit ausschwingenden Melodiebögen einen neuen, lyrischen Tonfall an. Mit der literarischen Vorlage von Charles Robert Maturin, die zum Genre des Schauerromans gehört, traf Bellini überdies den Geschmack der damaligen Zeit: unheimliche Schauplätze in düsterer Nacht, grausame Männer-Rivalitäten und die tragischen Schicksale ätherischer Frauenfiguren. Imogene, die Sopranrolle, ist diesbezüglich eine Vorgängerin von Donizettis berühmter Lucia di Lammermoor. In unserer konzertanten Aufführung übernimmt diese Partie die Koloratursopranistin Irina Lungu, unser Ensemblemitglied Andrew Owens ist als Pirat Gualtiero zu erleben.

Konzertante Aufführung
Premiere: Mi, 1 Jun 2022
weitere Vorstellungen: 6, 10 Jun 2022

Aktuelles aus „Neue Zürcher Zeitung“

 Der russische Zangenangriff um Sewerodonezk wird enger und enger
Der russische Generalstab setzt rücksichtslos auf das Feuer der Artillerie. Mit der «Feuerwalze» kommt die russische Armee im Donbass langsam, aber sicher voran. Jetzt lesen
Ein Missbrauchsskandal erschüttert die amerikanischen Baptisten
Ein offizieller Bericht deckt auf, wie die grösste protestantische Kirche der USA seit Jahren sexuelle Übergriffe durch Pastoren vertuschte und die Opfer einschüchterte. Er offenbart eine Unkultur von Bigotterie, Manipulation und Gewalt. Jetzt lesen
Strände, Steuern, EU-Gelder: Plötzlich stehen Italiens Populisten wieder zu Mario Draghi
Der italienische Regierungschef sieht sich wieder auf Kurs mit seiner Reformpolitik. Zumindest für den Moment sitzt er damit wieder fester im Sattel.
Jetzt lesen

Zitat Ende „Neue Zürcher Zeitung“

Wehrschütz über Ukraine: „Was sich dort abspielt, ist Schlächterei“
ORF-Korrespondent und ROMY-Preisträger Christian Wehrschütz im Club 3 über seine Arbeit in der Ukraine.
Kurier-at

Christian Wehrschütz, der beste Kommentator und Analytiker aus dem Kriegsgebiet weit und breit (dort tummeln sich viel zu viele Selbstdarsteller) meint aber auch, dass sie internationale Solidarität mit der Ukraine „endenwollend“ ist, wenn sich nicht bald Licht am Friedenshorizont zeigt. Aber ich bin nicht aufgerufen, hier Ratschläge zu erteilen.

Putin freut sich über jeden Anruf
Bundeskanzler Nehammer soll ruhig mit dem russischen Präsidenten telefonieren. Nur erwarten darf er sich außer ein paar innenpolitischen Pünktchen nichts von derlei Neutralitätsposen.
Die Presse.com

Na, wenn sich Putin über jeden Anruf freut, dann versuche ich es doch heute gleich mal. Er spricht perfekt Deutsch, ich etwas Russisch! Zumindest habe ich wegen einer russischen Freundin mehrere Kurse (relativ erfolglos) belegt!

Zum gestrigen Fußball-Finale: Rundum eine tolle Show, aber ein schwaches Spiel. Bezeichnend dafür ist, dass der belgische Torhüter des späteren Siegers Real Marid wohl bester Akteur auf dem Spielfeld war (Thibaut Nicolas Marc Courtois ,* 11. Mai 1992 in Bree, ist ein belgischer Fußballtorwart. Er steht bei Real Madrid unter Vertrag ). Er hat seine Mannschaft in der kritischen Anfangsphase im Spiel gehalten.

Ein Trost für jene, die das marktschreierische Getue unserer Kulturredaktionen brandmarken: Eine österreichische Zeitung titelt heute: „David Alaba ist König von Europa„. Da dreht es mir zwar den Magen um, aber die Netrebko-Schlagzeilen wirken gleich weit bescheidener.

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

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