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29. MÄRZ 2020 – Sonntag

29.03.2020 | Tageskommentar

Haben Sie schon an der Uhr gedreht? Wenn nicht, sind Sie eine Stunde zu spät dran!

Die Nahgesellschaft ist zu Ende !

 

Die Nahgesellschaft ist Vergangenheit, die Ferngesellschaft ist die Zukunft – diese Ansicht vertritt zumindest der Chef des Karlsruher Zentrums für Kunst und Medien (ZKM), Peter Weibel. „Das Zeitalter der Nähe geht zu Ende“, sagte er den „Badischen Neuesten Nachrichten“ (BNN/Freitag). Das Virus sei das Monster der Nahgesellschaft. Doch der Medientheoretiker weist darauf hin, dass es etwas benötige, das die Ferngesellschaft nicht brauche: einen Boten. „Es benötigt den menschlichen Organismus, um seine Botschaft – die Krankheit – sichtbar zu machen.“ Mit der Erfindung der Telekommunikation habe sich das Verhältnis zwischen dem, der eine Botschaft senden will, und dem, der sie empfangen soll, grundlegend geändert, sagt Weibel den BNN. „Es ist kein Überbringer mehr erforderlich. Alles geht – über größte Distanzen hinweg – telematisch: Telegraf, Telefon, Television.“ Das altgriechische Wörtchen „tele“ für „fern“ habe bereits vielfach Eingang in unsere Sprache gefunden. Die Ferngesellschaft hat aus Sicht von Weibel große Vorteile. Der ZKM-Vorstand verweist in dem Blatt etwa auf die ökologischen Folgen der Massenmobilität und des Massentourismus. „Das Virus zwingt uns dazu, die Massenmobilität zu beenden.“ Die sei es, die dessen Verbreitung beschleunige. „Wir erleben ein großes soziales Experiment“, so Weibel. „Wären wir bereits in der Ferngesellschaft, könnte auch das Virus nicht reisen.“ Durch die Teletechniken könne aber die Nahgesellschaft gerettet werden: „Wir dürfen uns nicht die Hand geben, aber wir können telefonieren.“ 

Corona-News aus der Kunstwelt
„Das Zeitalter der Nähe geht zu Ende“
Die Hallen der Madrider Arco-Kunstmesse beherbergen jetzt ein provisorisches Krankenhaus, Peter Weibel sieht ein Ende der „Nahgesellschaft“ für gekommen und selbst Nietzsche ist jetzt online
https://www.monopol-magazin.de/das-zeitalter-der-naehe-geht-zu-ende

Was das für „unsere Branche“ bedeutet? Wohl eine grundlegende Änderung! Ich bin gar nicht sicher, dass die Leute die Theater nach deren Wiederöffnung stürmen werden. Eigentlich ist es ja ohnedies pervers: Man sitzt zusammengepfercht in engen Sitzreihen neben Menschen, von denen man gar nichts weiß. Die Maßnahmen“, ob nun sinnvoll oder auch nicht, werden sich in unseren Köpfen festsetzen, Man merkt es bereits an der Supermarktkassa: Die Menschen rücken voneinander ab, verhalten sich sogar feindselig zueinander, sehen im Nächstehenden eine Bedrohung!

Die Menschen werden auf Ihre bisher ausgeübte Tätigkeit, auch auf ihre Vorlieben nicht gänzlich verzichten, diese werden sich aber in anderer Form abspielen – nicht im Nahkontakt. Technisch sind wir bereits in der Lage, das durchzusetzen. Beruflich wird sich manches ändern! Home-Office ist jetzt in der Probephase, es funktioniert – wenngleich natürlich nur im Bürobetrieb – teilweise im Handel. Die Gewerbetreibenden, handwerkliche Dienstleister, werden immens aufgewertet, denn beheben Sie einmal einen Sanitär-, KFZ- oder sonstigen Schaden mittels Home-Office. Für mich als ehemaliger Gewerbetreibender ist das eine späte Genugtuung, denn in den vergangenen Jahrzehnten fuhr der Zug eher in eine andere Richtung. Aber das ist wohl ein eigenes Thema.

Was machen wir dann mit unseren Opernhäusern, Theatern? Die eignen sich dann nicht einmal mehr für Supermärkte, denn gerade dort ist der Nahkontakt unvermeidbar. Lagerhallen werden in Zukunft immens wichtig sein, Logistiker sind dann gefragter als Theaterdirektoren.

Ich male hier ein schreckliches Szenario und kann nur hoffen, dass es so nicht eintrifft. Die Menschen sind weitestgehend von Natur aus nicht verrückt, sie lassen sich aber nur allzu leicht verrückt machen! Das sieht man in der derzeitigen Situation. Ich hätte nie geglaubt, dass das möglich ist, was gerade mit uns gemacht wird.

In so einer Situation plant der Wiener Operndirektor für seine Tätigkeit in Wien. Dass er aus der digitalen Welt kommt, könnte sogar hilfreich sein. Welche Lehren er aus dem gegenwärtigen Szenario zieht, weiß ich natürlich nicht.  Ich weiß aber, dass ich derzeit nicht Theaterdirektor sein möchte!

Unbeirrt davon präsentiert Serge Dorny seinen letzten Spielplan für Lyon.
Ab nächster Saison ist er in München. Auch dieser Mann hat durchaus innovative Ideen. Aber auch in München sitzen die Besucher wie die Ölsardinen nebeneinander.  Werden Sie Corona schnell vergessen – oder verändert der „chinesische Schnupfen“ die ganze Welt?

 

Ob die Opernhäuser vor dem Sommer noch einmal aufsperren, ist ja ziemlich ungewiss. Umso wichtiger ist es, dass die Opernfans sich auf schöne Pläne freuen können, die uns (hoffentlich!) in der nächsten Spielzeit erwarten.

Das Programm finden Sie in unseren „Infos des Tages“

Ritterbands Klassikwelt 11: „Va pensiero“ im Cyberspace statt auf goldenen Schwingen
Aus Italien, wo die Zahl der täglichen Corona-Todesopfer bald die Schwelle von 1000 Verstorbenen und die Gesamtzahl jene von 10 000 Toten erreichen könnte, kommen nicht nur Schreckensnachrichten zu uns. Durch die sozialen Medien schwirren zahllose mit pointiertem Galgenhumor angereicherte Karikaturen und Videos – eine besondere Spielart von Kreativität feiert Urständ: Lachen vor einer Kulisse absoluten Horrors. Es erreichen uns Filmchen von jungen Männern, die sich gegenseitig mit geschickten Tennis-Spielen von Fenster zu Fenster Einsamkeit vertreiben. Und aus Italien stammt die – inzwischen in vielen Ländern praktizierte – schöne Initiative, sich von Balkonen und Fenstern aus gegenseitig vorzusingen. So wird in dem in Europa am härtesten getroffenen Land dem Virus in vielfältiger Weise die Stirn geboten.
Dr. Charles Ritterband berichtet von der Isle of Wight.
Klassik-begeistert

Beethovens Hadern mit seinen Porträts
Er hat „Hits“ der klassischen Musik geschrieben und mit seiner Haarmähne die Künstler fasziniert: Vor 250 Jahren kam Ludwig van Beethoven zur Welt. Aus diesem Anlass werden in seiner Geburtsstadt Bonn und seiner Wahlheimat Wien zahlreiche Ausstellungen organisiert, die nun virtuell besucht werden können – ORF.at zeigt eine Auswahl der Bilder. Beethoven hasste es, porträtiert zu werden.
https://orf.at/stories/3159328/

NEU: Komponist Krzysztof Penderecki (* 23. November 1933) gestorben

Der ORF meldet aktuell (und in Wikipedia steht es auch schon), das der Komponist Krzysztof Penderecki (* 23. November 1933 in Dębica, Polen) in Krakau verstorben ist.
https://orf.at/#/stories/3159804/

NEU: Heinrich Schramm-Schiessl meldet:

Lieber Merker-Leser
Diese Meldung hsabe ich in meiner Tauschbörse gefunden:

„Das Opera Magazine berichtet soeben, dass Placido Domingo in Acapulco, Mexiko, ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Er leidet an Komplikationen seiner Coronavirus-Infektion.“

GERNOT KRANNER: JEDEN TAG EIN LIED ALS GESCHENK

Künstler nützen die Chance, ihr Publikum mit unkonventionellen Mitteln zu erfreuen

Pfeil inaktiv, Link unten

 Es ist zwar noch nicht Weihnachten, aber warum nicht auch im März Freunde beschenken? Ich habe mir gedacht, ich stelle JEDEN TAG ein Lied oder eine Geschichte aus meinen vielen CDs gratis ins Netz. Es sind zwar meist Kinderlieder, aber ich hoffe, ihr könnt euch dennoch daran erfreuen – und es bringt hoffentlich auch manches Lied ein kleines Lächeln in eure Einsamkeit. Denn es ist meine Überzeugung, dass wir Künstler eine Verpflichtung haben: Die Verpflichtung, Menschen Freude zu bereiten.

Kranner schenkt Ihnen jeden Tag ein neues Lied aus seinem Album. Heute ist „Fischers Fritz“ an der Reihe
29.3. Fischers Fritz: https://www.youtube.com/watch?v=IlQ8NZSE1dk

Die Liste für die nächsten Tage finden Sie in unseren heutigen „Infos des Tages“

NOT MACHT ERFINDERISCH: Mirko Roschkowski und Stefan Tanzer singen das Perlenfischer-Duett, einer in Bremerhaven, der andere in Wien

 

Da mußte erst Corona kommen, daß ich einfacher Chorist die Ehre habe, mit Mirko Roschkowski, der auch regelmäßig bei uns an der VOP gastiert, das Perlenfischer-Duett singen zu dürfen… (Stefan Tanzer)

https://www.facebook.com/stefan.tanzer.35/posts/2778917562229830?notif_id=1585401810610451&notif_t=feedback_reaction_generic

WEITERE STREAMS DER METROPOLITAN OPERA

Karen Cargill, Paul Appleby, Michael Volle, Johan Botha, Annette Dasch– Foto: Ken Howard/ Metopera
Derzeit laufen die „Meistersinger“, ab den Nachtstunden bzw. morgen dann „Tannhäuser“. Dann ist es mit Wagner vorerst vorbei, Dienstag stehen die „Dialoge der Karmeliterinnen auf dem Stream-Programm

„Xerxes“: Deutsche Oper am Rhein im Wohnzimmer

Foto: Hans-Jörg Michel

Gute Nachricht für alle, die ihre Opernbesuche vermissen: Die Deutsche Oper am Rhein stellt ab sofort auf der Online-Plattform operavision.eu Georg Friedrich Händels „Xerxes“ in der gefeierten Inszenierung von Stefan Herheim als kostenlosen Stream zur Verfügung.

„Meine Vision: Ich singe in der Wiener Staatsoper die Kundry mit Tomislaw Muzek als Parsifal, und Christian Thielemann dirigiert“

Magdalena Anna Hofmann . Copyright: Stefan Panfili

Die polnisch-österreichische Sopranistin Magdalena Anna Hofmann wurde in Warschau geboren. Nach ihrem Gesangsstudium am Wiener Konservatorium war sie zunächst als Mezzosopran erfolgreich, unter anderem an der Mailänder Scala, dem Theater an der Wien oder den Bregenzer Festspielen. Nach ihrem Wechsel ins Sopranfach wurde sie in den großen Partien des deutschen und slawischen Fachs, aber auch in Mozart- und Operettenrollen sowie moderner Musik auf unzähligen nationalen und internationalen Bühnen gefeiert. Am 10. März 2020 sang sie noch die Leonore in Ludwig van Beethovens „Fidelio“ in Heidelberg. Aktuell verbringt sie ihre Zeit gemeinsam mit ihrem ebenfalls freiberuflich tätigen Mann und dem vierjährigen Sohn im häuslichen Umfeld in Wien.
Das Interview führte die Münchner Ärztin Dr. Petra Spelzhaus.
Klassik-begeistert

Coronavirus: Der erste Tote aus Opernsängerbranche: Luigi Roni

Coronavirus, è morto Luigi Roni, fu basso di fama mondiale
https://www.corriere.it/spettacoli/20_marzo_28/coronavirus-morto-luigi-roni-fu

»Wünsch Dir was!« Aktion des Staatstheater Augsburg

Fast alle Beschäftigten des Staatstheater Augsburg/ Stand 2019. Foto: Jan-Pieter Fuhr

Seit der Spielbetrieb wegen der Corona-Krise eingestellt werden musste, ist es ruhig um das Staatstheater Augsburg geworden. Nun meldet sich das Viersparten-Haus mit einer Aktion für alle Bürger*innen aus Stadt und Land zurück. Die Idee hinter »Wünsch Dir was!« ist schnell erklärt: Ihre Tante darf wegen der Ansteckungsgefahr gerade nicht aus dem Haus, hat aber Internet und ein Lieblingslied aus einer berühmten Oper? Die Kolleg*innen im Pflegeheim brauchen ein bisschen moralische (und musikalische) Unterstützung oder Ihr*e Partner*in hat ein Gedicht, das er oder sie besonders mag und das jetzt Abwechslung in trübe Quarantäne-Tage bringen würde? In diesen und weiteren Fällen greift das Soforthilfeprogramm des Staatstheater Augsburg! Wer seinen Verwandten, Freunden, Bekannten oder Kolleg*innen eine Freude machen will, kann sich per Mail ein Lied, Instrumentalstück oder einen Text wünschen. Die Sänger*innen, Schauspieler*innen und Musiker*innen des Staatstheater Augsburg nehmen von zu Hause aus die Wünsche entgegen und senden den Beschenkten eine personalisierte Musik- oder Text-Botschaft zu.

Mails mit Musik- oder Textwünschen bitte mit dem Betreff: »Wünsch Dir was!« an: kommunikation.staatstheater@augsburg.de Name und Mailadresse der Beschenkten nicht vergessen!

Augsburger Sängerin Sally du Randt strandet wegen Corona in Südafrika – Die Künstlerin Sally du Randt besuchte ihre Familie, als Corona kam. Auch andere Augsburger sorgten sich in fernen Ländern um ihre Rückreise.
Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat das Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen. Die Augsburger Künstlerin Sally du Randt traf diese Maßnahme hart: Die Sängerin des Staatstheaters sitzt in Südafrika, ihrem Geburtsland, fest.
Augsburger Allgemeine

Kommentar zur Absage des Song-Contest: Danke, fad ist uns selber
Immerhin ein Tröpfchen Balsam auf geschundene Seelen dieser Tage: Als die European Broadcasting Union (EBU) die unausweichliche Entscheidung getroffen hat, den diesjährigen Sangeswettbewerb abzusagen, fragte man sich betrübt: Kann man das nicht mit ein bisschen Kreativität auch in einer Form, die den derzeitigen Distanzierungsanforderungen entspricht, über eine virtuelle Bühne bringen?
Wiener Zeitung

Grippewelle rollt über Deutschland. Bisher 323 Tote
Weltweit sorgt das neue Coronavirus für Alarm. Und über Deutschland rollt zudem die Grippewelle hinweg. Was Sie jetzt wissen müssen.
Berliner Morgenpost

Zum Vergleich: Corona-Tote in Deutschland bis gestern etwa 400. Stand heute vormittag: 435. Damit sind die deutschen Zahlen besser als die österreichischen!

Stadt Zürich rechnet mit Lockdown bis Ende des Sommers
Schutz & Rettung Zürich prognostiziert, dass die Corona-Krise länger dauert als erwartet. Und dass die Maßnahmen weiter verschärft werden müssen.
https://www.blick.ch/news/schweiz/vertraulicher-lagebericht-stadt

Das sind ja schöne Aussichten! Genießen Sie trotzdem die Stunden in Quarantäne

Peter Bilsing, unser „Opernfreund“, weist uns auf einen Dokumentarfilm hin – damit uns Oper icht zum Halse raushängt!

Peters TV Tipp: Russland von oben – Entdeckung der Welt | ARTE 2020
Unglaubliche Bilder, Meilensteine filmischer Dokus ;-)Das Beste, was ich bisher an Filmen dieser Art gesehen habe – mit durchaus kritischen Kommentaren und viel aufbereiteter Historie. (Peter Bilsing)
https://www.arte.tv/de/videos/RC-016950/russland-von-oben/

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

 

 

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