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29. JULI 2018

29.07.2018 | Tageskommentar

Endlich ein Salzburger Premierenerfolg: Salome ist, auch dank Asmik Grigorian, wirklich beeindruckend. Copyright: Ruth Walz/Salzburger Festspiele

Die Startprobleme der diesjährigen Salzburger Festspiele wurden durch diese wirklich beeindruckende „Salome“ gemildert, wenngleich nicht gänzlich beseitigt. Denn die Blamage mit der „Zauberflöte“ sitzt tief. So etwas hat unsere Ratspräsidentschaft den Politpromis zugemutet, wobei zu hoffen bleibt, dass Theresa May tatsächlich andere Sorgen hat und den Reinfall gar nicht registriert hat.

 

Bundeskanzler Kurz mit seiner Lebenspartnerin, weiters mit Theresa May und dem Salzburger Landeshauptmann. Foto: privat

Ganz schlimme Nachricht für die B-und C- Promis in Salzburg: Zahlreiche Securitys blockierten den Red Carpet, der an diesem Abend ausschließlich Politikern vorbehalten war, die jedoch keine Interviews gaben. Was hätten sie auch sagen sollen – eine grandiose Festspielpremiere voraussagen? Da hätten sie sich ganz schön blamiert. Die armen B/C-Promis wiederum mussten ohne Blitzlichtgewitter einziehen, bis auf jene, die bis zum allerletzten Moment warteten – bis eben die Politiker bereits alle im Haus waren.

Allerdings – gerade in Salzburg sollte Mozart einen ganz besonderen Stellenwert haben – die Chance, das zu beweisen, wurde nicht nur von der Regisseurin, sondern auch durch ein – höflich ausgedrückt – umstrittenes Dirigat wie  auch durch eine „durchwachsene“ Besetzung (Matthias Goerne als Sarastro wird in den meisten Kritiken als glatte Fehlbesetzung bezeichnet) zunichte gemacht!

Der „Jedermann“, ein weiteres Salzburger Prestigeprojekt, ist ja auch nicht eben „das Gelbe vom Ei“ und wurde von einer wohlwollenden Presse „schöngeschrieben“. Wann darf endlich gesagt werden, dass der hochgejubelte Intendant auch nur „mit Wasser kocht“? Nachdem sich niemand anderer traut, melde ich bereits meine Zweifel an ihm an!

Nun aber zur „Salome“, mit deren Erfolg man schon irgendwie gerechnet hat. Aber auch prognostizierte Erfolge müssen erst einmal umgesetzt werden:

Salome als triumphaler Erfolg gefeiert
Salzburger Nachrichten
Nachtkritik: Wenn der Mensch zu Stein wird
Minimalistischer Ansatz mit maximaler Wirkung: Romeo Castellucci zeigt die „Salome“ von Richard Strauss als Drama voll Dunkel und Enge. Franz Welser-Möst darf auf hoch konzentrierte Wiener Philharmoniker bauen, auf ein sehr gutes Ensemble und die fantastische Asmik Grigorian in der Hauptrolle.
Kleine Zeitung

Die Veröffentlichung der Pressekritiken über „Die Zauberflöte“ erspare ich mir an dieser Stelle – ich bin ja kein Sadist! Auffallend ist, dass die beste Kritik vom ORF kommt, der ja dieses Debakel seinen Sehern noch „verkaufen“ muss. Auch Teile des deutschen Feuilletons jubeln zumindest (sehr) leise – aber dort ist man ja einiges an szenischen Flops gewohnt.

Bayreuth: Katharina Wagner nach „Tristan und Isolde“ ausgebuht

So ganz verstehe ich die Buh-Rufe gegen die Intendantin nicht. Ich war schon lange nicht in Bayreuth und mich in die Gedankenwelt eines „echten Wagnerianers“ hineinzuversetzen ist mir – ehrlich gesagt – zu kompliziert. Aber ich wundere mich schon, dass es einzig Katharina Wagner betrifft. Das klingt nach „alter Rechnung“, betrifft vermutlich nicht einmal die „Tristan“-Inszenierung. Die Wagnerianer mögen bedenken, was aus Bayreuth geworden wäre, wenn Katharina Wagner nicht mit Klauen und Zähnen um diesen Job gekämpft hätte. Erinnern Sie sich an die Alternativen?

Ich kenne die Strukturen in Bayreuth nicht, aber könnte es sein, dass beim eher „hemdsärmeligen“ Vater Leute mitreden durften, die das bei der nunmehrigen Chefin nicht dürfen? Wolfgang Wagner hat sich vermutlich auch nichts dreinreden lassen, aber angeblich hat er das Gefühl vermittelt, mitreden zu lassen. Das ist Diplomatie, die hat man – oder man hat sie eben nicht! Wagnerianer sind unter den Opernmenschen eine besonders schwierige Spezies.

Stephen Gould und Petra Lang. Copyright: Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Bayreuther Festspiele: Katharina Wagner für „Tristan“ ausgebuht
Noch etwas heftiger als in den Jahren zuvor wurde Richard Wagners Urenkelin für ihre Inszenierung gescholten, Jubel gab es aber für den musikalischen Teil der Aufführung.
Die Presse
Bayreuth, Tag 3: Thielemann 1, Tristan 2 und Isolde 3
Wagner machen, das kann er wie kein zweiter. Das Festspielorchester spielt unter Christian Thielemann phänomenal – es ist berührend schön, dabei zu sein. Dieses Gefühl stellt sich bei „Tristan und Isolde“ wie im Vorjahr schon nach den ersten drei Takten des Vorspiels ein. Alles ist wie verwandelt: Raum und 2000 Menschen
Klassik begeistert
Katharina Wagner nach ihrem „Tristan“ wieder ausgebuht
Regisseure haben es traditionell nicht leicht beim Bayreuther Festspielpublikum. Besonders schwer hat es aber die Festspiel-Chefin Katharina Wagner.
Hamburger Abendblatt

Bayreuth: Die Meistersinger von Nürnberg

Unser „Konzertgänger aus Berlin auf Reisen“, Albrecht Selge, hat mir über die ersten vier Festspieltage „rübergeholfen“, nachdem es in und um Bayreuth offenbar Gegenden gibt, in denen Internet nicht wirklich funktioniert. Dabei war seine Mithilfe gar nicht abgesprochen, eher eine Improvisation. Nun sind diese vier ersten Festspieltage vorbei, Selge reist weiter – vermutlich zurück nach Berlin. Danke!

Lesen Sie aber heute unbedingt seine epische Bayreuth-Reportage in der „Frankfurter Allgemeinen / Sonntagszeitung“

„Die Meistersinger von Nürnberg“. Copyright: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Koskys Inszenierung beginnt schreiend komisch, in der Villa Wahnfried, Richard geht mit den Hunden Molly und Marke Gassi, packt Pakete aus und verscheucht Schwiegervater Franz Liszt vom Klavier, um selber beim Vorspiel mitzuklimpern. Das Timing ist fantastisch, die Pointendichte extrem. Schnell wird die Zuordnung deutlich: der Meister wird spielerisch-träumend zum Hans Sachs, Liszt zu Veit Pogner, der seine Tochter Eva/Cosima zum Preis aussetzt usw. Der anwesende Dirigent Hermann Levi aber, jüdischer Wagnerianer der ersten Stunde, wird verdonnert, den Beckmesser zu mimen. Da bliebe einem – wenn einem diese Phrase nicht im Hals steckenbliebe – das Lachen im Halse stecken…

Unter den Sängern ist darum als erster Johannes Martin Kränzle zu nennen. Jeder Beckmesser-Darsteller muss den Spagat vollbringen, einerseits witzig zu sein, andererseits den Gedemütigten nicht preiszugeben. Hier aber ist der Spagat extrem, und Kränzle gelingt er mit Bravour. Die weiteren sängerischen Attraktionen sind drei Männerstimmen: Michael Volle singt den Wagner/Hans Sachs sehr lyrisch, manchmal fast liedhaft, dennoch mit bewundernswerter Ausdauer. Und ein doller Komödiant ist er obendrein, wie er grandios chargierend im Vorspiel zeigt. Günther Groissböck, der zwei Tage zuvor als Gurnemanz begeisterte, gestaltet auch in der Rolle des Liszt/Veit Pogner überragend.

Und dann ist da noch Klaus Florian Vogt, dieses Tenor-Unikat. Jan Brachmann verglich den Klangeindruck seiner Stimme gar einmal mit Heintje, und das war nicht despektierlich gemeint. Vogts klarer, heller Tenor ist wie aus einer anderen Welt: Er leuchtet morgenlich im rosigen Schein. Von paradiesischer Unschuld, aber auch ein bisschen wie ein Humanoid. Eine Wunschprojektion Wagners hier, junges Alter Ego. Das passt perfekt…

Zum Bericht von Albrecht Selge

Hamburg: Ist die Elbphilharmonie eine Gelddruckmaschine?
Kultursenator Carsten Brosda über die Musikstadt Hamburg, unerwartete Einnahmen und Dinge, die man tun muss.
Hamburger Abendblatt

„A Padmore Cycle“ bei Bregenzer Festspielen abgesagt

Mark Padmore hat seine Mitwirkung an den Bregenzer Festspielen aus gesundheitlichen Gründen nun ganz abgesagt. Die für den 5. August geplante Veranstaltung „A Padmore Cycle“ aus der Programmreihe Musik & Poesie wird deshalb ersatzlos gestrichen. Das Geld für bereits erworbene Karten wird rückerstattet.

Bereits vor einer Woche hatte Mark Padmore seine Rolle in der Opern-Uraufführung “Das Jagdgewehr” von Thomas Larcher abgesagt. Die von Larcher für Padmore komponierte Rolle übernimmt deshalb der irische Tenor Robin Tritschler.

Sommer-Festivals in Finnland 2018 – 3. Teil

Joroinen Musiktage 20. – 29.7.2018

„Von Klassik bis Rock“ – So betiteln die bereits 1977 zum ersten Mal ausgetragenen Musiktage in Joroinen ihr Programm. Und in der Tat bietet dieses kleine, aber feine Festival, etwa auf der Hälfte des Weges zwischen Mikkeli und Kuopio gelegen, für viele Musikfreunde etwas: Kinderkonzerte, Kammermusik, Sängerrecitals, kleine Theaterproduktionen (Wagners Wesendonck-Lieder kombiniert mit dem 1. „Walküre“-Aufzug), Rockmusik, einen Workshop für Sänger, Flamenco bis hin zu finnischen Opernkaraoke-Meisterschaften (!). Den vermeintlichen Nachteil, keinen Konzertsaal zu haben, macht das Festival dadurch mehr als wett, indem es in den zahlreichen idyllischen Landgutshöfen, in Kirchen und diversen kleinen Sälen spielen lässt. Allerdings sei nicht verschwiegen, dass nicht jeder Austragungsort akustisch günstig genug ist, um die Leistung der Künstler einwandfrei beurteilen zu können…

Zum Bericht von Sune Manninen

Bregenz: Treffsichere Puppen-DistanzVergangenheitsbewältigung muss sein
In Hochgatterer-Habjans „Böhm“ entlarven Holzpuppen Allzumenschliches Nikolaus Habjan hat bei den Bregenzer Festspielen in hundert Minuten ein nie moralinsaures, dennoch entlarvendes Psychogramm des Dirigenten Karl Böhm vorgeführt – durch meist lebensgroße Puppen.
Neue Musikzeitung/nmz.de

Tiroler Festspiele: Vorstandssitzung in Erl kommende Woche

Wäre Gustav Kuhn „nur“ Intendant, wäre sein Schicksal vermutlich besiegelt. Er ist aber Gründer und Erkennungsmerkmal der Tiroler Festspiele – und deshalb ist die Angelegenheit nicht ganz so einfach. Das Festspielhaus steht nun einmal und hat eine große, wenn auch großteils privat finanzierte Summe verschlungen. Die Festspiele sind ein wichtiger Faktor in der Region, zahlreiche Arbeitsplätze sind davon abhängig. Tiroler Festspiele ohne Gustav Kuhn – das ist nicht wirklich vorstellbar!

Zudem haben es die Tiroler Festspiele geschafft, auch unter „Bundesschutz“ zu stehen. Etwas, das zum Beispiel die keineswegs weniger wichtige „styiarte“ nicht geschafft hat.

Wie also vorgehen? Donnerstag soll auf einer Vorstandssitzung eine Vorentscheidung fallen. Die Tiroler Landesrätin Beate Palfrader (die Zuständige) lässt bereits etwas in die Karten blicken: Die Staatsanwaltschaft soll entscheiden, nicht die Politik. Das klingt erstens einfach und sichert zweitens Zeit. Es liegt ja keine Anzeige vor, die Staatsanwaltschaft müsste auf Grund des offenen Briefes „von Amts wegen“ selbst tätig werden – bei Vorgängen, die bis 2002 zurückreichen. Wieviel davon ist längst verjährt?

Also ist es doch eine moralische Entscheidung? Ich bin froh, darüber nicht befinden zu müssen!

Eine Entscheidung über die Zukunft des künstlerischen Leiters der Festspiele Erl, Gustav Kuhn, könnte nächste Woche fallen. Der Stiftungsvorstand der Festspiele plant eine Sitzung für Dienstag oder Mittwoch
https://tirol.orf.at/news/stories/2926870/
Festpiele Erl zeigen die Hilflosigkeit beim Thema sexueller Übergriff

Die Bewegung #MeToo schärft seit einem Jahr die Sinne fürs Thema Übergriff. Aber längst nicht alle haben daraus etwas gelernt.
Salzburger Nachrichten

BERLIN: Offener Brief: Dirigent Thielemann gegen Einheitswippe
Eine Bürgerinitiative macht weiter mobil gegen den geplanten Standort des Einheitsdenkmals in Berlin. Einen offenen Brief haben auch Prominente unterzeichnet, darunter Dirigent Christian Thielemann.
Die Welt.de

Legendärer Disput: Marcel Reich-Ranicki und Joachim Kaiser über Musik
Marcel Reich-Ranicki war Literaturpapst. Aber er beurteilte auch Musik. Verdi war für ihn ein Nichtskönner, Wagner brillant. Seinen legendären Disput mit Joachim Kaiser kann man jetzt nachlesen
Die Welt.de

 

Genießen Sie einen schönen Tag

A.C.

 

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