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29. APRIL 2020 – Mittwoch

29.04.2020 | Tageskommentar

Auto statt Loge: London bekommt Drive-in-Opernhaus | Klassik ...

Zukunft „Auto-Oper“? Wohl ein Gag, aber nichts ist in dieser Zeit unmöglich! Da läge „Stream-Oper“ noch näher. In jedem Fall wäre es der Tod der Oper.

Es gibt auch in Wien Operndirektoren, die nicht mit einem Start im September rechnen. Robert Meyer von der Volksoper dachte an, die umliegenden Parks zu bespielen. Das mag im September vom Wetter her gerade noch möglich sein – und der Praxis ist es bei Oper unmöglich. Robert Meyer sprach übrigens von „Opern-Konzerten“

Das weltweit erste Drive-In-Opernhaus: Initiative der English National Opera im Zeichen des Corona-Virus
In den 50er-Jahren waren Drive-In-Kinos der letzte Schrei: Man konnte sich, komfortabel im eigenen Auto platziert, Blockbuster anschauen und dazu möglichst auch die Freundin im Arm halten; Snacks und Coca Cola wurden durchs Fenster gereicht. Heute gibt es in den Vereinigten Staaten – dem Ursprungsland der Drive-In-Kinos – von den ursprünglich 320 nur noch gerade 25 Kinos. Die stets innovative English National Opera (ENO) will nun die inzwischen fast legendäre Drive-In-Idee im Zeichen der Corona-Krise und des „social distancing“ wieder aufgreifen: Mit dem ersten Drive-In-Opernhaus der Welt. Im historischen, 1873 auf einer Anhöhe in Nord-London erbauten Alexandra Palace (benannt nach der damaligen Kronprinzessin – und späteren langlebigen Queen-Mother – Alexandra von Dänemark) sollen in den ersten drei Septemberwochen live Opernaufführungen auf einer eigens für diesen Zweck errichteten Bühne stattfinden, die man vom Auto aus miterleben kann – in Sicherheit vor Ansteckung. Geplant sind Plätze für 300 Autos – auch Fahrräder und Motorräder sollen zugelassen werden.
Dr. Charles E. Ritterband berichtet aus London.
Klassik-begeistert

Nun, das Problem wird gelöst werden können, Hysterie ist – wie überall im Leben – nicht angebracht. Hysteriker gehören von wichtigen Entscheidungen ferngehalten. Es wird sicher wieder möglich sein, ein Theater zu besuchen, ohne in einen Käfig aus Plexiglas gesperrt zu werden. In Zukunft werden sich aber Psychoanalytiker und vor allem Psychotherapeuten des Themas annehmen müssen, das Problem spielt sich auch in unseren Köpfen ab. Diese wurden falsch gesteuert , das ist meine ganz private Meinung. Die Virologen hatten ihre Chance, das Auftreten des zerstrittenen Haufens von Selbstdarstellern war nicht eben glorios!

Mailand
Mailänder Scala plant die Wiedereröffnung im September
Mit Giuseppe Verdis „Requiem“ in Gedenken an die Toten der Corona-Krise
Kurier

Europakonzert aus der leeren Philharmonie Berlin mit Kirill Petrenko am 1. Mai – in Kammermusik-Besetzung!
Live-Übertragung im Ersten, im rbb und kostenlos in der Digital Concert Hall

Europakonzert aus der Philharmonie Berlin mit Kirill Petrenko ...
Kirill Petrenko. Foto: Monika Rittershaus

Seit 1991 feiern die Berliner Philharmoniker ihren Geburtstag am 1. Mai mit dem Europakonzert an einem besonderen historischen Ort. In diesem Jahr sollte das Fernsehkonzert eigentlich als Auftakt einer großen Europatournee in Tel Aviv stattfinden.  Geht nicht – wegen Corona!

Mithilfe ihrer langjährigen Medienpartner rbb und EuroArts ist es den Berliner Philharmonikern kurzfristig gelungen, das Konzert als Live-Übertragung aus der Philharmonie Berlin im Ersten, im Radio auf rbbKultur und kostenlos online in der Digital Concert Hall zu zeigen. Die Übertragung wird außerdem in mehr als 80 weiteren Ländern zu sehen sein. Um alle Abstandsregeln und Hygieneanforderungen unter diesen besonderen Umständen einhalten zu können, wurde das Programm an eine kammermusikalische Besetzung angepasst. Es erklingen nun Werke von Arvo Pärt, György Ligeti und  Samuel Barber sowie Gustav Mahlers Vierte Symphonie in einer Bearbeitung für Kammerensemble von Erwin Stein. Solistin ist die Sopranistin Christiane Karg. Bundespräsident Steinmeier eröffnet das Europakonzert in der lereren Philharmonie Berlin mit einer kurzen Ansprache.

https://www.berliner-philharmoniker.de/titelgeschichten/20192020/europakonzert-2020/

Digital concert

Jonas Kaufmann sang im leeren Münchner Nationaltheater

…Am Schluss geht dem Sänger das Herz über. Die letzten Töne der „Dichterliebe“ von Robert Schumann sind verklungen, die Kamera ist eigentlich schon ausgeschaltet und wird geistesgegenwärtig wieder angeknipst, als sich Jonas Kaufmann an „alle da draußen“ wendet. Er wünscht alles Gute und seufzt aus tiefer Seele: „Ohne Publikum ist es einfach nicht dasselbe.“


Foto: Wilfried Hösl

Die wunderbare und Maßstäbe setzende Dichterliebe mit Kaufmann und Deutsch ist ab sofort 1 Woche auf staatsoper.de abrufbar.

Jonas Kaufmann singt Schumann im leeren Nationaltheater
Die Staatsoper nimmt ihre Montagskonzerte im Internet wieder auf
Münchner Abendzeitung

La Bayerische Staatsoper y Jonas Kaufmann rinden homenaje a Peter Jonas

https://www.operaactual.com/critica/la-bayerische-staatsoper-y-jonas-kaufmann-rinden

 

Traurig scheint es um Katharina Wagner bestellt zu sein!

In den Zeitungen gibt es nicht einmal Spekulationen. Georg von Waldenfels, Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, mutmaßt, dass Katharina Wagner auch ausgefallen wäre, wenn die Festspiele dieses Jahr hätten stattfinden hätten können. 

Auszug aus dem Tagesspiegel:

…Wenn doch mal ein Foto der Urenkelin Richard Wagners auftauchte, konnte man in dem gedunsenen Gesicht kaum jene junge Frau erkennen, die nach zähem Ringen, auch mit dem Vater, 2008 zunächst noch zusammen mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier die Leitung am Grünen Hügel übernahm.

Ihr Triumph war damals schon von Tragik überschattet: Stefan Müller, der Rechtsanwalt und Freund, starb auf dem Weg zum Treffen mit dem Stiftungsrat auf der Autobahn hinter dem Lenkrad, Katharina Wagner konnte den Wagen zum Stehen bringen, Müller aber nicht retten. Mit seiner Hilfe hatte sie Konstruktionen geschaffen, die ihr die Modernisierung von Bayreuth ermöglichen sollten…

…Zwischenzeitlich zierte die Festspielchefin, nach Radikaldiät als Vamp gestylt, die Seiten der Hochglanzpresse, die sich für ihre künstlerischen Ambitionen einen feuchten Kehricht interessierte. All das muss sie viel Kraft gekostet haben – mehr, als man es bei ihrer scheinbar so robusten fränkischen Natur vermutet hätte. 

Bayreuth
Flieh des Ringes Fluch
Erst die Absage der diesjährigen Festspiele, dann die Nachricht vom krankheitsbedingten Ausfall der Chefin: Bayreuth sorgt sich um Katharina Wagner.
Tagesspiegel

Festspiel-Chefin Katharina Wagner „längerfristig erkrankt“
Keine Zeitung weiß Näheres
Kurier

Bayreuther Festspiele ohne Katharina Wagner?
Die Absage der Festspiele kam nicht überraschend. Schockierend ist die Nachricht, dass Festivalleiterin Katharina Wagner wegen einer Erkrankung ihre Arbeit nicht mehr wahrnehmen kann. Was bedeutet das für Bayreuth?
https://www.dw.com/de/bayreuther-festspiele-ohne-katharina-wagner/a-53269297

Natürlich habe ich Leute kontaktiert, die Näheres wissen müssten. Fehlanzeige! Dabei hatte ich nicht den Eindruck, dass es mir diese Leute nicht sagen wollte, sie tappen selbst im Dunklen. Zum allernächsten Kreis dringe ich natürlich nicht vor!

WIEN/ Staatsoper Opernintendant Bogdan Roscic: Er shoppt lieber Altbewährtes


Bogdan Roscic. Foto: Lalo Jodlbauer

Manuel Brug hat – wie meist – gut analysiert:

Roscic wagt für Wien – nicht für internationale Standards – viel, wagemutig ist er nicht. Er hat sich gut beraten lassen (unter anderen von Ioan Holender, seinem umtriebigen Vorvorgänger im Amte). Und er tritt seinem Vorgänger Dominique Meyer ziemlich rüde nach, indem er viele frische, schlechte, aber teure Inszenierungen aus dessen Ära gleich wieder entsorgt. Selbst dessen coronabedingt ausgefallene, letzte Premieren – „Così fan tutte“ und Verdis „Maskenball“ – wären schon in der nächsten Spielzeit gar nicht mehr angesetzt gewesen.

Bogdan Roscic ist vor allem shoppen gegangen. Er hat eingesammelt, was sich anderswo bewährt hat. Man findet die großen, auch alten Regienamen, keiner ist neu oder unerprobt. Mehr noch: Es gibt zwar zehn statt sechs Premieren, aber von denen sind nur zwei echt. Der Rest von Castorf, Tcherniakov, Stone e tutti quanti stammt aus dem Fundus anderer Häuser.
Die Welt.de

Da bin ich eigentlich schon etwas stolz darauf, dass die ersten Analytiker des Online-Merker den Vergleich mit einer Boutique (Kram-Laden?) gebraucht haben, bevor dieser der Konkurrenz eingefallen ist!

Neuer Chef der Wiener Staatsoper will kein „Auslastungsstreber“ sein
https://www.swr.de/swr2/musik-klassik/wienerstaatsopernchef-erstes-interview-100.html

Wie bereits gestern an dieser Stelle geschrieben: Wenn er zu Beginn der Saison ohne den großen Tourismusanteil ehrliche 80 % in sein Haus bekommt, ist das ein größeres Kunstück als die durch diverse Rechenkunststücke zustandegekommenen 99,3 % des Vorgängers! Vielleicht hat die Krise auch insoferne Gutes, als man mit den die Staatsoper haltenden österreichischen Steuerzahlern anders umgeht, als dies in der Vergangenheit war. Allerdings müssten die Österreicher die Chance überhaupt nützen wollen. Die Stunde der Wahrheit steht unmittelbar bevor!

Das Klischée, dass in Wien jeder Taxifahrer über die Oper Bescheid weiß, ist seit geraumer Zeit völlig blödsinning. Die Struktur der Taxler hat sich weitestgehend geändert. Ich bin gar nicht sicher, dass jeder Taxifahrer in Wien weiß, wo die Oper ist!

Wien
Roscic: Staatsoper „muss neue Leute entdecken“
Das Haus spielt sehr viel, vielleicht mehr als jedes andere Opernhaus der Welt. Man muss 250 Abende Oper besetzen. Das geht gar nicht nur mit den paar ganz bekannten Namen. Da muss die Staatsoper, und das hat sie auch immer, und das werde ich ganz ausführlich fortsetzen, neue Leute entdecken“, sagte Roscic im Gespräch mit „Wien heute“
https://wien.orf.at/stories/3045786/

Instag(K)ramereien: Anna Pirozzi MET Oktober 2019. Sie  wird jetzt auch in Wien angekündigt.

ZU INSTAGRAM – Video

Buchbesprechung – Peter Kamber: FRITZ UND ALFRED ROTTER
Ein Leben zwischen Theaterglanz und Tod im Exil
504 Seiten, Henschel Verlag, 2020


Besuchen Sie Renate Wagners BUCHBESPRECHUNG

Dieses Buch verläuft auf zwei Ebenen, die allerdings eng mit einander verstrickt sind. Die eine erzählt – einen Kriminalroman, ein wenig auch eine Gaunergeschichte über zwei windige Brüder, die allerdings mit besonderen Talenten ausgestattet waren. Die andere gehört unbedingt dazu und berichtet von der Leistung dieser „Brüder Rotter“ als Impresarios ohnegleichen, die das Bild der „goldenen Zwanziger Jahre“ in Berlin mitbestimmten wie wenige sonst. Und Autor Peter Kamber erzählt wirklich alles, was es über die Rotters zu wissen gibt.

Die Rotters, die eigentlich Schaie hießen, wurden als Söhne eines bald erfolgreichen Händlers für Herren- und Knabenkonfektion noch in Leipzig geboren, Alfred Schaie im Jahr 1886, Fritz im Jahr 1888. Die Familie übersiedelte nach Berlin, wo zwei Schwestern dazu kamen, die im Leben der Brüder noch gute Rollen spielten (Lucie, geboren 1892, und Ella, geboren 1894 – ihr Sohn Peter Ullman, dem mit den Eltern die Emigration gelang, ist einziger Nachkomme dieser Schaie-Geschwister, und hat nach dem Krieg versucht, die Erinnerung an sie zumindest durch Gedenksteine aufrecht zu erhalten)…

Zur Buchbesprechung von Renate Wagner

Burgenland
Doskozil lässt die Wiener wieder an ihr Meer
Ab 1. Mai ist wieder das uneingeschränktes Betreten von Seebädern am Neusiedler See möglich. Aufgrund sinkender Infektionszahlen gebe es vorerst keine neue Verordnung, so Doskozil.
https://www.diepresse.com/5806495/doskozil-lasst-die-wiener-wieder-an-ihr-meer

Das beruhigt mich ungemein, obwohl ich noch nie im Neusiedlersee gebadet habe. Aber es beweist, Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wurde!

Außerdem bringt es uns der Normalität wieder ein gutes Stück näher. Es wird von der Politik an Ausstiegsszenarien  gebastelt, deshalb glaube ich auch nicht, dass der „Volksopern-Meyer“ im Park wird spielen müssen. Die Welt ist falsch abgebogen, Österreich musste natürlich Vorzugsschüler sein. Nun wird man uns erklären müssen, dass wir zwar Monate lang mit Masken herumlaufen mussten und sehr viele den Arbeitsplatz verloren haben, vor Kontakten jeglicher Art gewarnt wurden – nun aber wieder um Touristen und somit Kontakte werben und diese in das Land bitten! Ja, ich weiß, liebe Regierung: Alles Euer Verdienst. Ihr ward wirklich großartig vorausschauend und habt alles richtig gemacht. 

Jetzt bringt uns aber aus dieser Scheißgasse wieder heraus!

Heute um 21,10 h in Servus TV: Interview mit Prof. Dr. Sucharit Bhakdi

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

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