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28. FEBRUAR 2020 – Freitag

28.02.2020 | Tageskommentar


Der Mann hält sich erstaunlich gut in Schwung: Roberto Alagna als Calaf in der Wiener „Turandot“. Foto: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Renate Wagner schreibt in ihrer Kritik: 

Eine schöne Repertoireaufführung beweist, dass es sich lohnt, sich um Besetzungen zu kümmern – wenngleich natürlich immer Wünsche offen bleiben. Diesmal der größte, in Bezug auf die Titelheldin. Aber die beiden anderen Protagonisten der führenden Rollen machten vieles wett.

Voran Roberto Alagna in dem Mix aus Calaf & Giocomo Puccini, das die Inszenierung von Marco Arturo Marelli auf die Bühne bringt. Der Komponist, vermutlich in seiner Villa in Torre del Lago (?), arbeitet (teils am Klavier) an seiner „Turandot“, tritt als er selbst, aber Calaf verkörpernd, ins Geschehen…Das „bricht“ die Figur, macht sie heutiger und für den Interpreten leichter, der aber dennoch überzeugend der tenorale Prinz und große Liebende sein muss, sonst funktioniert die Geschichte ja nicht. Alagna hat in der Wiener Inszenierung schon gesungen und steht als Darsteller wirklich souverän in der Rolle – wie er den Rätseln der Turandot gegenüber steht und an ihrer Lösung grübelt, zählt zu den spannendsten Momenten des Abends…

Das Publikum belohnte das Finale (natürlich, es ist ja laut genug) mit einem Begeisterungsschrei, und Alagna schüttelte auch dem „Suggeritore“) die Hand. Eine schöne Geste, sich an die zu erinnern, die unbedankt am Gelingen eines solchen Abends mitwirken.

Zum Bericht von Renate Wagner

Wiener Staatsoper: MADAMA BUTTERFLY (26.2.)


Sae Kyung Rim (im Hintergrund Valeriia Savinskaia als Kate, eine „Novomatic-Stipendiatin). Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Kurt Vlach ist durch den „japanischen Teil seiner Familie“ besonders sensibilisiert und gewährt einen Einblick in sein erweitertes Wissen:

Es hat mich überrascht, wie zeitgemäß und noch immer gültig dieses Stück, das man ja fast – was die Handlung betrifft – als Kammerspiel bezeichnen kann, ist. Es ist hochpolitisch und anti-imperialistisch, zeigt die teils menschenverachtende Einstellung der Personen auf, die Großmächte repräsentieren, und den Versuch von Menschen, die nicht von der westlichen Kultur geprägt sind, sich den neuen Herrschern / der neuen Zeit anzupassen und dabei ihre eigenen Wurzeln verlieren beziehungsweise versuchen zu verleugnen. Ich gebe zu, dass ich durch den Hintergrund des japanischen Teils meiner Familie da sehr sensibilisiert bin – andererseits denke ich, dass ich dadurch etwas mehr Einblick in diese, für Europäer noch immer sehr fremdartige, Kultur besitze…

Zum Bericht von Kurt Vlach

Die Besprechung von Manfred A. Schmid haben wir gestern kurz angerissen:

Im ersten Akt wirkt Sae Kyung Rim jedenfalls ziemlich unauffällig, auch im Liebesduett mit Pinkerton kann sie sich schwer gegen den gewichtigen Tenor Fabio Sartoris durchsetzen. Für lyrischen Passagen scheint sie sich nicht besonders zu eignen, der typische Puccini-Schmelz will sich nicht einstellen. Nach der Pause allerdings zeigt sie ihre Stärken. Wenn es hochdramatisch wird, wenn sie ihre Sorgen und Ängste artikuliert und trotz allem unbeirrt daran festhält, dass ihr Mann aus Amerika zurückkehren wird, agiert sie mit erschütternder Wucht und weiß die Sympathien des Publikums auf ihrer Seite. Ihre überbordende Expressivität bewirkt, dass alle Augen bis zum bitteren Ende auf sie gerichtet sind, denn auch darstellerisch wirkt sie überaus berührend…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Plácido Domingo sagt Auftritte im Madrider Teatro Real ab
Der Opernstar wollte mit seiner Entscheidung möglicherweise einer Absage durch das Theater zuvorkommen. Anfang der Woche hatte er sexuelles Fehlverhalten zugegeben
Der Standard

Die Heimat kehrt Placido Domingo den Rücken
Nach dem Schuldspruch gegen Harvey Weinstein kann sich „MeToo“-Bewegung weiteren Erfolg auf die Fahnen schreiben.
Wiener Zeitung

Es ist beschämend, wie man mit PD verfährt – obwohl er es womöglich durch sein auch nicht sehr rücksichtsvolles Agieren in der Vergangenheit provoziert hat. Aber das ist bereits eine Form von Kannibalismus – grauslich!

Wiener Staatsoper: Entlassener Solo-Cellist ist kein Philharmoniker mehr
Der Cellist war wegen Missbrauchsvorwürfen bereits von der Musikuniversität entlassen worden. Er will gegen die Fristlose klagen.
Kurier
Philharmoniker-Cellist aus Staatsoper und Orchester entlassen
Nachspiel von Entlassung wegen Missbrauchsvorwürfen an der Musikuniversität – Orchester erfuhr auf Frankreich-Tournee von Kündigung, Musiker durfte nicht mehr auftreten
Der Standard

Was ist vorgefallen? Aussage steht gegen Aussage. Ich weiß nicht, wer den Musiker beraten hat – sehr klug waren die Ratschläge angesichts der aufgeheizten Stimmung sicher nicht. Wir nähern uns bereits wieder den Zeiten, in denen man die Unschuld beweisen musste. Vorweg, ich kenne den Musiker nicht, weiß nicht einmal seinen Namen. Wenn ich mich richtig informiert habe (was auch nicht sicher ist), dann wurde ihm ein Vergleich angeboten, nachdem er seine Stelle bei den Philharmonikern behalten hätte, der aber ein Schuldeingeständnis beinhaltet. Das hat er nicht unterschrieben – sondern er wollte voll rehabilitiert werden, fühlt sich nicht schuldig.

Wenn er etwas nicht getan hat, dann soll/ darf er es auch nicht zugeben.  In Zeiten wie diesen ist das offenbar ein Fehler. Ein Beschuldigter in so einer Angelegenheit muss froh sein, dass die Folter bereits abgeschafft ist. Im Zuge des Verfahrens wurde seitens des Anwaltes des Musikers erwähnt, dass der Staatsoperndirektor vorgeschlagen haben soll, die Sache bis nach seinem Abgang hinauszuziehen. Nun, ohne Beweis ist so eine Behauptung kühn – und ging auch voll in die Hose (Fristlose Entlassung, der Musiker durfte augenblicklich nicht mehr konzertieren, obwohl er mit den Philharmonikern in Frankreich war). Jetzt habe ich nachgedacht, wie ein Diplomat (der Direktor kam durch die Diplomatie erst zum Theater) reagieren würde – denken auch Sie nach!

Dem Musiker wurde demnach seine berufliche Existenz entzogen, der Herr Direktor ist ab Sonntag Chef in Mailand und in Wien offiziell „Teilzeitdirektor“. Da man zwei Herren nicht dienen kann, „schupft in Wien die Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros den Laden“!

Ich habe vor niemand volle Hose und laufe auch niemand nach. Wie die Sache aber wirklich war, würde ich gerne veröffentlichen!

INSTAG(K)RAMEREIEN – gefunden von Fritz Krammer

Schauen Sie sich dieses Video an! Würde statt Anna Netrebko ein Mann so agieren, würde er an MeeToo streifen. Zuerst die Musiker betatschen, dann auf die Pauke hauen (F.K)

Natürlich ist voranstehender Satz nicht ernst gemeint – aber wissen Sie, was zur Suspendierung Vittorio Grigolos an der Met und in London geführt hat?

ZU INSTAGRAM/ CLIP

Der Berliner Ochs und Zubin Mehta


Der Ochs ist wohl unverkennbar, es ist Günther Groissböck. Rechts ist Zubin Mehta ebenso unverwechselbar. 

Samstag steht der letzte Heller-Rosenkavalier in Berlin auf dem Programm, die letzte Vorstellung singt Wolfgang Bankl (Ochs). Donnerstag sang Adrian Eröd den Faninal (an Stelle von Roman Trekel)

Coronavirus an der Oper: Mailänder Scala bleibt geschlossen
Nach der Infektion eines Chormitglieds werden die Aufführungen bis Montag ausgesetzt. Bürgermeister Sala fordert die Wiedereröffnung der Museen
Der Standard
Mailänder Scala bleibt bis mindestens 2. März geschlossen
Auch die weltweit größte Möbelmesse findet nicht statt
Wiener Zeitung

Mich interessiert die Möbelmesse (ein Fixpunkt in meinem Leben) mehr als das Opernhaus – was nicht heißt, dass es mich nicht interessiert!

Wagners „Ring des Nibelungen“ in Bochum: Abschiedsgeschenk für Steven Sloane
Sloanes Herzenswunsch erfüllt sich in der letzten Spielzeit. Die Proben zu Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ beginnen im Sommer. Dank Finanzierungshilfe von Norman Faber, Faber Lotto-Service, verabschiedet sich Musikdirektor Steven Sloane nach 27 Jahren von den BoSy und den Bochumern mit „Rheingold“, „Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“.
https://www.waz.de/staedte/bochum/bochum-steven-sloane-verabschiedet-sich-mit-wagners-ring-id228498019.html

Bologna: „Madama Butterfly“ fasziniert jenseits exotischer Klischees im Teatro Comunale di Bologna
Teatro Comunale di Bologna, 20. Februar 2020 (Première)
Auf der Bühne des einmaligen – 1763 eröffneten – Teatro Comunale di Bologna, einem der bedeutendsten Opernhäuser Italiens, durften wir eine Madame Butterfly erleben, welche die meisten Inszenierungen dieser populären Opern in den Schatten stellt. Die herausragende Qualität dieser Produktion liegt nicht nur an der Titelfigur Cio-Cio-San, hervorragend verkörpert und fantastisch gesungen von der südkoreanischen Sopranistin Karah Son, sondern gleichermaßen an der ausgezeichneten Regie (Damiano Michieletto) und dem frappierend realistischen Bühnenbild (Paolo Fantin).
Dr. Charles E. Ritterband berichtet aus dem Teatro Communale di Bologna.
Klassik-begeistert

Gesamte Opern im Radio (ab heute)

28.2. COSI FAN TUTTE (Live aus New York) MET-Stream-1.25 Uhr
29.2. AGRIPPINA (Live aus New York) WDR 3, RAI 3, RNE Classica Madrid-19 Uhr
RODELINDA (aus Amsterdam, Aufn. v. 28.1.) Radio 4Hilversum-19 Uhr
A MIDSUMMERNIGHT’S DREAM (aus Wien, Aufn. v. 2.10.2019) Bayern 4-19 Uhr 19.05 Uhr
ORLANDO (aus Wien, Aufn. v. 8.12.2019) Deutschlandradio-19.05 Uhr
AGRIPPINA (Live teitvers. aus New York) ORF Ö1-19.30 Uhr
GIULIO CESARE (aus Bukarest, Aufnahme v. 20.9.2019) BBC 3-19.30 Uhr
DON PASQUALE (aus London, Aufnahme v. 24.10.2019) VRT Klara-20 Uhr
PARSIFAL (aus Toulouse, Aufnahme v.26.1.) France Musique-20 Uhr
CAVALLERIA RUSTICANA-PAGLIACCI (aus Barcelona, Aufn. v. 18.12.2019) HR 2-20.04 Uhr
1.3. MARX IN LONDON (aus Bonn, Aufnahme v. 20.1.2019) WDR 3-20.04 Uhr
3.3. DER FLIEGENDE HOLLÄNDER (Live aus New York) MET-Stream-1.55 Uhr

WIEN / Kammerspiele der Josefstadt: DER SOHN von Florian Zeller. Österreichische Erstaufführung
Premiere: 27. Februar 2020,
besucht wurde die Voraufführung


Susa Meyer, Julian Valerio Rehrl, Marcus Bluhm. Foto: Barbara Zeininger

Renate Wagner meint: Florian Zeller, Jahrgang 1979, ein so deutscher Name, aber ein französischer Erfolgsautor. Nicht auf der „modernen“, sondern auf der konventionellen Schiene, der dem Publikum Tragikomödien, aber mehr noch Tragödien in ihre bekannten bürgerlichen Wohnzimmer stellt.

Von seiner „Familien-Trilogie“ kennen wir „Die Mutter“ noch nicht, wohl aber „Der Vater“ (2016 mit Erwin Steinhauer in den Kammerspielen), wo alle Welt (inklusive des Publikums) mit der Tragödie eines alten Alzheimer-Patienten gequält wird. Und jetzt, wieder in den Kammerspielen, „Der Sohn“. Genau so schlimm. Genau so tragisch. Genau so aus dem Leben gegriffen.  

Ein „well made play“, wenige Figuren, ein zentrales Thema, wenige Schauplätze (warum Miriam Busch zu ihrer praktisch umräumbaren Szenerie auf der Bühne noch, verkehrt von der Decke hängend, das Wohnzimmer dort noch einmal aufgebaut hat, erschließt sich nicht – eine so sinnlose wie zweifellos teure Idee)…

…Ein beeindruckender Abend, der vielleicht noch stärker wirkte, wenn er nicht so ermüdend repetitiv, sondern schneller, schärfer, zugespitzter wäre.

Zum Bericht von Renate Wagner

50 Fotos von Barbara Zeininger aus dieser Produktion

HEUTE BEIM ONLINE-MERKER

Die Kurzparkzone endet um 19 h, Sie können also auch mit dem Auto kommen! Ich würde aber die U6 oder die Schnellbahn (Bahnhof Meidling) vorziehen. 

Maryna Lopez ist gerade von einer Tournee aus Sibirien und der Ukraine nach Wien zurück gekommen. Mit großem Erfolg sang sie mehrere Male die Carmen in Kiew/National Theater und im Januar gastierte die Sängerin mit Solokonzerten schon wieder in Kiew. Heuer wird sie bei den Salzburger Festspielen dabei sein, bei den Produktionen Boris Godunov und Tosca und wird auf derselben Bühne wie Anna Netrebko stehen. Bei uns in der Online-Galerie hören wir Dichterliebe von Robert Schumann.


Maryna Lopez als „Carmen“ mit der Kostümbildnerin

Besuchen Sie uns, der Eintritt ist frei! Wir lassen den Abend gemütlich ausklingen – wie immer! Ich würde mit der U6 anreisen, aber wer mit dem Auto kommt, hat auch keine Probleme. Die Kurzparkzone endet um 19 h. Nun will ich nicht behaupten, dass wir ein Privileg genießen – wir haben ganz einfach Glück! 

Guter Tag für Österreichs Fußball: Der LASK hat den Aufstieg in das Achtelfinale der Europaliga geschafft – und auch Salzburg ist noch nicht ausgeschieden. Letztere freilich, weil das Spiel gegen Eintracht Frankfurt wegen einer Sturmwarnung auf heute (18 h )verschoben wurde.

Ich wünsche einen schönen Tag und lade Sie zum Konzertabend ein!

A.C.

 

 

 

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