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27. März 2022 – Sonntag

27.03.2022 | Tageskommentar

Haben Sie schon an der Uhr gedreht?

Wenn nicht, dann kommen Sie zu spät!

Fotos: Metopera

WIEN – NEW YORK / Die Met im Kino:  DON CARLOS von Giuseppe Verdi
Gesungen auf Französisch 
26.
März 2022

Renate Wagner: Die New Yorker Metropolitan Opera hatte nicht viel Glück mit der Besetzung dieser „Don Carlos“-Produktion. Sowohl Philipp wie die Eboli zogen sich (aus offiziell nicht genannten Gründen) zurück – und gerade diese Namen, Günther Groissböck und Elina Garanca, wären es wohl gewesen, die noch ein paar Hundert Opernfreunde in Richtung der Kinos, wo die „Met im Kino“ angeboten wurde, in Bewegung gesetzt hätten. So blieb der Saal bestenfalls einigermaßen gut gefüllt, aber die Zeit, wo diese Aufführungen rappelvoll waren, ist längst vorbei. Es hat sich sehr viel geändert.

Den stärksten medialen Wirbel machte man darum, dass die Met erstmals in ihrer Geschichte (und sie hat den „Don Carlos“ wahrlich oft neu inszeniert – und oft auch in besserer Besetzung als hier) die französische Fassung des Werks bieten würde. Da Verdi die Oper für Paris komponiert hat, könnte man also meinen, die „Urfassung“ von 1867 zu erleben. Aber mitnichten.

Im Gegensatz zu dem, was man in Wien (in der sagenhaft überschätzten Konwitschny-Aufführung) gehört hat, nämlich wirklich eine „andere Version“ des bekannten „Don Carlos“, spielt man in New York mit ganz wenigen Veränderungen zum Original zurück die italienische Orchesterfassung und lässt dazu französisch singen. Gepriesen wird die „Eleganz“ dieser Fassung bzw. der Sprache, aber das tauscht man ohne Bedenken gegen die Dynamik des italienischen „Don Carlo“ ein. (Und was den ersten Akt der französischen Fassung betrifft – ja, er ist verzichtbar…)

Das Ganze kann man als solides Repertoire bezeichnen. Und man könnte sich vorstellen, dass die Inszenierung an Überzeugungskraft gewinnt, wenn Kleinigkeiten daran geschliffen werden und eine temperamentvolle, hochwertige Sängerschar für die italienische Version der Oper hier einzieht.

Zum Bericht von Renate Wagner

„Don Carlos“. Foto: Metopera

Johannes Marksteiner war auch im „Met-Kino“. Wenn ich mich daran erinnere, dass ich in der Anfangszeit für eine „Butterfly“ (in der nun für Wien als „neu geltenden Inzenierung) im Cineplexx keine Karte bekommen habe, dann zeigt sich, wie sich die Dinge geändert haben.

Des Rezensenten Eindrücke von der Besetzung: Gesanglich war die Welt zweigeteilt: Hier die Herausragenden, wie etwa Sonya Yoncheva als Elisabeth. Mit klarem und kräftigem Sopran war sie bemüht, ihre Rolle nicht als das übliche Opferlamm darzustellen, sondern dem König auch selbstbewusst entgegenzutreten. Etienne Dupuis sang den Posa mit kerniger und wohlklingender Stimme, auch er als ernstzunehmender Widerpart Philipps. Der Stern des Abends war Matthew Polenzani in der Titelrolle. Seine Stimme ist kräftiger geworden, ohne den Schmelz und die sicheren Höhen verloren zu haben. Die Nahaufnahmen zeigten sein glaubwürdiges (Mienen-)Spiel, den Liebenden, den Leidenden, den Aufbegehrenden, den Resignierenden verkörperte er perfekt. Dass ihm immer noch der Schalk im Nacken sitzt, bewies er in den an diesem Abend unterhaltsamen Interviews – ein sehr sympathischer Künstler. Nicht ganz zufriedenstellend war die Rolle der Eboli besetzt. Jamie Barton, von einem feindseligen Maskenbildner besonders schlimm verschandelt, konnte alle Wettkämpfe in Punkto Lautstärke gewinnen, vor allem im Terzett übertrumpfte sie die beiden Herren um Längen. Eric Owens ist bekannt für seine erfolgreichen Einsätze als Charakterbass, vor allem im Wagnerfach. Den Philipp sollte er besser nicht singen, da fehlte es nicht an sicherer Höhe, aber seine Stimmführung mit deutlichem Vibrato trübten seine Leistung erheblich. John Relyea brachte alle Voraussetzungen für einen eindrucksvollen Großinquisitor mit, laut und grimmig…

Zum Bericht von Johannes Marksteiener

Und wo trieb sich der gestern an der Met so vermisste König herum? Der machte in Leipzig auf „anderer König“

LEIPZIG: LOHENGRIN:  – Eindrücke von der Premiere am 26.3.

 

 

G.G. hätte ursprünglich König Philipp in New York sein sollen (der „italienische Philipp“ steht im dort aber bevor). Mit New York hat es diesmal auf französisch nicht geklappt, aber da anscheinend Not an Königen herrscht, wurde ihm ein anderer Thron angeboten, der des deutschen Königs Heinrich. So ein Bassist hat es leicht, König zu werden. Die Tenöre stehen meist auf Seiten der „armen Würstchen“, der Verlierer, die am Ende ihr Leben aushauchen und damit die Weiblichkeit zu Tränen rühren.  Gerade die Verlierertypen werden aber von der Damenwelt mehr geschätzt als Könige.  Verstehe das, wer kann!

Heute schickt G.G. in Mailand „Don Giovanni in die Hölle!

Moskau
Mehr Macht: Putin will Gergiev auch Bolschoi-Theater überlassen
Der russische Präsident sagte in einer kulturpolitischen Rede, der in München geschasste Dirigent solle „darüber nachdenken“, ob sein Petersburger Mariinski-Theater mit Moskaus Opernhaus fusioniert werden könne. Gergiev gilt als Favorit Putins.

BR-Klassik.de

Stuttgart
SWR Symphonieorchester hält an Dirigent Currentzis fest
Sein Ensemble musicAeterna wird mit russischen Geldern finanziert. Für das SWR Symphonieorchester ist das kein Grund, sich von seinem Chefdirigenten Teoroder Kurrentzis zu trennen. Als symbolisches Zeichen wird auf der nun startenden Europatournee ein ukrainisch-deutsch-russisches Programm gespielt.

BR-Klassik.de

Deutsche Oper Berlin: Il Viaggio a Reims
Lebhafte Inszenierung mit viel Macho-Gehabe und Diven-Theater, dazu jede Menge guter Sänger – die selten gespielte Reise nach Reims an der Deutschen Oper reüssiert in einer Wiederaufnahme unter der Leitung von Yi-Chen Lin.

In punkto Sujet und Handlung stellt Rossinis Il Viaggio a Reims (Die Reise nach Reims) einen hochspeziellen Opern-Sonderfall dar. Dieses dramma giocoso ist schon kurios bühnenuntauglich: elf Hauptrollen, ein einziger Akt, 26 Szenen. Ouvertüre? Fehlanzeige. Handlung? Tendiert gegen null…

…Viel freie Plätze, viel Applaus, schöne Wiederaufnahme der attraktiven Rossini-Rarität. 
konzertkritikopernkritikberlin.a.schlatz

Berlin/ Deutsche Oper: Nichts ist mehr selbstverständlich
Dietmar Schwarz kündigt die neue Spielzeit der Deutschen Oper an und spricht über den Umgang mit russischen Künstlern.
Berliner Morgenpost

Söder stellt lange geplanten Münchner Konzertsaal in Frage
Ministerpräsident Söder stellt den Bau des neuen und bis zu einer Milliarde Euro teuren Konzertsaals in München in Frage: Man könne nicht alles unendlich finanzieren, der Staat sei durch die Corona- und die Ukraine-Krise finanziell massiv gefordert.
BR-Klassik.de

Neuer Münchner Konzertsaal: Sterben auf Raten – mit Finale nach der Wahl
Katrin Habenschaden will mit Kunstminister Markus Blume eine Kooperation beim Gasteig vorschlagen. Es wäre das Ende für das teure Projekt im Werksviertel.
MünchnerAbendzeitung

TTT Vinylschätze 17  Tempi passati: R. Strauss Wiener Philharmoniker Sir Georg Solti 1958 Arabella – Und du wirst mein Gebieter sein – Lisa della Casa – George London

 

https://www.youtube.com/watch?v=HSzCOTQbw2s&list=RDHSzCOTQbw2s&start_radio=1   3.39 Min.

Auszug NMZ 2007: „Und du wirst mein Gebieter sein, und ich dir untertan. Dein Haus wird mein Haus sein, in deinem Grab will ich mit dir begraben sein – so gebe ich mich dir auf Zeit und Ewigkeit.“

Aber nun reicht’s! Hier wird doch hemmungslos reaktionäres Gedankengut gepredigt! Die Frau am Herd, und das im Zeitalter des Krippenausbaus! Noch nie was gehört von mehrfach codierten Beziehungen und Lebensabschnittspartnern? Frauengehorsam und Ewigkeit! Und dann die Uraufführung, Dresden 1933, schon nach der faschistischen Machtergreifung: typisch für diesen Opportunisten! Strauss, setzen, sechs! (Hofmannsthal muss nur zehn Kniebeugen machen, der ist schon 1929 gestorben.)

Aus der Sicht heutiger EU-Normen mag das zutreffen. Nur kümmert sich leider das Kunstwerk nicht darum. Die Musik hebt den psychologisch raffiniert gebauten Text in eine Kunsthöhe, wo solche gesellschaftsbezogenen Einwände nicht nur wirkungslos verpuffen, sondern wo auch das, wogegen sie sich richten, wieder völlig überzeugend daherkommt. Ein richtiger Akkord, eine melodische Wendung, und alle mühsam verdrängten Empfindungen werden im Nu wieder lebendig. Die Tabus schmelzen dahin, das Publikum erkennt in der Musik seine eigenen heimlichen Sehnsüchte, und die Suggestion der reinen Liebe, wie sie sich in der Figur der Arabella verkörpert, lässt alle kritischen Theorien alt aussehen. So einfach ist das manchmal.

Die Oper „Arabella“ (1933) von Richard Strauss

Selten wurde eine Oper so mit einer Sängerin identifiziert wie Richard Strauss‘ „Arabella“ mit Lisa della Casa. Was sagt ein Dirigent dazu, der sich besonders zu Strauss hingezogen fühlt? Christian Thielemann über ein unterschätztes Werk.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-oper-arabella-von-richard-strauss-ein-zwe

Wien/ Staatsoper: Musikalisch genial, szenisch verfehlt
Alban Bergs „Wozzeck“ besucht Wiener U-Bahn-Station
https://volksblatt.at/musikalisch-genial-szenisch-verfehlt/

Wien/Staatsoper
Immer den Chor im Ohr
Seit 16 Jahren leitet Thomas Lang den Chor der Wiener Staatsoper, in dem auch Ukrainer neben Russen singen.
WienerZeitung.at

„Der Vampyr“ hat in Hannover Premiere gefeiert

…Und diese Oper wird in Hannover am Ende sehr politisch, denn der Vater von Vampyr-Opfer Malwina ist Ölscheich. Bühnenbildner Josa Marx steckt das Ensemble in schwarze Lackklamotten à la Vivienne Westwood. Damit soll an den aktuellen Öl-Vampirismus erinnert werden: Party gepaart mit der Kritik an einem Aussaugen der Umwelt – ob das am Ende funktioniert?
NDR.de

Die Kulturstadt Brünn 2022 – Action rund um Janácek und Mendel

Ensembleszene aus „Beethoven“ Credit: Narodni divadlo Brno

Die Kulturstadt Brünn verehrt ihre zwei Heiligen. Zwei ohne Heiligenschein, doch Größen mit nachwirkender Relevanz in ihren unterschiedlichen Metiers. Geistesgröße Gregor Johann Mendel (1822 bis 1884) hat als Mönch und dann als Abt der Alt Brünner-Abtei St. Thomas seine Forschungen zur Vererbungslehre betrieben. Verbunden mit Mendel ist ein heute immer wieder zu hörendes Modewort: Hybrid. Und für die Musikergröße Leos Janácek (1854 bis 1928) aus dem Norden Mährens ist Brünn zur Heimatstadt geworden. In der Schule von St. Thomas erhielt er frühen musikalischen Unterricht, und in der Stadt wird sein Schaffen durch die Jahrzehnte mit besonderer Umsicht gepflegt. ..

Mehr Info in „Reise und Kultur“/ Feuilleton

Die Esterhazy Privatstiftung obsiegt ein zweites Mal in der Sache der Esterhazy Schätze vor der Kurie, dem obersten Gerichtshof Ungarns

Figurenuhr Bacchus. Foto: Esterhazy Privatstiftung

In der Sache der Restitution von Kunstobjekten der Esterhazy-Schatzkammer von Burg Forchtenstein entschied der Oberste Gerichtshof am 23. März in einem zweiten, wegweisenden Urteil innerhalb von nur zwei Monaten erneut zugunsten der Esterhazy Privatstiftung. Bereits im Jänner hob der Oberste Gerichtshof das Urteil zum Eigentumsrecht im Zivilprozess vollständig auf. Beide Verfahren müssen nun neu geführt werden und gravierende Verfahrensmängel beseitigt werden. Die Esterhazy Privatstiftung begrüßt diese Entscheidung und ist weiterhin bereit, mit dem Staat Ungarn zu verhandeln und sich außergerichtlich zu einigen…

Mehr darüber in den heutigen „Infos des Tages“

ORF – „IM ZENTRUM“: Ein Land im Krankenstand – Politik vor dem Corona-Kollaps?

 Am 27. März um 22.10 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) – Die jüngste Corona-Infektionswelle bringt Österreich an die Grenzen der Belastbarkeit. Ob in Familien, Schulen oder in Betrieben – überall gibt es Erkrankungen, Infektionen oder Menschen in Quarantäne. Die Regierung muss sich den Vorwurf gefallen lassen, zu früh die Corona-Maßnahmen gelockert zu haben. Diese Woche hat der Gesundheitsminister neue Masken- und Quarantäneregeln festgelegt. Diese stellen einen Kompromiss dar, dennoch gibt es daran ebenso Kritik wie an der neuen Teststrategie des Bundes. Ist die Corona-Strategie mittlerweile Ausdruck eines politischen Minimal-Kompromisses? Welche Interessen vertreten Bund, Länder und die Wirtschaft? Welche Lehren hat die Politik aus zwei Jahren Pandemie-Bekämpfung gezogen? Und welche Rolle spielt die Wissenschaft noch bei der Entscheidungsfindung?

Darüber diskutieren am Sonntag, dem 27. März 2022, um 22.10 Uhr in ORF 2 bei Claudia Reiterer „IM ZENTRUM“

Ein Lächeln im Krieg Wenn der Bauer den russischen Panzer klaut

Bauer klaut Panzer. Foto: Twitter

Der Umstand, dass ukrainische Bauern russische Panzer ins Schlepptau nehmen und einfach davonfahren, sorgt seit geraumer Zeit für große Heiterkeit in sozialen Netzwerken. Steht dieses Bild doch für die biblische Geschichte des Kampfes von David gegen Goliath. Und das Lachen macht Mut.
https://www.n-tv.de/politik/Wenn-der-Bauer-den-russischen-Panzer

Ich wünsche einen schönen Sonntag

A.C

 

 

 

 

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