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27. JUNI 2020 – Samstag

27.06.2020 | Tageskommentar

Heute (19h) in der Wiener Staatsoper und auch auf Stream: „Galakonzert des jungen Ensembles“ – Abschiedsabend von Direktor Dominique Meyer.  Foto: Wiener Staatsoper

http://www.staatsoperlive.com/

Mit einem „Galakonzert des jungen Ensembles“ – auf Grund der aktuellen Bestimmungen vor nur 100 Besucherinnen und Besuchern – beschließt die Wiener Staatsoper am Samstag, 27. Juni 2020 ihre Spielzeit 2019/2020. Nach zehn Saisonen im Haus am Ring verabschiedet sich mit diesem Konzert auch Staatsoperndirektor Dominique Meyer aus Wien.

Mit dieser Konzertreihe hat die Wiener Staatsoper doch noch ein endrucksvolles Zeichen gesetzt. Internationale Stars wurden aufgeboten, viele Ensemblemitglieder konnten sich aus Wien verabschieden.

Heute ist, wenn ich es richtig mitbekommen habe, sogar wieder das Orchester am Werk. Platz ist ja derzeit genug. Ich bin gespannt, wie man dieses Problem gelöst hat. Im Stream ist die Lösung heute mitzuverfolgen!

Wiener Staatsoper: 25.6.2020 Liederabend Krassimira Stoyanova

Ludmil Angelov, Krassimira Stoyanova. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Wenn man solch eine Serie von Solo-Abenden großer Sänger miterlebt, wie sie uns die Pandemie nun an der Wiener Staatsoper ermöglicht hat, ist jedesmal das Staunen groß, welch unterschiedliche Zugangsweisen zum Lied die einzelnen Künstler zeigen. In den über 20 Rollen, die Krassimira Stoyanova seit 1998 am Hause gesungen hat, schenkte sie neben ihrer prächtigen Sopranstimme jeder verkörperten Figur ihre persönlichen, immer überzeugenden Wesenszüge…

Zum Bericht von Sieglinde Pfabigan

So glanzvoll klingt Meyers Ära aus
Ein „Addio“ auf Raten: Mit zwei konzertanten Abenden verabschiedeten sich die Primadonna Krassimira Stoyanova und Ensemblemitglieder vom Operndirektor.
https://www.diepresse.com/5831475/so-glanzvoll-klingt-meyers-ara-aus

Heimlich, stll und leise wurde an einer Sensation gearbeitet: Erstmals in der „Corona-Zeit ein großes Indoor- Oratorium.

EISENSTADT/ Schloss Esterhazy: Haydn „DIE JAHRESZEITEN am 8. August – das  allererste komplette, große Indoor-Oratorium, seit der “Virus” zu “wüten” begann.

Copyright: Esterhazy-Veranstaltungsgesellschaft

Günther Groissböck: Wir haben organisatorisch geschuftet wie die Irren. Vor allem der fantastische Daniel Serafin, Florian Dittrich und der unermüdliche Heinz Ferlesch, der in seiner Funktion als Leiter der Wiener Singakademie auch einer der Sachverständigen fürs Chorsingen in den Beratungen im Ministerium war, haben da Großes geleistet. Aber wir basteln weiter und unsere beinahe täglichen Telefontermine und Konferenzen gehen weiter…

Das ist ein unglaublich wichtiges Zeichen-auch international, denn ich glaube es wird weltweit wohl das allererste komplette, große Indoor-Oratorium sein, seit der “Virus” zu “wüten” begann.

Und die JAHRESZEITEN sind natürlich das allerpassendste Stück (siehe Werkbeschreibung auf der Homepage!), um die Leute wieder etwas zum Nachdenken, aber auch zum Leben zu führen.

Chöre hatten es ja neben der Blasmusik grad besonders schwer, weil sie ja angeblich so gefährlich seien…

Daniela Fally, Sopran
Andreas Schager, Tenor
Günther Groissböck, Bass
Chor Ad Libitum
Barucco, Originalklangorchester
Heinz Ferlesch, Musikalische Leitung

Wir werden noch ausführlich darauf hinweisen!

https://esterhazy.at/veranstaltungen/die-jahreszeiten

München
Bachler: „Kunstministerium ist Gesundheitsamt geworden“
Die Bayerische Staatsoper fühlt sich in der Corona-Krise vom Kunstministerium allein gelassen. „Die Aufgabe eines Kunstministeriums ist, Kunst zu ermöglichen und davon war in diesen Monaten nichts zu bemerken“, sagte Opernintendant Nikolaus Bachler im Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitagsausgabe). „Es ist zu einem verlängerten Gesundheitsamt geworden. Wenn überhaupt was aus dem Ministerium kam, dann waren das Hygieneverordnungen.“

Auszug aus der Sueddeutschen: Bachler, der die Staatsoper im kommenden Jahr nach einer sehr erfolgreichen Amtszeit verlässt, kritisierte in der „Süddeutschen Zeitung“ außerdem, er könne nicht verstehen, warum Kunst- und Kulturveranstaltungen übermäßig reguliert werden und andere Bereiche nicht. „Wenn ich höre, dass im Herbst Messen geöffnet werden: Gegen das Gewusel auf einer Messe sind wir ein Hochsicherheitstrakt. Dieses Missverhältnis werte ich schon besorgt als ein Desinteresse.“ Bachler fügte hinzu: „Unser Publikum ist das artigste unter der Sonne.“
Sueddeutsche Zeitung

Genau das ist der Fehler, die Deutschen sind obrigkeitshörig bis zum „Geht nicht mehr“. Nikolaus Bachler ist geborener Österreicher (Steirer) und fühlt sich deswegen im Kampfmodus wohl!

Berlin
Barrie Kosky: „Das Betroffenen-Lamento finde ich grauenhaft“
Nikolaus Bachler, Chef der Bayerischen Staatsoper, jammert. Der Direktor der Komischen Oper meint: „Nur Jammern reicht nicht.“
Kurier

Barrie Kosky hat leicht reden, in München und Wien kann man nicht so einfach das Programm umstellen und das über die Bühne wackeln lassen, was Barrie Kosky und anscheinend auch sein Publikum als abendfüllend erachtet.

Nach Schuldspruch: Regisseur Serebrennikow bleibt in Freiheit

Allen Unkenrufen zum Trotz muss Kirill Serebrennikov doch nichts ins Gefängnis, obwohl das Gericht ihn für schuldig befunden hat. All seinen Pauschal-Verteidigern – für die er natürlich völlig unschuldig und der Prozess eine Politfarce ist – sei aber in Erinnerung gerufen, dass Theaterleiter Serebrennikov eingestanden hat, sich mit Buchhaltung nicht auszukennen, dass eben diesbezüglich eben doch strafrechtlich Relevantes vorgefallen sein muss. Mit Heiligsprechungen ist man in der Theaterszene schnell zur Hand.

Unwissenheit schützt nicht vor Strafe, das ist allgemein bekannt. Eine derartige Verteidigungsstrategie ist eigentlich eine Beleidigung des Gerichts, damit würde man auch in Österreich nicht durchkommen (außer es hängen Mächtige mit drin und finden eine Buchhalterin, die für alle den Kopf hinhält! )

Ich war auch keineswegs virtuos bezüglich Buchhaltung, aber da musste ich eben jemand Sachverständigen betrauen, dem ich voll vertrauen kann, weil letztlich ich die Unterschrift unter Bilanzen/Steuererklärungen setzen muss. So muss es auch bei einem Theaterleiter sein.

Serebrennikov wurde zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt, muss – gemeinsam mit zwei weiteren Verurteilten – den durch das Gericht festgestellten Schaden von etwa 1,6 Millionen Euro (129 Millionen Rubel) wiedergutmachen und darf künftighin zumindest in Russland kein Theater mehr leiten. Das ist eigentlich angesichts seiner kaufmännischen Fähigkeiten ein Glück für ihn – und für die Steuerzahler.

Der Fall Kirill Serebrennikow beschäftigt die russische Justiz und die Kunstwelt seit rund drei Jahren. Der umstrittene Prozess in Moskau wegen angeblicher Veruntreuung führte zu Bewährungsstrafe.
Kurier

Jetzt ist der Märtyrerbonus bei Serebrennikov weg, er darf wieder nach seiner künstlerischen Leistung bewertet werden. In Wien inszeniert er ja „Parsifal“ und wird liefern müssen. Ein allzu großes Risiko geht die neue Direktion mit ihm nicht ein, ist doch der noch aktuelle „Parsifal“ nur schwer zu unterbieten!

Veranstalter gegen freie Solisten: Die Corona-Ausbeuter
Nicht nur dass sie um Ausfallgagen kämpfen müssen: Auch bei Neuverträgen verschlechtert sich die Sänger-Situation deutlich
Münchner Merkur

Notlagen werden schamlos ausgenützt. Ich warne jeden hoffnungsvollen Jugendlichen, einen Theaterberuf anzustreben.

concerti Klassik-Daily mit Holger Wemhoff – Folge 100 mit Jonas Kaufmann
„Wir haben uns wirklich diebisch gefreut“
In Zeiten von Corona blickt Moderator Holger Wemhoff im concerti Klassik-Daily ins Innere der Klassikszene. Folge 100 mit Jonas Kaufmann.
https://www.concerti.de/podcasts/concerti-klassik-daily-mit-holger-wemhoff

Niederösterreich
Weinviertler Festspiele als neues Wagner-Festival
Das Open-Air startet mit „Tristan und Isolde“ und „Der fliegende Holländer“
https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/buehne/2065767-Weinviertler

Auf dieses Festival mit sehr beachtlichen Besetzungen komme ich morgen ausführlicher zu schreiben.  Der Start mit „Tristan und Isolde soll am 13. August erfolgen. 

Volksmund sagt, TTT ergänzt und führt zu „Performances der Marina Abramovic“
http://onlinemerker.com/volksmund-sagt-ttt-ergaenzt-und-fuehrt-zu-perfomances-der

TTT hat im „Vorleben der Marina Abramovic gewühlt, mit deren Callas-Produktion die Bayerische Staatsoper eröffnet. Nun habe auch ich mich kurz mit dem Lebenslauf der Künstlerin befasst und finde ihn interessant, zumindest so, dass ich mir ihr Stück sicher per Stream anschauen werde. Beim Online-Merker gibt es keine Blattlinie, jeder kann seine Meinung vertreten – auch wenn sie nicht die des Herausgebers ist. Aber wie gesagt, TTT hat sich ziemlich intensiv mit Frau Abramovic beschäftigt, mich muss (und kann) sie erst überzeugen!

Aleksandra Kurzak macht im August ihr Santuzza Debüt, in Sizilien.

 

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Buchbesrechung: Christian Lunzer / Peter Hiess: BLUT AUF DEN SCHIENEN
Die größten Verbrechen der Eisenbahngeschichte
208 Seiten, Verlag ueberreuter, 2020
  

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Mord im Orientexpress! Man muss nur daran denken, und dem Krimi-Freund läuft das Wasser im Mund zusammen. Das ist allerdings die schöne Fiktion. Dass es rund um die Eisenbahn auch jede Menge von realen Verbrechen gab, davon viele gar nicht schön und vielfach grausig – das kann man in dem Buch mit dem einladenden Titel „Blut auf den Schienen“ nachlesen. Hier haben Peter Hiess und Christian Lunzer „die größten Verbrechen der Eisenbahngeschichte“ zusammen gestellt.

Natürlich bleibt der legendäre englische „Eisenbahnraub“ („The Great Train Robbery“) von 1963 das Herzstück, doppelt interessant, weil es viel Geld und keine Toten gab und weil das Unternehmen (trotz einer Überzahl von Beteiligten) so glatt nach Plan ablief. Es war dann eher Zufall, dass man die Beteiligten nach und nach fasste, und weil es „Ronnie“ Briggs auch noch gelang, aus dem Gefängnis zu flüchten und in Brasilien unterzutauchen, und das faktisch unter den Augen der Weltöffentlichkeit – so umgibt dieses Verbrechen, das viele (darunter der Schriftsteller Graham Greene) regelrecht bewunderten, jenes „Flair“, das Geschichten um Raub und Mord nicht unbedingt ausstrahlen…

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FILME DER WOCHE

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MONSIEUR KILLERSTYLE
Originaltitel: Le daim / US-Titel: Deerskin / Frankreich / 2019
Drehbuch und Regie: Quentin Dupieux
Mit: Jean Dujardin, Adèle Haenel u.a.

Jeder spinnt auf seine Weise. Und Spinner sind des Kinos liebste Kinder. Schlichte Normalmenschen sind wir schließlich alle, also soll es auf der Leinwand wenigstens das Besondere geben. Allerdings geht das, was Frankreichs Quentin Dupieux (bekannt für „Schräges“) dem Publikum vorsetzt, im Kreieren einer eigenen Welt im Kopf seines Protagonisten sehr weit.

Es fängt relativ harmlos an. Ein Mann, von dem seine Frau offenbar gar nichts mehr wissen will, läuft davon. Landet in den Pyrenäen (oder sonstigem französischen Gebirge). Will sich offenbar „neu erfinden“, eine Idee, die heutzutage hoch modern ist. (Normalerweise erfüllt man sich diesen Wunsch, indem man sich in Chatrooms als jemand anderer ausgibt.) Unser Monsieur Georges ist jedenfalls ein altmodischer Typ, sonst würde ihn die hellbraune Lederjacke, die ein Wirt ihm andreht, nicht so begeistern. Weil er viel zu viel dafür zahlt, bekommt er noch eine kleine Videokamera dazu geschenkt – auch nicht up to date, heute filmt man mit dem Smartphone. Aber für Georges ist das Gerät offenbar eine faszinierende Erfahrung. Es hilft ihm, sich als Filmemacher auszugeben – das ist doch interessant? Denise, die Bardame in dem altmodischen Hotel in den Bergen, wo er hocken bleibt, ist durchaus seiner Meinung…

Nun erzählt uns der Regisseur, wie sich eines Menschen Einsamkeit manifestieren kann. Auf einmal spricht die Lederjacke, durch die sich Georges in seiner neuen Rolle definiert, zu ihm. Es sind komische und auch tragische Szenen, wenn das Ding über einen Sessel hängt und in den Dialog eintritt…

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Aber was ist ein Film gegen den Auftritt meiner Lieblingsministerin, der „Frau General“

Österreich
Ministerin Tanner: Absurd fröhlich in der ZIB
Die ÖVP-Verteidigungsministerin kam zum Interview, um ihre große Freude darüber zu verkünden, dass so viel über das Bundesheer „gesprochen und kommuniziert wird“. Ein fast satirischer Auftritt.
Die Presse

Der Auftritt war wirklich ein Wahnsinn, dabei war Frau Tanner sicher nicht „auf Droge“ – die ist so, das war das Original. Sie hat eigentlich keine einzige Frage wirklich beantwortet.

Haben Sie einen schönen Tag!

A.C.

 

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