Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

27. JULI 2018

27.07.2018 | Tageskommentar

Heute Premiere in Salzburg: DIE ZAUBERFLÖTE. Die drei Knaben und deren Großvater (Klaus Maria Brandauer), der ihnen die Handlung erzählt. Copyright: Ruth Walz/ Salzburger Festspiele

Vormittags erfolgt die offizielle Eröffnung der Festspiele, dann geht es Schlag auf Schlag. Am heutigen Abend die Premiere der „Zauberflöte“, morgen dann jene der „Salome“.

Durch die Zauberflöte führt ein Erzähler (Klaus Maria Brandauer). Hoffentlich inszeniert Frau Steier, die Regisseurin, nicht so kompliziert, dass es eines Erzählers bedarf

Lydia Steiers „Zauberflöte“: „Fast wie eine Pilgererfahrung“
Lydia Steier inszeniert die „Zauberflöte“ in Salzburg. Wieso sie diese in Wien spielen lässt und warum sie sich für ihre Heimat, die USA, schämt, verriet sie uns vorab.
Die Presse

Es ist gar nicht so leicht, eine Opernhandlung zu erzählen. Ich gebe zu, bei der „Zauberflöte“ ist es besonders schwierig, aber diese Handlung haben dennoch bereits Kinder kapiert. Die Handlung des „Trovatore“ oder der „Forza“ zu erzählen, ist dann die große Meisterschaft. Dem Vernehmen nach mussten derartige Erzähler danach einen Psychiater konsultieren.

Salzburg: Premiere „Die Zauberflöte“: Erste Reaktionen

Reaktionen aus der Radioübertragung: Jubel für die Sänger und den Dirigenten, Jubel und Buhs für das Regieteam.

HSS

Also wie meist oder praktisch immer

Ich erinnere mich an eine mit mir gut bekannte Münchner Reiseveranstalterin, die auch Opernbesuche anbot. Zu diesem Behufe hatte sie eine „Opernerklärerin“ engagiert (die übrigens heute noch eine „erklärende Rolle“ in Münchens Opern-Szene einnimmt). Auf dem Spielplan stand „Don Pasquale“ mit relativ simpler Handlung. Die „Erklärerin“ begann 30 Minuten vor Beginn der Vorstellung mit ihrem Vortrag, letztlich mussten die Gäste aber dann in letzter Minute zu ihren Plätzen sprinten, ohne dass sie die Handlung des Don Pasquale bis zu dessen Finale erklärt bekommen hätten. Daraufhin wurde die Dame gefeuert!

Versuchen Sie es einmal: Für „Don Pasquale“ halte ich 4 Minuten für angebracht, für die Zauberflöte schlage ich 6 Minuten vor. Beim Trovatore und bei der Forza geht es nach immerhin 10 Minuten „ab zum Psychiater“

Festspielpräsidentin Rabl-Stadler wird Ehrenbürgerin der Stadt Salzburg
Die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler, wird Ehrenbürgerin der Stadt Salzburg. Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) überreicht ihr die Ehrenbürgerin-Urkunde bei einem offiziellen Festakt am kommenden Montag um 11.00 Uhr im Karl Böhm-Saal im Festspielbezirk. Seit Jänner 1995 lenkt die 70-Jährige das weltweit renommierte Kulturfestival mit Klugheit, Charme, Durchsetzungskraft
Salzburger Nachrichten

Das musste ja einmal passieren! Gratulation!

Bayreuth: „PARSIFAL“ – der zweite Abend der Festspiele

Symbolbild – so könnte es in Klingsors Zaubergarten zugehen – tut es beim Bayreuther Parsifal freilich nicht!

Albrecht Selge, der „Konzertgänger in Berlin auf Bayreuth-Besuch“, liefert uns den ersten Bericht:

Der Bayreuther Festspiele zweiter Tag: Dirigent Semyon Bychkov erstmals auf dem grünen Hügel, mit der Wiederaufnahme des Parsifal. Flüchtige nächtliche Notizen: Das Debüt scheint gelungen, was Wunder bei einem so gestandenen Dirigenten. Logisch, dass das Orchester manchmal zurückhaltender klingt, risikoscheuer als beim gestrigen souveränen Thielemann-Dirigat des neuen Lohengrin. Der Chef kennt die Graben-Abgründe da ja genauer. Hier nun im ersten Aufzug butterweicher, breiter Strich, wunderschön. Klingt in Amfortas‘ Leidensszenen der Orchesterpart nicht fast nach Pathétique? Also, das hat was…

Günther Groissböck (Gurnemanz). Copyright: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Zum Bericht Parsifal (Albrecht Selge)

Bayreuth: Festspieleröffnung mit „Lohengrin

Zuerst ein VIDEO (8 Minuten) vom Eröffnungsabend

Aus dem „Ratten-Lohengrin“ wurde nun der „Insekten-Lohengrin“. Foto Youtube/ Quelle Bayreuther Festspiele/Nawrath

Ehrlich gestanden, ich bin etwas ratlos. Aus den bisher vorliegenden und sehr zahlreichen Kritiken ist keine einhellige Meining herauszulesen. Außer wohl der, dass wir uns im Mittelmaß befinden. Kein Skandal – aber auch keine Sternstunde. Warten wir also auf die TV-Aufzeichnung (3Sat, Samstag, 28.7. um 20,15 h)

Zwei weitere Eigenberichte stelle ich den übrigen Kritiken voran:

Bayreuth/Lohengrin: Elektrizität geht durch  Mark und Bein
Zum Bericht von Alexander Walther

Sigi Brockmann berichtet aus der Sauna in Münster (sie nennen es Kino)
Lohengrin
Zum Bericht von Sigi Brockmann

Nun folgt eine irr lange Liste von Kritiken der Zeitungen.

Die Sueddeutsche etwa versucht den Regisseur zu verstehen:

Die Seele muss auch bei einem Profihelfer gelegentlich gestreichelt werden. Als Lohengrin der unschuldig angeklagten und in Bayreuth schon auf dem Scheiterhaufen schmurgelnden Elsa zu Hilfe eilt, verliebt er sich auf den ersten Blick in sie. Und sein Hilfsangebot ist dann eine Erpressung: Ich helf‘ dir, wenn du mich heiratest. Welche Frau in solch einer misslichen Lage würde da nicht ja sagen? Also sagt auch Elsa, gespielt und gesungen von Anja Harteros, ja.

Wenn schon Licht, dann eine anständige Hexenverbrennung
Am Ende von Christian Thielemanns „Lohengrin“ sinken die frauenfeindlichen und kriegslüsternen Heerscharen zu Boden. Zwei Frauen bleiben stehen
https://www.sueddeutsche.de/kultur/lohengrin-bayreuth-1.4069490

Na ja, das Rollenbild der Elsa! Eigentlich war eine Elsa ausschlaggebend, dass ich seinerzeit beim „Merker“ gelandet bin. Es war zu Beginn der Neunziger Jahre, ich dilettierte etwas im Opern-Management herum (mit null Erfolg, weil dazu braucht man Verbindungen), da wandte sich eine in Wien singende „Elsa“ an mich: „was schreibt da der Merker zusammen“? Ich kannte dem Merker bis dato nicht und setzte mich mit dessen Chefredakteurin in Verbindung. Daraufhin kam es zu einer Aussprache zwischen der Chefredakteurin, der Sängerin und mir im Cafe Eiles. Es ging um „eine fade Elsa“. Daraufhin kritisierte ich das Rollenbild der Elsa „Also so blöd darf eine Frau doch gar nicht sein, ich hätte auch sofort auf Ortrud gesetzt“ . Daraufhin fielen meine Gesprächspartnerinnen fast in Ohnmacht („Das ist doch eine Lichtgestalt„), waren einig, der Streit beigelegt – und ich landete in Folge beim Heft-Merker, dem ich dann viele Jahre bis zur Selbständigkeit angehörte! 

Dass am Rollenbild der „Elsa“ etwas geändert gehört, verstehe ich vollkommen! Angeblich ist sie im neuen Bayreuther „Lohengrin“ eine selbstbewusste Frau, die ihrerseits „Lohengrin“ benützt. Na ja, die Helden waren ja nie besonders „hell auf der Platte“ – siehe „Siegfried“. Hoffentlich gibt es jetzt keine weiteren Ohnmachtsanfälle.

Die weiteren Presseberichte über „Lohengrin“

Lohengrin in Bayreuth: Willkommen in der Mottenkiste
Sänger und Dirigat werden vom Publikum bejubelt, für die Regie gibt es den höflich-kürzesten Applaus seit langem in der Geschichte.
Berliner Morgenpost
Bayreuther Festspiele: Triumph des Zweifels
Tosender Applaus für die Neuinszenierung von Richard Wagners Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen. Die Lesart stellt eine Attacke auf die traditionelle Interpretation dar. Dabei erscheinen die düsteren Figuren als die wahren Helden.
Die Welt.de
„Lohengrin“ in Bayreuth: Ins Blaue gezielt, ins Schwarze getroffen
Dieses Blau! Künstler Neo Rauch, der zusammen mit seiner Partnerin Rosa Loy das Bühnenbild des neuen Bayreuther „Lohengrin“ schuf, wählte die Farbe, weil sie ihm wie eine unbezwingbare Vision ereilte. So beschrieb er es vor der Eröffnung der diesjährigen Bayreuther Festspiele. Und dieses Blau, die Farbe der tiefen, selbstgewissen Ruhe beschreibt eine Menge, nicht nur in Sachen „Lohengrin“
Der Spiegel
Bayreuther Festspiele „Lohengrin“, elektrifiziert von Neo Rauch
Münchner Abendzeitung
„Lohengrin“ in Bayreuth: Der Gral blitzt im Umspannwerk
Einspringer Piotr Beczała triumphierte bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele als Belcanto-Lohengrin, Christian Thielemann absolvierte sein zehntes und letztes Debüt auf dem Grünen Hügel, und das Publikum rätselte über Yuval Sharons Regie-Ideen
Die Presse
Ein bläuliches Technomärchen
Lohengrin im Overall – als Held der Arbeit, mitten in der surrealen Bildwelt der industriellen Moderne. So sah es aus auf der Bühne bei der gestrigen Premiere von Wagners „Lohengrin“ auf dem Grünen Hügel. Mit großen Namen wie Piotr Beczala, Anja Harteros, Waltraud Meier starteten die Bayreuther Festspiele – musikalisch hoch inspiriert, doch szenisch eher lauwarm. Eine Kritik.
BR-Klassik
Wer hat Angst vorm grünen Mann . . .
Bayreuther Festspiel-Eröffnung mit „Lohengrin“ in der Bilderwelt von Neo
Wiener Zeitung
Der Schwanenheld im Blaumann
Solides Bayreuth: Neo Rauch und Rosa Loy statten den neuen „Lohengrin“ der Wagner-Festspiele aus. Und Regisseur Yuval Sharon lässt interpretatorisch lichte Momente vermissen
Tagesspiegel
„Lohengrin“ in Bayreuth: Das große Insektensterben
Wagners „Lohengrin“ bei den Bayreuther Festspielen – musikalisch exzellent und sehr ästhetisch
Kurier
Bayreuther Festspiele: Da flieht Elsa lieber mit Horn und Ring
Zur Festival-Eröffnung bebildern Neo Rauch und Rosa Loy den «Lohengrin». Stimmiger als diese hybride Produktion gerät allerdings die allererste Uraufführung der Wagner-Festspiele seit anderthalb Jahrhunderten.
Neue Zürcher Zeitung
Bayreuther Festspiele : Blauer Plunder, wenig Licht
Die Zeit
Schwachstrom-Märchen auf dem Grünen Hügel
Münchner Merkur
Schillernde Stars für „Lohengrin“ in Bayreuth aufgeboten
Neo Rauch und Rosa Loy statten aus, Piotr Beczala singt, Christian Thielemann dirigiert: Nicht alle der aufgebotenen Stars überzeugen
Der Standard
Bayreuther „Lohengrin“ Szenisch missglückt, musikalisch besser
Berliner Zeitung
Zeitenwende – „Lohengrin“ bei den Bayreuther Festspielen
https://www.nmz.de/online/zeitenwende-lohengrin-bei-den-bayreuther-festspielen

Heinrich Schramm-Schiessl hat bei der Rundfunkübertragung auf eine Stelle besonders geachtet:

Ich habe mir jetzt meine Aufnahme von der Radioübertragung angehört und habe Folgendes festgestellt. Da ich die Kritiken bislang nur überflogen habe, weiß ich nicht, ob das von den Kritikern erwähnt wurde: Die Stelle nach der Gralserzählung, wegen der es bei unserer letzten Lohengrin-Premiere den Wirbel mit Bertrand de Billy gegeben hat, war diesmal in Bayreuth komplett gestrichen.

Bayreuth: Die Meistersinger sind im Anmarsch

Dazu deren Bebilderer Barrie Kosky:

«Es tut Menschen nicht gut, wenn sie zu viel Wagner hören.»
Der Regisseur Barrie Kosky legt bei seinen Bayreuther «Meistersingern» wie bei seiner Arbeit in Berlin und anderswo den Finger in die Wunde des Antisemitismus – allerdings nicht mit Schaum vor dem Mund, sondern mit Leichtigkeit und Witz. Ein Gespräch.
Neue Zürcher Zeitung

Bad Wildbad  global – Erstes  Opernstreaming  in  Bad  Wildbad

 

ROSSINI  IN  WILDBAD  betritt  in  diesem  Jahr  Neuland.  Erstmals  soll  eine  Oper  aus  dem  fast  immer  ausverkauften  Königlichen  Kurtheater  live  weltweit  in  Bild  und  Ton  übertragen  werden. Die  künstlerischen  und  technischen  Voraussetzungen  des  Streamings  wurden  im  Vorjahr  geschaffen,  es  gab  jedoch  noch  Lücken  beim  Breitbandanschluss  der  Kurstadt. In  diesem  Jahr  wurde  eine  Lösung  gefunden.  

 

So  wird  also  zum  30.  Jubiläumsfestival  auf  der  Plattform  Sonostream.tv  das  Gastspiel  der  Oper  L’equivoco  stravagante  (Die  verrückte  Verwechslung),  die  der  Festivalintendant  Jochen  Schönleber  an  der  Staatsoper  Russe/Bulgarien  mit  einer  hochklassigen  Besetzung  inszeniert  hat,  am  29.  Juli  live  aus  dem  Kurtheater  in  Bild  und  Ton  in  HD  gestreamt. 

Tags  davor  wird  die  hervorragend  besetzte  Hauptproduktion  MOISE  aus  der  Trinkhalle  am  28.  Juli  im  Deutschlandradio  live  zu  hören  sein. Wer  die  Aufführungen  hautnah  im  Kurtheater  erleben  möchte,  sollte  sich  sputen:  Es sind nur  noch  wenige  Karten  für  die  Aufführung  am  Mittwoch  18.  Juli  und  für  den  Live-Termin  am  29.7.    erhältlich.  

Am  selben  Vormittag  wird  auch  die  Oper  La  cambiale  di  matrimonio  mit  Lorenzo  Regazzo  für  DVD  aufgenommen

Gratis livestream am Sontag, 29. Juli um 15h30 auf Sonostream.tv. Danach als VideoOnDemand zur Verfügung (€4.99) (Mit deutschen Untertiteln )

ZUM STREAM

Wien: Theaterensemble bekommt Förderung nicht – und will jetzt gegen Bund klagen
Dem Wiener Serapions Ensemble wurde eine Bundesförderung von 300.000 Euro gestrichen. Theaterleiter Piplits denkt nun wegen Wettbewerbsverzerrung über eine Klage nach
Die Presse

Wenn es einen Rechtsanspruch auf Förderung gäbe, müsste der Subventionsgeber gleichermaßen das Recht haben, die Zahl der zu fördernden Kulturinitiativen auf ein zu finanzierendes Maß zu reduzieren. Das wird wohl nicht gehen. Bleibt also ein „Pickerl“: „Vom Staat gefördert“ oder „Vom Staat im Stich gelassen“

Also, klagen würde ich nicht, Herr Piplits. Ich würde das Gespräch suchen, das vernünftige Gespräch!

„Der tägliche Özil“ entfällt heute aus Aktualitätsgründen, denn wir haben ja „Sex in Erl“:

„Gefährlich das“! Präsident Hans-Peter Haselsteiner will bis nach den Tiroler Festspielen Erl mit der Untersuchung/Aufarbeitung beginnen. Das ist logisch, denn die Spiele enden bereits am Sonntag.

Erl/Tirol
Causa Erl: Festspielpräsident Haselsteiner von Vorwürfen „schockiert und überrascht“
Fünf Künstlerinnen klagen in einem offenen Brief sexuelle Übergriffe durch den künstlerischen Leiter Gustav Kuhn an. Der Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner will nun erst einmal das Ende der Festspiele abwarten – und bittet die Künstlerinnen um Verständnis für die „kleine Verzögerung“
Die Presse
Erl/Tirol
Causa Erl: Haselsteiner will Vorwürfen „mit Ernsthaftigkeit nachgehen“
Präsident der Tiroler Festspiele wendet sich mit offenem Brief an die fünf Musikerinnen. Er sei „schockiert und überrascht“.
Kurier

Video aus Bayreuth: Merkel in Grün, Lindner mit neuer Freundin, Protest gegen Söder

Zum Video

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

Diese Seite drucken