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27. FEBRUAR 2020 – Donnerstag

27.02.2020 | Tageskommentar


Ist Placido Domingos Entschuldigung ein Schuldeingeständnis? In Spanien sieht man es so, in Hamburg und Salzburg wird die neue Faktenlage geprüft

Madrid wirft Placido Domingo raus
https://www.tagesspiegel.de/kultur/der-startenor-und-metoo-madrid-wirft-placido-domingo-raus/25585716.html

Auftritte von Plácido Domingo auf dem Prüfstand
https://www.derstandard.at/story/2000115050157/causa-domingo-staatsoper-hamburg-haelt-zunaechst-an-auftritten-fest

Placido Domingo war Teil eines Machtsystems
Das reine Auftürmen öffentlicher Abrechnungen mit prominenten Tätern kann dem MeToo-Lernziel auch im Weg stehen.
Die Presse

Disclosure of Plácido Domingo Allegations Scuttles $500,000 Deal
https://www.google.com.ar/amp/s/www.nytimes.com/2020/02/25/arts/music/placido-domingo-sexual-misconduct.amp.html

Ich habe Placido Domingo in seiner besten Tenor-Zeit wirklich sehr geschätzt, eigne mich aber so überhaupt nicht zum Fan – generell! Später habe ich ihm mehrmals an dieser Stelle vorgehalten, den Platz für seine Nachfolger zu verstellen und gehofft, dass er in Würde als einer der ganz Großen der Opernwelt abtritt. Das hat er nicht getan, aus welchen Gründen immer. Ob er es heute bereut?

Nun fallen ihm „beste Freunde“ in den Rücken. Wenn ein Freund  „eine Faktenlage neu bewerten will“, dann war er nie mein Freund und ist nicht wert, dass ich mit ihm überhaupt noch rede.  Bekommt PD nun das zurück, was er verdient? Das kann ich nicht beurteilen, weil ich PD als Mensch nicht kenne. Aber diese Absetzbewegungen bestärken mich in meiner nicht allzu guten Meinung über Menschen – auch und offenbar verstärkt in dieser Branche. 80 % Heuchler – und da untertreibe ich eher. Jetzt empfinde ich mit PD ein gewisses Mitleid (von dem er natürlich nichts hat) – aber eine derartige Behandlung wünsche ich niemand.

Zu den „Heuchlern“: Hätte PD keine Worte des Bedauerns gefunden, wäre dann wohl alles in Ordnung? Wenn ich jemand auf die Zehen trete und mich reflexartig und aus Höflichkeit entschuldige, heißt das, dass ich es absichtlich getan habe? Bitte Vorsicht mit Entschuldigungen!

Dazu passend/gehörend

Wiener Staatsoper: Solo-Cellist wurde fristlos entlassen
Der Solo-Cellist, der bereits aus der Wiener Musikuniversität entlassen worden war, wurde am Mittwoch auch von der Staatsoper fristlos entlassen. Das wurde dem KURIER aus der Staatsoper bestätigt.
Kurier

Wien: Solo-Cellist der Philharmoniker: Fristlose bleibt aufrecht Bezahlartikel
Der Cellist N. wollte den Prozess, den er gegen die Musikuni angestrengt hatte, fortsetzen. Und blitzte bei der Richterin ab.

Auszug aus dem Kurier-Artikel: Dabei erklärte dessen Anwalt, dass N. von Staatsoperndirektor Dominique Meyer gebeten worden sei, die Sache hinauszuzögern, bis seine Amtszeit ausgelaufen ist. Der scheidende Direktor Meyer meinte daraufhin erbost, dass die Aussage von N. jeglicher Grundlage entbehre. „Ich werde rechtliche Schritte prüfen lassen.“

Diese Aussage nun, so heißt es aus der Oper, ermöglichte der Staatsoper rechtlich, zu agieren: Meyer habe, so wurde betont, den Cellisten nie schützen wollen, jedoch keine rechtliche Handhabe gehabt.

Kurier

WIEN/ Staatsoper: „Madama Butterfly“ am 26.2.

Sae Kyung Rim, Valeriia Savinskaia. Foto: Wiener staatsoper/Michael Pöhn

Manfred A. Schmid: 2015 trat die zierliche Koreanerin Sae Kyung Rim erstmals als Cio-Cio-San an der Wiener Staatsoper auf und konnte gute Kritiken einheimsen. Seitdem ist sie als Butterfly – inzwischen u.a. aber auch als Tosca, Liu und Amelia – in aller Welt ein gern gesehener Gast. Allerdings – mit Ausnahme Wiens – nicht an den allerersten Häusern. Nun kann man die Sopranistin erneut in ihrer Paraderolle als Geisha im Haus am Ring erleben und ihre Leistung in Augenschein nehmen (gibt es auch so etwas wie Ohrenschein?). Findet man gar eine Antwort auf die Frage, warum ihr der Durchbruch zur Spitze hin bisher (noch) nicht gelungen ist?

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Ich warte noch ab und werde vermutlich morgen näher darauf eingehen!

Bratislava: „RUSALKA“Neues Haus 25.2. 2020 abends

Ein betörender Traum wird theatralische Wirklichkeit!

„Familie Wassermann“ Foto: Zdenko Hanout.

Das wunderschöne neue Opernhaus des Slowakischen Nationaltheaters mit Blick auf den Donaustrom zwischen Wien und Budapest, würde sich vermutlich, stünde es in einem „westlichen“ Land, verpflichtet fühlen, sich „modern“ zu präsentieren. So nahe unsere östlichen Nachbarn uns stehen, geographisch, historisch und als EU-Land, haben die Slowaken doch offenbar den Mut und vielleicht sogar den Ehrgeiz, sie selber bleiben zu wollen. Auffallend selten treten deutschsprachige, italienische oder andersstämmige Sänger auf, und für das Meisterwerk des tschechischen Komponisten stehen in sämtlichen Rollen  2 bis 3 Alternativbesetzungen aus den eigenen Reihen zur Verfügung. Obwohl an diesem Abend bekannte Namen fehlten, gab es keinen Schwachpunkt…

Merker Heft-Chefin Dr. Sieglinde Pfabigan war von dieser „Rusalka“ so begeistert, dass sie sofort den aktuellen Bericht für den Online-Merker verfasst hat.

Fazit für alle Opernfreunde: Schaut Euch die Preßburger „RUSALKA“ an!

Zum Bericht von Sieglinde Pfabigan

WIEN/ Staatsoper: MANON von Jules Massenet am 25.2.2020

Thomas Prochazka (www.dermerker.com) legt wieder sehr strenge Maßstäbe an!

Ailyn Perez in ihrer großen Szene als Manon (3. Akt). Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Keine Frage, diese Aufführung blieb in einem bestimmten »Ungefähr«. Hätte man besser gesungen, wäre sogar das Niveau einer »Nicht-Vorstellung«1 im Bereich des möglichen gewesen. So allerdings blieb nur Massenets Musik…

http://www.dermerker.com/index.cfm?objectid=3CFDC930-58C8-11EA-94E7005056A64872

Ailyn Perez. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Manfred A. Schmid sieht vor allem die Titelrollensängerin anders als Herr Prochazka: Mit einer so grandiosen Sängerin und Darstellerin wie Ailyn Pérez gelingt es dieser Massenet-Manon, endlich einmal voll und ganz aus dem Schatten der Puccini-Manon hervorzutreten und sich als eine eigenständige, hochkomplexe, psychologisch fein ausgelotete Existenz auf der Bühne zu bewähren. Die hohen Töne sitzen bestens, die Übergänge in die tieferen Register gelingen Pérez mühelos. Voll Kraft und Saft in den dramatischen Passagen und voll Anmut in den zarten Momenten. Und hinter jedem Ton, hinter jeder Phrase wird der emotionale Hintergrund transparent…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Wien/ Freudenau: FreudeNow-Absage: Rehe statt Wagner
Der Klassik-Großevent wäre laut Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger nachteilig für die Wildtiere im Prater.
Wiener Zeitung

Laut Bezirksvorsteherin war die Veranstaltung bis vor wenigen Wochen noch nicht einmal eingereicht. Das geht in Wien schon einmal überhaupt nicht. Auch ein Verkehrskonzept gehört dazu. „Events in dieser Größenordnung müssen in einem umfangreichen Verfahren von Sachverständigen geprüft und behördlich bewilligt werden, wobei auch die Auswirkungen auf die Nachbarschaft und die Umwelt berücksichtigt werden.

Das Festival würde zwei Monate Lärm im Landschaftsschutzgebiet Prater bedeuten, wo Rehe und andere Wildtiere leben. Auch fällt es mit der Brutzeit der Vögel zusammen„.

Was wollen die Veranstalter nun tun? In Wien gibt es heuer Wahlen. Vielleicht bekommt der Bezirk eine andere Leitung. Kann/ wollen die Investoren darauf warten?

Die Bezirksvorsteherin will das Projekt nach Schönbrunn „umleiten“. Dort werden die Schlossherren auch keine Freude mit einem fremden Veranstalter haben, denn zum Verdienen – so es etwas zu verdienen gibt – sind sie selbst da. Das ist die dort herrrschende Philosophie! Außerdem ist Schönbrunn bereits total überlaufen. Das ist „meine Gegend“, dort kenne ich mich aus. In Schönbrunn ist der Zauber meiner Meinung nach undurchführbar, owohl man dort vor gar nicht so vielen Jahren sogar über die Austragung eines Ski-Weltcup-Slaloms (von der Gloriette runter) ernsthaft diskutiert hat. Der Klimawandel (kein Schnee ist Wien) hat dieses Thema aber erledigt! 

Interview
Tobias Kratzer führt Regie: «Fidelio» im Royal Opera House
Neue Musikzeitung/nmz.de

Antonio Pappano on diversity, a new Ring cycle and defending Verdi from dodgy directors
Opera is not for the young, the Royal Opera House’s longest-serving music director tells Norman Lebrecht
https://www.spectator.co.uk/2020/02/antonio-pappano-on-diversity-a-new-ring-cycle-and-defending-verdi-from-dodgy-directors/

Superwoman und die Liebe. Warum so viele Regisseure an Beethovens „Fidelio“ scheitern.
https://www.sueddeutsche.de/kultur/essay-superwoman-und-die-liebe-1.4818799

Mannheim: Neue Opern-Revue kommt auf die Bühne
Ohne einen kleinen Warnhinweis ging es am Ende nicht: „kein Musical“. Der ist auch nötig, wenn man eine derart populäre, vieldeutige Überschrift benutzt: „Phantome der Oper“ nennt Jan Dvorák die Revue mit Hits aus vier Jahrhunderten Musiktheater, die er mit dem Regisseur und Filmemacher Philipp Stölzl für das Nationaltheater konzipiert und vor der Mannheimer Premiere schon vor ausgewähltem Publikum auf ihre Bühnenwirksamkeit getestet hat.
https://www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-kultur-neue-opern-revue

HEUTE: Wiener Urtext Edition präsentiert bislang unbekanntes Stück von Ludwig van Beethoven

 

Pünktlich zum 250. Geburtstag Beethovens: Ein bis dato unbekanntes und unveröffentlichtes Klavierstück Ludwig van Beethovens wurde vom Chefredakteur der Wiener Urtext Edition bei Recherchen in der Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus gefunden.
Das Werk ist auf einem Doppelblatt mit Skizzen von Ludwig van Beethoven aus den Jahren 1790-1792 notiert. Am Ende der vierten Seite hatte man unter der Vielzahl unterschiedlichster Skizzen schon vor längerer Zeit ein Andante genanntes Klavierstück entdeckt. Dass sich aber auch auf der ersten Seite ein vollständiges kleines Klavierstück verbirgt, war bislang unbekannt geblieben. Es trägt keinen Titel und beginnt nicht am Anfang, sondern erst gegen Ende einer Zeile, unmittelbar im Anschluss an eine vorhergehende Skizze, was die Auffindbarkeit erschwert.

Mehr in unseren Infos des Tages

WIEN: HEUTE PREMIERE IN DEN KAMMERSPIELEN: „DER SOHN“ von Florian Zeller

Swintha Gersthofer, Marcus Bluhm. Copyright: Barbara Zeininger

Florian Zeller vermochte schon mit seinem Stück Vater durch seinen behutsamen Umgang mit menschlichen Schicksalen zu beeindrucken und zeigte dabei ein besonderes Gespür für familiäre Ausnahmesituationen. Sensibel schildert Zeller in Der Sohn, wie die Familie zunächst den Ernst von Nicolas’ seelischem Zustand verkennt und schließlich verzweifelt versucht, ihm zu helfen. Dabei wirft Zeller einen Blick auf moderne Lebensmodelle und zerbrechende Familien. Bei der Uraufführung in Paris im Februar 2018 wurde das Stück bejubelt . „Ein Meisterwerk voller Tiefgründigkeit, Sensibilität und Lebensweisheit“, schrieb die französische Presse. In der Inszenierung von Stephanie Mohr wird Julian Valerio Rehrl in der Rolle des Nicolas sein Debüt in den Kammerspielen geben. (Quelle: Kammerspiele)

Wir planen nach der Premiere einen umfassenden Foto-Bericht

Filme der Woche

Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

Wenn ein Bote vor der Tür steht und ein Paket abliefert, kann er froh sein, wenn er ein Trinkgeld bekommt. Dass sich der Empfänger des Pakets (das hoffentlich rechtzeitig eintrifft, sonst beschwert man sich natürlich lautstark) auch nur eine Sekunde über die Situation dieses Mannes und seines Jobs den Kopf zerbricht, ist nicht anzunehmen.

Ken Loach, dessen Filme man kennt, tut es. In diesem Sinn ähnelt „Sorry We Missed You“ den meisten seiner Arbeiten: Weniger ein Film als eine Sozialstudie, kein Licht leuchtet in der Finsternis, als arte Doku auch zu brauchen. Man weiß es ja längst, was Ken Loach mit dem Kinobesucher macht: Er dreht ihnen angesichts von Alltagsschicksalen gleich nebenan das Herz im Leib um. Dass diese extreme Opfer des kapitalistischen Ausbeutungssystems sind und nicht aus der Falle des Prekariats herauskommen, nicht herauskommen können, wenn sie nicht in die Kriminalität abdriften wollen (was nicht in Frage kommt), macht alles noch schmerzlicher. Schlimm.

Keszler nennt Vorgehen der Stadt Wien nach Life-Ball-Aus „beschämend“
Wien schüttet heuer 800.000 Euro, die für den Ball reserviert waren, an Aidshilfe-Initiativen aus. Keszler: „Das Märchen, dass ich aufhören wollte, stimmt nicht“
Der Standard

Indirekt zeiht Keszler den sich der Wahl stellenden Wiener Bürgermeister der Lüge: Nicht korrekt sei, so Keszler, dass sich Bürgermeister Michael Ludwig für eine Fortsetzung des Life Ball – wenn auch in einer anderen Form – starkgemacht habe. „Das ist falsch, wenn er das behauptet.“ Direkte Gespräche mit Ludwig habe es nach dem letzten Life Ball im Juni 2019 nie gegeben, sagt Keszler.

Dicke Luft also in Wien!

Deutsches Verfassungsgericht öffnet Tür für Sterbehilfe
Das deutsche Verfassungsgericht erklärt das Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe für verfassungswidrig. Die Richter sehen ein „Recht auf selbstbestimmtes Sterben“.
Die Presse

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C.

 

 

 

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