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INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 13. FEBRUAR 2021)

13.02.2021 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (SAMSTAG, 13. FEBRUAR 2021)

HEUTE AUS MÜNCHEN: Premiere „Der Freischütz“. Stream ab 18,30 h

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Pavel Cernoch (Max), Anna Prochazka (Ännchen) und Golda Schultz (Agathe). Foto: Bayerische Staatsoper München

Eine alte, düstere Volkssage, die schon die Brüder Grimm in ihrer Märchensammlung erzählten, bildet die Vorlage für Carl Maria von Webers romantischer Oper Der Freischütz.  Das Libretto orientiert sich in großen Teilen an August Apels Novelle aus seinem Gespensterbuch. Doch in der Adaption des Komponisten und seines Librettisten Friedrich Kind wird aus der Tragödie ein Drama mit zweifelhaftem Happy End. Die Neuproduktion von Der Freischütz, in einer Inszenierung von Dmitri Tcherniakov und unter der musikalischen Leitung von Antonello Manacorda, feiert seine Premiere am 13. Februar online mit der kostenlosen  Live-Übertragung auf STAATSOPER.TV in Kooperation mit BR-KLASSIK.  In den Hauptpartien erleben Sie Pavel Černoch (Max), Golda Schultz (Agathe), Anna Prohaska (Ännchen) und Kyle Ketelsen (Kaspar).

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Kyle Ketelsen (Kaspar)

ZUM TRAILER

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Staatsoper Berlin: HEUTE JENUFA

Die Produktion wird  am 13. Februar um 20:15 Uhr live zeitversetzt in 3sat ausgestrahlt sowie auf www.3sat.de und www.staatsoper-berlin.de gestreamt und um 20:04 Uhr bei rbbKultur und am 14. Februar um 19:05 Uhr bei BR-Klassik im Radio zu hören sein.

Deutsche Oper Berlin: Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE
vom 18. bis 21. Februar als Video on Demand

Es war eine kleine Sensation, als Marc Albrecht und Christof Loy im März 2018 ihre Interpretation von Erich Wolfgang Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE mit einer umwerfenden Sara Jakubiak in der Titelpartie herausbrachten. „Aufwändiger, liebevoller und hochwertiger als jetzt an der Deutschen Oper kann man sich für diese Rarität nicht starkmachen“ – so das Kritikerurteil, dem sich viele Zuschauerinnen und Zuschauer anschlossen.

Bildergebnis für deutsche oper berlin das wunder der heliane

Umso erfreulicher, dass die Produktion in der Videoregie von Götz Filenius aufgezeichnet wurde und bei Naxos als DVD erschienen ist. Vom 18. Februar um 15 Uhr bis zum 21. Februar um 15 Uhr ist diese Aufzeichnung, die mit dem Opus Klassik ausgezeichnet wurde, auf unserer Website abrufbar. Sie bietet frei wählbar deutsche und englische Untertitel: www.deutscheoperberlin.de

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Sara Jakubiak. Foto: Monika Rittershaus

Auch die Texte des Programmhefts stehen auf der Landing Page in Deutsch und Englisch zur Verfügung.
Viel Spaß beim Schauen, Hören und Lesen!

www.deutscheoperberlin.de

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ELISABETH KULMAN, Newsletter. Heute Stream aus Budapest – Wolfs Orchester-Lieder live aus Budapest

Inhalt
1. HEUTE, SAMSTAG: Wolfs Orchester-Lieder live aus Budapest
2. Audio-Tipp: Mahlers Rückert-Lieder
3. Neue Interviews auf What’s Opera Doc

Kulm

1. Wolfs Orchester-Lieder live aus Budapest
Samstag, 13. Februar, 19:45 Uhr

Gemeinsam mit dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer wird Elisabeth Kulman heute Abend live aus dem MÜPA Budapest für Sie 6 ausgewählte Lieder von Hugo Wolf nach Gedichten von Mörike und Goethe singen.

Unterstützen Sie das Überleben der Kultur durch den Kauf eines Online-Tickets! Danke!
Kunst ist wertvoll! #kunstistwertvoll #kunsthatwert
TICKET KAUFEN

Bitte beachten Sie: Der Stream ist einmalig für das Live-Konzert am Samstag, 13. Februar, um 19:45 Uhr, freigeschaltet und kann nicht später abgerufen werden.

 

2. Audio-Tipp: Mahlers Rückert-Lieder

Zum Nachhören: Als im Oktober letzten Jahres Konzerte mit halb gefüllten Sälen noch erlaubt waren, entstand dieser Live-Mitschnitt von Gustav Mahlers „Rückert-Liedern“. Elisabeth Kulman gab damit ihr Einstiegs-Konzert als „Artist in Residence“ bei der Deutschen Radio Philharmonie. Die Rundfunk-Aufnahme entstand live am 23. Oktober 2020 unter der Leitung von Michael Sanderling.

ANHÖREN UND GENIESSEN

3. Neue Interviews auf What’s Opera Doc

Vor über fünf Jahren gründete Elisabeth Kulman What’s Opera Doc, den Youtube-Kanal für professionelle Sänger*innen. Die neuesten Videos kommen diesmal von KS Camilla Nylund, dem „singenden Fahrradboten“ Paul Schweinester sowie – seit heute online – von der Schweizer „Whistleblowerin“ Mona Somm und dem deutschen Kulturforscher Dr. Thomas Schmidt zum Thema Machtmissbrauch im Kulturbetrieb.

ZU DEN INTERVIEWS

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DOMINGO MISCHT AM BOLSCHOI IN MOSKAU GEHÖRIG MIT

Manche nennen es Dirigieren!

Das neue Managment für die „Domingo-freundlichen Veranstaltungen heißt „Ariosi“

Diom

ZU INSTAGRAM

#placidodomingo
#SvetlanaLachina
#AidaGarifullina
#BekhzodDavronov
#MarkusWerba
#AndreiValenty

Df

Oggi Placido Domingo dirige La bohème al Большой театр России / Bolshoi Theatre of Russia
Prossima recita 14 Febbraio 2021

ZU FACEBOOK

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Corona-Ansteckungsrisiko in Innenräumen
Wenn ein Infizierter im Raum ist: wie viele weitere Personen maximal durch ihn angesteckt werden 
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ORF III am Wochenende: Peter-Alexander-Festspiele zum zehnten Todestag mit Gala aus dem ORF RadioKulturhaus

 Außerdem: Porträt „Peter Alexander. Unvergessen“ im dreiteiligen „zeit.geschichte“-Abend; tagsüber Filmschwerpunkt =

Wien (OTS) – Am Wochenende feiert ORF III Kultur und Information mit Peter Alexander eine der schillerndsten Persönlichkeiten der österreichischen Unterhaltungsindustrie. Anlässlich des zehnten Todestags des Entertainers stehen im Rahmen eines umfassenden ORF-Schwerpunkts (Details unter presse.ORF.at) wahre Peter-Alexander-Festspiele auf dem Programm von ORF III. So ist am Samstag, dem 13. Februar 2021, im Hauptabend das Porträt „Peter Alexander. Unvergessen“ zu sehen. Am Sonntag, dem 14. Februar, zeigt ORF III tagsüber u. a. vier Filmklassiker mit dem Ausnahmekünstler, ehe Peter Fässlacher im Hauptabend „Die Peter-Alexander-Gala“ präsentiert. Darin performt Norbert Oberhauser die beliebtesten Peter-Alexander-Melodien, während prominente Freunde und Wegbegleiter auf die erfolgreiche Karriere und das bewegte Leben des Publikumslieblings zurückblicken.

Samstag, 13. Februar

Am Samstag präsentiert sich der „zeit.geschichte“-Abend ab 20.15 Uhr im Zeichen von Peter Alexander und TV-Größen, die dem Jahrhundert-Entertainer eng verbunden waren: Den Anfang macht das von Wolfram Winkler gestaltete und von Otto Retzer präsentierte „ORF-Legenden“-Porträt „Peter Alexander. Unvergessen“. Beruflich bot der Publikumsliebling in seinen Shows und Filmen stets ein klares Image, doch den privaten Peter Alexander bekam die Öffentlichkeit zeit seines Lebens kaum zu sehen. In diesem Film zeichnet Wolfram Winkler das Leben und die Karriere seines Freundes nach. Zu Wort melden sich u. a. Harald Serafin, Georg Markus, Waltraut Haas, Karl Merkatz, Angelika Spiehs, Peter Weck, Marianne Mendt und Ottfried Fischer. Fotos, Filmausschnitte und Archivmaterial unterstreichen das Ausnahmetalent des Stars und erzählen auch über Peter Alexanders Beziehung zu seiner Ehefrau und seine letzten Jahre abseits des Rampenlichts. Anschließend folgen die Dokus „ORF Legenden – Gunther Philipp“ (21.00 Uhr) und „Fernsehlegenden – Vico Torriani“ (21.50 Uhr).

Sonntag, 14. Februar

Am Sonntagmorgen überträgt „ORF III LIVE“ den „Evangelischen Gottesdienst aus der Martin-Luther-Kirche in Linz“ (10.00 Uhr), bevor anschließend ab 11.00 Uhr der Peter-Alexander-Schwerpunkt mit vier Filmklassikern und einer Operettenverfilmung fortgesetzt wird: Den Anfang macht Géza von Cziffras 1958 entstandene Komödie „So ein Millionär hat’s schwer“ (11.10 Uhr) mit Peter Alexander und Heinz Erhardt. Danach folgen Werner Jacobs’ „Hilfe, meine Braut klaut“ (12.35 Uhr) aus dem Jahr 1964 mit Peter Alexander und Cornelia Froboess sowie das Dacapo „Die Lümmel von der ersten Bank – Zum Teufel mit der Penne“ (14.15 Uhr). Anschließend zeigt ORF III Werner Jacobs’ Komödienklassiker „Im weißen Rössl“ (15.55 Uhr) aus dem Jahr 1960 mit Peter Alexander und Waltraut Haas. Im Rahmen der anschließenden Reihe „Operette sich wer kann“ ist Franz Josef Gottliebs Verfilmung der gleichnamigen Operette „Saison in Salzburg“ (17.35 Uhr) von Fred Raymond aus dem Jahr 1961 mit Gunther Philipp und Peter Vogel an Alexanders Seite zu sehen. Im Vorabend wartet außerdem das Dacapo des Porträts „Peter Alexander. Unvergessen“ (19.20 Uhr). Als Höhepunkt der Peter-Alexander-Festspiele präsentiert ORF III im Hauptabend „Die Peter-Alexander-Gala“ (20.15 Uhr) aus dem ORF RadioKulturhaus. Über Jahrzehnte spielte sich der Ausnahmekünstler mit seinen vielen Talenten in die Herzen eines Millionenpublikums: mit Chansons, Wiener Liedern, Operettenmelodien, Gags und Parodien. Zum heurigen zehnten Todestag zeigt ORF III eine Tribute-Show. Darin lässt ORF-Moderator und Sänger Norbert Oberhauser die beliebtesten Peter-Alexander-Melodien neu erklingen – begleitet von der Pepe Allstar Band. Außerdem lädt Gala-Präsentator Peter Fässlacher Freunde und Wegbegleiter von Peter Alexander ein, die sich an den Star erinnern, darunter u. a. Marianne Mendt, Georg Markus, Eva Kresic, Herbert Fechter und Günther Huber. Nach einem Dacapo von „Im Weißen Rössl“ (21.25 Uhr) lässt ORF III den Abend mit neun Ausgaben der legendären „Valentinaden“ (ab 23.10 Uhr) mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt ausklingen.
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Gendergerechtigkeit in der dt. Sprache 

von Dr. Klaus Billand

wer mag und etwas Zeit hat, möge sich das hier mal ansehen aus der Sendung „Kulturzeit“ am 11.2.21. Eigentlich sollte man sich die Zeit nehmen, denn dieses Ding wird alle eine Weile beschäftigen.

https://www.zdf.de/kultur/kulturzeit/kulturzeit-extra-streit-ums-gendern-102.html

Wieder mal wurden ganz wichtige Punkte nicht gemacht bzw. erklärt:

  1. Dass man besser sagt „generische Form“ als „generisches Maskulinum“, weil
  2. a) diese Form geschlechtslos ist und alle Optionen einbezieht, also auch LBGTQ und was noch so kommen mag, und weil die Assoziation dieser generischen Form mit dem Maskulinum erst das ganze Theater ins Rollen brachte, und
  3. b) dass das Weibliche, anders als das Männliche, mit der Endung -in und -inne eine sog. „markierte Form“ hat, dem Männlichen deshalb also bevorzugt ist! Warum sagt was nicht die Sprachwissenschaftlerin?! Oder hat sie das selbst noch nicht kapiert?! Oder wurde sie zensiert?

Vor einigen Tagen las ich von einer Moderatorin, dass sie sich immer durch die Suffixe – in und -innern als Frau diskriminiert fühlt. Man muss sich mal soviel Fehlinterpretation und eigentlich auch Ignoranz, wenn nicht gar Dummheit mal vorstellen! Aber das geht unter die Leute!

  1. Dass das Englische, dem man immer wieder viel mehr „Gendergerechtigkeit“ zuspricht als dem Deutschen, nur noch das Maskulinum kennt.
  2. Was das Ganze den Frauen wirklich bringen soll, bzw. ist das nicht ein Ausweich- bzw. Ersatzgefecht, das ausgetragen wird, weil man auf den wirklich relevanten Gebieten nicht weiterkommt? Eigentlich ist es semantisch auch noch selbstzerstörerisch.

Ein Trost bleibt: In dem nicht aufzuhaltenden Bestreben der von Millionen gesprochenen Sprache, ökonomisch zu sein (Extrembeispiele sind im Deutschen ja schon die Internet-Kürzel wie b2b, 4U et al.) wird im Sprachgebrauch des Volkes all dieser Unsinn erodieren wie die zunächst stehengebliebene Cratera eines Meteoriteneinschlags in der Fläche. Nur dass sie in diesem Falle nicht allzu hoch ist, sodass es recht schnell gehen wird. Es wird normal und wie bisher weiter die generische Form gesprochen werden.

Es blieben dann die Moderatoren-„Elite“, Librettisten und Akademiker, sowie einige wissenschaftliche und bürokratische Institutionen übrig. Dann hätten wir wieder mal eine neue Elite, eine in der Tat elitäre semantische. Ob das am Ende das Ziel der Genderfan-innen ist, bleibt mehr als fraglich! Es sieht eher nach einem klassischen Eigentor aus…

Das hier nur als erste Gedanken zu dieser Sendung, die damit wohl niemanden schlauer gemacht hat und weiter nur an der Oberfläche fischte.

Beste Grüße,

Klaus Billand

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Ein Aufsatz von Dr. Klaus Billand zur vermeintlichen „Gendergerechtigkeit“ der deutschen Sprache

Zur Verteidigung der vermeintlich „gendergerechten“ Sprache wird oft ins Feld geführt, dass Sprachen sich im Laufe der Zeit verändern. Solche Veränderungen kommen aber nur über lange Zeiträume zustande, über Jahrhunderte. Und zwar von innen heraus, ganz wichtig, also von jenen, die diese Sprache sprechen, von unten nach oben. Seit meinem Abitur 1971 kann ich keine wirklich nennenswerten Änderungen der deutschen Sprache erkennen, weder in der Großschreibung noch in der Wortwahl (bis auf mehr Anglizismen, die auch technologiebedingt sind wie IT etc.) noch in der Interpunktion. Das war vor fast 50 Jahren, also einem halben Jahrhundert. Seit 20 Jahren bin ich selbst journalistisch tätig in der internationalen Opernrezension. In der Literatur hat sich auch nichts geändert, auch hat hier die sog. „Gendergerechtigkeit“ nicht Einzug gehalten. Das finden Sie in kaum einem in Deutschland oder Österreich verlegten Buch.

Die eigentlich nur mit einer Aufsetzung zu vergleichende sog. „gendergerechte“ Sprache ist Ausfluss eines politischen Willens, der seit relativ kurzer Zeit um sich greift. Es ist ein politisch-bürokratisches Oktroyieren von Änderungen auf die deutsche Sprache, die von einer Minderheit als wünschenswert gesehen und fast ausschließlich von Moderatoren von TV-Sendungen verwendet werden und über Gleichstellungsbeauftragte in staatlichen und privaten Institutionen gewissermaßen „von außen“ durch Verordnungen und Vorschriften durchgesetzt werden. Also eine diskretionäre Sprachänderung von „oben“ statt von unten. Und dabei entspricht das nicht einmal dem Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland. Dort ergab eine Infratest Dimap Studie 2020, dass 56 Prozent der Befragten gegen das „Gendern“ sind. Und dabei waren auch Frauen, die sicher auch Bücher lesen.

Moderatoren „gendern“ vornehmlich in den Nachrichtensendungen, aber auch jene in Talkshows, immer nur die Moderatoren. Interessant ist nämlich, dass die in Dokumentationen und Interviews Befragten, und seien sie auch aus der avantgardistischen Kulturszene, nahezu nie „gendern“ – nur die Moderatoren. Man hat oft das Gefühl, Moderator und Interviewter sprechen verschiedene Sprachen – so wie es Zerbinetta von Ariadne in der Oper „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss vermutet… Man könnte aber auch meinen, es handele sich um ein Moderatorenkartell zu Gunsten der vermeintlichen sprachlichen „Gendergerechtigkeit“ gegen den semantischen Mainstream.

Die Sprache wird durch das „Gendern“ auch (in ihrer Aussage) verfälscht, was gravierend, aber besonders im Fall der deutschen Sprache auch leicht belegbar ist. Ich habe das schon in meinem Aufsatz zum Thema 2019 geschrieben, den ich hier anhängen darf.

https://www.klaus-billand.com/deutsch/betrachtungen/zu-politischen-themen/gendergerechtigkeit-in-der-deutschen-sprache-maerz-2019.html

Mittlerweile ist dazu noch ein interessanter Artikel erschienen, vom Dichter Reiner Kunze, den ich ebenfalls hier anhänge und sehr zu lesen empfehle.

https://www.pnp.de/nachrichten/kultur/Dichter-Reiner-Kunze-Sprachgenderismus-ist-eine-aggressive-Ideologie-2971049.html

Kunze ist eine seriöse Kapazität auf dem Gebiet der Dichtung und natürlich Sprache, also eine gute Referenz. Und er hat einiges im Leben mitgemacht, hier seine Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Reiner_Kunze

Es ist in seinem Aufsatz eigentlich alles erklärt und auf die Konsequenzen hingewiesen, was das „Gendern“ in der deutschen Sprache bewirken wird: Ihre Verarmung. Ich würde sogar sagen, ihre Verhunzung!

Immer wieder stellt man nun fest, dass Moderatoren in einer Nachrichtensendung ein Substativ, das sowohl Frauen wie Männer umfasst, mit der Endung -innen gebrauchen, ohne die Sprechpause zu machen. Damit wird ein klarer Verständnisfehler produziert. Es wird damit versucht, das Gendersternchen auszusprechen, was nicht geht, womit das auf „-innen“ endende Substantiv wie ein durchgehendes Wort gesprochen wird. Damit unterstellt der Moderator automatisch, dass mit der Aussage nur Frauen gemeint sind. Es ist aber aus dem Zusammenhang offensichtlich, dass Frauen und Männer gemeint sind (was im Schriftbild durch das Gendersternchen im Prinzip sichtbar wäre). Diese Formulierung ist also eine ernstzunehmende Verfälschung der Sprache und ihrer Ausdrucksfunktion. Wenn das weiter um sich greift, muss man annehmen, dass Dinge oder Sachverhalte nur noch Frauen betreffen und die Männer ausgeschlossen sind. Schlichte Fehlinformation! Ein möglicher Fall zum Nachdenken: „Die Soldatinnen wurden auf der ganzen Front zurückgeschlagen.“

Dabei ist es doch ganz einfach. Im Gegensatz zu anderen Sprachen kennt die deutsche die markierte Form bei der weiblichen Ausdrucksweise. Diese wird dadurch dokumentiert, dass bei der weiblichen Form des Substantivs immer ein -in oder im Plural ein -innen als Suffix anhängt. Die männliche Form hat eine solche Markierung nicht. (Bei: „Ich gehe zum Arzt“ oder „die Ministerpräsidenten“ kann es sich sowohl um Männer wie auch Frauen handeln; es wäre reiner Zufall, wären es nur Männer). Man könnte deshalb sogar sagen, das männliche Geschlecht ist in der deutschen Sprache benachteiligt. Wegen der fehlenden Markierung des männlichen Geschlechts kommt es zur Verwechslung mit der unmarkierten, vermeintlich männlichen Form, der generischen Form, die geschlechtslos ist. Wer also unbedingt das …-in und …-innen anhängen will, oder Binnen I oder Ähnliches wie das sog. Gendersternchen * einbringt, um vermeintlich „gendergerecht“ zu formulieren, beweist, dass er die deutsche Sprache nicht vollumfänglich versteht. Und das kann und darf bei einem weitreichenden Medium doch nicht sein.

Wenn man es etwas überspitzt formulieren wollte, wäre sogar zu sagen, dass sich jene, die auf „Gendergerechtigkeit“ pochen, mit dem zwanghaften Anhängen von -in und -innen an die von ihnen vermeintlich für biologisch maskulin gehaltene Form – von zumeist Berufsbezeichnungen – auf -er (die aber de facto eine generische ist) gar keinen Gefallen tun. Denn sie formulieren wieder nicht gendergerecht: Das Weibliche wird lediglich zum semantischen Anhängsel des (vermeintlich) Männlichen, also einem Suffix…

Ich möchte aber auch einen Vorschlag zur Güte machen: man könnte bei der ersten Gelegenheit einfach …-er und …-innen beim ersten relevanten Substantiv sagen (aber bitte ohne die Sprechpause, die ohnehin mit der Zeit wieder verschwinden wird, weil niemand eine solch mechanistische Sprachkonstruktion auf die Dauer aushält und sprechen wird) bzw. schreiben und bleibt dann im Rest des Beitrags bei der bisher üblichen, auch in der Literatur maßgebenden Ausdrucksform. Denn ein ständiges, gewissermaßen durchkomponiertes Enden auf …-in oder …-innen würde Zuhörer und Leser in den semantischen Wahnsinn treiben und mehr Text und damit Platz kosten, ohne dass Wesentliches hinzukäme.

Womit wir bei einer weiteren Regel wären, gegen die die vermeintlich „gendergerechte“ Sprache ebenfalls verstößt, die Sprachökonomie. Sprachen entwickeln sich nach der Regel, so ökonomisch wie möglich zu sein. Das „Gendern“ mit in der Regel erhöhter Wortzahl spreizt den Text signifikant auf, ja bläst ihn auf, ohne Substanz hinzuzugewinnen. (Das wird auch einer der Gründe sein, warum es in der Literatur nicht gemacht wird). Allein von daher wird das „Gendern“ auf lange Sicht im allgemeinen Sprachgebrauch wohl wieder erodieren zugunsten einer ökonomischeren Sprache. Einfach durch den täglichen Sprachgebrauch. Am Ende könnte man dann frei nach Shakespeare sagen: „Viel Lärm um nichts.“

Und haben sich die Befürworter des „Genderns“ einmal gefragt, wie ein Ausländer dann die deutsche Sprache lernen soll?! Wir leben in der Staatengemeinschaft der EU und sollten auch darauf erpicht sein, dass die deutsche Sprache erlernbar bleibt. Deutsche und Österreicher führen überall die Touristenstatistiken an…

Es gibt aber noch etwas ganz Verblüffendes:

Das alte Englisch, das wesentlich komplexer war, hatte drei Geschlechter wie heute das Deutsche.

Die altenglische Endung – ere für jemanden, der etwas macht, war maskulin. Daraus wurde später -er (teacher, singer, lover etc.) oder Deutsch; Lehrer, Sänger, Liebhaber. Die altenglische Feminin-Endung dazu war – estre.

Die Feminin-Endung – estre verschwand später fast komplett, abgesehen von wenigen Ausnahmen wie z.B.“seamstress“, so dass im heutigen Englisch nur noch die Maskulin-Endung -er existiert oder -or bei Wörtern, die aus dem Französischen bzw. Lateinischen kommen (professor, actor, doctor etc.).

Das moderne Englisch hat also bei Berufsbezeichnungen, (um die es ja im Genderdeutsch im Wesentlichen geht), nur noch eine Maskulin-Endung, die für alle gilt und auch generell akzeptiert ist.

Andererseits legen die englischen Schauspielerinnen Wert darauf, als „actor“ angeredet zu werden und nicht als „actress“, was als abwertend gilt.

Es ist also nicht so, wie vielfach positiv herausgestellt wird, dass das moderne Englisch kein Gender hätte und damit gerechter wäre, ganz im Gegenteil, es hat nur das Maskulinum!

Im Deutschen ist das Weibliche mit einer eigenen Feminin-Endung (-in), mit der sog. Markierung, also privilegiert. Auch in den romanischen und slawischen Sprachen haben sie diesen Vorzug.

https://en.wikipedia.org/wiki/Old_English_grammar

Es geht bei dieser Thematik um etwas ganz Wesentliches: Die Beibehaltung der Schönheit und Klarheit der deutschen Sprache, so wie sie sich über viele Jahrzehnte entwickelt hat. Und da wirkt die Oktroyierung einer vermeintlichen „Gendergerechtigkeit“, die de facto gar keine ist, sowie die verschiedenen Erscheinungsformen, wie Gendersternchen * und etliche andere, wie ein krasser Fremdkörper an der Sprache.

Ich möchte in dem Zusammenhang noch an den Turmbau zu Babel im Alten Testament erinnern, eine schöne und hier durchaus passende Geschichte. Die Menschen wollten im Stile einer Selbstüberhöhung mit einem immer höheren Bau des Turms Gott gleichkommen. Bekanntlich strafte er sie durch die babylonische Sprachverwirrung, die dazu führte, dass sie sich nicht mehr verstehen konnten….

Dr. Klaus Billand

  1. Februar 2021

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