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26. JUNI 2020 – Freitag

26.06.2020 | Tageskommentar

Boomende Branchen – zum Beispiel die Plexiglashersteller

Die Krise hat nicht nur Verlierer, einige Branchen boomen. Zum Beispiel die Hersteller und Händler von Plexiglas.

Bühnenkuss durch Plexiglas: Proben in Zeiten des Coronavirus
In der Volksoper wird wieder geprobt – unter ungewohnten Bedingungen. Wie es ist, in eine Maske zu hineinzusingen, wie Abstandsregeln manche Szenen intensiver machen und warum die Darsteller den Mund nicht zu weit aufreißen dürfen.
Die Presse

Aber von der Volksoper und anderen Bühnen allein wird Plexiglas nicht entscheidend profitieren, der große Markt liegt anderswo.

Was ist eigentlich „Plexiglas“?

Plexiglas ist ein Markenname für Acrylglas (chemisch Polymethylmethacrylat, Kurzzeichen PMMA). Bis zum Verkauf 2019 war die Evonik Röhm GmbH, eine Tochtergesellschaft der Evonik Industries AG, Inhaber der Marke. Im März 2019 verkaufte Evonik seinen Methacrylat-Verbund, zu dem auch die Plexiglas-Sparte gehört, an den Finanzinvestor Advent International. Er firmiert nun unter dem Namen Röhm GmbH. (Zitat Ende)

Diese Firma hat offenbar im goldrichtigen Zeitpunkt gekauft. Allerdings – wenn die Pharmaindustrie den großen „Corona-Schnitt“ macht, wird Plexiglas überrundet.

 
Auch ich bin es leid, täglich über „Corona und die Auswirkungen“ schreiben zu müssen, aber das Thema beherrscht weltweit das Leben. Für manche ist es sehr wichtig, für andere weniger – aber ganz kalt kann es keinem lassen. In irgendeiner Form ist wohl jeder Mensch davon betroffen. Dennoch erfasse ich jede Möglichkeit, zu anderen Themen zu kommen. So ergreife ich gerne die Gelegenheit, auf die recht umfangreiche Arbeit, die sich Dominik Troger (www.operinwien.at) aufgehalst hat, hinzuweisen
 

Schumann- und Schubert-Opern in Wien 2000-2020

Robert Schumann

Franz Schubert

Robert Schumann und Franz Schubert haben mit ihren Opern beim Publikum wenig Erfolg gehabt. In Wien gab es in den letzten beiden Jahrzehnten einige Versuche, diese Werke neu zu beleben – gelungen ist das nicht. Eine Zusammenschau in acht Kapiteln.
…Die leidvolle Rezeptionsgeschichte der genannten Opern wird gerne mit dem Namen Eduard Hanslick verknüpft. Weder Schumanns „Genoveva“ noch Schuberts Opern haben beim „Wiener Papst“ der Musikkritik großen Enthusiasmus ausgelöst. In seinem Aufsatz „Robert Schumann als Opencomponist“ („Die moderne Oper“, 3. Auflage. Wien 1877) geht Hanslick nicht nur auf Schumann, sondern allgemein auf das damalige deutsche Opernrepertoire und sein mangelndes Durchsetzungsvermögen beim Publikum ein.

Eduard Hanslick

Hanslick betont, dass das Schreiben für die Bühne eines spezifischen dramatischen Talents bedürfe – und der Kenntnis der realen Bühne. Deshalb, so Hanslick, könne man „ein genialer Tondichter sein, und doch für die Bühne nicht zu schreiben verstehen“ (S. 262). Hanslick bezieht diesen Satz nicht nur auf Schumann, Schubert und Mendelssohn, sondern auf die Mehrzahl der deutschen Opernkomponisten seiner Zeit. Ihnen allen fehle dieses spezifische dramatische Talent und die Kenntnis der realen Bühne – und beides hätten die französischen und italienischen Komponisten den deutschen oft voraus…

http://www.operinwien.at/werkverz/schumann/aschuschu_00_20_1.htm

Wiener Staatsoper – Solistenkonzert Verdi/ Puccini (24.6.2020)

Bedingt durch den Direktionswechsel unterliegt auch das Ensemble einigen Änderungen, sodass es auch die Gelegenheit war, einige liebgewonnene Sänger zum letzten Mal (zumindest für die nächste Zeit) an der Staatsoper zu hören. Sänger aus 14 verschiedenen Ländern und 4 Kontinenten waren zu hören – ein Zeichen wie international der Opernbetrieb in den letzten Jahrzehnten geworden ist…
Zum Berichtvon Kurt Vlach

...Wenn man unser Opernhaus wieder so verlassen und einsam erblickt – das Betreten ist natürlich nur mit obligater Maske erlaubt – mischt sich neben der Vorfreude auf italienische Musik der Genies Verdi und Puccini erneut eine bedrückende Stimmung. Das Ensemble zeigt sich trotz der spärlichen Zuseher von seiner besten Seite, sodass man traurig wird, von den 15 SängerInnen, die den Abend gestalten, in der nächsten Saison nur mehr 3 am Haus am Ring erleben zu dürfen: Monika Bohinec, Szilvia Vörös und Clemens Unterreiner

Zum Bericht von Susanne Lukas

Im Zuge des Corona-Wirbels ist völlig untergegangen, wer nun von Herrn Roscic im Ensemble belassen wurde und wer nicht. Dabei wäre eine „Fixanstellung“ gerade in den zu erwartenden Zeiten besonders wichtig, so sicher wie bei uns dürfte der Job wohl nirgendwo sein. „Beamtete Opernsänger“ eben, einer der wenigen Jobs in der Brancche mit Zukunftsperspektive!

Moskau
«Hässliche Rache» – Kirill Serebrennikow droht hohe Strafe
Für seine Filme, Opern- und Theateraufführungen erhielt Kirill Serebrennikow auch in Stuttgart, Berlin und Hamburg viel Beifall. Seit drei Jahren verfolgt die Justiz Russlands bekanntesten Regisseur. Dem liberalen Künstler droht nun Gefängnis.
Neue Musikzeitung/nmz.de

Vorweg, ich weiß nicht, inwieweit Herr Serebrennikov tatsächlich Subventionsgelder unterschlagen hat. Das habe ich mit Journalisten gemein, die zwar auch nicht mehr wissen als ich – aber dennoch zu wissen versichern, dass der Regisseur das Opfer einer „hässlichen Rache“ ist. Es genügt, dass er als „liberal“ gilt und Putin kritisiert. Übrigens, Russlands bekanntester Regisseur“ ist Herr Serebrennikov bestenfalls in den Gerichtsspalten und in Deutschland, wo er eine starke Lobby besitzt

Mir genügt das nicht, ich möchte schon wissen, was ist. Werden wir es je erfahren? So ganz wahrscheinlich nicht, aber gar so einfach dürften wir uns unseren persönlichen Freispruch auch nicht machen! Überhaupt in Österreich, wo wir Korruption vermuten, wenn ein Theaterleiter auch seine Ehefrau oder Freundin in seinem Betrieb anstellt!

Kürzungen und Sparmaßnahmen im Bereich Kultur werden bald wieder an der Tagesordnung sein („Was uns erwartet, Teil 2“)
Was uns erwartet
Inzwischen sollten vielleicht auch die größten Zweifler begriffen haben, dass die Welt es bei Covid-19 nicht mit einer vorübergehenden übertriebenen Panik zu tun hat, sondern dass die Pandemie im Begriff ist, auf unabsehbare Zeit zu einem Dauerthema zu werden, das unsere Gesellschaft verändern und auch lange prägen wird. Hier jetzt detailliert vorherzusagen, was genau in den kommenden Jahren deswegen an Veränderungen passieren wird, wäre vermessen – zu groß sind die Ungewissheiten. Aber inzwischen leben wir schon lange genug mit der Situation, dass sich bestimmte Tendenzen absehen lassen. Nach einigen Monaten der Corona-Krise ist es vielleicht Zeit für eine vorsichtige Bestandsaufnahme, was auf Musikschaffende in zum Beispiel Deutschland zukommen könnte.
https://blogs.nmz.de/badblog/2020/06/20/kuerzungen-und-sparmassnahmen-im

München: Nun doch ein neuer „Callas-Tod“
http://www.staatsoper.de/stueckinfo
Im April schrieb der NMZ-Kritiker über die Uraufführung, mit der nun Die Saison der Bayerischen Staatsoper eröffnet wird
„Kein neuer Callas-Tod – Schließzeit an der Bayerischen Staatsoper verhindert Abramović-Uraufführung“
Unser Kritiker Wolf-Dieter Peter empfindet keinen Verlust beim Wegfall so vieler Todesarten
Neue Musikzeitung/nmz.de

Fulminantes Spielzeitende im Staatstheater am Gärtnerplatz

 

25. Juni 2020; Nach dem großen Erfolg der ersten drei Wochen der Wiederaufnahme des Spielbetriebes im Staatstheater am Gärtnerplatz ist nun ein fulminantes Finale erarbeitet worden: in den letzten drei Wochen der Spielzeit 2019/2020 plant das Gärtnerplatztheater noch zwei Uraufführungen, eine Premiere sowie eine Wiederaufnahme, ergänzt um Konzerte und zwei Gastspiele. Der Spielplan vom 15. Juni bis 23. Juli sieht damit insgesamt 70 Vorstellungen vor.

KOMISCHE OPER BERLIN: 5 Neuproduktionen. Neues Konzert- und »Jung!«-Programm. »Zauberflöte« reloaded.
»Wir können auch anders«:
Die Spielzeit 2020/21 bis Dezember

»The show will go on!«, ließ Barrie Kosky kurz nach Beginn der Pandemie anlässlich der Bekanntgabe des Programms für die kommende Saison verlauten. Nun steht im Detail fest, wie es ab September bis einschließlich Dezember mit der Show an der Komischen Oper Berlin weitergeht: mit einem entsprechend der aktuellen Vorgaben maßgeschneiderten Spielplan, den Barrie Kosky am Donnerstag im Zuschauerraum des Hauses vorgestellt hat: »Für die Monate von September bis Dezember 2020 haben wir einen komplett neuen Spielplan entwickelt, der sich verändernde Sicherheitsvorschriften berücksichtigen kann und zugleich lust- und fantasievoll mit den neuen Gegebenheiten umgeht. Entstehen werden hierbei neue Formate, die bislang nicht geplant waren und die es so bislang bei uns auch nicht gegeben hat. Wir werden flexibler produzieren und mehr improvisieren als sonst – natürlich stets in höchster Qualität«, so der Intendant und Chefregisseur…

Mehr darüber in unseren „Infos des Tages“

Düsseldorf: Kleine Besetzung und Einakter: Oper am Rhein plant bis Ende 2020
Düsseldorf – Die Deutsche Oper am Rhein geht zunächst mit einem Kurzprogramm in die nächste Spielzeit. Wegen der unklaren Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie werden fast 150 Vorstellungen zunächst nur für die vier Monate von September bis Dezember festgelegt, teilte die Oper in Düsseldorf mit.
Neue Musikzeitung/nmz.de

Ein treuer Besucher auch unserer Online-Galerie und Fan der Wiener Staatsoper hat uns verlassen: Univ. Prof. Dr. Jim Swinehart (University of California, Davis )

 

Im Ruhestand waren Lisl und Jim Swinehart oft in Wien und besuchten kulturelle Einrichtungen, so auch die Wiener Staatsoper, wo sie Stammgast waren. Gerade die Nurejew-Gala, die heuer erstmals nicht gewohnter Form stattfinden konnte, war ein Fixpunkt, wenn nicht anders möglich, so an der Außenfront Karajan-Platz.

Esther Hatzi vom Arcadia-Shop lernte das Ehepaar aber im Bank Austria-Kunstforum kennen und „leitete“ es auch zum Online-Merker um. Wann immer es möglich war, besuchten Lisl und Jim Swinehart Ausstellungen auch bei uns, waren somit unsere weitest angereisten Gäste.

FILME DER WOCHE

Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

THE HIGH NOTE (USA / 2020 )
Regie: Nisha Ganatra Mit:
Dakota Johnson, Tracee Ellis Ross, Kelvin Harrison Jr., Ice Cube u.a.

Es gibt Milieus, die besonderen Reiz auf Durchschnittsmenschen (sprich Kinobesucher) ausüben, darunter die Filmbranche (vorzugsweise Hollywood), die Fernsehwelt, die Redaktionen der Magazine (wo der Teufel Prada trägt), und vor allem, in all ihren Facetten, die Welt der Musik. Zumal die Pop-Branche in Los Angeles, denn es gibt vermutlich Hunderttausende junger Leute in aller Welt, die alles darum geben würden, dort Karriere zu machen. Wer allerdings hofft, in dem Film „The High Note“ einen legitimen Blick in den Hintergrund des Big Business werfen zu können, wird schwer enttäuscht. Hier werden nur die allerbilligsten Klischees abgespult.

Dass Maggie es sich antut, Assistentin eines unerträglich zickigen Superstars zu sein – nun ja, sie denkt sich, Lehrjahre sind keine Herrenjahre, und das ist mein Sprungbrett zur eigenen Producer-Karriere. Sie muss sich von Grace Davis, ihrem „Star“, anschnauzen und viel Unfreundliches sagen und von deren Manager (Ice Cube) auf eine Weise herunter putzen lassen, die heutzutage keine Frau mehr so leicht hinnimmt – Maggie schon.

Die Geschichte mäandert durch das Schicksal der Diva, die sich auf einmal sagen muss, dass sie „Geschichte“ ist und die bekannten (und sicher nicht unberechtigten) Feminismus-Klagen loslässt: Wie viel Frauen über 40 hatten in der Pop-Branche einen Superhit? Und wie viele davon waren farbig?…

Zur Filmbesprechung von Renate Wagner

Straßenschlacht in der vergangenen Nacht in Wien-Favoriten: Kurden gegen Türken

Der ORF spielt natürlich wieder runter, aber im Privatfernsehen haben wir eindrucksvolle Szenen gesehen. Wenn Kurden mit Türken aneinanderkrachen, ist das nie ein harmloser Gedankenaustausch. Angeblich soll die Anarcho-Szene auch mitgemischt haben. Klar, so eine Chance ergibt sich nicht alle Tage!

Und das in Coronazeiten! Unser Kaiser würde fragen: „Ja dürfens denn das?“. Sie dürfen!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

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