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26. JULI 2021 – Montag

26.07.2021 | Tageskommentar

Bayreuth: Eröffnungspremiere 2021 mit „Der fliegende Holländer“

Klaus Billand in seiner Rezension: Aber es gab ja auch noch einen Regisseur, und der heißt Dmitri Tscherniakov, eine Weile mal für den neuen Bayreuther „Ring“ im Gespräch, der ja nun 2022 kommen soll und von Valentin Schwarz in der Rekordzeit von etwa neun Monaten (!) mit allen vier Teilen schon fertiggestellt wurde! Und was uns der gute Tscherniakov mit Unterstützung seiner Dramaturgin Tatiana Werestchagina gestern Abend im stream und im Festspielhaus servierte, hat relativ wenig, wenn überhaupt etwas mit Wagners „Fliegendem Holländer“ zu tun, erst recht, wenn man die sehr persönliche Genesis dieses Frühwerkes des Bayreuther Meisters und Heinrich Heines Aufzeichnungen aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopski bedenkt. Daraus ergibt sich gewissermaßen zwangsläufig das Postulat, die im wahrsten Sinne des Wortes elementare Rolle der hier ganz wesentlichen Elemente, nämlich Wind, Wellen und Meer, die zudem klar hörbar aus Wagners Musik zu uns sprechen, auf irgendeine Weise dramaturgisch einzubinden und nach Möglichkeit auch optisch umzusetzen. Das ist zugegebenerweise nicht ganz leicht, wenn es überzeugend sein soll.

Bedeutende Regisseure haben sich dieser Aufgabe immer wieder mit Erfolg gestellt. Wenn man an die Bedeutung des ihm so wichtigen Mythos in Wagners Oeuvre glaubt, bzw. sie überhaupt zur Kenntnis nimmt und damit an den Komponisten glaubt, dann sollte man sich dieser Aufgabe stellen, erst recht in Bayreuth. Dass dies hier nicht geschehen würde, war schon an der Einblendung zu erkennen, dass der Holländer nach sieben Jahren nun nach Hause (eigentlich ja Holland!) kam, er also Einwohner des norwegischen Sandvikes ist – was die der ganzen Oper zugrunde liegende Idee des vom Teufel verfluchten und deshalb so unnahbaren und umherirrenden Ahasvers der Meere auf den Kopf stellt! Also stattdessen schon der nette Schwiegersohn von nebenan?…

Zum Bericht von Klaus Billand

Die Dalands beim Antritts-Besuch des Schwiegersohnes. Foto: Enrico Nawrath/ Bayreuther Festspiele

Tim Theo Tinns erster Eindruck: Es war eine strukturierte Inszenierung, die großartige Unterhaltung bot. Falsch n. m. E.  war z. B. die Anbindung der Kostüme an unsere Realität. Aber man hatte sich Gedanken zur Struktur des Musikdramas gemacht. Der „Holländer“ ist ein Mythos, ein  Phantasma, das bei Reduzierung auf unsere armselige reale Welt verzwergt wird.

Hier wird aber jede schulmeisterliche Betrachtung, jede vertiefte „intellektuelle“ Würdigung obsolet. Es ist eine sehr gute Ausnahme aus dem verreckenden „Regietheater-Einerlei!“

Das Dirigat wirkte ! Wirkte in Tempi und Dynamik verinnerlichend – erreichte tiefes Empfinden – Gratulation an Oksana Lyniv! Ich wünsche mir noch etwas mehr analytische  Durchsichtigkeit —-(Agogik)  wie wir es halt von ihrem Lehrmeister Kirill Petrenko erleben.

Die Personenregie war  exemplarisch gut, die dramaturgische Durchdringung (daraus resultierende  Szene/Optik) erklärungsbedürftig, uninteressant, lästig – aber als Gesamtpakte eine der guten Leistungen des Regisseurs, weil es für Publikum wirksam war…

Zum Bericht von Tim Theo Tinn

Bravi in Bayreuth
Mit wenig Prominenz, dafür mit wunderbaren Solisten, einer fulminanten Frau am Pult, einem Spitzenorchester und einem tollen Chor sind die Bayreuther Festspiele 2021 gestartet. Musikalisch kamen die 911 Zuschauer im Festspielhaus voll auf ihre Kosten. Der Beifall und die Bravi waren enorm. Die schlechte Inszenierung und das sehr, sehr bescheidene Bühnenbild bekamen viele lautstarke Buhs.
Die Sterne des Abends waren zwei Solisten: Asmik Grigorian als Senta und Eric Cutler als Erik.
Der Abend war schon sehr gut, aber als Frau Grigorian die Bühne betrat und ihre ersten Töne sang, bekam der „Holländer“ eine neue Dimension. Asmik Grigorian zeigte mit ihrer Sopran-Stimme, wie eine Frau leicht, locker und angenehm auch im höchsten Register singen kann. Gleichzeitig sang sie einmalig wohlig und weich im mittleren und tiefen Register – Wohlfühlfaktor 10. Die Litauerin ist 40 Jahre alt und steuert gerade auf den Zenit ihres stimmlichen Wirkens zu. Sie bekam den mit Abstand größten Beifall bei dieser Eröffnung – in den vergangenen 6 Jahren hat nur der Tenor Klaus Florian Vogt einen derartigen Beifall bekommen – für seinen Lohengrin in der gleichnamigen Wagner-Oper.
https://klassik-begeistert.de/richard-wagner-der-fliegende-hollaender-bayreuther-festspiele-25-juli-2021/#more-29370

Tomasz Konieczny übernimmt den Wotan in der Walküre am 29. Juli, 3. August und 19. August!
Tomasz Konieczny wird die Partie des Wotan in der Walküre am 29.Juli, 3. August und 19. August anstelle von Günther Groissböck übernehmen. Die Besetzung Wotan/Wanderer im Ring des Nibelungen 2022 wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben. Die Festspielleitung dankt Herrn Konieczny sehr herzlich für die kurzfristige Übernahme!
Bayreuther Festspiele

BAYREUTHER FESTSPIELGESCHICHTE: EINE ABSAGE NACH DER GENERALPROBE GAB ES SCHON

DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG 1968

 

Die Bayreuther Neuinszenierung der „Meistersinger“ 1968 hat eine kuriose Geschichte: WALTER BERRY hätte sein Debut als „Hans Sachs“ geben sollen, aber hat nach der Generalprobe abgesagt, worauf Theo Adam die Rolle übernahm…
Mehr darüber in den „Infos des Tages“

NEUESTE BAYREUTH-INFO: HEUTE „DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG“ Johannes Martin Kränzle spielt den „Beckmesser“, aber Bo Skovhus singt ihn

SALZBURGER FESTSPIELE: HEUTE PREMIERE „DON GIOVANNI“

 

Leading Team

Teodor Currentzis Musikalische Leitung
Romeo Castellucci Regie, Bühne, Kostüme und Licht
Cindy Van Acker Choreografie
Piersandra Di Matteo Dramaturgie

Besetzung

Davide Luciano. Foto: Simon Pauly

Davide Luciano Don Giovanni
Mika Kares Il Commendatore
Nadezhda Pavlova Donna Anna
Michael Spyres Don Ottavio
Federica Lombardi Donna Elvira
Vito Priante Leporello
David Steffens Masetto
Anna Lucia Richter Zerlina

musicAeterna Choir
Vitaly Polonsky Choreinstudierung
MusicAeterna Orchestra

Erwachen aus einem Albtraum und Demokratie als „humanistische Utopie“
Bundespräsident Alexander Van der Bellen eröffnete gemeinsam mit mehreren Gastrednern die Salzburger Festspiele. Für Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler gab es Standing Ovations.
https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/buehne/2113919-Erwachen-aus-einem

Salzburg
Der Verführer hat die Festspiele geprägt
Mozarts „Don Giovanni“ gilt nicht nur die erste Premiere im Sommer 2021. Er war Salzburgs erste Festspieloper überhaupt
https://www.diepresse.com/6012483/der-verfuhrer-hat-die-festspiele-gepragt

Advokat der drastischen Schönheit: Regisseur Romeo Castellucci
Mit „Don Giovanni“ geht es bei den Salzburger Festspielen richtig los. Castellucci ist der Operndenker, um den tausendfach gedeuteten Schürzenjäger originell untergehen zu lassen
Der Standard.at

Festspiel-Premiere
Don Giovanni: „Die Atmosphäre von Schönheit“
https://www.krone.at/2469867

„Don Giovanni“ schrieb 1922 Festspielgeschichte
Seine Stimme hätte sich keinen Platz im Opern-Olymp verdient. Richard Mayr erarbeitete sich mit seiner Bühnenpräsenz Legendenstatus, Zeitzeugen zufolge soll er ein hinreißender Darsteller gewesen sein.
https://www.sn.at/salzburger-festspiele/don-giovanni-schrieb-1922-festspielgeschichte-106938169

Wien
Die Wiener Staatsoper muss sich radikal öffnen

Für diese collector’s choice edition hat die Gastredaktion den Direktor der Wiener Staatsoper Bogdan Roščić zum Interview geladen. Interview mit Bogdan Roščić
https://www.stayinart.com/die-staatsoper-muss-sich-radikal-oeffnen/
Natürlich haben wir uns im Jänner 2020 um ein Interview mit dem damals neuen Staatsoperndirektor bemüht, Corona hat das verhindert, nachher ist die Sache im Sand verlaufen. Was mich persönlich betrifft, strebe ich in nächster Zeit kein Gespräch an, mir reicht vollkommen, was ich gehört habe.

Das Magazin „stayinart“ hat nun eine Wortspende des Opernchefs erhalten und gezeigt, wie man das macht. Während wir um das Gespräch ersucht haben und sogar unter Umständen in die Staatsoper gekommen wären, wurde Herr Dr. Roscic von „stayinart“ ganz einfach zum Interview geladen(!). „Geladen“ heißt nicht nur eingeladen, es kann auch vorgeladen bedeuten! Jetz wissen wir, wie der Herr Direktor tickt!

Wer das nicht glaubt, möge den Artikel lesen!

Offenburg: Ein berauschendes Erlebnis


Copyright: Michael Bode

„Walkürenwahnsinn“ in Offenburg
https://www.bo.de/kultur/ein-berauschendes-erlebnis

GARS/ „Die Entführung“ unter der Zuschauertribüne – ein außergewöhnliches Erlebnis:

GARS / Burgruine: Mozarts DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

 

Sooyeon Lee (Konstanze) und Siyabonga Maqungo (Belmonte), dazwischen einer der Denk-Brüder. Alle Fotos: Manfred A. Schmid. Anmerkung: Es gibt wunderbare Pressefotos. Aus Aktualitätsgründen und zur Dokumentation der besonderen Umstände werden aber Aufnahmen per Handy verwendet. Foto: Manfred A. Schmid

In seinen Geleitworten im Programmheft wünscht Intendant Johannes Wildner dem Publikum „einen eindrucksvollen Opernabend“, nachdem er zuvor schon Joseph Freiherr von Eichendorffs Einsicht, „Es geht anders, als du meinst,“ zitiert hat. Wie wahr! Nach der Pause erweist sich nämlich Wildners Idee, angesichts möglicher Corona-Einschränkungen die Inszenierung von Mozarts Entführung mit einem auf sechs Instrumente reduzierten Orchester und ohne Chor anzugehen, als ebenso unverhoffter wie effizienter Rettungsanker, dem es zu verdanken ist, dass die Vorstellung nach der Pause, trotz starken Regens, fortgesetzt werden kann. Die – mit je einer Ausnahme – jungen Sängerinnen und Sänger und die sechs Musiker, darunter Johannes Wildner auf der Geige (als eine der Ausnahmen), scheuen sich nicht, auf dem Sandboden unter der Tribüne, hautnah umringt vom begeistert ausharrenden und meist stehenden Publikum, die Aufführung mit ungebrochener Spiellaune und größtem Einsatz zu Ende zu bringen…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Weitgehend wurde diese Entführung zu Ende gebracht, denn kurz vor dem Finale kam die Feuerwehr und brach wegen einer Gewitterwarnung ab. Das verstärkt nur den Eindruck vom einmaligen Erlebnis!

FILME DER WOCHE

Besuchen Sie Renate Wagners FILMSEITE

Filmstart: 30, Juli 2021  
CASH TRUCK/ Wrath of Man / USA / 2021
Drehbuch und Regie: Guy Ritchie
Mit: Jason Statham, Scott Eastwood, Josh Hartnett u.a.

Action-Stars wie Sylvester Stallone, der zwei Figuren wie „Rocky“ und „Rambo“ viele Filme hindurch verkörpert hat, haben es natürlich besser, prägen sich ins Gedächtnis der Kinobesucher und auch der Filmgeschichte ein (wo ja nicht nur die ganz hohe Kunst zuhause ist). Andere Schauspieler dieses Genres drehen gewissermaßen immer denselben Film, den man schon vergessen hat, wenn man aus dem Kino kommt. Auch, weil sich diese B- bis C-Movie-Schiene ja nicht viel Mühe gibt, immer dieselben inhaltlichen Versatzstücke dreht und wendet und die Action-Szene mit der hundertmal bewährten Routine herunterbetet.

Jason Statham ist ein Schauspieler dieses Genres, begann seine erfolgreiche Karriere als „Transporter“ in den Euro-(Trash)-Thrillern, die Luc Besson produzierte, und hat seither einen Film dieser Art nach dem anderen gedreht. Man hätte ja den Verdacht, dass er mehr kann, als immer nur starr und rätselhaft drein zu sehen (Liam Neeson ist in der ähnlichen Art von Filmen da viel differenzierter), aber bewiesen hat er es noch nicht.

Zur Filmbesprechung von Renate Wagner

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“

Gewitter in der Schweiz: Sintflutartige Regenfälle sorgen für Schäden und Verkehrsstörungen
Das ist passiert: Am Sonntagmittag sind sintflutartige Regenfälle über Teile der Innerschweiz niedergegangen. Innerhalb von wenigen Minuten schwollen deshalb Flüsse und Bäche an, einige bereits vorher durchnässte Hänge in der Region Luzern gaben nach. Mehrere Autos wurden in die Kleine Emme geschwemmt, die Bahnstrecke von Luzern nach Bern wurde unterbrochen. Auch den Kanton Schwyz traf es stark: Vor allem in Küssnacht und Einsiedeln setzten die Wassermassen Strassen, Plätze und viele Keller unter Wasser.
Zu den neusten Entwicklungen

  • Tunesiens Präsident feuert den Regierungschef und übernimmt die Amtsgeschäfte: Kais Saied hat Ministerpräsident Hichem Mechichi seines Amtes enthoben und das Parlament suspendiert, offenbar mit Rückendeckung des Militärs. Saied beteuert, sich im geltenden Rahmen der Verfassung zu bewegen, doch Kritiker sprechen von einem Putsch.
    Zum Bericht
  • Die USA verhängen symbolische Strafen gegen Kubas Sicherheitsapparat. Der amerikanische Präsident Joe Biden hat die gewaltsame Reaktion des kubanischen Regimes gegenüber Demonstranten verurteilt und Geldmittel von Regierungsangehörigen einfrieren lassen. Kubas Opposition wünscht sich dagegen die internationale Anerkennung.
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    C
    ovid-Impfstoffe sind gut – aber mehr Covid-Medikamente wären noch besser: Sars-CoV-2 kann noch längst nicht als besiegt betrachtet werden, darin ist man sich im Pharmasektor einig. Zwar haben gestiegene Impfraten viel gebracht, doch es fehlt an Medikamenten zur Behandlung einer Erkrankung. Ihre Entwicklung lahmt, es mangelt an Produktionskapazitäten.
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    ORF-„kulturMontag Spezial“ aus Salzburg: Mit u. a. „Don Giovanni“ Luciano, „Jedermann“ Eidinger, Eröffnungsredner Nida-Rümelin

    Danach: Doku „Eine Stadt als Bühne – 100 Jahre Salzburger Festspiele“ – am 26. Juli, ab 22.30 Uhr in ORF 2

    Wien (OTS) – Dem 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele, das pandemiebedingt auf heuer ausgeweitet wurde, widmet sich am 26. Juli 2021 ein von ORF und Bayerischem Rundfunk präsentierter „kulturMontag Spezial“ aus Salzburg. Live aus dem Malersaal des Großen Festspielhauses begrüßen auch heuer wieder ORF-TV-Kulturchef Martin Traxl und BR-Moderatorin Ursula Heller gemeinsam um 22.30 Uhr in ORF 2 aus der Mozartstadt. Dort wird heuer u. a. Romeo Castelluccis und Teodor Currentzis‘ „Don Giovanni“ mit Spannung erwartet: Direkt nach der Premiere werden Festspielintendant Markus Hinterhäuser, „Giovanni“ Davide Luciano und „Zerlina“ Anna Lucia Richter in der Sendung erwartet. Außerdem zu Gast: Tausendsassa und Neo-„Jedermann“ Lars Eidinger sowie „Gott“ und „Teufelin“ Mavie Hörbiger, weiters der Philosoph, Autor und heurige Eröffnungsredner Julian Nida-Rümelin, der in seiner Festspielrede eine humanistische Utopie entwirft und im Gespräch mit Ursula Heller und Martin Traxl den Zustand unserer Gesellschaft analysiert.

    Der talentierte Mr. Eidinger – Der neue Jedermann

    Er ist hip, exaltiert, extrem, eine Rampensau, zugleich ein ängstlicher Mensch. Im Theater ist er oft nackt, im Film spielt er am liebsten Psychopathen. Zwei der großen Koordinaten im Leben des Berliners Lars Eidinger sind das Theater und das Kino. Wer seinen „Hamlet“ an der Berliner Schaubühne, deren festes Ensemble-Mitglied er seit 1999 ist, gesehen hat, weiß, wie sehr sich der 45-Jährige bis zur körperlichen Erschöpfung verausgaben, wie intensiv sein Spiel sein kann. Es heißt, er sei Fachmann des Extremen, des Maßlosen, ein Schauspielberserker. Jetzt spielt der Tausendsassa die Paraderolle der Salzburger Festspiele und wird dafür von Kritik wie Publikum gefeiert. Der 20. „Jedermann“-Darsteller in der Geschichte des Festivals ist live zu Gast.

    Tokio
    Kiesenhofer erobert sensationell Gold
    Anna Kiesenhofer hat am Sonntag mit einer wahren Meisterleistung österreichische Sportgeschichte geschrieben. Die 30-Jährige holte sich sensationell die Goldmedaille im Radstraßenrennen der Damen. Nach 3:52:40 Stunden überquerte Kiesenhofer um 17.14 Uhr Ortszeit die Ziellinie. G
    https://sport.orf.at/tokyo2020/stories/3081410I

    Ich habe den Namen bis gestern nie gehört: Anna Kiesenhofer aus Niederkreuzstetten in Niederösterreich, irgendwie verbinde ich das mit einer „Zenzi“.

    Ich muss gewaltig Abbitte leisten: Die Frau ist nicht Radprofi, sondern Wissenschaftlerin – und als solche Dozentin für Mathematik in Lausanne in der Schweiz. Unfassbar, die Konkurrentinnen haben die ganze Zeit über nur ihren Sport im Kopf – und diese „Amateurin“ gewinnt das olympische Straßenrennen. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Imponierend war auch, wie sie geredet, wie richtig sie analysiert hat. Sie weiß ganz genau, dass sich dieser Erfolg nicht wiederholen lässt, weil sie davon profitiert hat, von der Konkurrenz maßlos unterschätzt worden zu sein. Wenn Unbekannte eine Alleinfahrt versuchen, reagieren die großen Favoritinnen gar nicht, sie wissen, dass sie diese Ausreisser spätestens 15 km vor dem Ziel wieder „einsammeln“ und bis zum Ende des Felds durchreichen. Nicht so Anna Kiesenhofer! Die hat auch richtig bemerkt, dass der letztlich Zweitplatzierten ein derartiges Husarenstück nicht gelungen wäre, weil sich sofort die Co-Favoritinnen an ihr Hinterrad geheftet hätten und sie nicht weit gekommen wäre. Unsere Olympiasiegerin hat das Rennen nicht nur mit den Beinen, sondern in erster Linie mit dem Kopf gewonnen! Typisch österreichisch eben!

Ich wünsche einen schönen Tag!

A.C

 

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