Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

26. APRIL 2022 – Dienstag

26.04.2022 | Tageskommentar

 
HAMBURG /Staatsoper: TANNHÄUSER – Sängerlust, Bühnenfrust.Klaus Florian Vogt und Ensemble. Foto: Brinkhaus-Mögenburg

Kent Nagano beherrscht die Kunst, Richard Wagners Musik niemals massiv klingen zu lassen. Seine Sänger werden getragen, sie müssen nicht dauerhaft über ihre Kraftreserven gehen, um verstanden oder überhaupt gehört zu werden. Genau dieses musikalische Auf-Händen-Getragen-Werden ist eine wichtige Zutat für den Erfolg des Sängerensembles beim neuen „Tannhäuser“ an der Hamburgischen Staatsoper. Der Klang: Immer durchhörbar, immer luzide, trotzdem präsent, dabei voll warmer Farben und, wo es der Dirigent für nötig hält, natürlich auch mal wuchtig. Etwas getrübt und auch mit Unmut quittiert wurde dieser Eindruck durch die ungewöhnlich vielen Patzer in Intonation und Zusammenspiel bei seinem Orchester. Trotzdem war der Generalmusikdirektor einer der Stars des Abends.

Ein anderer ist, natürlich, Klaus Florian Vogt, ehedem Hornist in ebenjenem Orchester und längst zum Heldentenor geworden. Wort für Wort gestaltet er seinen Tannhäuser als den Suchenden, der er ist, bleibt dabei stets textverständlich, singt mit bemerkenswert ausgeglichener Stimme. Die Rom-Erzählung, des Helden Reisebericht über den unglücklichen Bußversuch beim Papst also, wird zum Triumph…

…Übrigens: Eine Gesellschaftskritik will Regisseur Kornél Mundruczó hier formulieren, schreibt er. Die ist auf der Bühne nirgendwo zu finden. Und er bringt es tatsächlich fertig, sein Publikum an Banalitäten teilhaben zu lassen wie der Erklärung, die Venus-Welt und die Elisabeth-Welt, und das sei das Interessante an Tannhäuser, gäbe es sowohl in der Gesellschaft als auch im Innenleben des Titelhelden. Na sowas. Wenn ein Regisseur sein Handwerk so vollständig vergisst, kommt eben eine solch belanglose Zumutung heraus dabei. Wie ärgerlich. Immerhin: Fürs Ohr lohnt sich der neue Hamburger „Tannhäuser“.

Zum Premierenbericht von Stefan Knies

Hamburg/ Staatsoper
Jubelstürme und Buhkonzert für „Tannhäuser“-Premiere in Hamburg
NDR.de.kultur

Ein wahres Sängerfest mit Orchester in Höchstform: Tannhäuser in Hamburg
Eine verzaubernde Venus, die aus ihrem Tannhäuser die letzten Höhen seiner Stahlkraft rausholt: Das war ein wahres Sängerfest in Hamburg. Zum ersten Mal seit Jahren konnten auch Kent Nagano und das Staatsorchester mithalten! Weiter so, Herr Delnon.
Von Johannes Karl Fischer
Klassik-begeistert.de

Tannhäuser steigt aus dem Palmenhain
Im Gegensatz zum Lohengrin, Parsifal oder Siegmund ist Tannhäuser kein unbefleckter Held, Vogts knabenhelles Timbre irritiert daher vor allem im Zusammenklang mit dem üppigen, sinnlichen und expansiven Mezzo von Tanja Ariane Baumgartner. Seine Stimme liegt aber immer sicher über dem Orchester, und nach dem seelischen Zusammenbruch gegen Ende des zweiten Aufzugs passt der helle Klang auch besser zum kindlich-reuigen Sünder.
Von Dr. Ralf Wegner
Klassik-begeistert.de

„Tannhäuser“ in Hamburg: Lohengrin im Dschungel
Frankfurter Rundschau

Wien/Staatsoper:  „Lucia di Lammermoor“ – Emphatische Lucia – 24.4.2022

Benjamin Bernheim. Foto: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Kalt ist es in Schottland, Lucia friert. Alisa bringt ihr ein Paar Wollhandschuhe vorbei. Der weiße Bühnenschnee erstarrt in emotionaler Kälte. Bei diesem trostlosen Wetter muss man ja wahnsinnig werden. Die aktuelle „Lucia di Lammermoor“-Produktion der Wiener Staatsoper ist ein Erbstück der Direktion Dominique Meyer. Es handelt sich um eine Inszenierung von Laurent Pelly, die von der Opera Philadelphia nach Wien geholt wurde. Premiere war im Februar 2019. Seither wurde das Werk nicht mehr an der Staatsoper gespielt. Doch auch nach drei Jahren hat sich der Eindruck, den die Inszenierung hinterlässt, nicht gebessert.

Wiener Staatsoper in der Akademie der bildenden Künste: UTOPERAS EPisode 1 und 2: MEHR ONLIne, weniger allein!

Premiere der partizipativen Jugendoper am 30. April 2022 im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste

Episode 1 und 2
30. April (16.00 Uhr / Premiere; zweite Vorstellung um 18.30 Uhr)

weitere Informationen und kostenlose Zählkarten

Wien/ Volksoper: „Die Hochzeit des Figaro“ – Unspektakulär, aber unterhaltsam

An der Volksoper wurde am 11. April Marco Arturo Marellis zeitlose Inszenierung von „Die Hochzeit des Figaro“ wieder in den Spielplan aufgenommen. Nachstehende Anmerkungen beziehen sich auf die dritte Aufführung der laufenden Serie.

Die Inszenierung stammt aus dem Jahr 2012. Sie bietet humorvolles, „klassisches“ Operntheater, das die Handlung historisch im 18. Jahrhundert verortetet. Eine gut durchdachte Personenregie sorgt für Pointen und hält das Geschehen am Laufen. Gesungen wird in deutscher Sprache. Bei allen Einwänden, die gegen diese Gepflogenheit vorgebracht wurden und werden (es gibt auch Vorteile!) – nächste Saison ist es damit ohnehin vorbei. Der Spielplanvorschau 2022/23 ist zu entnehmen, dass „Die Hochzeit des Figaro“ unter der neuen Direktion als „Le nozze di Figaro“ „firmiert“.

http://www.operinwien.at/werkverz/mozart/afigaro23.htm

Dirigent und Komponist Gerhard Track gestorben
Track war von 1989 bis 1999 Direktor des damaligen Konservatoriums der Stadt Wien.

…Es kann sein, dass der am 17. September 1934 geborene Track in den USA einen klingenderen Namen hat als in seiner Heimat, und das sowohl als Chorleiter wie auch als Komponist: 1958 wurde Track an die St. John’s University in Minnesota berufen, wo er neben seiner Unterrichtstätigkeit dem „St. John’s University Men’s Symphony Orchestra“ und dem „St. John’s University Men’s Chorus“ vorstand…
WienerZeitung.at

GRAZ/ Opernhaus: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER. Premiere am 23.4.2022 – Kuriose Regie-Ideen

Die letzte Premiere des Holländers in Graz liegt bereits 15 Jahre zurück. Damals zeigte Peter Konwitschny seine davor in Moskau und München entwickelte Version. Wer sich dafür interessiert, dem sei die Lektüre der Analyse durch den ausgewiesenen Wagner-Kenner Klaus Billand sehr empfohlen.

Damit schließt sich ein Kreis, ist doch Peter Konwitschny einer jener Lehrer, bei denen die heutige Regisseurin Sandra Leupold studiert hatte!

Sandra Leupold – in gewohnter Zusammenarbeit mit der Bühnenbildnerin Mechthild Feuerstein und dem Kostümbildner Jochen Hochfeld – stellt uns eine eigenwillige Interpretation in einem leeren schwarzen, mit Lichtröhren abgegrenzten Bühnenraum vor, ganz entsprechend dem Opernwelt-Zitat auf der Homepage der Regisseurin: Am liebsten ist Sandra Leupold der leere Raum. Gehäuse, in denen Darsteller, die Musik frei atmen können…. Ihr Ideal ist eine Art szenische arte povera, die, aus Partitur und Libretto entwickelt, um die Individualität der Figuren und ihrer Darsteller kreist.“..

Foto: Oper Graz/ Werner Kmetitsch

 Holländer-Premiere: https://www.deropernfreund.de/graz-12.html

Oper Graz: Richard Wagners „Der fliegende Holländer“
Sandra Leupolds Inszenierung blieb bei der Premiere nicht nur musikalisch durchwachsen
DerStandard.at

MANNHEIM: „Der fliegende Holländer“. Premiere

Copyright: Christian Kleiner

Wegen der Corona-Pandemie hatte nun „Der Fliegende Holländer“ von Richard Wagner mit zweimonatiger Verspätung seine Premiere. Fanden die letzten drei Inszenierungen (Fidelio, Aida, Il Trovatore) des Schweizers Roger Vontobel beim Publikum wenig Gegenliebe, gab man ihm eine vierte Chance, vertraute ihm Wagners romantische Oper an und nutzte sie zu seinem Heil! Der Richard-Wagner-Verband Mannheim sponserte  großzügig die illustren abstrakten, sehr dekorativen  Bühnenbilder (Fabian Wendling)

…Mit großer Begeisterung feierte das Premieren-Publikum alle Mitwirkenden. Als Livestream wurde die Vorstellung aufgezeichnet und wird von der Online-Plattform OperaVision ausgestrahlt und ist bis 24. Oktober 2022 abrufbar.

Zum Bericht von Gerhard Hoffmann

MANNHEIM/ Nationaltheater: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER. Premiere am 24.4. 2022. Vom Ende her erzählt

….In der Inszenierung von Roger Vontobel kommt es zu einer teilweise sphärenhaften Lösung, denn nachdem sich der Holländer enttarnt hat, entschwindet das riesige Stahlschiff in der Höhe. Und Senta folgt ihm in Gestalt einer Tänzerin, die an Seilen in die Höhe gezogen wird. Dies ist eine tröstlichere Version als die andere Variante, wo Senta sich schließlich erhängt…

Zum Bericht von Alexander Walther

Erfurts „Monte Carlo-Geschäft“

Foto: Opéra Monte Carlo

Machen wir erst einmal einen kleinen Ausflug von Erfurt nach Monte-Carlo, wo vorgestern Anna Netrebko, die Nein-Ja-Vielleicht-oder-Doch-Nicht-Xavier Naidoo der Klassik, eingesprungen ist. Mehr als lesenswert ist die Recherche von Frank Karmeyer für die „Thüringer Allgemeine“. Er hat unseren letzten Newsletter zum Anlass genommen, um noch einmal genau das Netzwerk rund um Netrebkos Rehabilitations-Auftritt an der Oper in Monte-Carlo anzuschauen (zum Schlussapplaus wehte übrigens die ukrainische Flagge über der Bühne). Regisseur der „Manon Lescaut“-Aufführung ist Erfurts Generalintendant Guy Montavon (ich habe letzte Woche über seine Verbindung zu Hans-Joachim Frey und dessen Russland-Connections berichtet). Karmeyer bohrt nun weiter und erklärt, dass nicht klar sei, ob Montavon vom Gastspiel der Erfurter Produktion persönlich profitiere (Theater und Politik halten die Zahlen geheim)…

Was trifft, trifft zu. Crescendo.de/Klassikwoche 17
Anna Netrebkos Auftritt in Monte-Carlo, Kristjan Järvi und das Baltic Sea Philharmonic unter Druck, die Erwartungen an Markus Hinterhäuser in Salzburg
crescendo.de

Auch wenn ich dafür von Lesern gerüffelt werde – um den Herrn Brüggemann mache ich mir Sorgen.

Moskau
Maria Guleghina Cancels Moscow Concert
https://operawire.com/maria-guleghina-cancels-moscow-concert/

Monte Carlo/ Medici.TV to Stream “Manon Lescaut’ with Anna Netrebko
Medici.TV is set to stream Puccini’s “Manon Lescaut” on April 27 from the Opera de Monte-Carlo.
https://operawire.com/medici-tv-to-stream-manon-lescaut-with-anna-netrebko/

BASEL/ Theater: DON CARLOS, französische Fassung: VIEL LÄRM UM EHER WENIG – Vorstellung am 24.4.2022

Musikalische Leitung – Michele Spotti
Inszenierung – Vincent Huguet
Bühne – Richard Peduzzi
Chorleitung – Michael Clark

 

Zum Bericht von Alex Eisinger

DORTMUND: „Fernando Cortes“ oder „Die Eroberung von Mexico“ von Gaspare Spontini

Foto: Björn Hickmann

Begleitend zur Aufführung von Richard Wagner´s „Ring des Nibelungen“, die im Mai 2022 mit dem ersten Tag des Bühnenfestspiels „Die Walküre“ beginnt, führt man in Dortmund Opern auf, die als Anregung oder Nachwirkung von Wagner´s Werk verstanden werden können, „Wagner-Kosmos“ genannt. Das waren bisher nur französischsprachige Opern, nämlich „Die Stumme von Portici“ und „Frédégonde“ Jetzt folgte Gaspare Spontini´s Oper in drei Akten „Fernand Cortez oder Die Eroberung von Mexiko“…

Zum Schluß kamen vom Publikum zwar Bravos für die beiden Hauptpersonen und den Chor, aber der Beifall blieb besonders angesichts des Aufwands und der musikalischen Qualität der Aufführung eher bescheiden. In Gesprächen hörte man, besonders im dritten Akt sei man verwirrt gewesen, wer denn nun von wem als Geisel genommen, ermordet oder begnadigt wurde. Hier und auch bezüglich der plötzlich doppelten Amazily konnte nur zum vorherigen Lesen des Programmhefts geraten werden.

Zum Bericht von Sigi Brockmann

WIEN / Kunsthistorisches Museum -Münzkabinett: IN 80 MÜNZEN UM DIE WELT
Vom 26. April 2022 bis zum 23. April 2023

 

Aus den imaginären Geldbörsen von …

Archäologen und Historiker können den Aussagewert von Münzen nur in höchsten Tönen preisen. Tatsächlich aber waren sie Alltagsgegenstände, die notwendigerweise so gut wie jedermann mit sich herumtrug. Zumal Reisende – und wenn sie sich von Land zu Land begaben, füllten sich die Börsen mit unterschiedlichen Münzen, die dann auch (von Wechslern, die keinen guten Ruf hatten) immer wieder in neue Währungen getauscht wurden. Unter diesem Gesichtspunkt stellt das Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums die Geschichte unter dem Titel „In 80 Münzen um die Welt“ auf breite Basis. 16 mehr oder minder bekannte Persönlichkeiten wurden als „Reisende“ ausgewählt, der zeitliche Bogen reicht von der Ära von Alexander dem Großen bis zu den Beatles. Ort: die ganze Welt. Womit wurde jeweils gezahlt?

Zum Ausstellungsbericht von Renate Wagner

Aktuelles aus der „Neuen Zürcher Zeitung“

Elon Musk kauft die weltweit grösste Mikro-Blogging-Plattform Twitter: Einmal mehr hat Elon Musk bewiesen, dass man ihn besser beim Wort nehmen sollte. Wie Twitter mitteilte, kauft der reichste Mann der Welt die grösste Mikro-Blogging-Plattform der Welt für 44 Milliarden Dollar oder umgerechnet 54.20 Dollar pro Aktie. «Redefreiheit ist das Fundament einer funktionierenden Demokratie, und Twitter ist der digitale Marktplatz, wo die Zukunftsthemen der Menschheit diskutiert werden», teilte Musk nach Bekanntgabe der Übernahme mit. Zudem freue er sich darauf, das Potenzial gemeinsam mit der Nutzergemeinde «ganz zu entfesseln».
Zum Bericht
Während die EU-Führungsnationen zaudern, liefern Polen, Tschechien und die Slowakei schwere Waffen an die Ukraine: Seit Russland die Ukraine überfallen hat, scheinen die EU-Grössen Deutschland und Frankreich mehr mit sich selbst beschäftigt als mit der grössten europäischen Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Tatkräftige Unterstützung kommt stattdessen aus den USA und Grossbritannien – und aus dem Osten der EU: Waffen liefern nicht nur die Polen und die Balten, seit Jahren Vertreter einer resoluten Linie gegenüber Russland, sondern auch die bis vor kurzem unauffälligeren Tschechen und Slowaken. Die Ostmitteleuropäer sind überzeugt, dass im Nachbarland auch ihre Sicherheit auf dem Spiel steht.
Zum Bericht
Weshalb sich Emmanuel Macron auf noch mehr Gegenwind gefasst machen muss: Der Amtsinhaber Emmanuel Macron hat die französische Präsidentschaftswahl klar gewonnen – aber das Ergebnis zeigt, dass ihm zum Teil grosse Zweifel entgegenschlagen: auf dem Land wie in den Überseegebieten und bei einer jungen, linken Wählerschaft. Zieht man die leeren und ungültigen Wahlbulletins sowie die Zahl der Nichtwähler in Betracht, so haben nur 38,5 Prozent der französischen Wahlberechtigten die Wiederwahl des Präsidenten gesichert.
Zum Bericht

„Neue Zürcher Zeitung“/ Zitat Ende

Assange-Anwältin: „Wir schlafwandeln in eine Zeit ohne Freiheitsrechte“
Jennifer Robinson sagt: Schritt für Schritt geben wir im Westen die Freiheitsrechte auf. Eines Tages werden wir sie vergessen haben. Assange ist nur der Anfang.

Wenn die Opposition gewinnt, könnte sie sich für ihn einsetzen. Sicher ist das nicht, wie sich in Deutschland zeigt: Bevor die Grüne Annalena Baerbock Außenministerin wurde, sprach sie sich deutlich für die Freilassung aus. Seit sie im Amt ist, herrscht Schweigen zu dem Thema.
Berliner Zeitung

Ich sehe es mit den Freiheitsrechten ähnlich, komme mir dabei aber vor wie „Don Quichotte“. Für mich brauche ich nicht mehr kämpfen, aber es entsetzt mich, wie Menschen sehenden Auges den Abgrund entgegenstürmen.

Ich wünsche einen schönen Tag

A.C.

 

 

 

Diese Seite drucken