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25. SEPTEMBER 2018

25.09.2018 | Tageskommentar

Zürich: „Die Gezeichneten“. Catherine Naglestad und John Daszak. Foto: Monika Rittershaus

Dr. John H. Mueller aus Zürich berichtet über die Premiere: Barrie Kosky ist sicher einer der prädestiniertesten Regisseure, ein solch umstrittenes und eben nicht einfaches Werk zeitgemäss auf die Bühne zu bringen. Die Insel der Orgien namens „Elysium“, die erst im 3. Akt Schauplatz der fatalen Handlung ist, wird nur mehr angedeutet und gespenstisch stilisiert. Eine gute Lösung, wo doch heutzutage eine Orgie auf der Opernbühne kaum noch dargestellt werden kann, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben…

Zum Bericht von John H. Mueller

Wir töpfern uns eine Oper: Schreker-Premiere in Zürich
Mit den «Gezeichneten» von Franz Schreker startet das Opernhaus Zürich mutig in die neue Spielzeit. Doch weder die Regie von Barrie Kosky noch der Dirigent Vladimir Jurowski lassen sich tiefer auf das komplexe Stück ein
Neue Zürcher Zeitung
Ableitung der Ableitung: Franz Schrekers „Die Gezeichneten“ an der Oper Zürich
Neue Musikzeitung/nmz.de

Krefeld: DIE ZAUBERFLÖTE . Premiere am 23. September 2018

Copyright: Theater Krefeld/ Stutte

Krefeld/Mönchengladbach kann sich glücklich schätzen, daß ein so interessanter Regisseur wie (der ehemalige Tenor) KOBIE VAN RENSBURG seit 2011 kontinuierlich am Gemeinschaftstheater der beiden Städte arbeitet. Für das Opernstudio entstanden sogar zwei Uraufführungs-Produktionen. Das Repertoire Rensburgs konzentriert sich auf Barock und Mozart. Auch Rossinis „Barbier“ hat er mal auf die Bühne gebracht, und die Buffas gerade dieses Komponisten sollten Herausforderung für die Zukunft sein. Aber der südafrikanische Regisseur, welcher sich für die Oper nicht zuletzt auch in seinem Heimatland einsetzt (Umcolo Opera Incubator), möchte bei seinem Video-Stil jetzt erst einmal eine Pause einlegen. Die Krefelder „Zauberflöte“ deutet an, daß dies eine angemessene Überlegung ist…

Zum Bericht von Christoph Zimmermann

KREFELD: DIE ZAUBERFLÖTE – Phantasievolle Projektion in die Sternenwelt. Premiere am 23.9.2018. HOLLYWOOD LÄSST GRÜSSEN

Zum Bericht von Peter Bilsing/ www.deropernfreund.de

Wiener Staatsoper: Die ersten Interviews zur Premiere „LES TROYENS“ online

Die Premiere findet erst am 14.10 statt. Der Reigen der Interviews wurde gestern durch Dr. Renate Wagner eröffnet, die mit dem Dirigenten Alain Altinoglu und mit dem Tenor Brandon Jovanovich sprach. Es ist diesmal eine lange Reihe von Interviews mit Hauptbeteiligten an dieser Riesen-Produktion geplant (Wiens Trojaner sollen fünf Stunden dauern, wie wir dem Interview entnehmen), ich möchte diese Interviews zur Premiere hin auch in der mir richtig erscheinenden Dramaturgie aufbauen. Im Detail wird an dieser Stelle zeitnäher zur Premiere eingegangen werden.

Alain Altinoglu

Monsieur  Altinoglu, die „Trojaner“ von Berlioz begegnen einem nicht alle Tage?

Nein, und ich war ganz enthusiasmiert, dieses wichtige Werk endlich dirigieren zu können. Als ich 2016 die Stellung als Generalmusikdirektor in Brüssel übernommen habe, habe ich alle meine Opernengagements – Met, Covent Garden – abgesagt, nur Wien nicht. Weil mir diese Oper so wichtig ist. Auch weil sie so schwierig ist – der Chor, die vielen Solisten, die Ballett-Passagen, die vier verschiedenen Orchester, eines im Graben, drei auf der Bühne, dazu die gewaltige Ausstattung … es ist eine ganz große Sache….

Zum Interview Alain Altinoglu/ Renate Wagner

Brandon Jovanovich: „Musik ist ein Teil meiner Seele“

Brandon Jovanovich

Der amerikanische Tenor Brandon Jovanovich war bisher kein Stammgast an der Wiener Staatsoper, aber das wird sich ändern. Nach dem Enée in der Premiere von Berlioz’ „Die Trojaner“ ist er in dieser Spielzeit noch als Prinz in „Rusalka“ und als Florestan im Haus am Ring zu hören.

Von Renate Wagner

Herr Jovanovich, Sie haben im Moment Ihre Österreich-Zeit. Konnten Sie eigentlich zwischen dem Ende der Salzburger Festspiele und der Arbeit an der Wiener Staatsoper nach Hause fliegen?

Keine Spur, ich hatte gerade einen ruhigen Tag. Wobei die Arbeit in Salzburg doch recht anstrengend war. Es war mein erster Hermann in der „Pique Dame“, und wenn man mit einer Rolle noch keine Erfahrung hat, ist es einfach schwerer. Auch war Regisseur Hans Neuenfels zweifellos ein Erlebnis, ein Mann, der dauernd unter Hochspannung stand und es auf das Ensemble übertragen hat… Ich hoffe, mein nächster Hermann, den ich in Chicago singen werde, wird entspannter…

Zum Interview Brandon Jovanovich/ Renate Wagner

Wiener Staatsoper: „La traviata“ mit  sensationeller Violetta

Man hat im Laufe der Jahre schon viele schöne Violettas auf der Bühne gesehen. Gewiss aber haben nicht viele von ihnen so schön gesungen wie Albina Shagimuratova bei ihrem Wiener Rollendebut in der Titelpartie der Oper, die in einem 2010 veranstalteten Wettbewerb der TV-Kultursender 3sat, ZDF Kulturkanal und Classica zur „schönsten Oper aller Zeiten“ gewählt worden ist. Über Letzteres lässt sich natürlich streiten, über die Qualität der russischen Sopranistin wohl nicht. Zur Bestätigung dieser Aussage genügt es in die unter www.albinashagimuratova.com abrufbaren Aufnahmen hineinzuhören. Oder aber man hat sie in Wien als Mozart-Sängerin – mit Auftritten als Königin der Nacht oder Donna Anna – ohnehin noch in bester Erinnerung. Hingehen geht aber – bis auf weiteres – leider nicht mehr: Die kurze Traviata-Aufführungsserie ist nämlich mit dem dritten Abend, der dafür allerdings auch als live-stream übertragen wurde, schon wieder zu Ende…

Zum Bericht von Manfred A. Schmid

Der Ruhm überträgt sich auch auf das Ausland. Auch „bachtrack“ findet diese Wiener Traviata in der unansehlichen Inszenierung wörtlich „sensationell“

Wenn Wiener Repertoireabende zur Sensation werden: La traviata mit Albina Shagimuratova
bachtrack

Wien/ sirene Operntheater im Reaktor

Massenmörder und Heilige – „Jeanne & Gilles“, Reaktor, 2. Aufführung
Das um neue Spielstätten nie verlegene sirene Operntheater lotst das Publikum diesmal nach Hernals in den „Reaktor“ und befeuert die „kulturelle Kernspaltung“ mit einer Geschichte aus dem Hundertjährigen Krieg: „Jeanne & Gilles“ erzählt von der Beziehung zwischen der Jungfrau von Orleans und ihrem Kampfgefährten Gilles de Rais.
http://www.operinwien.at/werkverz/descamps/ajeanne.htm

Sirene Operntheater zeigt „Jeanne & Gilles“ als Kampfgefährten
Die Oper verquickt die Schicksale von Jeanne d’Arc und Gilles de Rais – mit Schlagseite zum Kindermärchen – derstandard.at/2000087920084/Sirene-Operntheater-zeigt-Jeanne-Gilles-als-Kampfgefaehrten
Der Standard

Letzte Vorstellungen am 26., 27., 28., 29. September, jeweils um 20:00 Uhr
Werden Sie Publikum! Restkarten hier
Informationen hier

Mannheim: „WERTHER“ Wiederaufnahme – 23.09.2018

Zur Wiederaufnahme – was sage ich frisch wie eh und je, mit minimalen jedoch sehr vorteilhaften Änderungen präsentierte das Nationaltheater „Werther“ (Jules Massenet) mit einem jungen Sänger-Quartett unter 40 welches in vorzüglichem Qualitäts-Level so manche FOA-Besetzung in den Schatten drängte. ..

Zum Bericht von Gerhard Hoffmann

Theater Münster  „Madama Butterfly“ kaum Japan – viel Tragödie. Neuinszenierung, besuchte Vorstellung 23. September 2018

 Seit einiger Zeit ist  bei „fortschrittlichen“ Regisseuren eine Mode zu beobachten, nämlich, daß sie eine Bühnenhandlung verbessern oder umdeuten wollen, indem sie zusätzliche von den Autoren nicht vorgesehene Personen auftreten lassen.  So war es  auch bei der Aufführung von Giacomo Puccini´s „Madama Butterfly“  auf den Text von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica am Theater Münster.  Hier zeigte Regisseur Hans Walter Richter bereits vor Beginn der eigentlichen Handlung im Schattenriß, wie  Butterfly´s Vater als stumme Person  rituellen Selbstmord begeht. Dieses fernöstliche Ritual geschah musikalisch ganz unpassend zur kurzen Ouvertüre in Form einer schulmeisterlichen Fuge, die doch  westlicher Tradition entspricht. Das grausames Schicksal  des Vaters wird allerdings im ersten Akt von Butterfly selbst angedeutet, als sie von der plötzlichen Armut ihrer adeligen Eltern und vom Tod des Vaters erzählt…

Zum Bericht von Sigi Brockmann

KÖLN/ Staatenhaus: Turandot – Wiederaufnahme

Zum Bericht von Christoph Zimmermann

Heidelberg: RIGOLETTO. Premiere am 22.9.

Carly Owen, Ipca Ramanovic. Copyright: Sebastian Bühler

Das größte Rätsel in Rigoletto stellt für die die Regisseurin Alexandra Szemeredy die Gilda dar. Man könne für sie kein Mitleid empfinden, ihr Freitod (sie schneidet sich bei ihr die Pulsadern auf) erscheine nicht plausibel. Ihr pathologischer Selbsthaß, diese Art Selbstaufgabe grenze an Fanatismus. Und ihre Co-Regisseurin, Magdolna Parditka, sekundiert ihr, „Gilda nimmt sich nur als Gegenstand wahr“, und „daß sie über den Akt der Selbsttötung endlich über ihren eigenen Körper verfügt“. Deswegen besetzen sie die Rolle auch mit einem jugendlich dramatischen Sopran, der Irin Carly Owen, der über eine außerordentliche stimmliche Potenz und Reife verfügt, auch wenn sie von der Gestalt her sehr mädchenhaft wirkt…

Zum Bericht von Friedeon Rosèn

St. Petersburg/ Mariinsky-Theater – Die Opern zur Saisoneröffnung

Die Saisoneröffnung am Mariinsky-Theater ist normalerweise Chefsache. Das lässt Valery Gergiev sich nicht entgehen. Doch von seinem anlässlich der Einweihung der Neuen Bühne seines Theaters gegebenen Versprechen, seine Zeit mehr St. Petersburg zu widmen, ist jetzt, 5 Jahre danach, nichts mehr nachgeblieben. Mehr denn je tourt er, mit seinem zweiten Orchester, den Münchner Philharmonikern, den Wiener Philharmonikern oder mit den besten Kräften seines Mariinsky-Orchesters. Natürlich, wenn Gergiev mit seinem Eliteorchester in Japan, China oder – wie nun Ende September im Oman – gastiert, geschieht dies nicht nur zum Ruhm der Neva-Metropole, sondern lohnt sich auch finanziell. Man darf nicht vergessen, dass das Mariinsky 5 Häuser bespielt: Mariinsky I (das historische Theater), Mariinsky II (die Neue Bühne), Mariinsky III (die Konzerthalle), Mariinsky IV (im fernen Vladivostok, ein willkommener Zwischenstopp auf dem Weg nach Asien) und schließlich Mariinsky V (in Gergievs Heimatstadt Vladikavkaz). Der Betrieb dieser Bühnen kostet Geld…

Zum Bericht von Sune Manninen

Ungerecht, tendenziös will ich natürlich auch nicht sein. Nach dem gestrigen Verriss veröffentliche ich heute eine gegenteilige Meinung über Romeo Castelluccis Brüsseler „Zauberflöte

Romeo Castellucci verblüfft mit radikaler „Zauberflöte“ in Brüssel
Der italienische Regisseur räumt auch das letzte Vorurteil aus, dass die „Zauberflöte“ eigentlich eine Oper für Kinder ist
Der Standard

Wiener Festwochen: Fünf Bewerber für Intendanz ab 2020
Ausschließlich männliche Bewerber, vier davon international – derstandard.at/2000087972964/Wiener-Festwochen-Fuenf-Bewerber-fuer-Intendanz-ab-2020
Der Standard

Die Sache ist eigentlich durch, der amtierende Intendant wurde von einer anderen Aufgabe abgeworben und rechnet natürlich fest damit, dass er auch Intendant bleibt. Sicher wird es diesbezügliche Zusagen geben. Es wundert mich, dass sich überhaupt vier zusätzliche Bewerber gefunden haben, die eine aussichtlose Bewerbung abgaben. Das erinnert mich an „Wir brauchen Gegenangebote, natürlich schlechtere“ aus meiner Berufszeit.

Erste Details zum Traditions-Konzert „Christmas in Vienna“ präsentiert
Mit den Wiener Sängerknaben, der Wiener Singakademie und dem ORF Radio Symphonieorchester treten als Solisten diesmal Valentina Nafornita, Angela Denoke, Dmitry Korchak und Adrian Eröd auf. Alle gemeinsam werden den erstmals von Christian Arming dirigierten Abend im Großen Saal des Wiener Konzerthauses laut vorläufigem Programm mit “We shall overcome” in einem Arrangement von Christian Kolonovits einläuten.
Vienna.at

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Slasher / Horror-Filme gibt es genug, sie werden meist mit zweit- und drittrangigen Besetzungen billig produziert und spielen, da sie ein eigenes Publikum haben, immer ihr Geld ein. Dass ein Film dieser Art, der sich auch als solcher deklariert, bei Festivals (Sundance, Cannes) und bei der Kritik reüssiert, ist selten. Was hat Panos Cosmatos, der kanadische Regisseur griechisch-italienischer Abstammung, also anders gemacht?

Nun vor allem das Formale – er geht im Ausreizen von Effekten und vor allem von Lichtspielen (die Szene ist in gewissen Momenten ganz in Gelb, Grün, Lila u.a. getaucht) sehr weit, aber es ist immer sehr „stylish“, quasi überhöht, macht die Blutorgie wenn schon nicht zum Kunstwerk, so doch zum Kunststück.

Auch wird da eine Geschichte erzählt, die zwar im Grunde die übliche ist, die aber einen spürbar wahren Kern hat. Und sie beginnt, wie dergleichen beginnen muss, wenn es ganz grauslich sein soll – als Idylle. Da erlebt man Red und Mandy als Paar, das offenbar harmonisch in seiner Waldhütte lebt. Freilich, wenn sie so durch den Wald streift, dann sieht sie etwas seltsam drein (Andrea Riseborough hat alles andere als ein Durchschnittsgesicht und kann das ausgezeichnet), auf Englisch würde man das als „psychic“ bezeichnen… Ob der Wald in psychedelischen Farben leuchtet, weil sie ihn so sieht oder weil wir schon in der Wunderwelt des Horrorkinos sind – wer weiß. Die Musik flirrt jedenfalls höchst geheimnisvoll im Hintergrund…

Haben Sie einen schönen Tag!

A.C.

 

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