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25. JULI 2018

25.07.2018 | Tageskommentar

Bayreuth: Nächstes Jahr sensationelles Doppeldebüt: Valery Gergiev und Anna Netrebko

Valery Gergiev wird im nächsten Jahr die Bayreuther Festspiel-Eröffnungsproduktion „Tannhäuser“ musikalisch leiten. Die Inszenierung wird in den Händen von Tobias Kratzer liegen. Stephen Gould ist für die Titelrolle vorgesehen.

Im nächstjährigen „Lohengrin“ (Premiere der Neuinszenierung ist heute) soll Anna Netrebko in zwei Vorstellungen die „Elsa“ singen. Ich gehe davon aus, dass Anja Harteros auch im nächsten Festspielsommer als „Elsa“ engagiert ist, die beiden Sopranstars sich diese Rolle gewissermaßen teilen. Dahinter könnte auch eine Art „Versicherung“, verursacht durch das heurige Alagna-Desaster, stecken.

Auf jeden Fall wartete Katharina Wagner bei der Pressekonferenz am Dienstag mit diesen Besetzungsüberraschungen auf.

Nichts wollte die Festspielchefin zu Gerüchten um Tatjana Gürbaca als Ring-Regisseurin (2020) sagen. Es gibt ein Gerücht, dass angeblich vier Regisseurinnen je einen Ring-Teil inszenieren, darunter auch die Chefin selbst. Frauen-Power also in Bayreuth beim wohl wichtigsten Projekt der nächsten Jahre

Valery Gergiev dirigiert nächstes Jahr in Bayreuth
Der russische Maestro Valery Gergiev wird im kommenden Jahr bei den Bayreuther Festspielen die neue „Tannhäuser“-Inszenierung dirigieren. Das sagte Festivalchefin Katharina Wagner am Dienstag in Bayreuth. Regie wird Tobias Kratzer führen, die Titelpartie singt Stephen Gould. Er tritt in diesem Jahr als Tristan bei den Richard-Wagner-Festspielen auf, die an diesem Mittwoch beginnen: Dann feiert die Neuinszenierung der Oper „Lohengrin“ Premiere. Gergiev ist Chefdirigent der Münchner Philharmoniker und leitet das Mariinsky Theater in St. Petersburg. Wer 2020 für die Neuproduktion des vierteiligen Mammutwerks „Ring des Nibelungen“ verantwortlich sein wird, ließ Wagner noch offen
Sueddeutsche Zeitung

Bayreuth 2019: Netrebko und Gergiev am Grünen Hügel
Anna Netrebko als Elsa für zwei Vorstellungen und Valery Gergiev als Dirigent der neuen „Tannhäuser“-Produktion: Die Bayreuther Festspiele setzen im kommenden Jahr auf zwei Klassik-Stars aus Russland. Netrebko werde in zwei Aufführungen der Richard-Wagner-Oper „Lohengrin“ die Partie der Elsa übernehmen, teilten die Festspiele am Dienstag mit. Schon lange war über ein Engagement Netrebkos am Grünen Hügel spekuliert worden. Die Sängerin debütierte vor zwei Jahren in Dresden als Elsa.
Sueddeutsche Zeitung

Bayreuth
Es gibt noch Tickets für Wagner – aber das Festival bleibt „überbucht“
… und Valery Gergiev und Anna Netrebko gastieren 2019: Letzte Neuigkeiten vom Grünen Hügel vor der Saisonpremiere am Mittwoch mit „Lohengrin“
Tagesspiegel

Erste Nachtkritik

„Lohengrin“ mit Blitz, Rauch und Donner
Mit einer Neu-Inszenierung der Wagner-Oper „Lohengrin“ haben am Mittwochabend die Bayreuther Festspiele begonnen. Unserem Kritiker gefiel einiges nicht so recht.
rp-online

Heinrich Schramm-Schiessl fasst die Publikumsreaktion nach der Premiere zusammen: Publikumsreaktion am Ende (BR-Klassik): Jubel für die Sänger, besonders Harteros und Beczala, Thielemann und auch für das Regieteam – keine Buhs.

Angela Merkel erscheint in Begleitung des Niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte und des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Foto: Facebook

Was tut man nicht alles, um mit den Bayreuth-Besuchern mitzuleiden? Man geht zum Lohengrin-schauen in das Schlosstheater Münster. Sigi Brockmann berichtet:

Keine Klimaanlage im Schlosstheater Münster !bayreuth feeling! In diesem Sinne grüßt Sigi Brockmann

Aber bleiben wir bei der heutigen Festspielpremiere „Lohengrin“

 

Natürlich beginnt die Premiere traditionsgemäß um 16 h (zuvor der Aufmarsch der Pfaue auf dem Roten Teppich), in den Kinos startet man aber erst um 18 h

ZUR LISTE DER TEILNEHMENDEN KINOS

Wenn ich richtig gelesen habe, zeigt in Wien nur das UCI in der Wehlistrasse die Festspielpremiere.

SKY streamt (kostenpflichtig),BR-Klassik streamt (kostenlos, jedenfalls bei Nutzern mit Flatrate); hier der Link:

https://www.br-klassik.de/concert/ausstrahlung-1485790.html

Ich bezweifle, dass dieser Stream auch in Österreich zu empfangen ist. Im Vorjahr harrte ich vergebens vor dem Bildschirm, als der Stream begann, war Österreich out.

„Lohengrin2“ aus unserem Forum weiß warum: Die Rechte für Fernsehübertragungen / Streamings werden nach Reichweite berechnet und die ist nun mal an die (öffentlich rechtlichen) Fernsehanstalten gebunden. BR heisst Bayerischer Rundfunk als Teil der ARD; somit BRD.

Da kann man als Österreicher offenbar nichts dagegen tun!

Mit dieser Inflation an Kino, Stream und TV-Übertragung geht etwas vom „Mythos Bayreuth“ verloren. Früher, in meiner Jugend, war Bayreuth etwas Elitäres, das ich unbedingt besuchen wollte – und das für mich unerreichbar blieb. Heute schau ich mir womöglich nicht einmal die TV-Übertragung an (28.7. um 20,15 h) an . Meine Tochter hat an diesem Tag einen sehr runden Geburtstag und der geht allemal vor!

Das sollten Sie vor der heutigen Festspieleröffnung noch wissen:

Bayreuth
„Etwas zwischen Menschen und Motten“: Bayreuths neuer „Lohengrin“
Ein Ausweg wäre: mehr Opern herausbringen. So wie die Salzburger, bei denen es kaum auffällt, wenn mal zwei, drei Beteiligte einer ihrer vielen Neuproduktionen ersetzt werden müssen. Die Bayreuther kämpften für diesen Sommer mit drei Personalfragen, dummerweise bei ein und demselben Stück, beim „Lohengrin“; Premiere ist an diesem Mittwoch zum Festspielstart
Münchner Merkur
„Lohengrin“-Regisseur Sharon: „Ich liebe dieses Stück“
Berlin (MH) – Der Regisseur der diesjährigen „Lohengrin“-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen, Yuval Sharon (39), hat eine Vorliebe für den Komponisten der Oper, Richard Wagner. „Er ist immer noch revolutionär für mich“, sagte der gebürtige Chicagoer im Interview mit der in Berlin erscheinenden Tageszeitung „neues deutschland“ (Mittwoch)
Musik heute

Bayreuth
Bilder, Stimmen und Gedanken
Die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth werden an diesem Mittwoch mit dem „Lohengrin“ eröffnet. Wird das Bühnenbild des Star-Künstlers Neo Rauch den Unterschied machen?
Sueddeutsche Zeitung

BR-Klassik streamt „Lohengrin“
https://www.br-klassik.de/concert/ausstrahlung-1485790.html

Tomasz Konieczny: „Bayreuth ist ein Traum für einen Wagnersänger“
Der polnische Bassbariton hat schon so einige Partien in deutschen Opern gemeistert – auch große Wagner-Rollen. In Bayreuth singt er dieses Jahr allerdings zum ersten und, wie er sagt, hoffentlich nicht zum letzten Mal.
https://www.dw.com/de/tomasz-konieczny-bayreuth-ist-ein-traum

München: Premiere „Orlando Paladino“ von Joseph Haydn im Prinzregententheater. Szenisch verblödelt?

„Orlando Paladino“. Copyright: Wilfried Hösl

Tim Theo Tinn in seiner Premierenbesprechung:

Wieder unter völliger Ignoranz der Vorlage will die szenische Deutung nur albern bespaßen, in unfertigem Ergebnis. Vorlagenignoranz dürfte an der Bayerischen Staatsoper programmatisch und nicht experimentell sein, da dies häufig aktuelles Repertoire ist…

Geboten wurde eine Horde psychopathischer Vollidioten, die in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Kino besetzen und dort ihre Persönlichkeitsspaltungen und sonstigen Psychosen ausleben. Beim Humor wurde durchgehend auf schenkelklopfende Schadenfreude gesetzt, die Figuren der Lächerlichkeit preisgegeben…

Musikalisch war freilich Weltklasse angesagt:  Das Orchester unter Ivor Bolton ist der Star des Abends. Extrasensorisches (über sinnliche Wahrnehmung hinausgehend) wird beschworen.

Die Sänger setzen sich mutig und bedingungslos ein. Kriterien des Rezensenten für sängerische Qualität sind besonders Timbre, Registerwechsel, Legato, Diminuendo, Piano, hier auch Parlando. Die Bayerische Staatsoper ist ein Haus absoluter Weltklasse, nach Rezensenten-Eindruck mit der derzeitigen Leitung von Nikolaus Bachler und Kirill Petrenko weltführend, so ist auch diese Besetzung. Einzelwürdigungen können nur zur Wiederholung führen.

Zum Bericht von Tim Theo Tinn

Andere Rezensionen:

Haydn mit Popcorn: Ein großer Abend im Opern-Kino
Münchener Opernfestspiele: Axel Ranisch bringt bei „Orlando Paladino“ zwei Genres phänomenal zusammen.
Kurier
Applaus für selten gespielte Haydn-Oper in München
München – Mit der Premiere der selten gespielten Tragikomödie „Orlando Paladino“ von Joseph Haydn haben die Münchner Opernfestspiele am Montagabend im Prinzregententheater einen weiteren Höhepunkt erlebt. Der junge Filmregisseur Axel Ranisch verwandelte die ursprünglich im Mittelalter angesiedelte Handlung um die begehrte Geliebte Angelica in einen Stummfilm, der zeitweise als eigener Strang neben dem tatsächlichen Bühnengeschehen lief. Zudem kreierte er eine Art Nebenhandlung, bei der das fiktive Kinobetreiber-Ehepaar Gabi und Heiko Herz seine Liebe zu jeweils anderen Partnern ausleben darf.
Musik heute

Burgenland: Die Haydntage fallen heuer aus
29 Jahre lang fanden die Haydntage jeden Spätsommer im Burgenland statt. Heuer werden sie pausieren – und die Zukunft ist ungewiss. Intendant Dr. Walter Reicher bestätigt dies auf Anfrage der „Wiener Zeitung“. Die Landesregierung, bisher Unterstützer der Konzertreihe, sei auf Distanz gegangen. Helmut Bieler, Kulturlandesrat bis Dezember 2017, habe keinen Subventionsbeschluss mehr für die Zukunft getroffen, Nachfolger Hans Peter Doskozil (beide SPÖ) auch nichts entschieden. Reicher, Intendant seit 1988 und bis 2020 unter Vertrag, habe die heurige Ausgabe darum ausfallen lassen. An sich steht das Festival den Subventionstöpfen denkbar nah: Betreiber ist der Verein Burgenländische Haydnfestspiele, gegründet von der Stadt Eisenstadt und Land Burgenland.
Wiener Zeitung

Ich habe diese leidige Angelegenheit in den letzten Jahren scharf beobachtet und auch mehrmals meine Meinung dazu geäußert.  Dr. Reicher von den Haydn-Tagen hat voll auf die Politik und anscheinend auf das falsche Pferd gesetzt. Man braucht kein Akademiker zu sein, um zu wissen, dass die Haydn-Tage als Spielball zwischen dem Land Burgenland und der das Schloss besitzenden Esterhazy-Verwaltung gebraucht wurden.  Nun haben sich die Kontrahenten versöhnt (zumindest ausgesprochen, heiraten werden sie wohl kaum), und die Haydn-Tage haben ihre Schuldigkeit getan. Politiker tun das, was sie in so einem Fall immer tun – sie gehen auf Tauchstation. Außerdem war immer klar, dass die Esterhazy-Verwaltung für das Land ein wichtigerer Partner ist als die Haydn-Tage, die am Subventionstropf hängen. Ich kenne die Situation nicht im Detail, aber ohne einen“Canossagang“ wird es wohl nicht weitergehen.

Salzburger „Jedermann“

Marginal bis formidabel: Kritiken zum „Jedermann“
Die Kritiken der im zweiten Jahr überarbeiteten „Jedermann“-Inszenierung von Michael Sturminger sind großteils wohlwollend, mitunter aber auch wenig begeistert. Im Folgenden eine Auswahl an Pressestimmen.
Kleine Zeitung

Ich bleibe dabei, ein Jedermann abseits des Salzburger Domplatzes entzieht sich der Kritik. Was heißt „großteils wohlwollend“? Wohlwollend sein heißt, jemanden zu schonen. Zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass sich Herr Sturminger nun nicht mehr auf die überraschende Situation und dem dadurch bedingten Schnellschuß des Vorjahres ausreden kann. Der große Wurf ist scheinbar auch heuer nicht geglückt.

Happy Birthday: ORF-Kulturmoderatorin Barbara Rett wird 65
Kurier

Filme der Woche

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Keine Frage, dass gerade Frankreich eine Nation ist, die sich besonders mit multi-kultureller und multi-religiöser Problematik konfrontiert findet. Man versucht da gerne, im Kino komödiantisch Spannungen abzubauen und Good Will zu verbreiten. Der konservativ-französische Monsieur Claude, der auf der Kinoleinwand einen jüdischen, einen islamischen und (als Draufgabe) noch einen schwarzafrikanischen Schwiegersohn bekam und im Heimatland und dem Rest der Welt Millionen einspielte, war ein Beispiel dafür, dass es (zumindest an den Kinokassen – an sich war das Lustspielchen herzlich primitiv) gut ausgehen kann.

Der französische Komödiant Fabrice Eboué mit Migrationswurzeln hat sich in seinem Heimatland als scharfzüngiger Entertainer und als Filmemacher rund um Rassenprobleme einen Namen gemacht. Der religiöse Mix, den er sich für einen Film „Ein Lied in Gottes Ohr“ ausgedacht hat, hätte sogar vielversprechend geklungen. „Coexister“ – also nebeneinander existieren – ist der hoffnungsvolle Originaltitel, und man wäre bereit, jegliche Witze um einen Priester, einen Rabbi und einen Iman zu dulden, wenn die Sache halbwegs auf Niveau abgehandelt würde. Aber das ist leider so gar nicht der Fall, dass man kann die Verschleuderung des Themas nur tief bedauern kann…

Mesut Özil und die Staatskrise

Dass sich das Theater rund um das Missmanagement des DFB um einen Fußballer zu Staatskrise ausweiten könnte, hätte ich nie für möglich gehalten. Für mich ist schlimm, dass sowohl der DFB-Präsident wie auch Bundestrainer Löw noch im Amt sind.

Die „Frankfurter Allgemeine“ schreibt das, was ich mirdenke, jedoch nie zu schreiben gewagt hätte: Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Verfolgungswahn. Der Deutsche Fußball-Bund hat im Fall Özil wahrlich kein gutes Bild abgegeben. Der Spieler darf nicht zum Sündenbock für eine verkorkste WM gemacht werden, er hat auch rassistische Schmähungen erfahren; der einzige deutsche Satz in seiner englischsprachigen Botschaft gibt eine solche Beleidigung wieder. Doch der Rassismus-Vorwurf ist absurd. Özil ist nicht für seine Herkunft, sondern für sein Verhalten kritisiert worden. Dass er in seinem öffentlichen Umgang mit Erdogan weiterhin keinen Fehler sehen will, zeigt: Özil gehört nicht in die deutsche Nationalmannschaft.“

Erdogan zu Özil: „Seine Haltung ist komplett patriotisch“
„Rassistische Haltung“ gegenüber Özil sei „nicht hinnehmbar“, den Rücktritt des Fußballers begrüßt Erdogan.
Kurier
„Özil ist der Inbegriff des Migranten, der nicht reinpasst“

Reaktionen der internationalen Presse nach dem Rückzug von Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft.
Kurier
Der Fall Özil legt die groteske Wirkmacht des Sports offen

Das Milliardengeschäft verleiht Athleten eine unangebrachte Rolle in der Gesellschaft. Das macht aus ihren Dummheiten aber keine Staatsaffären.
Die Presse

Jetzt wollen wir aber nicht übertreiben. Wenn das Deutschlands größte Sorge ist, dann gratuliere ich!

Einen schönen Tag wünscht

A.C.

 

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