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16. MAI 2020 – Samstag

16.05.2020 | Tageskommentar

Arthur Schopenhauer: „Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir widerspruchslos hinnehmen.“ (A. Schopenhauer)

„Der Rücktritt von Staatssekretärin Ulrike Lunacek und die darauffolgende Pressekonferenz von Vizekanzler Kogler sowie Gesundheitsminister Anschober festigt das Bild eines voll besetzten Flugzeuges, das aufgrund von Turbulenzen nicht mehr mittels Autopiloten geflogen werden kann. Umso katastrophaler, wenn sich herausstellt, dass der handelnde Pilot gar keinen Flugschein besitzt.“

Die Worte stammen nicht von mir, sondern von Florian Krumpöck, Pianist, Dirigent und Intendant des Kultur.Sommer.Semmering. Parteipolitisch sind sie offenbar nicht gemeint, sondern der Intendant regt die Bildung eines ÜBERPARTEILICHEN UND UNABHÄHNGIGEN EXPERTEN-MINISTERIUM FÜR KUNST UND KULTUR an.

Wie das funktionieren soll, ist freilich unklar. Viele Kulturschaffende haben sich bereits politisch positioniert und sich dafür – wie eben unter Künstlern üblich, eine Bühne gesucht. Also sind sie nicht überparteilich und schon gar nicht unabhägig.

Dass es mit den bisherigen Protagonisten nicht weitergehen kann, ist klar. Mit dem Rücktritt der Frau Mag. Lunacek ist nämlich für die Künstler noch gar nichts gewonnen. Es kommt darauf an, wer ihr nachfolgt. Die Staatssekretärin konnte gar nicht viel anders machen, sie war weisungsgebunden, steht gültigen Verträgen machtlos gegenüber – und trotz aller zur Schau gestellter Theaterferne (ich schreibe bewusst nicht Kulturferne), die sich mit Ausdrücken wie „Training“ für Proben, „Trainer“ für Dirigent und Regisseur“ etc.  offenbarte, hat sie immer noch mehr Bezug zur Kultur als ihr direkter Vorgesetzter. Die Besetzung war eine eklatante Fehlbesetzung. Zitat Krumpöck: Umso katastrophaler, wenn sich herausstellt, dass der handelnde Pilot gar keinen Flugschein besitzt.“

Die Künstler haben mit dieser Regierung nicht das große Los gezogen, anderseits ist eine Regierung nicht dazu da, nach Kriterien der Künstler aufgestellt zu werden. Wie man so gehört hat,ist der Außenminister das einzige Regierungsmitglied, das einen Bezug zu Kunst und Kultur hat. Aber da offenbart sich bereits das Problem. Erstens ist das Außenamt so wichtig, dass man keinen „Nebenjob“ dazunehmen kann, zweitens sind Kunst und Kultur keine Nebenjobs. Weiters ist der Außenminister keine Frau – und eine Frau als Nachfolgerin hat die scheidende Staatssekretärin gewissermaßen noch rasch verfügt – und er ist auch kein „Grüner“. Vielleicht sind die „Grünen“ aber froh, wenn sie diesen Klotz am Bein loswerden. Legendärer „Grüne-Spruch“ (wenn er nicht wahr ist, so ist er zumindest gut erfunden): „Wozu brauchen wir Konzertsäle und Opernhäuser, die CD ist doch schon erfunden“.

Ob jetzt die Frau Mag. Blimlinger die Kulturagenden ausüben wird? Die hat in der Lunacek-Diskussion Charakter gezeigt, und zwar einen, der sie nicht unbedingt sympathisch und beliebt -auch bzw. gerade in den eigenen Reihen –  macht! Wie überhaupt Fr. Mag. Lunacek nicht von kulturfernen „Blauen“ abgeschossen wurde, sondern von Vertretern der sogenannten Gutmensch-Fraktion.

Sehr hilfreich sind die neuen Lockerungen ja auch nicht – eher verwirrend. Für die Bregenzer Festspiele ist aber klar, dass sie selbst mit den gelockerten Maßnahmen nicht stattfinden können – andernfalls man nach Saisonende Insolvenz anmelden müsste!

Es darf gelacht werden: Österreich: Kultur: Ab 29. Mai bis zu 100 Besucher möglich, Kinos ab 1. Juli offen
Kogler und Anschober: Ab 1. Juli Veranstaltungen bis zu 250 Besucher, ab 1. August unter Auflagen bis zu 1000 Besucher.
Kurier

Bregenzer Festspiele abgesagt
Die Corona-Abstandsregeln und Höchstgrenzen für Zuseher bei Kulturereignissen machen das Großereignis unrentabel und haben es erstmals seit der Gründung 1946 gekippt. Hotels in Vorarlberg angeblich in Insolvenzgefahr.
http://www.diepresse.com/5814221/bregenzer-festspiele-abgesagt

Abgespeckte Version: „Modifizierte Salzburger Festspiele scheinen möglich“
Im August soll es dennoch die „Jedermann“-Aufführungen geben. Das große Jubiläumsprogramm wird allerdings auf 2021 verschoben
Standard

Salzburger Festspiele mit Rumpfprogramm
Wiener Zeitung

Salzburg: Gesichert scheint der Jedermann, ein intellektuell sehr umstrittenes Stück. Aufzuführen wäre es nur auf dem Domplatz. Wenn es zu regnen beginnt – und der Salzburger Schnürlregen ist berühmt – , könnte die Regierung nach dem Vorbild des Wiener Bürgermeisters Gastronomiegutscheine für alle Kartenkäufer ausstellen, damit sie in die Gourmet-Tempel flüchten können. Damit wäre zumindest diese wichtige Branche einmal zufrieden gestellt. Den „Jedermann könnte an auch rund um die Uhr ansetzen. Oper konzertant „outdoor“? Boris Godunow fällt da wohl flach, weil zuviel Chor auf der Bühne. „Elektra“ ginge wohl, aber die will man sich wohl für eine Bühnenadaption aufheben. „Netrebko“, wie die Oper wohl heissen wird,  geht immer und überall. Also ich bin gespannt!

DIE ERSTE INDOOR-KULTUR-VERANSTALTUNG MIT PUBLIKUM  „NACH VORSCHRIFT“ AM FREITAG BEIM ONLINE-MERKER

Weltstar Günther Groissböck gab uns die Ehre und kämpfte dabei gleichzeitig für seine Berufskollegen!

Günther Groissböck, begleitet von Univ. Prof. Dr. Alexandra Goloubitskaia (auch mit Maske) gab einen eineinhalbstündigen Liederabend. Das Pubikum, zahlenmäßig exakt nach Vorschrift, trug brav während des Konzerts den Mundschutz. Foto: Dr. Markus Vasek

Foto: Anneliese Gottwald

„Wotans Abschied“ in der Merker-Galerie – eine Sensation. Foto: Hiltrud Zehrl

Montag ist Günther Groissböck „Bannbrecher“ im Staatstheater Wiesbaden – mit eben diesem Programm. Die „Szene“ ist ausgehungert, Medienprominenz hat sich angesagt!

ES TUT SICH WAS!

 Unsere Online-Galerie steht Künstlern für Veranstaltungen kostenlos zur Verfügung!

Kultur und Coronakrise: Beruhigung mit der Gießkanne
Münchner Abendzeitung

Das System kenne ich von wo. Was Kultur betrifft, ähneln die Herren Söder und Kogler einander!

„Oper Frankfurt zuhause“ wächst und wächst
Frankfurt Rundschau

Unter www.oper-frankfurt.de/zuhause werden baldmöglichst auch weitere Termine innerhalb dieses Formats angekündigt; so z.B. das ab Dienstag, dem 19. Mai 2020, um 19.00 Uhr geplante Streaming des aktuellen Frankfurter Ring des Nibelungen (Musikalische Leitung: Sebastian Weigle; Inszenierung: Vera Nemirova) aus den Jahren 2010 bis 2012, flankiert von einem „Making-of“ und einem Talk zur Produktion.

Keine artgerechte Haltung für Opernsänger

Copyright: KS. Benedikt Kobel

Wien
Ballett im Homeoffice: So trainieren die Staatsoperntänzer zu Hause
Davide Dato, Maria Yakovleva, Olga Esina und Co. verraten ihre Trainingspläne und was sie am meisten vermissen.
Kurier

Berlin
Vorwürfe gegen Leitung. Clearingstelle: Ballettschule ist hierarchisches System
Nach der Expertenkommission hat auch die Clearingstelle für Einzelfälle einen Zwischenbericht zur Staatlichen Ballettschule Berlin vorgelegt.
Berliner Zeitung

Vorsicht, das betrifft Berlin. Weil Wien seinen Ballettskandal hatte, muss Berlin da wohl mithalten!

Sprechtheater. Zur Zukunft des Theaters: Die Lage ist dramatisch – machen wir ein Drama daraus!
Sueddeutsche Zeitung

Amateur- oder Profitheater?
Wie ist das doch gleich mit dem Verursachen von Menschenaufläufen? Wenn Kabarettisten, Sänger und anderes Kultur-Gelichter die Szene betritt, ist Publikum nicht weit – und damit steigt die Ansteckungsgefahr bekanntlich ins Unermessliche. Drum darf man sich wohl seit einem Monat in Baumärkten und Gartencentern drängen, aber selbst die allerkleinste Kleinbühne muss dicht halten. Mit Politikern ist’s ganz was anderes. Die gelten wahrscheinlich als Laiendarsteller und dürfen deshalb seit Anfang Mai, so wie wir alle, wieder frei herumlaufen. Das geht, solange sie nicht Teil eines Amateurtheater-Ensembles sind. Dann griffe wieder die Zehn-Personen-Bestimmung.
DrehpunktKultur

ONLINE-Merker INTERNATIONAL: MARYNA LOPEZ SINGT IM WIENERWALD DIE URAINISCHE HYMNE!

 

„Der Wegscheider“ hoch aktiv: ServusTV holt sich Champions League, Europa League und die Europa Conference League ab 2021
Dem Salzburger Privatsender ServusTV ist ein Rechte-Coup gelungen: Ab 2021 laufen dort live die UEFA Champions League, die Europa League und die neue Europa Conference League
Kurier

„Servus TV“-Intendant Dr. Ferdinand Wegscheider diesmal nicht Analyst der Staatssituation, sondern als cleverer Intendant. Beim Fußball (zu dem sich, was Publikumsgunst betrifft, Oper und Theater wohl nicht dazustellen können, bremst er die Konkurrenz aus!. Foto: Servus TV

Das ist es eben: Servus TV und der Online-Merker sind nicht nur unabhängig, sondern tun etwas, während die Konkurrenz noch in der Pendeluhr schläft.

Leider sind die Mittel ungleich verteilt. Wäre ich der Herr Mateschitz, würde ich ein Offert für die Staatsoper legen – und spiele dann selbst Direktor!

Einen schönen Samstag wünscht

A.C.

 

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