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24. NOVEMBER 2018

24.11.2018 | Tageskommentar

Otello Jonas Kaufmann
Otello-Premiere in München: Jonas Kaufmann, Anja Harteros, Copyright: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Der Blogger Anton Schlatz aus Berlin liefert uns die erste Kritik: Jonas Kaufmann als Otello. Es ist nicht Kaufmanns Rolle, wird es nie sein. Zahlreich sind jene Stellen, die man stirnrunzelnd hört, seltener die Passagen glückenden Verdi-Gesangs.

Kaufmann hat keine Otello-Stimme. Im grausam exponierten Esultate reißt Jonas Kaufmann nicht mit. Die Proklamation hat weder artikulatorische Dichte noch rhetorische Wucht. Die Wut von Abbasso le spade! (Akt 1, als Cassio knülle ist) klingt bemüht. Die Sangue-Rufe sind indiskutabel. Das Addio ist eine Ruine…

Auf der Habenseite stehen die Ausbrüche der Eifersucht und Wut in Akt 3, die sämtlich Saft haben. Das gilt auch für den Fluch. Dio mi potevi wieder mehr hervorgestoßen als gesungen wechselt manieriert zwischen Falsett und Vollstimme, ist in der expressiven Dichte aber packend. Auch Niun mi tema (im Angesicht der erdrosselten Desdemona) ist wieder hohe Ausdruckskunst.

Opern und Konzertkritik Berlin/ Der Klassik-Blog

Szenenbild aus "Otello" von Verdi mit Jonas Kaufmann in der Hauptrolle an der Bayerischen Staatsoper | Bildquelle: © W. Hösl
Jonas Kaufmann, Anja Harteros. Copyright: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Susanne Kittel-May in ihrem Kurzbericht (offiziell akkreditiert ist sie erst für die zweite Vorstellung): Jonas Kaufmann darf den gebieterischen Feldherrn nur kurz aufblitzen lassen, im „Esultate“ und bei „Abasso le spade“, hier aber mit großer Strahlkraft, ansonsten stellt er den von Selbstzweifeln gequälten, im tiefsten Inneren unsicheren Mann mit erschreckender Glaubhaftigkeit dar, auch in der Stimme…

Zum Kurzbericht von Susanne Kittel-May

Weitere Berichte

Kritik – „Otello“ an der Bayerischen Staatsoper: Innige Töne und ein Elementarereignis

Im Juni 2017 debütierte Jonas Kaufmann in London als Otello in Giuseppe Verdis gleichnamiger Oper, jetzt singt der 49-jährige Startenor die mörderische Partie in einer Neuproduktion der Bayerischen Staatsoper – mit heldischer Kraft und hauchzarten Tönen.
https://www.br-klassik.de/index.html

Wiener Staatsoper: Heute Stream  Ballett SYLVIA (19,30 h)

Bildergebnis für wiener staatsoper sylvia
Denys Cherevychko, Nikisha Fogo. Copyright; Wiener Staatsballett/ Ashley Taylor

https://www.staatsoperlive.com/de/

Wiener Staatsoper (und Burgtheater: Christian Kern freut sich auf „politische Aufführungen“

Soeben gehört (16 h). Christian Kern bedankt sich in seiner Abschiedsrede bei Thomas Drozda wörtlich für die Bestellung des Staatsoperndirektors und des Burgtheaterchefs und freut sich (Zitat wörtlich) auf „politische Aufführungen„.

Ist das mit Staatsoper 4.0 gemeint?

Wiener Konzerthaus in der Reihe Wien-modern: Einems „Kafka-Vertonung „Der Prozess“ konzertant

Einem-Oper „Der Prozess“: Die brisante Tradition

Gottfried von Einems Oper packend bei Wien Modern im Konzerthaus –
Der Standard
Ein veritables Festspielprojekt
Zum Gedenkjahr transferierte man die konzertante Produktion der Kafka-Oper „Der Prozess“ von Gottfried von Einem aus Salzburg nach Wien – das Publikum jubelte.
Die Presse
Im Geratter der Machtmaschine
Gottfried von Einems „Prozess“ in einer Modellaufführung, nun auch in Wien.
Wiener Zeitung

Premiere an der Staatsoper Berlin: „Hippolyte et Aricie“

Berlin/ Staatsoper
Olafur Eliasson inszeniert Oper
Hippolyte et Aricie“ feiert am Sonntag Premiere an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin.
https://www.sn.at/kultur/theater/olafur-eliasson-inszeniert-oper-61334482

Linzer Brucknerfest 2019 mit allen neun Bruckner-Sinfonien
Die Gesamtaufführung aller neun Sinfonien Anton Bruckners steht im Mittelpunkt des Internationalen Brucknerfestes Linz 2019. Das Programm des Festivals mit insgesamt 27 Konzerten zwischen Bruckners Geburtstag am 4. September und seinem Todestag am 11. Oktober wurde von Dietmar Kerschbaum, dem Intendanten des Linzer Brucknerhauses, am Freitag in Linz präsentiert.
Salzburger Nachrichten

Neuer Konzertsaal in Wien/ Penzing

GRACE BUMBRY IN WIEN MIT MEISTERKLASSEN – IM NEUEN „LORELEY-SAAL“

ABSCHLUSSVERANSTALTUNG AM 1.12.

KLANGKOLLEKTIV WIEN - Recording Session 2018 - CLICK FOR VIDEO
Copyright: P72 Betriebsgesellschaft

Grace Bumbry war dieser Tage mehrmals im ORF mit Gesangsklassen.

Am 1. Dezember 2018 – 11 Uhr vormittags werden die Abschlussstudenten singen.

Die Veranstaltung findet in einem für Wien anscheinend neuen Saal statt.

Der LORELY-Saal ist eine Event-Location in Wien 14, Penzinger Straße 72.

Der LORELY-Saal ist 300 m2 groß und 8 m hoch. Errichtet vor 120 Jahren befindet er sich heute wieder in einem prächtigem Zustand.

Ergänzt wird der Saal durch ein 100 m2 großes Foyer mit Bar, Garderobe und Toiletten. Für Catering stehen zusätzliche Räume zu Verfügung.

Aufgrund seiner besonderen Akustik ist der Saal hervorragend für akustische Aufnahmen geeignet.


Grace Bumbry im Loreley-Saal: Copyright: P72 Betriebsgesellschaft

P72 Betriebsgesellschaft
office@tremens.at
01 8130848

https://www.lorely-saal.at/

POTSDAMER WINTEROPER Händels „Theodora“ als Potsdamer Winteroper


Ruby Hughes als Theodora. Copyright: Stefan Gloede

In Österreich kennt man Kirchenopern in szenischer Form etwa vom Carinthischen Sommer her, durch hochkarätige (Ur) Aufführungen in der Stiftskirche Ossiach. In Brandenburg wird diese Tradition seit 2013 gepflegt. Hier dient die Potsdamer Friedenskirche im Schlosspark Sanssouci/Marylgarten als Aufführungsstätte musikdramatischer Werke mit biblischen Stoffen. Die architektonisch romanischen oberitalienischen Klosterbauten nachempfundene Säulenbasilika aus dem 19. Jahrhundert bildet für die Inszenierung des späten Händel-Oratoriums „Theodora“ den stimmungsvollen Rahmen. Bühnenbildner Matthias Müller, zugleich technischer Direktor am Hans-Otto-Theater, hat für die szenische Aufbereitung über das gesamte Kirchenschiff hinweg zentral einen gewaltigen Laufsteg in weißer Marmoroptik geschaffen. Das Publikum ist ähnlich einer Fashionshow rundherum platziert. Zuerst ist die Apsis noch mit rotem Tuch verhangen, erst im zweiten Teil werden Friedenstaube und Kreuz sowie das spektakulär schöne veneto-byzantinische Mosaik mit sitzendem Christus sichtbar.

 Sabine Hartmannshenn, die im September in Chemnitz ihre Regiearbeit von Wagners Siegfried erfolgreich abschließen konnte, hat sich für die Bebilderung und Personenregie für dieses statisch antikische Oratorium mit frühchristlichen Bezügen ein frech-zeitgenössisches Setting einfallen lassen…

Zum Bericht von Dr. Ingobert Waltenberger

Heißkeuschig: Händels „Theodora“ als Potsdamer Winteroper
Hier gilts dem Frommsinn!
Stupend, was den Homo sapiens aufzuheizen vermag: etwa glühende Märtyter-Schmonzetten. Erst recht, wenns um heiße Märtyrerinnen geht. Eine besonders glühende bietet die diesjährige Potsdamer Winteroper mit Georg Friedrich Händels Theodora von 1750. In der Friedenskirche am Eingang zum Park Sanssouci wird das Oratorium auf den scheinmarmornen Laufsteg geschickt. Und Bewegung ist sinnvoll, auch wenn die Temperaturen an Bord des Kirchenschiffs nicht so arg sind, wie der Name Winteroper verheißt.
https://hundert11.net/heisskeuschig/
Händels „Theodora“ bei der Potsdamer Winteroper: Wenn der Mob tobt
Die Potsdamer Winteroper feiert mit Händels szenischem Oratorium „Theodora“ Premiere. Musikalisch ein Genuss, aber warum stirbt die Heldin so früh?
Tagesspiegel

WIEN / Vestibül des Burgtheaters: TROPFEN AUF HEISSE STEINE von Rainer Werner Fassbinder
Premiere: 23. November 2018

Daniel Jesch (Leopold Bluhm), Stefanie Dvorak (Vera), Alina Fritsch (Anna Wolf), Christoph Radakovits (Franz Meister). Copyright: Burgtheater/ Georg Soulek

Nicht das Theater hat Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) berühmt gemacht, sondern der Film – bzw. sein Beitrag dazu, seine Fähigkeit, einer brüchigen, morbiden deutschen Gesellschaft blutig bis unter die Haut zu kriechen. In schmerzhaften, bösen, teilweise auch grandios schönen Filmen, in denen er eine eigene Schauspieler-Elite auf die Leinwand brachte.

Die meisten seiner eigenen Theaterstücke hat er selbst verfilmt – nicht hingegen das Frühwerk von 1966: „Tropfen auf heiße Steine“. Das kam überhaupt erst nach Fassbinders Tod 1985 auf die Bühne (da war er  berühmt genug, dass man alles von ihm spielen konnte), und es war der Franzose François Ozon, der es im Jahr 2000 verfilmt hat.

Nun kommt die Homosexuellen-Geschichte, die eine Beziehungstragödie ganz im Fassbinder-Stil ist und in seiner ganzen Exzentrik ausflippt, gleich mehrfach auf die Bühnen – das Deutsche Theater Berlin spielte das Stück im Vorjahr, das Burgtheater zieht nun nach, allerdings am Nebenschauplatz des Vestibüls: ein Vier-Personen-Stück, das an sich nur eine Zimmerdekoration braucht, ist dort leicht unterzubringen. Ob der Name Fassbinder dreieinhalb Jahrzehnte nach seinem Tod noch den Hautgout des Skandals hat, muss sich an der Kasse erweisen…

Zum Premierenbericht von Renate Wagner

Niederösterreich/ Theatersommer Haag 2019 erneut mit Shakespeare-Stück
Der Theatersommer Haag setzt 2019 erneut auf William Shakespeare. Auf dem Programm steht die Komödie „Maß für Maß“, bei der neben Intendant Christian Dolezal u.a. auch Angelika Niedetzky auf der Bühne stehen wird. Regie führt wie im Vorjahr Alexander Pschill, der von Kaja Dymnicki unterstützt wird. Die Sommerspiele Melk zeigen 2019 das Schauspiel „Babylon“, das Feridun Zaimoglu schreiben wird.
Salzburger Nachrichten

Graz lanciert Kulturjahr 2020 mit fünf Millionen Sonderbudget
Aufruf an Kulturschaffende zur Mitgestaltung, aber keine Bürgerbeteiligung.
Wiener Zeitung

Berlin: Friedrichstadt-Palast Intendant beklagt massiven Rassismus gegen seine Künstler
Berliner Zeitung

Dieser Artikel wirft für mich Rätsel auf. Wie kann  sich ein Theater sein Publikum aussuchen? Darf ein Theater Besucher wegen derer politischer Gesinnung ablehnen? Müssen die Besucher beim Betreten des Theaters ein politisches Bekenntnis ablegen?

Berndt Schmidt, der Friedrichstadt-Intendant,  hatte sich vor einem Jahr schon einmal in einem Brief an die Mitarbeiter Rassismus angeklagt und gegen AfD-Wähler angeschrieben. Das Theater werde sich künftig noch deutlicher als bisher von 20 oder 25 Prozent der potenziellen Kunden im Osten abgrenzen. „Ich will all deren Geld nicht“, schrieb er in dem Brief. Mit seinem Brandbrief hatte er heftigen Protest ausgelöst. Die AfD wollte daraufhin die Mittel für den Friedrichstadt-Palast kürzen. Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hingegen sah den Aufruf aus dem Friedrichstadt-Palast gegen AfD-Wähler als legitime Form der Meinungsäußerung. Berndt Schmidt hatte auch Morddrohungen für den AfD-Brandbrief erhalten… (Quelle: Berliner Zeitung)

Damit stellt der Herr Intendandt aber den Sinn von Theatern als Angebot zum Nachdenken, zur Änderung eventuell herrschender Vorurteile etc. völlig auf den Kopf. Wenn nur jene Leute in das Theater dürfen, die ohnedies der Aussage der Stücke nahestehen, wozu bedarf es dann des Theaters als „Meinungsbildungsinstitut“, wozu dann der Subventionen? Der Herr Schmidt scheint ein etwas seltsamer Intendant zu sein und wenig darüber nachzudenken, was eigentlich seine Aufgabe ist.

In Deutschland scheint es – wenn man diesen Artikel der „Berliner Zeitung“ als Grundlage nimmt, arg zuzugehen, jedenfalls weit ärger als in Österreich.

Ich wünsche einen schönen Samstag!

A.C.

 

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